Wir Ertrunkenen
Carsten Jensen erzählt von Menschen, deren Leben vom Meer bestimmt ist. Von Männern, die ihrer Sehnsucht nach Freiheit und Abenteuer folgen, und von Frauen, die dem Meer, das ihnen die Männer und die Söhne raubt, den Kampf ansagen. „Wir Ertrunkenen“ ist ein großes Buch über Liebe, Freundschaft, Verlust und Wahnsinn, voller Satanskerle, Glücksritter, Leichtmatrosen und starker Frauen.

Wow, was für ein Buch, was für ein gewaltiges Buch! 778 spannende Seiten!
Ich habe das Buch gelesen, nachdem wir in Dänemark und auf der Ostsee waren.
Ausgangspunkt für den Autor ist die kleine Stadt Marstal auf der dänischen Insel Ero, wo er selber aufgewachsen ist. Er will mit dem Roman die ethnische Herkunft der Dänen als Seefahrernation in Erinnerung rufen, weil die heutigen Dänen meinen, sie seien eine Bauernnation gewesen mit Wurzeln im Ackerboden. Er schreibt dazu in einem Nachwort:
Wir leiden an einem historischen Erinnerungsverlust. Ich sehe es als einen tragischen Erinnerungsverlust an, denn er tritt zu dem ungelegensten Zeitpunkt unserer Geschichte auf; einem Zeitpunkt, an dem uns eine Entwicklung, für die wir keinen anderen Begriff haben als ein Fremdwort – die Globalisierung – , in die Pflicht nimmt zu lernen, mit dem und mit den Fremden zu leben. Ob wir das wollen oder nicht.
Das konnte der Bauer nie. Er wusste kaum von der Existenz des Fremden, sondern blieb stattdessen auf seinem Grund und Boden. Der Seemann besuchte die Fremde. Er umarmte sie vielleicht nicht, aber stets nahm er von dort etwas mit nach Hause. Vor allem brachte er das Wissen mit, dass man die Dinge auf mehr als nur eine Weise tun konnte. Ein Seemann hatte nicht nur die tägliche Aussicht auf den weiten Horizont. er wusste auch, dass es auf der anderen Seite des Horizontes noch etwas gibt und dass es nicht notwendigerweise dasselbe sein muss wie hier. Der Bauer blickte nicht weiter als zu seiner Flurgrenze, sein Weltbild gründete sich auf einer kleinen Parzelle.
Daher ist der Seemann im Zeitalter der Globalisierung ein besserer Stammvater als der Bauer, und daher ist es tragisch, dass wir uns entschieden haben ihn zu vergessen.
Ins Netz gegangen
Kolumne im Bieler Tagblatt vom 18. August 2016

