AUSWANDERERBLOG

Mit Photovoltaikpanel Biodiversität fördern

Posted in Uncategorized by ruedibaumann on Oktober 3, 2022

Wir betreiben seit 14 Jahren eine Photovoltaik-Anlage auf unserem Scheunendach und speisen den Elektrizitätsertrag ins öffentliche Stromnetz ein. Die Vertragsdauer beträgt 20 Jahre. Nach zehn Jahren konnten mit dem Erlös bereits alle Anfangsinvestitionen zurückbezahlt werden. Eine win-win Situation.

Nun frage ich mich seit langem, ob Solarpanel nicht auch in der Kulturlandschaft vernünftig plaziert werden könnten und gleichzeitig einen Mehrwert für die Biodiversität bringen könnten.

Das gesamte Schweizer Stromnetz misst über 250 000 Kilometer. Zwischen einzelnen Masten könnte man an geeigneten Stellen mit wenig Aufwand wie eine Art Wäscheleine bifaziale Photovoltaikpanels aufhängen. Selbstverständlich nur da, wo die Stromleitungen in der Bewirtschaftungsrichtung verlaufen und die Installation die landwirtschaftliche Nutzung nicht behindern.

Ich stelle mir vor, dass diese Panelkorridore in der Landschaft nicht viel stärker auffallen würden als ein Viehzaun. Zudem würde darunter ein Blühstreifen von ein- bis zwei Meter Breite entsehen, der sich nach und nach zu einer kleinen Hecke auswachsen könnte. Nach meinem Dafürhalten endlich eine gewünsche Vernetzung im intensiv genutzten Kulturland.

Vorteil auch, dass für diese kleine Anlagen die Einspeisung ins Netz direkt über Stromumwandler erfolgen könnte, die an den bestehenden Strommasten befestigt würden.

Natürlich sollte man alle grösseren Dachflächen für die Energieversogung nutzen. Aber warum nicht auch in einer Art „Wöschhänki“ dafür sorgen, dass Strom auch am Boden mit wenig baulichem Aufwand viel Zusatznutzen erzeugt werden kann? Ich bleibe dran!

Passion des mots, passion de la vie

Posted in Literatur, Uncategorized by ruedibaumann on Oktober 1, 2022

Text von Bernard Pivot
·
Vieillir, c’est chiant.
J’aurais pu dire :
vieillir, c’est désolant,
c’est insupportable,
c’est douloureux, c’est horrible,
c’est déprimant, c’est mortel.
Mais j’ai préféré « chiant » parce que c’est un adjectif vigoureux qui ne fait pas triste.
Vieillir, c’est chiant parce qu’on ne sait pas quand ça a commencé et l’on sait encore moins quand ça finira.
Non, ce n’est pas vrai qu’on vieillit dès notre naissance.
On a été longtemps si frais, si jeune, si appétissant.
On était bien dans sa peau.
On se sentait conquérant. Invulnérable.
La vie devant soi. Même à cinquante ans, c’était encore très bien. Même à soixante.
Si, si, je vous assure, j’étais encore plein de muscles, de projets, de désirs, de flamme.
Je le suis toujours, mais voilà, entre-temps –
mais quand – j’ai vu le regard des jeunes, des hommes et des femmes dans la force de l’âge qu’ils ne me considéraient plus comme un des leurs, même apparenté, même à la marge.
J’ai lu dans leurs yeux qu’ils n’auraient plus jamais d’indulgence à mon égard.
Qu’ils seraient polis, déférents, louangeurs, mais impitoyables. Sans m’en rendre compte, j’étais entré dans „l’apartheid de l’âge“.
Le plus terrible est venu des dédicaces des écrivains, surtout des débutants.
« Avec respect »,
« En hommage respectueux »,
« Avec mes sentiments très respectueux ».
Les salauds ! Ils croyaient probablement me faire plaisir en décapuchonnant leur stylo plein de respect ?
Les cons !
Et du « cher Monsieur Pivot » long et solennel comme une citation à l’ordre des Arts et Lettres qui vous fiche dix ans de plus !
Un jour, dans le métro, c’était la première fois, une jeune fille s’est levée pour me donner sa place.
J’ai failli la gifler….
Puis la priant de se rassoir, je lui ai demandé si je faisais vraiment vieux, si je lui étais apparu fatigué.
« Non, non, pas du tout, a-t-elle répondu, embarrassée.
J’ai pensé que… » Moi aussitôt :
«Vous pensiez que…?
— Je pensais, je ne sais pas, je ne sais plus, que ça vous ferait plaisir de vous assoir.
– Parce que j’ai les cheveux blancs?
– Non, c’est pas ça, je vous ai vu debout et comme vous êtes plus âgé que moi, ç’a été un réflexe, je me suis levée…-Je parais beaucoup beaucoup plus âgé que vous?
–Non, oui, enfin un peu, mais ce n’est pas une question d’âge… –Une question de quoi, alors?
– Je ne sais pas, une question de politesse, enfin je crois…»
J’ai arrêté de la taquiner, je l’ai remerciée de son geste généreux et l’ai accompagnée à la station où elle descendait pour lui offrir un verre.
Lutter contre le vieillissement c’est, dans la mesure du possible, Ne renoncer à rien.
Ni au travail, ni aux voyages,
Ni aux spectacles, ni aux livres,
Ni à la gourmandise, ni à l’amour, ni au rêve.
Rêver, c’est se souvenir tant qu’à faire, des heures exquises. C’est penser aux jolis rendez-vous qui nous attendent.
C’est laisser son esprit vagabonder entre le désir et l’utopie.
La musique est un puissant excitant du rêve.
La musique est une drogue douce.
J’aimerais mourir, rêveur, dans un fauteuil en écoutant
soit l’adagio du Concerto no 23 en la majeur de Mozart,
soit, du même, l’andante de son Concerto no 21 en ut majeur, musiques au bout desquelles se révèleront à mes yeux pas même étonnés les paysages sublimes de l’au-delà.
Mais Mozart et moi ne sommes pas pressés. Nous allons prendre notre temps.
Avec l’âge le temps passe, soit trop vite, soit trop lentement. Nous ignorons à combien se monte encore notre capital.
En années? En mois? En jours?
Non, il ne faut pas considérer le temps qui nous reste comme un capital.
Mais comme un usufruit dont, tant que nous en sommes capables, il faut jouir sans modération.
Après nous, le déluge? Non, Mozart.

