AUSWANDERERBLOG

Das Land der Anderen

Posted in Literatur by ruedibaumann on Januar 18, 2022

„Das Land der Andern“ ist die Geschichte der Grosseltern von Leila Slimani. Marokko nach dem Krieg ab 1945. Grossmutter Französin, Grossvater Marokkaner. Es ist der erste Titel einer noch nicht vollständig publizierten Trilogie zur Familiengeschichte von Leila Slimani.


Leila Slimani, geboren 1981 in Rabat, wuchs in Marokko auf. Ihr Vater war Bankier und ein hoher marokkanischer Beamter. Ihre Familie gehört zu französischsprachigen Elite Marokkos. Sie studierte an der Pariser Eliteuniversität Sciences Po Politikwissenschaften und arbeitete danach als Journalistin für die Zeitschrift Jeune Afrique. Ende 2017 wurde sie zur persönlichen Beauftragten von Staatspräsident Emmanuel Macron zur Pflege des französischen Sprachraums ernannt. Slimani lebt mit ihrer Familie in Paris. 2016 erhielt sie für ihren Roman „Chanson douce“ („Dann schlaf auch du“) den Prix Goncourt. In einem Interview mit der Literaturzeitschrift Telquel spricht sie über ihre doppelte Nationalität: „Ich habe mich immer hundertprozentig französisch und hundertprozentig marokkanisch gefühlt.“

Ich war selber 1971 einige Wochen in Marokko und der Roman hat mir viele Erfahrungen aus der damalige Zeit in Erinnerung gerufen.

Kopenhagener Trilogie

Posted in Literatur by ruedibaumann on Dezember 26, 2021

Ich habe die Autobiographie der Dänin Tove Ditlevsen (1917-1976) gelesen. Das heisst, die beiden Bücher „Jugend“ und „Abhängigkeit“. Ergreifendes Porträt einer Frau, Schriftstellerin und Mutter, „geradezu furchterregend ehrlich.“


„Von Tove Ditlevsens Leben zu sprechen, heißt von ihrem Schreiben zu sprechen – und umgekehrt. Ihr Leben war bestimmt durch den Drang, sich literarisch auszudrücken, und ihr umfassendes Werk eine ständige Auseinandersetzung mit ihren Erfahrungen, ihrer Identität. (…)

Sie beschreibt zunächst ihre Kindheit in einer Arbeiterfamilie, die schmerzliche Beziehung zu einer lieblosen Mutter, ein Milieu, in dem sie sich fremd fühlt, Armut und Ängste; nach der Konfirmation die schnell wechselnden Arbeitsplätze im Haushalt und im Büro und schließlich den Durchbruch als Dichterin im Jahre 1939.

Ihre literarischen Erfolge werden überschattet von vier gescheiterten Ehen, zwei Schwangerschaftsabbrüchen, dem permanenten Entfremdungsgefühl im neuen, literarischen Milieu und, wohl als Folge all dessen, schließlich der Flucht in Depressionen und Drogen. Tove Ditlevsen beendet ihr schwieriges Leben durch einen Selbstmord, den sie am Schluss des letzten Bandes ihres autobiografischen Werks beschreibt, womit die Einheit von Leben und Werk mit größtmöglicher Konsequenz vollzogen ist.“

Gelesen: „Die Annonce“

Posted in Agrikultur, Bauernland, Comédie française, Literatur by ruedibaumann on Dezember 7, 2021

Der Roman von Marie-Hélène Lafon beschreibt mit viel Poesie die bäuerliche Welt in der Auvergne, im Cantal, französisches Mittelgebirge. „Landwirt, sanft, sechsundvierzig sucht junge Frau die das Land liebt“. Knorrige Bauern, eigensinnig, liebenswert, verschlossen, stur… ländliches Frankreich wie es leibt und lebt. Es gibt sie noch, diese Bauernhöfe in der France rural und doch bleibt die Zeit nicht stehen…

Aber lesen Sie selber.

