AUSWANDERERBLOG

Wir Alt-68er

Posted in Politik by ruedibaumann on März 22, 2018

Unsere heutige Kolumne im Bieler Tagblatt

Wir sind Alt-68er und immer noch stolz darauf. Die 68er-Bewegung hat uns geprägt und uns den Mut und Willen gegeben, alles etwas anders zu machen als unsere Eltern und Grosseltern. Ein selbstbestimmtes Leben wollten wir führen, uns für soziale Gerechtigkeit und die Umwelt einsetzen und gegen Obrigkeiten immer kritisch bleiben. Natürlich wollten wir nicht heiraten, das fanden wir zu bourgeois und bünzlig; und weil damals in Zürich das Konkubinat verboten war, lebten wir in einer Studentenkolonie im aargauischen Spreitenbach. Wir sind aus der Kirche ausgetreten, weil uns die starren Rituale abschreckten. Wir bereisten ohne Geld per Anhalter Europa und Nordafrika.

Von Chancengleichheit im Bildungswesen konnte bis 1968 für Arbeiter- und Bauernkinder keine Rede sein. Wir mussten den Zugang zu ETH und Uni auf dem zweiten Bildungsweg mühsam erkämpfen. Darum haben uns die basisdemokratischen Proteste und Sit-ins und die ganze Aufbruchstimmung gegen das verknöcherte System an den Hochschulen so fasziniert. Wir liebten die Beatles und Rolling Stones, den ganzen Groove der 70er Jahre mit Flower Power und Hippiebewegung und liessen Haare und Bart wachsen. Wir haben an Anti-Vietnamkriegs-Demos teilgenommen und Che, Ho-Chi-Minh und Mao verehrt und verklärt.

Wir haben uns politisch engagiert auf Gemeinde, Kantons- und Bundesebene. Wir waren Teil der Friedens-, Umwelt-, Dritte Welt-, Frauen- und Anti-AKW-Bewegungen.

 

Und nun? Ist die Welt besser geworden?

 

Wenn wir uns hier in der friedlichen Gascogne umschauen, können wir ohne Vorbehalt sagen: für u n s ja! Für Europa ja, für die Schweiz ja.

Europa hat sich demokratisiert. 1968 waren Spanien, Griechenland und Portugal noch Diktaturen, diverse osteuropäische Staaten Satelliten der Sowjetunion. Die Stellung der Frau hat sich seither verbessert, auch wenn es in Sachen Lohngleichheit noch viel zu tun gibt. Der Sozialstaat ist in Europa die grösste Errungenschaft der letzten 50 Jahre, auch wenn die Finanzierung immer wieder neu erkämpft werden muss. Neue Lebensformen konnten enttabuisiert und legalisiert werden. Der demokratische Rechtsstaat funktioniert leidlich. Bildungsangebot und Chancengleichheit wurden verbessert.

 

Alle die fortschrittlichen Errungenschaften, weg von totalitären Staaten hin zu gesellschaftsliberalen Demokratien, haben die Menschen befreit. Und trotzdem beschleicht einen ein ungutes Gefühl, wenn man die derzeitige Weltlage anschaut. Kriege, Flüchtlingsströme, Hunger, Klimaerwärmung… Wahrscheinlich muss jede Generation immer wieder neu beginnen, die Welt etwas besser zu machen. Zum Beispiel bei den Grossrats- und Regierungsratswahlen am nächsten Sonntag.

 

Ruedi und Stephanie Baumann

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Grossratswahlen im Kanton Bern

Posted in Politik by ruedibaumann on März 7, 2018
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Linke Politik

Posted in Politik by ruedibaumann on August 13, 2017

Jonas Lüscher in der NZZ:

Hat die Linke, der Sie nahestehen, nichts entgegenzusetzen?

Doch, eigentlich schon. Immer und immer wieder die Rede von der Solidarität, vom Glauben an die Möglichkeit einer gerechteren Welt. Das ist ein langer, mühsamer Weg, aber er hat uns auch schon weit gebracht. Beinahe alle Errungenschaften der letzten hundert Jahre sind klassische linke Anliegen, durchgesetzt gegen den Widerstand der Rechten: der Sozialstaat, die AHV, Minderheitenrechte, Frauenrechte, Bildungsreformen, eine aufgeklärte Sexualmoral. Aber Politik ist eben doch das Bohren dicker Bretter, und das gilt besonders für linke Politik.

