AUSWANDERERBLOG

Doppelbürger

Posted in Politik by ruedibaumann on August 16, 2018

Kolumne im heutigen Bieler Tagblatt

Wir sind seit zwölf Jahren schweizerisch-französische Doppelbürger. Die Einbürgerung in Frankreich erfolgte bereits fünf Jahre nach unserer Niederlassung problem- und kostenlos. Nachdem wir den entsprechenden Antrag gestellt hatten, erhielten wir einen kurzen Besuch von der örtlichen Gendarmerie, hatten bei einem Gespräch auf der Préfecture einige Fragen zu beantworten und wurden schliesslich an einer sympathischen Einbürgerungsfeier mit Apéro riche auf unsere Rechte und Pflichten in Frankreich aufmerksam gemacht.

Seit unserer Einbürgerung haben wir an allen Gemeinde-, Regional-, Departements- und Nationalen Wahlen teilgenommen. Im Stimmlokal unserer kleinen Gemeinde werden wir jeweils herzlich begrüsst und zu einem Schwatz bei Kaffee und Kuchen eingeladen. Es scheint alle zu freuen, dass wir uns für die Politik Frankreichs interessieren und in unserm holprigen Französisch mitdiskutieren. Andererseits nehmen wir selbstverständlich auch unser Wahl- und Abstimmungsrecht in der Schweiz regelmässig wahr. Denn auch was in unserer früheren Heimat passiert, kann uns nicht plötzlich egal sein. 560’000 Auslandschweizer sind wie wir Doppelbürger und fühlen sich sowohl ihrer neuen wie auch ihrer alten Heimat verbunden.

Im Zusammenhang mit der schweizerischen Fussball-Nationalmanschaft und der Doppeladlergeschichte ist die Diskussion um die doppelte Staatsbürgerschaft neu entbrannt. Rechtsbürgerliche Parlamentarier möchten sie gerne abschaffen und ein vermeintliches Problem zu einem wahren Nachteil für die Schweiz machen. Denn die 916’257 Schweizerinnen und Schweizer, die einen zweiten Pass besitzen, müssten sich für eine Nation entscheiden. Das Land würde dadurch viele engagierte Bürgerinnen und Bürger verlieren, welche trotz guter Integration in der neuen ihre alte Heimat nicht verleugnen wollen. Statt Abschaffung der Doppelbürgerschaft müsste das Gegenteil geschehen: Warum nicht alle auf Schweizer Boden Geborene automatisch zu Schweizern machen, wie in den USA und Frankreich? Warum nicht das erniedrigende Spiessrutenlaufen vor kleinlichen Einbürgerungsgremien ersatzlos streichen und eine freundliche, weltoffene Einbürgerungspraxis einführen?

Die Schweiz rühmt sich zurecht ihrer direktdemokratischen Mitwirkungsrechte. Dass aber gerade auch wegen der restriktiven Einbürgerungspraxis ein wachsender Anteil der in der Schweiz lebenden Bevölkerung kein Stimm- und Wahlrecht hat, ist bedenklich. Bürgerrechte sind Teil unserer Identität und fördern die Integration. Die Schweiz sollte sich freuen, wenn viele Menschen den roten Pass begehren.

Ruedi und Stephanie Baumann

 

Urbaner Aufbruch, Niedergang der Dorfkultur

Posted in Politik by ruedibaumann on Juli 13, 2018

Kolumne im Bieler Tagblatt vom 12. Juli 2018

In den letzten Jahren haben wir oft unsere Kinder, Grosskinder und Freunde in der Schweiz besucht und dabei ist uns immer wieder aufgefallen, wie sehr sich das Land in den letzten zwanzig Jahren verändert hat. Vielleicht entwickelt man in der Fremde eine besondere Sensibilität für Land und Leute, für bauliche Landschaftsveränderungen, Stimmungen und die Art des Zusammenlebens und man sieht als Auslandschweizer die Veränderungen in der alten Heimat besser als diejenigen, die immer da leben.

Uns scheint, dass ein urbaner Aufbruch stattfindet. Junge Familien zieht es zurück in die Stad, wo Plätze und Strassen wieder zum öffentlichen Raum werden, seit der Moloch Autoverkehr zurückgedrängt wird. Die Städte und Agglomerationen werden fussgänger- und velofreundlicher! Tempo 30 und Spielstrassen werten das Stadtleben auf. Die roten Stühle auf dem Münsterplatz in Bern, die Renaturierung der Schüss in Biel mit Spiel- und Begegnungsstätten, die See- und Flussufergestaltung an diversen Orten sind nur einige Beispiele eines urbanen Aufbruchs hin zu lebenswerten Städten! Kein Wunder, dass der projektierte Autobahn-Westast in Biel auf erbitterten Widerstand der betroffenen Bevölkerung stösst. Man ist in den Städten erfreulicherweise nicht mehr bereit, die Lebensqualität dem privaten Autoverkehr unterzuordnen!