Gelesen: „Das Archiv der Gefühle“

Posted in Literatur, Uncategorized by ruedibaumann on September 6, 2021

Roman von Peter Stamm. Gelesen hier am Bielersee, heute…

https://www.orellfuessli.ch/magazin/interviews/2021/09/peter-stamm

„Würde Albert Camus heute leben, würde er vielleicht Bücher schreiben wie Peter Stamm…“ (THE NEW YORKER)

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„Das Jahresbankett der Totengräber“

Posted in Literatur by ruedibaumann on Juli 20, 2021

Der Roman von Mathias Enard ist bombastisch. Martin Ebel spricht in seiner Rezension (1. Juli 2021 „Der Bund“) von Weltliteratur aus Frankreich. Ich musste zeitweise hartnäckig dranbleiben… aber es lohnt sich!

Hier eine Auswahl von Pressestimmen:

Pressestimmen

„Ein großes Epos …. Dieses ganze Konstrukt ist so genial, dass ich beim Lesen immer wieder staunend dagesessen bin, dass das alles zusammenhängt.“ Vea Kaiser, ZDF Literarisches Quartett, 14.05.2021

„Es geht in diesem Roman wirklich um Leben und Tod. … Reichhaltig, barock, opulent, ausschweifend und sehr humorvoll.“ Nicola Steiner, SRF Literaturclub, 18.05.2021

„Ein kosmisches Werk über Essen und Liebe, über Tod und Reinkarnation, über die alles verdauende und sublimierende Macht der Sprache.“ Niklas Bender, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.06.2021

„Die Wiederentdeckung des unendlichen buddhistischen Lebensrades durch Mathias Énard beschert uns Lesern eine buchstäbliche Roman-Revolution. Alles dreht, verkehrt und verwandelt sich, schreitet vor und zurück, ein ewiges Vorübergehen… Es ist ein großes Wimmelbild, aus dem man einzelne Geschichten hervor- und zurücktreten lassen kann. … Ein großes heiteres Kunststück.“ Hubert Winkels, Süddeutsche Zeitung, 20.05.2021

„‘Das Jahresbankett der Totengräber‘ ist kein Schmöker, sondern ein wuchtiges Kunstwerk eigenen Ranges. … Solange Literatur wie diese geschrieben wird, gibt es noch Hoffnung.“ Gerrit Bartels, Tagesspiegel, 23.05.2021

„Der Roman ist ein üppiges Mahl, das in einer nahezu unendlichen Abfolge verschiedenster Gänge serviert wird: Glanz und Elend des Landlebens, Feindschaften und Begierden, Traditionen, Aberglaube. … Mathias Énards eleganter Stil und seine geistreiche Art zu erzählen machen das Buch zu einem wunderbar vielschichtigen, an vielen Stellen humoristischen und anregenden Provinz-Roman.“ Dirk Fuhrig, WDR3, 17.05.2021

„Kunstvoll, wortspielerisch und unheimlich gelehrt, aber nie angestrengt führt Enard uns immer wieder von der Gegenwart in die Geschichte und zurück. … Ein radikal moderner Roman, der mit seiner atemberaubenden nicht-linearen Erzählform, dem Hin und Her der wandernden Seelen zwischen Gegenwart und Geschichte, so etwas wie ein kollektives Gedächtnis wachruft.“ Kathrin Hondl, SWR2, 16.05.2021

„In diese Reihe der bildungssatten enzyklopädischen Groß-Epen fügt sich nun auch Mathias Énards jüngstes Leserüberwältigungswerk ein, der 500-Seiten-Roman ‚Das Bankett der Totengräber‘, abermals in ein berauschend wortgewaltiges, buntes Deutsch übertragen von dem Énard-erprobten Übersetzer-Duo Holger Fock und Sabine Müller. … Wer sich aber auf das Buch einlässt und sich vom Schwung seiner Fabulierlust tragen lässt, erlebt ungeahnte Lesefreuden.“ Sigird Löffler, Radio Bremen, 23.05.2021