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Ni, ni

Posted in Politik by ruedibaumann on Februar 5, 2015

Es geht um hohe Politik. In der Region Doubs muss bekanntlich ein Député ersetzt werden, weil er einen Job als EU-Kommissar in Brüssel angenommen hat. Der erste Wahlgang brachte der Kandidatin des Front National (FN) am meisten Stimmen, gefolgt vom sozialistischen Bewerber. Der Drittplatzierte von der bürgerlichen UMP musste nach französischem Mehrheits-Wahlrecht ausscheiden, so dass sich jetzt am nächsten Sonntag im entscheidenden zweiten Wahlgang der Front National und die regierenden Sozialisten gegenüberstehen. Soweit so gut.

Mit einer Wahlempfehlung könnten nun die ausgeschiedenen UMPler, dafür sorgen, dass der rechtsextreme und häufig rassistische Front National im zweiten Wahlgang das Nachsehen hat, nämlich wenn sie sich klar für eine Front républicain aussprechen würden, das heisst, dass den bürgerlichen WählerInnen empfohlen wird, im zweiten Wahlgang den Sozialisten zu wählen. Das wird eigentlich in der französischen Republik auch seit Jahrzehnten zwischen den grossen republikanischen Parteien so gehandhabt. Auch jetzt haben die vernünftigen Spitzenpolitiker der UMP, wie Juppé und NKM aufgerufen, den Sozialisten die Stimme zu geben.

So weit so gut, wäre da nicht der neue Vorsitzende der UMP, Nicolas Sarkozy… Sarko hat es vorgezogen ni, ni zu sagen, also ni PS , ni FN zu unterstützen und zu hause zu bleiben oder leer einzulegen. Wohlwissend, dass er damit riskiert, dass wieder ein(e) Scharfmacher/in in die Nationalversammlung einzieht um dort gegen die Ausländerinnen zu hetzen. Oder er will sich schon jetzt bei den rechtsnationalen Anhänger des FN als künftiger Präsidentschaftskandidat in Erinnerung rufen?

Wie dem auch sei, ich bin zuversichtlich, dass sich das Land der Menschenrechte nicht durch rechts-nationalistische Sprüche verunsichern lässt. Auch nicht von einem abgewählten Altpräsidenten.

 

PS: Am Sonntagabend 8. Februar ist es klar: Der Kandidat der PS schafft die Wahl knapp vor der Kandidatin des FN. Das gilt auch als Erfolg für den französischen Präsidenten Hollande.

 

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„Vielen Dank für das Leben“

Posted in Literatur by ruedibaumann on Januar 20, 2015

So heisst ein Roman von Sibylle Berg: „Das ist kein Roman, das ist ein Manifest.“

Ein Buch, schwer auszuhalten, radikaler Pessimismus von Anfang bis am Ende. Die Geschichte:

Toto ist ein Wunder. Ein Waisenkind ohne klares Geschlecht. Zu dick, zu groß, im Suff gezeugt. Der Vater schon vor der Geburt abgehauen, die Mutter bald danach. Und doch bleibt Toto wie unberührt. Im kalten Sommer 1966 geboren, wandelt er durch die DDR, als ob es alles noch gäbe: Güte, Unschuld, Liebe. Warum, fragt er sich, machen die Menschen dieses Leben noch schrecklicher, als es schon ist? Toto geht in den Westen, wo der Kapitalismus zerstört, was der Sozialismus verrotten ließ. Nur zwei Dinge machen ihm Hoffnung – das Wiedersehen mit Kasimir und sein einziges Talent: das Singen. Es führt Toto bis nach Paris. Ein wütender, schriller Roman einer großen Autorin über das Einzige im Leben, was zählt.