(Der Text kann mit DeepL übersetzt werden. Ich würde allerdings „chiant“ weniger höflich übersetzen…)

Text von Bernard Pivot

Alt werden ist langweilig.
Ich hätte auch sagen können:
altern, c’est désolant,
es ist unerträglich,
es ist schmerzhaft, es ist schrecklich,
es ist deprimierend, es ist tödlich.
Aber ich habe „langweilig“ vorgezogen, weil es ein kräftiges Adjektiv ist, das nicht traurig macht.
Älter werden ist langweilig, weil man nicht weiß, wann es angefangen hat, und noch weniger weiß man, wann es enden wird.
Nein, es stimmt nicht, dass wir von Geburt an alt werden.
Man war lange Zeit so frisch, so jung, so appetitlich.
Man fühlte sich wohl in seiner Haut.
Man fühlte sich erobernd. Unverwundbar.
Das Leben lag vor einem. Selbst mit fünfzig war man noch sehr gut. Selbst mit sechzig.
Doch, doch, ich versichere Ihnen, ich war immer noch voller Muskeln, Pläne, Wünsche und Feuer.
Ich bin es immer noch, aber siehe da, in der Zwischenzeit -.
aber wann – sah ich in den Augen der jungen Leute, der Männer und Frauen im besten Alter, dass sie mich nicht mehr als einen der ihren betrachteten, nicht einmal als verwandt, nicht einmal als am Rande stehend.
Ich sah in ihren Augen, dass sie mir gegenüber nie wieder Nachsicht walten lassen würden.
Sie würden höflich, nachgiebig, lobend, aber unbarmherzig sein. Ohne es zu merken, war ich in die „Apartheid des Alters“ eingetreten.
Am schrecklichsten waren die Widmungen von Schriftstellern, vor allem von Anfängern.
„Mit Respekt“,
“ In respektvoller Huldigung „,
“ Mit meinen sehr respektvollen Gefühlen „.
Diese Bastarde! Wahrscheinlich dachten sie, sie würden mir eine Freude machen, indem sie ihren Stift voller Respekt entkapselten?
Diese Idioten!
Und das „Lieber Herr Pivot“, das so lang und feierlich ist wie eine Ehrung im Orden der Künste und der Literatur, die Ihnen zehn weitere Jahre beschert!
Eines Tages stand in der Metro – es war das erste Mal – ein junges Mädchen auf, um mir ihren Platz zu geben.
Ich hätte sie fast geohrfeigt…..
Dann bat ich sie, sich wieder hinzusetzen, und fragte sie, ob ich wirklich alt aussehe, ob ich ihr müde erschienen sei.
Nein, nein, überhaupt nicht“, antwortete sie verlegen.
Ich dachte, dass …“ Ich sofort:
„Sie dachten, dass …?
— Ich dachte, ich weiß nicht, ich weiß nicht mehr, dass es Ihnen gefallen würde, sich zu setzen.