Die Gascogne ist eine ausgesprochen ländliche Region, geprägt von dünn besiedelten sanften Hügeln mit Einzelhöfen und kleinen Dörfern, dichten Hecken und lichten Eichenwäldern vor der imposanten Kulisse der Pyrenäenkette. Unser Wechsel vom hyperaktiven Bundeshaus auf einen abgelegenen Hof in der France profonde war wie ein Schritt zurück in die beschaulichen Fünfzigerjahre im Bernbiet.
Am Anfang hatten wir alle Hände voll zu tun, den stillgelegten Hof wieder in Schuss zu bringen. Wir haben Dächer erneuert, das Wohnhaus renoviert, Felder gerodet, Hecken geputzt und Gerümpel entsorgt, Maschinen angeschafft und die Wasser- und Stromversorgung erneuert. Bei so viel Arbeit fiel uns kaum auf, dass der tägliche Besuch der Briefträgerin oft unser einziger Kontakt zur Aussenwelt blieb. Natürlich gab es eine Telefonleitung mit Internet. Das lange Erdkabel war aber bei Drainagearbeiten so oft durchtrennt und anschliessend notdürftig zusammengeflickt worden, dass die Verbindung meist schlecht funktionierte. Und wenn wir stattdessen unsere Handys nutzen wollten, mussten wir zuerst fünfhundert Meter auf den nächsten Hügel steigen.
Wir können auch nach fünfzehn Jahren noch nicht behaupten, wir würden am Nabel der Welt wohnen. Doch die Zeit ist auch hier nicht stehen geblieben. Inzwischen ermöglichen neue Antennen einen meist stabilen Funkempfang für Handy und Internet. Wir schauen mehrmals am Tag in unsere mail-box und freuen uns, wenn wir dort ein paar Zeilen von Freunden oder ein Föteli von unsern Kindern und Enkeln finden. Skype, Twitter und Facebook gehören zum täglichen Brot. Unser Tun und Lassen halten wir regelmässig im auswandererblog.ch fest. Dank digitaler Medien bleiben wir auch als Ausgewanderte sowohl unserer Familie wie auch dem politischen Geschehen in der Schweiz ganz nah, hören und lesen wir doch fleissig Nachrichten im Netz und verpassen seit Einführung des E-voting keine eidgenössische oder kantonale Abstimmung mehr.
Kontakte halten über grosse Distanzen und informiert bleiben, das sind die positiven Seiten des Online-Zeitalters, die wir nicht mehr missen möchten. Nur auf die unschöne Seite dieser ständigen „Weltverbundenheit“ könnten wir leicht verzichten, nämlich auf die zunehmende sprachliche Verrohung, welche uns online immer öfter begegnet. Da wird manchmal hemmungslos polemisiert, beschimpft und gepöbelt. Die Schnelligkeit des Internet erleichtert die Verbreitung von Hass und Hetze. Da bleibt manchmal nur die Flucht aus dem Netz.
Stephanie und Ruedi Baumann
Auswanderergeschichten
Einer meiner Urgrossväter (Friedrich Christen, Lehnmüller, geb. 1867) wurde über 90 Jahre alt, so dass ich ihn selber gekannt habe. Im „Schweizer Bauer“ Nr.83, Seite 3, 1947 wurde mein Urgrossvater anlässlich seines achtzigsten Geburtstages ausführlich porträtiert und seine Herkunft und seinen Werdegang beschrieben.
Demnach kam sein Grossvater (also mein Urururgrossvater…;-) Johann Jakob Christen anfangs 1800 als Pächter auf die Oele in Suberg. Vier seiner Brüder wanderten nach der USA aus und verliessen um die gleiche Zeit das Stammhaus der Christen im Spiegelberg zu Grasswil, welches mit Schindeln gedeckt, unter dem Namen Christenhaus, zumindest 1947 noch bestand.
Leider haben sich die Spuren der vier Auswanderer in die USA verloren. Ob sie verarmt und verschollen sind oder ob sie Erfolg gehabt haben und sich integriert haben, wir wissen es nicht.
Sicher ist, sie gehörten zu den Wirtschaftsflüchtlingen aus der damals armen Schweiz. Die Überlieferung sagt, die „Habschaft eines jeden der Ausgezogenen habe in einem kleinen Reisebatzen und einem Nasenlumpen bestanden. Dagegen strotzten die Ausziehenden vor Initiative und Arbeitsfreude“.
Seither ist viel Zeit vergangen. Immer wieder sind Leute aus meiner Verwandtschaft ausgewandert: nach den USA, nach Norwegen, nach Frankreich…
Die Welt ist ein Dorf geworden.

https://auswandererblog.ch/2007/01/26/wurzeln-racines-roots/
100 Beste Schweizer Filme aller Zeiten
„Zum Beispiel Suberg“ liegt auf Rang 48 und reiht sich unter die besten 12 Filme in den letzten 5 Jahre ein! Ich gratuliere herzlich!
http://www.zumbeispielsuberg.ch
Rückblick…
… auf eine schöne Seefahrt!

