AUSWANDERERBLOG

Wie hältst du es mit der Religion?

Posted in Politik, Uncategorized by ruedibaumann on Dezember 1, 2016

Heute im Bieler Tagblatt: Auswandererkolumne:

Um es vorauszuschicken, wir zählen uns zu den „nicht praktizierenden Atheisten“. Also nicht gläubig, aber auch nicht erpicht darauf, allen anderen die Nichtexistenz Gottes beweisen zu wollen und mit Pingeligkeit darauf hinzuweisen, wie unsinnig manche Glaubenssätze in all den heiligen Schriften sind, ob sie nun Bibel, Koran, Tora usw. heissen. Für uns ist Religion Privatsache. So gesehen fühlen wir uns sehr wohl im laizistischen Frankreich, wo die Trennung von Kirche und Staat strikte gehandhabt wird. Schon vor über hundert Jahren gingen die Kirchen in den Besitz des Staates und der Gemeinden über. Die Rechte und Pflichten sowohl der Besitzer der Kirchen wie auch deren Nutzer wurden gesetzlich geregelt. So gehört denn auch das kleine Kirchlein in unserem 80-Seelen-Dorf der Gemeinde und wird von dieser aus denkmalpflegerischen Gründen erhalten. Die Nutzung des Gebäudes hingegen liegt ganz in der Hand der Glaubensgemeinschaft (Gläubige und Geistliche). Wenn man die Kirche besichtigen will, kann man den Schlüssel beim Maire holen.

Da keine staatliche Statistik geführt wird über die Religionszugehörigkeit der Bevölkerung, gibt es keine verbindlichen Daten, wie viele Katholiken, Reformierte, Juden, Buddhisten, Muslime, Konfessionslose usw. im Land leben. Privatsache eben. In Frankreich gibt es auch keine politischen Parteien, die sich auf irgendwelche religiösen Werte berufen oder sogar ein C für christlich im Namen tragen (CVP, CDU, EVP usw.). Die diversen Kirchen mischen sich nicht in die Politik ein. Dass der Staat, wie beispielsweise im Kanton Bern, Kirchensteuern erhebt und die Pfarrfrauen und Pfarrherren besoldet, wäre in Frankreich undenkbar.

Weil Religionen einen Hang zu absoluten Wahrheiten haben, sind sie, wie die Geschichte und die gegenwärtige Weltlage zeigen, anfällig für Totalitarismus.

Und darum müssen Religionsgemeinschaften offenbar domestiziert und gesellschaftlich eingebunden werden. In der Schweiz versucht man das mit öffentlich rechtlicher Anerkennung und theologischen Fakultäten für die Ausbildung des „Bodenpersonals“. Allerdings bisher nur für christliche Religionen. In Frankreich versucht man es mit Kleidervorschriften, Kopftuchverbot in Schulen oder Burkiniverbot in gewissen Strand-Gemeinden.

Hier wie dort wollen rechtspopulistische Parteien (SVP oder Front National) mit Minarett- oder Burkaverboten den Wählern gefallen. Damit werden aber nur Konflikte zwischen den Bevölkerungsgruppen angestachelt.

Vielleicht wäre ein etwas lockerer und entspannterer Umgang mit Gläubigen und Nichtgläubigen der bessere Weg?

Ruedi und Stephanie Baumann

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Mein Leben, meine Freiheit

Posted in Politik, Uncategorized by ruedibaumann on August 5, 2016

Die Autobiographie von Ayaan Hirsi Ali „Mein Leben, meine Freiheit“ hat mich sehr beeindruckt. Sie schreibt von ihrer Kindheit und Jugend in Somalia, Saudi-Arabien, Äthiopien und Kenia und ihrer Flucht von derZwangsheirat nach Europa. Sie berichtet von ihrer politischen Karriere in den Niederlanden, ihrer Abkehr vom Islam und ihrer Übersiedlung in die USA.