Weit weniger erfreulich sehen wir die Entwicklung auf dem Land, in den einst so pitoresken und hablichen Dörfern. Es begann mit den Strassenverbreiterungen. Schöne alte Häuser mussten weichen und wurden durch gesichtslose Zweckbauten ersetzt. Der „Bären“ wurde abgerissen, das „Rössli“ zweckentfremdet, der „Ochsen“ in ein Schikimicki-Restaurant oder ein Take-away umgestaltet. Begegnungsorte fehlen zunehmend, Dörfer werden zum anonymen Siedlungsbrei und zu Schlafstädten. Schulwege sind kaum gesichert, der Autoverkehr hat Priorität!

Gewisse alte Dorfzentren sind heute an baulicher Hässlichkeit kaum mehr zu überbieten! Die Dorfvereine leiden an Überalterung und Mitgliederschwund. Politische Parteien serbeln, viele kleine Gemeinden haben Mühe, geeignetes Personal für ihre Behörden zu finden. Niedergang der Dorfkultur?

Warum ist das so? Hängt es mit den politischen Mehrheitsverhältnissen zusammen? Städte in der Schweiz sind inzwischen praktisch ausnahmslos rot-grün dominiert,

Dörfer und ländliche Gemeinden hingegen oft konservativ und rechtsbürgerlich. Die Landbevölkerung stimmt mehrheitlich militärfreundlich aber fremdenfeindlich.

Oder sind all das nur falsche Eindrücke von schweizkritischen Doppelbürgern?

Ruedi und Stephanie Baumann

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Baulandbauern und Schrebergärteler…

Posted in Patrimoine et architectures, Politik, Uncategorized by ruedibaumann on Juni 22, 2018

…zum Beispiel in Lyss, Kanton Bern, Schweiz

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Sanfte Landwirtschaft

Posted in Politik by ruedibaumann on Juni 7, 2018

Sanfte Landwirtschaft (Kolumne im heutigen Bieler Tagblatt)

Wir bauern jetzt bald zwanzig Jahre in der Gascogne. Und in dieser Zeit haben wir noch kein Kilogramm Handelsdünger auf unseren Feldern ausgebracht, kein Gramm Pestizid verspritzt. Wir produzieren biologisch und lassen unseren Betrieb durch die französische Kontrollorganisation zertifizieren. Die Erträge sind allerdings nicht rekordverdächtig. Dafür wohnen in unseren Wiesen und Hecken Kiebitze, Kuckucke, Schleiereulen, Milane, Mäusebussarde, Lerchen, Pirole, Wiedehopfe, Rebhühner, Fasane und viele andere Vögel. Offenbar wirkt diese sanfte Landwirtschaft ansteckend, denn in der Gegend gibt es jetzt viel mehr Biobauern als noch vor zwanzig Jahren, bald mal sind es 20%!

Wir fragen uns immer wieder, warum der Biolandbau im Berner Seeland einen so schweren Stand hat. Warum wehren sich Bauern für den Einsatz von Totalherbiziden, die nachweislich im Grundwasser landen und im Feldbau zu unüberwindbaren Resistenzproblem führen? Warum wollen Bauern um alles in der Welt mehr Nutztiere auf ihrem Hof halten, als sie Futter für diese produzieren können? Ist es wirklich so wichtig, einige zusätzliche Zentner Getreide, Kartoffeln, Zuckerrüben oder Mais zu ernten und damit in Kauf zu nehmen, dass unser Trinkwasser verseucht wird? Ist es richtig, das Futter für die Fleisch- und Milchproduktion aus dem Ausland, sogar aus Übersee zu importieren?

Natürlich wird man hier wie dort argumentieren, der wirtschaftliche Druck zwinge die Landwirte, immer mehr zu produzieren. Aber stimmt das überhaupt? Bekanntlich stammt etwa die Hälfte der bäuerlichen Einkommen in der Schweiz aus Direktzahlungen vom Staat. Rund 50’000 Schweizerfranken im Durchschnitt pro Betrieb.

Kürzlich wurde eine Volksinitiative mit einem intelligenten Lösungsansatz eingereicht: Die Trinkwasserinitiative will, dass Direktzahlungen an Bauern nur noch ausbezahlt werden, wenn sie auf den Pestizideinsatz verzichten und der Tierbestand auf die betriebseigene Futterbasis beschränken. Eigentlich logisch, dass Steuerzahler nicht mehr für die Verschmutzung des eigenen Trinkwassers bezahlen wollen!