  • Weil ich weiße Haare habe?
  • Nein, das ist es nicht, ich habe Sie stehen sehen und da Sie älter sind als ich, war es ein Reflex, ich bin aufgestanden…-Ich sehe viel viel älter aus als Sie?
    -Nein, ja, ein bisschen, aber das ist keine Frage des Alters… -Eine Frage von was dann?
  • Ich weiß nicht, eine Frage der Höflichkeit, zumindest glaube ich das…“
    Ich hörte auf, sie zu necken, bedankte mich für ihre großzügige Geste und begleitete sie zur Haltestelle, wo sie ausstieg, um ihr einen Drink zu spendieren.
    Gegen das Altern zu kämpfen bedeutet, wenn möglich, auf nichts zu verzichten.
    Weder auf Arbeit noch auf Reisen,
    Weder auf Aufführungen noch auf Bücher,
    Weder auf die Völlerei, noch auf die Liebe, noch auf das Träumen.
    Träumen heißt, sich an die schönen Stunden zu erinnern, wenn man schon dabei ist. Es bedeutet, an die schönen Rendezvous zu denken, die auf uns warten.
    Es bedeutet, den Geist zwischen Sehnsucht und Utopie schweifen zu lassen.
    Musik ist eine starke Erregung des Traums.
    Musik ist eine weiche Droge.
    Ich würde gerne verträumt in einem Sessel sterben und dabei Folgendes hören
    entweder das Adagio aus Mozarts Konzert Nr. 23 in A-Dur,
    oder das Andante seines Konzerts Nr. 21 in C-Dur, Musik, an deren Ende sich meinen nicht einmal erstaunten Augen die erhabenen Landschaften des Jenseits offenbaren werden.
    Aber Mozart und ich haben es nicht eilig. Wir werden uns Zeit lassen.
    Mit dem Alter vergeht die Zeit, entweder zu schnell oder zu langsam. Wir wissen nicht, wie viel Kapital wir noch haben.
    In Jahren? In Monaten? In Tagen?
    Nein, wir sollten die Zeit, die uns noch bleibt, nicht als Kapital betrachten.
    Wir sollten es als ein Nutznießungsrecht betrachten, das wir, solange wir dazu in der Lage sind, ohne Mäßigung genießen sollten.
    Nach uns die Sintflut? Nein, Mozart.

Übersetzt mit http://www.DeepL.com/Translator (kostenlose Version)

Zurück im Gers

Posted in Uncategorized by ruedibaumann on September 27, 2022

Kino im Lyssbachstollen

Posted in Diverses by ruedibaumann on September 18, 2022

Kurt one year anniversary

Posted in Uncategorized by ruedibaumann on September 17, 2022

One year ago today Kurt left us for Mars. We miss him.

https://auswandererblog.ch/?s=Kurt

Die stille Macht der Lobbyisten

Posted in Politik by ruedibaumann on September 16, 2022

Die Landwirt(innen) könnten von einer Annahme der Massentierhaltungs-Initiative profitieren, ist unsere Autorin überzeugt. (Bauernzeitung)
Autorin Anna Luchsinger
Publiziert am Mittwoch, 14. September 2022 09:23
Anna Luchsinger ist Bäuerin und führt mit ihrem Mann im glarnerischen Schwanden einen Betrieb.


Viele Berichte über Massentierhaltungen, vor allem während der Hitzeperiode dieses Jahres zeigen, wie die Tiere leiden müssen. So können die Hühner 30 Prozent weniger Futter aufnehmen, die Eier sind kleiner, die Legeleistung sinkt, die Infekte wie auch Kannibalismus und Federpicken nehmen zu. Die Kühlsysteme vertragen sie nicht, bekommen Atemprobleme und fallen einfach um. 98 Prozent der Hühner in Massentierhaltungen haben ein gebrochenes Brustbein, wahrlich kein schönes Hühnerleben. Auch der Bericht über die Schweineproduktion, dass pro Woche 50’000 Tiere nicht abgesetzt werden können und der Preis von Fr. 8.– auf zirka Fr. 3.– gesunken ist, zeigt, dass etwas verändert werden muss.