„Ein großartiges Buch! … Es geht um die großen Themen der Literatur: Tod, Liebe, Abschied, Veränderungen und diese unglaubliche Beziehung mit dem Ort.“ Usama Al Shahmani, SRF Literaturclub, 18.05.2021

„Ich habe mich nach der Lektüre gefühlt, als hätte ich einen Wirbelsturm überlebt. … Es ist ein gargantueskes Buch für Schlemmer.“ Daniela Strigl, SRF Literaturclub, 18.05.2021

„Dieses Buch leistet alles, was ein großartiger Roman leisten kann.“ Christoph Keller, SRF Literaturclub, 18.05.2021

„Dieser Roman ist wie das titelgebende Bankett, ein ausuferndes Gelage … stupend kunstfertig, witzig, voll von erstaunlichen Begebenheiten.“ Anne-Cathrin Simon, Die Presse, 15.05.2021

„Enard entfesselt in seinem Roman ein wildes Spiel der Wiedergeburten und verknüpft so Vergangenheit und Gegenwart seiner Heimat.“ Wolfgang Popp, ORF Hörfunk, 17.05.2021

„‘Das Jahresbankett der Totengräber‘ nimmt uns mit auf eine amüsante Reise in die französische Seele.“ Leonie Heitz, ORF-TV, 17.05.2021

„Dieser erste Teil des Buches ist geradezu genial. … Das Bankett, diese Fress- und Sauforgie – göttlich. Da wäre ich gerne dabei gewesen.“ Götz Alsmann, ZDF Literarisches Quartett, 14.05.2021

„Mich hat dieses Buch fertiggemacht!“ Thea Dorn, ZDF Literarisches Quartett, 14.05.2021

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Mathias Enard, 1972 geboren, lebt in Barcelona. Auf Deutsch erschienen von ihm die Romane „Zone“ (2010), für den er den Candide-Preis 2008 erhielt, „Erzähl ihnen von Schlachten, Königen und Elefanten“ (2011), ausgezeichnet mit dem Prix Goncourt des lycéens 2010, und „Straße der Diebe“ (2013). Für den Roman Kompass (2016) erhielt er den Prix Goncourt 2015 und 2017 den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung. 2019 erschien sein Gedichtband Letzte Mitteilung an die Proust-Gesellschaft von Barcelona.

Aber lesen Sie selbst….!

Über Menschen

Posted in Literatur, Politik by ruedibaumann on Juli 8, 2021

Ich habe Juli Zehs neuen Roman „Über Menschen“ mit Vergnügen gelesen. Stadtflüchtling, Stadt-Land-Problematik, warum sind die Landbewohner so wie sie sind, gibt es den Dorfnazi, warum wählen die Dörfler mehrheitlich rechts, Fragen über Fragen, populär aufgearbeitet…

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.03.2021

Nicht hellauf begeistert, aber doch mit Sympathie bespricht Rezensent Jörg Magenau diesen Folgeroman zu Juli Zehs sagenhaft erfolgreichem Roman „Unter Leuten“. Hier arbeitet die Autorin weniger mit Perspektivenwechseln, denn sie lässt hier eine Hauptperson zu, die vor Corona und ihrem Besserwisser-Freund, dem Klimaschützer Robert, mit Hund aufs Land flieht. Dass aus dem „Dorfnazi“ fast ein Freund wird, gefällt dem Kritiker durchaus, denn dass die Überwindung plakativer Zuschreibungen zwischen Berlin und Brandenburg, zwischen Stadt und Land überhaupt nottut, findet auch er. Aber was sich daraus an Freundschaft und Wiedereingliederung ergibt, hält er dann wiederum für etwas „schlicht“ und geradezu märchenhaft. Immerhin gelingen der Autorin, so der freundlich-milde gestimmte Kritiker, immer wieder „wunderbar witzige und entlarvende Dialoge“- und entlarvt wird nicht selten die Besserwisserei der Städter.