Ayaan Hirsi Ali  ist eine Frau, die für die Rechte der muslimischen Frauen, für westliche Werte und für die Freiheit kämpft. Dafür zahlt sie einen hohen Preis.

Mich hat das Buch in meiner Überzeugung gestärkt, dass die Welt ohne Religionen eine viel bessere Welt sein könnte. Frauenfeindlicher Islam, männerdominierter, päpstlicher Katholizismus, engstirniger, autoritärer Evangelismus, gottesfürchtiger Unsinn hüben wie drüben… warum können die Menschen auf dieser Welt nicht einfach vernünftig zusammenleben?

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Laizität

Posted in Politik by ruedibaumann on Januar 23, 2015

Im heutigen französischen Verständnis ist Laizismus zu einem politischen Ideal geworden, das die Grundsätze der Neutralität des Staates gegenüber den Religionen, deren Gleichbehandlung sowie die Glaubensfreiheit zum Ziel hat. Laizität ist ein Verfassungsprinzip. Religion ist ausschließlich Privatangelegenheit, woraus folgt, dass Religion nicht nur keine staatliche, sondern auch keine öffentliche Funktion hat. In Anwendung dieses Grundsatzes wurde 1905 das gesamte Kirchenvermögen ohne Entschädigung verstaatlicht, wovon jene Teile, die „dem Kult dienen“, den einzelnen Glaubensgemeinschaften zur Nutzung überlassen werden können. Frankreich erkennt kirchliche Organisationen zwar in ihrer Existenz an, sie erhalten jedoch keine staatlichen Zuschüsse; allerdings existieren steuerliche Begünstigungen.

Frankreich ist eine laizistische Republik (république laïque), die weltanschauliche Neutralität des Staates entspricht meinen persönlichen Überzeugung (je suis laïque et athé). Mit den schweizerischen Landeskirchen hatte und habe ich immer meine liebe Mühe (ich bin vor bald 50 Jahren aus der Kirche ausgetreten). Der Verankerung Gottes auch in der revidierten Verfassung der Eidgenossenschaft („im Namen Gottes…“) habe ich seinerzeit im Nationalrat nicht zugestimmt. Dass der Kanton Bern die Pfarrerlöhne der Landeskirche bezahlt, halte ich für falsch. Die strickte Trennung von Kirche und Staat scheint mir auch für die Schweiz unabdingbar.

Nach den Terroranschlägen in Paris und den Massenmanifestationen zu Gunsten der Meinungsfreiheit ist die weltanschauliche Neutralität noch vermehrt in den Vordergrund gerückt. Die Erziehungsministerin Najat Vallaud-Belkacem hat gestern ein Programm vorgestellt, das  die laizistischen Grundsätze (charte laïque) noch vermehrt in das Unterrichtsprogramm der Schulen einbauen will. Gegen religiösen Fundalismus hilft nur Aufklärung.

http://www.education.gouv.fr/cid85644/onze-mesures-pour-une-grande-mobilisation-ecole-pour-les-valeurs-republique.html

Vaja (1)

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Das Kreuz mit dem Kreuz

Posted in Politik by ruedibaumann on April 19, 2014

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Kreuz auf Erden und am Himmel (Gemeinde Durban, Gascogne)

 

Ich halte nichts von Religionen und Kirchen, gleichgültig ob christlich, islamisch, hinduistisch, buddhistisch jüdisch oder sonst welchen Sekten. Die Institution Kirche halte ich für unnütz oder schädlich. Religion sollte Privatsache sein und die Religionsfreiheit muss gewährleistet bleiben.

Die vollständige Trennung von Kirche und Staat ist für mich zwingend. Die Gewährung der Menschenrechte ist Voraussetzung für eine vernünftige Gesellschaftsordnung.

Diese knappen Vorstellungen sind im ehemals katholischen Frankreich weit besser realisiert als in der konservativen Schweiz mit seinen „anerkannten“ Religionsgemeinschaften und seiner Verfassung „im Namen Gottes“.

(soweit das Wort zu Ostern….)

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