Anpassung an die veränderte Lage
Die Klimaerwärmung hat die Landschaft in den letzten 20 Jahren verändert und schreitet voran. Die Dominanz der Farbe Grün verschwindet immer mehr, die Farben Gelb und Braun werden immer stärker, auch wenn die Gegner davon sprechen, dass das Grünland Schweiz, wie es die letzten 100 Jahre wegen der Fleisch- und Milchproduktion üblich war, erhalten bleiben sollte. Wer sich jetzt schon an die veränderte Lage anpasst, hat in Zukunft die Nase vorn.

Dies kann man aber von Herrn Ritter, den Wirtschaftsverbänden, den Zwischenhändlern und den Grossisten, die aktuell mit dem Fleischhandel viel Geld verdienen, nicht sagen. Sie möchten so weiter machen wie bisher und spannen zusammen. 80 Prozent der Gelder gehen an die Tierproduktion, obwohl auf der gleichen Fläche siebenmal mehr Menschen mit pflanzlichen Produkten ernährt werden könnten. Dass wir die dritthöchste Tierdichte nebst Holland und Dänemark haben, interessiert niemanden. Dass durch den Stickstoff die Bäume keine tiefen Wurzeln mehr bilden können und der Schutzwald in Gefahr ist, wird ignoriert.

Wandel als Chance nutzen
Trotz diesen Tatsachen unterstützen Bergbauern, Älpler, Biobauern etc. die Ablehnung der Initiative. Genau sie würden von einer Annahme profitieren, könnten mit Diversität ein Zu­satz­einkommen generieren und die Vielfältigkeit der Landwirtschaft bestens präsentieren. Es wäre jetzt wichtig, in nachhaltige Tierproduktion zu investieren, anstatt fünf Prozent der Betriebe mit überdimensionaler Fleischproduk­tion zu unterstützen. Jetzt könnte man den Wandel als Chance nutzen und für die Generationen, welche in 25 Jahren am Ruder sind, eine sinnvolle Landwirtschaft gestalten. Es sagt ja niemand, dass weniger Lebensmittel produziert werden dürfen. Und solange jährlich über 2 Millionen Tonnen Lebensmittel im Abfall landen, kann niemand von einem Problem der Nahrungsmittelsicherheit sprechen.

Der mächtige Bauernpräsident Herr Ritter ist ein gewiefter Politiker und versteht es wie kaum ein anderer, die richtigen Register zu ziehen. So versammelt er jeweils vor der ordentlichen Session die rechten Parteien und gibt ihnen vor, wie sie abzustimmen haben. Nur so kann es sein, dass 43 Prozent der Politiker in Bundesbern, davon drei Prozent Bauern, ihm Gehör leisten. Seine Vernetztheit geht aber noch viel weiter. So verspricht er dem Finanzplatz Unterstützung bei der Verrechnungssteuer und im Gegenzug bekommt er Unterstützung gegen die Initiative. Economiesuisse bezahlt an die Parteien Fr. 330’000.– am 25. September aus, wenn Parolen gefasst werden, wie sie das wollen. Die SVP, FDP und die Mitte bekommen zusätzlich noch je Fr. 80’000.– vom Bauernverband.

Ablehnung dient der mächtigen Fleischindustrie
Die Ablehnung der Initiative dient den industriellen Produzenten von Fleisch, den Branchenverbänden, die den Preis machen, und Migros, Coop, Aldi, Lidl etc., welche von stabilen Preisen profitieren. Der Bund unterstützt Proviande mit 5,5 Millionen Franken, damit sie den Fleischverkauf ankurbeln. 3 Millionen pro Jahr gehen an die Verarbeitungsbetriebe wie Micarna, damit sie Fleisch einlagern und die Grossisten keine Risiken beim Absatz eingehen müssen.

Anstatt die Mächtigen der Fleischindustrie zu unterstützen, wäre es wichtiger, dass Bauern und Konsumenten zusammenspannen würden. Der Trend geht Richtung regionales, qualitatives Fleisch, lassen wir uns also nicht blenden. In der Zeit, in der der Konsument Hafermilch trinkt, in der die Eimasse für die Bäckereien aus der Tube kommt und das vegane Fleisch annähernd so gut ist wie herkömmliches, braucht es neue Wege.

«Massentierhaltung ist nicht im Interesse der Schweizer Landwirtschaft»

Posted in Politik by ruedibaumann on September 16, 2022

Beitrag aus der Bauernzeitung

Die Schweiz ist zum Pouletland geworden. Diese Entwicklung ist ein Irrweg, von dem wenige profitieren. Ziel könnte eine landwirtschaftliche Tierhaltung sein, die sich wahrhaft von der global verbreiteten industriellen Tierproduktion abhebt, findet unsere Gastautorin.