Alle, ausser mir

Posted in Literatur by ruedibaumann on August 2, 2020

„Alle, ausser mir“ ist ein Roman von Francesca Melandri, ein epochaler Familienroman und eine Reise in die italienische Seele. Das Buch stand zehn Wochen auf der Spiegel-Bestsellerliste. Manchmal harte Kost, was da aufgetischt wird. Aber lesen Sie selbst.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.07.2018

Hier werden so „einige Lebenslügen Europas“ in die Luft gesprengt, freut sich voll Grimm Rezensentin Julia Schröder. In „Alle, außer mir“ widmet sich Francesca Melandri nämlich einem schmalen, unbeliebten und oft überblätterten Kapitel der italienischen Geschichte, erklärt Schröder: Dem Abessinienkrieg von 1935-36. Gnadenlos beschreibt sie anhand einer Familiengeschichte historische Tatsachen, vor denen viele gerne weiterhin die Augen verschließen würden. Sie erzählt von den Spätfolgen des Angriffs auf Äthiopien und schildert aktuelle Entwicklungen, die vor allem schockieren, weil die Parolen der Rechten von heute so sehr an damals erinnern. Melandris dritter Roman ist ein spannendes, hervorragend recherchiertes und politisch engagiertes Buch, lobt die Rezensentin. Dass Melandri insbesondere bei der Figurenentwicklung auf einige etwas abgeschmackte Stereotype zurückgreift, verzeiht sie ihr leicht.
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Vor dem Fest

Posted in Literatur by ruedibaumann on Juli 9, 2020

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 06.03.2014

Der Charme von Saša Stanišićs neuem Roman „Vor dem Fest“ ist eng mit seiner akribischen Recherchearbeit verbunden, berichtet Verena Auffermann. Ganze vier Jahre lang hat sich der Schriftsteller aus der bosnischen Provinz an die Bewohner eines ehemaligen DDR-Dorfs herangearbeitet, sie mit Ethnologenaugen beobachtet und mit besonderem Blick für das Unzeitgemäße, erklärt die Rezensentin. Das Ergebnis ist eine kunstvolle Sammlung von Geschichten über „die letzten nicht globalisierten Deutschen“, die von Stadtmenschen gerne für einen Mythos gehalten werden, die es im „Eldorado am flachen Saum des Wohlstands“ aber tatsächlich gibt, wie Auffermann versichert.
Ich bin begeistert von den Romanen von Sasa Stanisic (siehe auch „Herkunft“ in diesem Blog). Zugegeben, „Vor dem Fest“ ist stellenweise sehr anspruchsvoll, nicht ganz leicht zu lesen. Aber der leise Humor, das Komische, das Phantastische…. einfach einzigartig! Dranbleiben!
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Gelesen

Posted in Literatur by ruedibaumann on Juli 6, 2020

Der Erstlingsroman von Jasmin Schreiber “ Marianengraben“ landete gleich auf der Spiegel-Bestsellerliste. Ich meine zu recht!

https://www.jasmin-schreiber.de

»Eigentlich kann man gar kein Buch schreiben, das vom Sterben handelt, gleichzeitig sehr lustig und tieftraurig ist, sich aber anfühlt wie ein Roadmovie. Wie gesagt: eigentlich!« Sascha Lobo

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Pablo Neruda

Posted in Literatur, Politik by ruedibaumann on Mai 2, 2020

Ich habe in den letzten Tagen die Memoiren von Pablo_Neruda „Ich bekenne ich habe gelebt“ wiedergelesen.

Ein beeindruckendes Leben!

Ich erinnere mich an den Film „Il Postino“, an die Kontroversen um seine Ode an Stalin, an den Streit um seine Todesursache und um den Missbrauch einer Frau.  Pablo Neruda wurde 1971 mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet. Seine Dichtung hat oder hatte in Chile Kultstatus. Er wurde verehrt und gehasst.

„Die Jahre vergehen. Man verbraucht sich, gedeiht, leidet und geniesst. Die Jahre nehmen und bringen einem das Leben. Die Abschiede werden häufiger, die Freunde kommen ins Gefängnis, werden wieder entlassen, sie fahren nach Europa, kehren zurück oder sterben einfach“.

(Textauszug, diktiert kurz vor seinem Tode 1973)

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