Der Dank am Schluss gilt allen „die sich den Anfeindungen aussetzen, die persönliche Freiheit mit sich bringt“

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Wahlen im Kanton Bern (30. März 2014)

Posted in Politik by ruedibaumann on März 25, 2014

Sorgfältig wählen

«Wer nicht will, dass in unserem Land die Demokratie käuflich wird
Wer nicht will, dass sich unser Land noch weiter isoliert
Wer nicht will, dass Egoismus und soziale Kälte überhand nehmen
Wer nicht will, dass die Umwelt weiter mit Füssen getreten wird
Wer nicht will, dass Fremdenfeindlichkeit weiter zunimmt
Wer nicht will, dass Solidarität zum Fremdwort wird
Der wählt… sorgfältig
Sorgfältig wählen, heisst grün wählen!»

Bild

Ruedi Baumann, ehem. Präsident der Grünen, ehem. Nationalrat, Auslandschweizer

Municipales

Posted in Politik by ruedibaumann on März 23, 2014

Municipales Traversères

Résultat du premier tour

  • Candidats Elus

    • Olivier Barrasz (42 voix)
    • Martine Bernardot (33 voix)
    • Philippe Frechou (46 voix)
    • Jean-luc Latapie (32 voix)
    • Jean-michel Liarès (45 voix)
    • Tom Lignières (41 voix)
    • André Pau (43 voix)
  • Votes blancs et nuls

    4.69%3 votes
INSCRITS 64 ABSTENTION 15.63% 10
VOTANTS 84.38% 54 EXPRIMÉS 79.69% 51

Man beachte: Stimmbeteiligung auf Gemeindeebene immerhin 84%!

Ich muss zu unserer Schande gestehen, dass wir selber den Urnengang geschwänzt haben, sonst wäre das Resultat noch besser.

Auf nationaler Ebene ist die Stimmbeteiligung um zwei Prozent zurückgegangen, auf für französische Verhältnisse schlechte 62% (für schweizerische Verhältnisse wäre das ein sensationell gutes Resultat!)

Nach den Resultaten, die Innenminister Manuel Valls in der Nacht im Fernsehen bekanntgab, vereinte die FN (vergleichbar mit der SVP) bei dem Urnengang am Sonntag 4,65 Prozent der Stimmen auf sich. Die konservativen Parteien erhielten total 46,54 Prozent der Stimmen, die linken Parteien mussten mit 37,7 Prozent eine deutliche Schlappe hinnehmen.

Entscheidend wird aber der zweite Wahlgang vom nächsten Sonntag. Ich bin überzeugt, dass die Rechtspopulisten höchstens  in ein paar wenigen kleinen Städten eine Mehrheit erlangen werden.

Grossratswahlen im Kanton Bern

Posted in Politik by ruedibaumann on März 22, 2014

Eigentlich gibt es keine politischen Diskussionen, keine überparteilichen Veranstaltungen, keine wirklich brennenden Themen… aber trotzdem spricht man von „Wahlkampf“. Sichtbar entlang aller mehr oder weniger befahrbaren Strassen, an jeder Hausecke, sogar neben den verbleibenden Misthaufen: Kopfplakate jeder Grösse von Kandidaten, vornehmlich bürgerlicher Gesinnung, die sich als Volksvertreter präsentieren.

Die Wahlbeteiligung wird einmal mehr miserabel ausfallen.

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Meine Empfehlung für die Region Biel Seeland….

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…und so war es vor 28 Jahren!

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Wahlmarathon

Posted in Politik by ruedibaumann on Februar 25, 2014

Als französisch schweizerische Doppelbürger absolvieren wir dieses Jahr einen richtiggehenden Wahlmarathon: Am 23. und 30. März finden in den 36 680 Gemeinden Frankreichs die Elections Municipales statt. In unserer kleinen Gemeinde Traversères wählen wir im Mehrheitswahlrecht neuerdings „nur“ noch 7 statt 9 Gemeinderäte.

In der Schweiz, im Kanton Bern, wählen wir am 30. März den Regierungsrat (Exekutive) und den Grossen Rat (Legislative) neu. Im Wahlkreis Biel-Seeland können wir 26 Kandidatinnen für das Kantonsparlament panaschieren, kumulieren und streichen.

Und schliesslich wird in der Europäischen Union in der Zeit vom 22. bis 25. Mai auch noch das Europäische Parlament in 28 Staaten neu gewählt!

Wer die Wahl hat hat die Qual sagt man. Gilt nicht für mich, ich kenne die Besten… 😉

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Elections municipales

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