Autor Priska Baur, Agrarökonomin


2021 produzierten laut Aviforum knapp 250 Betriebe fast die Hälfte der über 80 Millionen Poulets. (Bild: Pixabay/BauernZeitung) 

Vor 55 Jahren, im Jahr 1967, wollte der Bundesrat erstmals die Zunahme der Massentierhaltung in der Schweiz mit Bestandesobergrenzen unterbinden. Migros und Wirtschaftsverbände lehnten die entsprechende Vorlage ab, sie behindere eine moderne Landwirtschaft. Auch der Schweizer Bauernverband war dagegen. Er wollte noch weitergehende Eingriffe – im Interesse einer bäuerlichen Landwirtschaft – damals. Der heutige Bauernpräsident Markus Ritter bekämpft die Volksinitiative gegen Massentierhaltung, über die am 25. September abgestimmt wird. Die gegnerische Seite hat für die überall präsente Kampagne viel Geld. Für die InitiantInnen ist es ein Kampf von David gegen Goliath.

Massentierhaltung ist eine Realität

Heute behaupten Bundesrat und Bauernverband einmütig, in der Schweiz gebe es keine Massentierhaltung. In den Werbungen von Proviande, dem Dachverband der Fleischbranche, sind nicht Hunderte von Schweinen und Tausende von Hühnern zu sehen, zusammengepfercht auf wenigen Quadratmetern. Sondern einzelne Tiere werden in Szene gesetzt – Kühe auf der Weide, neugierige Schweine und muntere Hühner – und sympathische Bauern und Bäuerinnen. Unwahres wird nicht dadurch wahr, dass es gebetsmühlenartig wiederholt wird. Bemerkenswert ist, dass die manipulativen Werbebeiträge von Proviande im Schweizer Fernsehen und in den Printmedien mit Steuermillionen finanziert werden.

Die industrielle Tierproduktion ist nirgends so fortgeschritten wie bei der Pouletproduktion. Auch in der Schweiz konzentriert sie sich auf wenige Betriebe: 2021 produzierten laut Aviforum, der Stiftung zur Förderung der Schweizerischen Geflügelproduktion, 243 Betriebe (0,5% aller Schweizer Landwirtschaftsbetriebe) fast die Hälfte der über 80 Millionen Poulets; im Durchschnitt hielten sie rund 17’000 Tiere. Bei der Pouletmast sind die Gemeinsamkeiten zwischen den Ländern grösser als die Unterschiede und die Produktionssysteme weitgehend identisch. Daran ändern auch die sogenannten Tierwohlprogramme «Besonders tierfreundliche Stallhaltungssysteme BTS» und «Regelmässige Auslaufhaltung RAUS» nichts Grundlegendes – es sind beschönigende Begriffe für kosmetische Optimierungen. Zu behaupten, dass diese Tiere «glücklich» seien, ist zynisch.

Ohne billige Futtermittelimporte ist in der Schweiz Massentierhaltung nur eingeschränkt möglich. Besonders unredlich ist die Behauptung, dass Kraftfutter zu weniger Nahrungsmittelverschwendung («Food Waste») führe. Ein grosser Teil der Futtermittel – Weizen, Gerste, Soja und vieles mehr – könnte von uns Menschen direkt gegessen werden. Der Umweg über das Tier ist die eigentliche Verschwendung. Dies gilt auch für die angeblich effiziente Pouletproduktion, die im Übrigen der stärkste Treiber des globalen Sojaanbaus ist. Die Massentierhaltung ist nicht zuletzt ethisch fragwürdig. Die Tiere werden nicht als individuelle Lebewesen betrachtet, sondern als Produktionsapparate.

Marktversagen beim Tierwohl

Die Tiere können auch nicht über freiwillige Labels vor Leid bewahrt werden, wie oft behauptet; so auch von den Gegner(innen) der Initiative «Raus aus der Massentierhaltung». Beim Tierwohl besteht ein globales Marktversagen, denn diejenigen Menschen, denen die Tiere wichtig sind, essen wenig oder kein Fleisch. Der Fleischmarkt jedoch wird nicht gesteuert durch die Nicht-Nachfrage, sondern durch die Nachfrage derjenigen, denen die Tiere nicht so wichtig sind.