Wir haben gelesen, dass der Schweizerische Bauernverband die Trinkwasserinitiative einstimmig ablehne! „Geits no?“ fragen wir uns da augenreibend. Ist es wirklich Sache des Bauernverbandes, den Chemiemultis und Futtermittelimporteuren die Kohlen aus dem Feuer zu holen? Endlich könnte die Schweiz der Europäischen Union zeigen, dass die sanfte Landwirtschaft, der biologische Landbau, die Produktion in der Region für die Region eine Zukunftsvision ist. Es geht um die Glaubwürdigkeit des schweizerischen Bauernstandes!

Ruedi und Stephanie Baumann

 

 

 

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Darüber spricht man (lieber) nicht…

Posted in Politik by ruedibaumann on Mai 3, 2018

Ich habe im März aus der „Republik“ erfahren, dass u. a. der stv. Direktor des Schweiz. Bauernverbandes als Verwaltungsrat der Raiffeisenkasse jährlich 160’000 sfr. erhält. In einem offenen Leserbrief an den „Schweizerbauer“ und an die Bauernzeitung wollte ich von Markus Ritter  nur wissen, ob das stimme. Ritter hat geantwortet, obschon mein Leserbrief in den besagten Zeitungen nie veröffentlicht wurde(!) Ich habe Leserbrief und Antwort  nur auf meinem Blog (auswandererblog.ch) vom 20. März selber publiziert. Ritters Antwort ist sehr allgemein gehalten und enthält keine Zahlen.

Inzwischen hat die Bauernzeitung offenbar in einer Randnotiz darüber berichtet. Allerdings natürlich ohne Zahlenangaben und ohne den Hinweis, dass der besagte Verwaltungsrat seine Entschädigung kürzlich noch um 40% erhöhen wollte…

Eigentlich erstaunlich, dass Schweizer Bauern stillschweigend akzeptieren, dass freundliche, aber unliebsame Leserbriefe in ihren Verbandszeitungen unterschlagen werden und dass einer der „ihren“ in der Freizeit (!) 160’000 Franken pro Jahr „verdienen“ kann, auch wenn jetzt offenbar praktisch der ganze, wenig kompetente Verwaltungsrat zurücktreten muss.

UrsSchneiderRaiffeisen

Chapeau!

Posted in Politik by ruedibaumann on März 25, 2018

Kilian Baumann hat die Wiederwahl in den Bernischen Grossen Rat geschafft!

Wir gratulieren ihm, seiner Familie und allen grünen MitstreiterInnen und WählerInnen!

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Wir Alt-68er

Posted in Politik by ruedibaumann on März 22, 2018

Unsere heutige Kolumne im Bieler Tagblatt

Wir sind Alt-68er und immer noch stolz darauf. Die 68er-Bewegung hat uns geprägt und uns den Mut und Willen gegeben, alles etwas anders zu machen als unsere Eltern und Grosseltern. Ein selbstbestimmtes Leben wollten wir führen, uns für soziale Gerechtigkeit und die Umwelt einsetzen und gegen Obrigkeiten immer kritisch bleiben. Natürlich wollten wir nicht heiraten, das fanden wir zu bourgeois und bünzlig; und weil damals in Zürich das Konkubinat verboten war, lebten wir in einer Studentenkolonie im aargauischen Spreitenbach. Wir sind aus der Kirche ausgetreten, weil uns die starren Rituale abschreckten. Wir bereisten ohne Geld per Anhalter Europa und Nordafrika.

Von Chancengleichheit im Bildungswesen konnte bis 1968 für Arbeiter- und Bauernkinder keine Rede sein. Wir mussten den Zugang zu ETH und Uni auf dem zweiten Bildungsweg mühsam erkämpfen. Darum haben uns die basisdemokratischen Proteste und Sit-ins und die ganze Aufbruchstimmung gegen das verknöcherte System an den Hochschulen so fasziniert. Wir liebten die Beatles und Rolling Stones, den ganzen Groove der 70er Jahre mit Flower Power und Hippiebewegung und liessen Haare und Bart wachsen. Wir haben an Anti-Vietnamkriegs-Demos teilgenommen und Che, Ho-Chi-Minh und Mao verehrt und verklärt.

Wir haben uns politisch engagiert auf Gemeinde, Kantons- und Bundesebene. Wir waren Teil der Friedens-, Umwelt-, Dritte Welt-, Frauen- und Anti-AKW-Bewegungen.