Von Kopenhagen nach Oslo…

Warnemünde

Rostock

…windig…

… auf See…

nach Tallinn in Estland…

Sankt Petersburg

Helsinki am Hafen…

… und bei der Senatskirche

Stockholm vom Schiff aus…

Stockholm Altstadt

Inseln vor Stockholm

Grosser Belt in Dänemark…

… und zurück nach Kopenhagen.
Mein Leben, meine Freiheit
Die Autobiographie von Ayaan Hirsi Ali „Mein Leben, meine Freiheit“ hat mich sehr beeindruckt. Sie schreibt von ihrer Kindheit und Jugend in Somalia, Saudi-Arabien, Äthiopien und Kenia und ihrer Flucht von derZwangsheirat nach Europa. Sie berichtet von ihrer politischen Karriere in den Niederlanden, ihrer Abkehr vom Islam und ihrer Übersiedlung in die USA.
Ayaan Hirsi Ali ist eine Frau, die für die Rechte der muslimischen Frauen, für westliche Werte und für die Freiheit kämpft. Dafür zahlt sie einen hohen Preis.
Mich hat das Buch in meiner Überzeugung gestärkt, dass die Welt ohne Religionen eine viel bessere Welt sein könnte. Frauenfeindlicher Islam, männerdominierter, päpstlicher Katholizismus, engstirniger, autoritärer Evangelismus, gottesfürchtiger Unsinn hüben wie drüben… warum können die Menschen auf dieser Welt nicht einfach vernünftig zusammenleben?
Mani Matter
stumm
hei si gstimmt
aber was
si gstimmt hei
het nid gstumme
tumm hei si gstimmt
Heute wäre Mani Matter 80 geworden. Seine Texte und Lieder sind zeitlos!
Kolumne im Bieler Tagblatt
Das Bieler Tagblatt hatte eine Reihe von AuslandschweizerInnen als Kolumnisten verpflichtet. Wir werden in den nächsten Monaten regelmässig im BT über unser Auslandschweizer-Dasein berichten können. Wir freuen uns!

Südwest-Frankreich und im speziellen die Gascogne sind vielen Schweizern kaum ein Begriff. Touristen fahren nach Paris, in die Provence oder ans Mittelmeer in Südfrankreich. Selten jedoch verirren sich Schweizer in die «France profonde». Nicht nur kurz durchgefahren, sondern gleich dahin gezogen sind die beiden ehemaligen Nationalräte Ruedi (Grüne) und Stephanie Baumann (SP). Dass sie nach ihrer Zeit in der Politik weiterhin Bauern bleiben würden, war den Beiden von Anfang an klar. Ihren Hof in Suberg hatten sie jedoch an einen ihrer beiden Söhne verkauft. Es galt also, eine neue Farm zu suchen. Nach vier Jahren wurden Ruedi und Stephanie Baumann endlich fündig. Nicht im Seeland, sondern im Südwesten Frankreichs. «Da ist Bauernland zehn bis zwanzig Mal günstiger als in der Schweiz», sagt der 68-Jährige.
2001 verabschiedeten sie sich von ihren Kindern und Enkeln und bezogen ein Grundstück im französischen Traversères. Seit mittlerweile 15 Jahren betreiben die Baumanns dort einen mittelgrossen Bauernhof. «Die Region ist sehr dünn besiedelt und landwirtschaftlich von einzigartiger Schönheit», so Ruedi Baumann.
Er und seine Frau vermissen wenig an ihrer alten Heimat, abgesehen von der Familie. An Frankreich schätzen sie besonders, dass es Mitglied der Europäischen Union ist. Doch nicht nur das: «Land und Leute, Kultur und Sprache, das französische Savoir-vivre und das südliche Klima faszinieren uns.» Ruedi Baumann ist von seinem neuen Zuhause so angetan, dass er auf einem eigenen Blog fast täglich darüber berichtet. «Wir hoffen, dass diese Lebensphase noch lange dauern wird.»
Bordeaux-Brühe
Die relativ häufigen Gewitterregen in den letzten Wochen haben dazu geführt, dass die Pilzkrankheiten extrem zugenommen haben. Ohne Kupfer-Spritzungen würde der falsche Mehltau die Trauben gänzlich zerstören (ich habe diese Erfahrung in den letzten Jahren zwei mal gemacht….). Dieses Jahr habe ich fünf mal Cu gespritzt, immer nur halbe Dosis.
Cu-Applikationen sind im Bio-Landbau (immer noch) erlaubt!


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