Pouletland Schweiz

2021 wurden in der Schweiz gemäss Proviande 79’077’059 Geflügel geschlachtet. Die mächtigen Player Bell Schweiz (Coop) und Micarna (Migros) pushen Pouletkonsum und -produktion, sodass seit 2020 im angeblichen Grasland Schweiz mehr Poulet als Rindfleisch produziert wird. Die Entwicklung der Schweiz zum Pouletland ist ein Irrweg: ökologisch, weil die Tierbestände und Nährstoffüberschüsse auf der Basis von importiertem Kraftfutter zunehmen; volkswirtschaftlich, weil die Produktion in der Schweiz teuer ist; agrareinkommenspolitisch, weil nur wenige Hundert Landwirtschaftsbetriebe davon profitieren; versorgungspolitisch, weil die Produktion komplett importabhängig ist – ohne stetigen Nachschub von Küken geht gar nichts; ästhetisch, weil die Masthallen die Landschaft verunstalten. Die Schweiz geht mit ein paar Jahrzehnten Verspätung dieselben Irrwege wie andere Länder, einfach weniger gross und teurer.

Wer profitiert hauptsächlich von der Zunahme der Geflügelproduktion? Am wenigsten die Landwirtschaft selbst. Global betrachtet ist es eine Handvoll Unternehmen, beispielsweise die intransparente deutsche EW Group, die hinter der Produktion sogenannter Masthybriden (Fleisch) und Legehybriden (Eier) stehen. In der Schweiz profitieren die dominanten Player in der Fleischbranche, Micarna (Migros) und Bell (Coop). Ihr Anteil an der Inlandproduktion beträgt bei Poulet laut Aviforum 75 Prozent und auch bei den Importen profitieren sie am meisten. So plant Micarna aktuell, mehrere Hundert Millionen Franken in eine «state-of-the-art processing plant», gemeint ist ein Geflügelschlachthof, zu investieren; in St. Aubin, Kanton Fribourg, auf der grünen Wiese.

Massentierhaltung behindert Qualität

Es ist nichts Neues, dass die Schweizer Landwirtschaft im Kostenwettbewerb und in der billigen Massenproduktion nicht mithalten kann. Ohne den ausgebauten Agrarschutz gäbe es in der Schweiz deshalb auch keine Massentierhaltung. Das kleinere Übel ist es, importiertes Poulet zu essen, das aus Ländern kommt, die auch über das Futter verfügen und über Felder für den anfallenden Mist. Noch besser ist es, kein Poulet zu essen. Nicht zuletzt aus gesundheitlichen Gründen: Ist es doch trotz geschlossenen Systemen und Antibiotikaeinsatz oft bakteriell verseucht. Am allerbesten ist es, weniger Fleisch zu essen und wenn, dann von Rindern und anderen sogenannten Raufutterverwerten, die als Einzige Gras in Milch und Fleisch umwandeln können.

Die Initiative «Raus aus der Massentierhaltung» ist eine Chance für die Schweizer Landwirtschaft. Um mit einer standortangepassten Produktion ernst zu machen.  Auf über 90 Prozent der Betriebe gibt es tatsächlich keine Massentierhaltung und wegen der Übergangsfrist von 25 Jahren haben alle die Chance sich anzupassen.

Weshalb, um Gottes Willen, kämpft der Bauernpräsident gegen dieses Ansinnen? Der in einem Interview sagt: «Als Christen sollen wir verantwortungsvoll mit der Schöpfung umgehen. Die Tiere sind uns anvertraut.» Worum geht es ihm? Dem Mann, mit dem so viele Politiker meinen, sich gut stellen zu müssen? Welche Zukunft wünscht er sich für die Bäuerinnen und Bauern in der Schweiz?

Die heutige Massentierhaltung in der Schweine- und Geflügelproduktion jedenfalls ist klar nicht im Interesse der Schweizer Landwirtschaft, wenn sie den Anspruch hat, Qualität zu produzieren. Zur Qualität gehört eine Tierhaltung, die sich wahrhaft von der global verbreiteten industriellen Tierproduktion abhebt.

Die Störche sind noch da…

Posted in Agrikultur, Bauernland by ruedibaumann on September 15, 2022

… auf dem Subergfeld, Berner Seeland

Kuh am Wegrand

Posted in Agrikultur by ruedibaumann on September 14, 2022

Bellelay, Tête de Moine

Posted in Patrimoine et architectures by ruedibaumann on September 12, 2022

Schöne Juraweiden, eindrückliche Abtei, berühmter Käse…