 

Und nun? Ist die Welt besser geworden?

 

Wenn wir uns hier in der friedlichen Gascogne umschauen, können wir ohne Vorbehalt sagen: für u n s ja! Für Europa ja, für die Schweiz ja.

Europa hat sich demokratisiert. 1968 waren Spanien, Griechenland und Portugal noch Diktaturen, diverse osteuropäische Staaten Satelliten der Sowjetunion. Die Stellung der Frau hat sich seither verbessert, auch wenn es in Sachen Lohngleichheit noch viel zu tun gibt. Der Sozialstaat ist in Europa die grösste Errungenschaft der letzten 50 Jahre, auch wenn die Finanzierung immer wieder neu erkämpft werden muss. Neue Lebensformen konnten enttabuisiert und legalisiert werden. Der demokratische Rechtsstaat funktioniert leidlich. Bildungsangebot und Chancengleichheit wurden verbessert.

 

Alle die fortschrittlichen Errungenschaften, weg von totalitären Staaten hin zu gesellschaftsliberalen Demokratien, haben die Menschen befreit. Und trotzdem beschleicht einen ein ungutes Gefühl, wenn man die derzeitige Weltlage anschaut. Kriege, Flüchtlingsströme, Hunger, Klimaerwärmung… Wahrscheinlich muss jede Generation immer wieder neu beginnen, die Welt etwas besser zu machen. Zum Beispiel bei den Grossrats- und Regierungsratswahlen am nächsten Sonntag.

 

Ruedi und Stephanie Baumann

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Damit das Berner Seeland etwas grünt…

Posted in Politik by ruedibaumann on März 21, 2018

kilian

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Leserbrief

Posted in Politik by ruedibaumann on März 20, 2018
Offener Brief an den Präsidenten des Schweizer Bauernverbandes
Lieber Herr Ritter
Ich lese, dass der stv. Direktor des Schweizer Bauernverbandes Urs Schneider als Mitglied des Verwaltungsrates  der Raiffeisenbank für wenige Sitzungen im Jahr mit 170’000 sfr. entschädigt wird (er ist daneben in noch zehn anderen Verwaltungsräten tätig). Stimmt das?
Wäre es nicht an der Zeit, die Verwaltungsratshonorare der ganzen Führungsequipe des Bauernverbandes transparent zu machen?
Ruedi Baumann
Antwort des Präsidenten des Schweizerischen Bauernverbandes:

 

Sehr geehrter Herr Baumann

 Ihren Blog-Eintrag bezüglich Entschädigung von Urs Schneider von Raiffeisen Schweiz habe ich nicht gesehen, die Fragen wurden mir nun aber zugetragen. Ich nehme wie folgt dazu Stellung:

  • Urs Schneider hat die Bewilligung des SBV als Arbeitgeber das Mandat bei Raiffeisen auszuüben
  • Die Vergütung ist nicht so hoch, wie von Ihnen angenommen, da Urs Schneider kein Ausschusspräsidium inne hat
  • Die Entschädigung von Raiffeisen wird bei der Lohnfestsetzung beim SBV berücksichtigt
  • Der grösste Teil des Arbeitseinsatzes für Raiffeisen leistet Urs Schneider während der Freizeit und den Ferien
  • Ein Teil der Entschädigung als Verwaltungsrat bei Raiffeisen, für die geleistete Tätigkeit während der ordentlichen Arbeitszeit, wird durch Urs Schneider an den SBV rückerstattet
  • Die Entschädigungen für alle weiteren Mandate, die alle im Zusammenhang mit seiner Funktion beim SBV stehen, fliessen ausnahmslos an den SBV. Dies trifft auch für alle andern Mandate, die GL-Mitglieder im Auftrag des SBV ausüben, zu.

 Das Präsidium ist überzeugt, wir haben für alle Seiten korrekte Lösungen getroffen. Der SBV hat übrigens schon vor zwei Jahren im Rahmen eines Lohnvergleichs der Bauernzeitung die Gesamtlohnsumme der GL offengelegt und dabei hat sich gezeigt, dass die Löhne sehr moderat sind und einen Bruchteil dessen betragen, was in Unternehmen bezahlt wird.

 Bei weiteren Fragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

 Freundliche Grüsse

 Markus Ritter

 

Markus Ritter

Nationalrat

Präsident Schweizer Bauernverband

Krans 4

9450 Altstätten

Tel. 071 755 77 11

Natel 079 300 56 93

E-Mail: markus.ritter@parl.ch

Homepage: www.markusritter.ch

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Grossratswahlen im Kanton Bern

Posted in Politik by ruedibaumann on März 7, 2018
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