AUSWANDERERBLOG

Pestizide sind überall

Posted in Politik by ruedibaumann on Mai 3, 2021
Plakate Pestizidinitiative
 Keystone/Anthony Anex

Er will endlich Bewegung in der Agrarpolitik: Biobauer und Grünen-Politiker Kilian Baumann erklärt im Interview, weshalb er die Trinkwasser- und Pestizid-Initiativen unterstützt. Und was das für die Preise für Bio-Produkte bedeuten könnte. Weitere Sprachen: 3 (Auszüge aus einem Interview auf swiss info)

Am 13. Juni kommen zwei Agrarinitiativen an die Urne, die für hitzige Debatten sorgen. Die Trinkwasser-Initiative will, dass Landwirte keine Direktzahlungen erhalten, wenn sie Pestizide einsetzen oder prophylaktisch Antibiotika verwenden und dass sie einen Tierbestand halten, den sie mit eigenem Futter ernähren können. Die Pestizid-Initiative ihrerseits verlangt ein komplettes Verbot von synthetischen Pestiziden und ein Einfuhrverbot von Lebensmitteln, die mithilfe solcher hergestellt wurden oder die solche enthalten.

Nützliche Links

Der Berner Kilian Baumann ist Nationalrat der Grünen und Biobauer. Er ist eines der Gesichter des Befürworter-Lagers der beiden Initiativen, obwohl er bei deren Ausarbeitung nicht involviert war. Baumann hat sich immer wieder kritisch über die Sistierung der Reform der Agrarpolitik geäussert und setzt sich für eine merkliche Ausweitung der biologischen Landwirtschaft ein.

swissinfo.ch: In der Schweiz herrscht der Eindruck vor, die „unberührte Natur“ des Landes sei vorbildlich. Täuscht das?

Kilian Baumann: Man muss sagen, dass wir mittlerweile in den Rückstand geraten sind. Früher waren wir besser unterwegs, aber in den letzten Jahren wird die Agrarpolitik blockiert, nötige Massnahmen werden gebremst. Schauen Sie auf unsere Nachbarn: Österreich ist hinsichtlich Bioflächen und Biobetriebe wesentlich weiter als die Schweiz, Bayern und Baden-Württemberg sind uns in Sachen biologische Landwirtschaft voraus. Leider leben wir nicht in der heilen Welt, die wir uns gerne vorstellen.

Diese Problematik ist bekannt – fast täglich lesen wir Berichte über Pestizidrückstände im Trinkwasser, über Quellfassungen, die nicht mehr genutzt werden können, weil die Höchstwerte überschritten wurden, über das Bienensterben, das Verschwinden der Insekten, den Biodiversitätsverlust und so weiter. Auch die Ursachen sind bekannt und die Landwirtschaft ist für einen grossen Teil dieser Probleme mitverantwortlich. Wobei man klar sagen muss, nicht die Landwirtschaft, sondern die Landwirtschaftspolitik. Nicht wir Bauern sind schuld, sondern die politischen Rahmenbedingungen.

Kilian Baumann
 Kilian Baumann, Nationalrat der Grünen zVg

Wo fände sich die Schweiz nach Annahme dieser Vorlagen wieder?

Da würden wir einen grossen Schritt vorwärts machen, wenn wir als Land – auf nationaler Ebene – auf den Gebrauch von synthetischen Pestiziden verzichten würde. Und die Tierbestände stärker an die Betriebsfläche gebunden würden.

Bisher gibt es vereinzelt Regionen, die auf synthetische Pestizide verzichten. Würden wir das als ganzes Land machen, hätte das eine wahnsinnige Ausstrahlung ins Ausland. Und ich sehe das auch als Chance. Die Schweiz wäre eine Vorreiterin, die für Nachhaltigkeit, Ökologie und Klimaschutz einsteht – das sind ja die Themen für die Zukunft.

Was ist die Haltung Ihrer europäischen Schwesterparteien zum Thema? Gibt es auch auf EU-Ebene ähnliche Bestrebungen?

Mit dem Green New Deal will man europaweit die Landwirtschaft ökologischer gestalten. Es gibt ähnliche Bewegungen in praktisch allen westlichen Ländern, in denen es Direktzahlungen an Bauern gibt und wo man die Landwirtschaft an ökologische Leistungen knüpft. Denn man ist mit den gleichen Problemen konfrontiert.

Das stösst auf grossen Widerstand, weil von diesen Änderungen auch finanzielle Interessen betroffen wären. Von der intensiven Landwirtschaft und Tierhaltung mit grossem Einsatz von Dünger, Pestiziden und Maschinen, profitieren ja gewisse Kreise.

Die beiden Initiativen werden als „zu radikal“ bezeichnet. Wäre etwas milder formulierte Anliegen nicht zielführender gewesen?

Die Übergangsfristen sind mit 8, respektive 10 Jahren grosszügig. Zudem gibt es zuerst noch einen parlamentarischen Prozess, um die Initiative in ordentliches Recht überzuführen. Abgesehen davon gibt es bei der Umsetzung auch einen gewissen Spielraum, etwa bezüglich der Futtermittel, die von der Trinkwasserinitiative betroffen sind.

Man muss auch sagen: Die Initiativen kommen aus Bürgerkomitees, nicht von Parteien oder Verbänden. Es gibt also offenbar ein Unbehagen in der Gesellschaft. Die Politik hat es in den letzten Jahren versäumt, diese Anliegen aufzunehmen. Die Reform der Agrarpolitik ist blockiert und es gibt nicht einmal Gegenvorschläge zu den beiden Initiativen. Darum sagen die Leute jetzt, „es reicht“.

Giftbauern

Posted in Politik by ruedibaumann on Mai 2, 2021

Die Rolle der Fenaco (Zitat aus dem heutigen Sonntagsblick)

„Fenaco und die Bauern sind also aufs Engste miteinander verbandelt. Der Fenaco-Präsident ist im Vorstand des Bauernverbands. Mit Guy Parmelin und Ueli Maurer sitzen gleich zwei Männer im Bundesrat, die einst im Verwaltungsrat der Genossenschaft waren. 32 bäuerliche Vertreter und Vertreterinnen zählt das Parlament. Darunter auch Fenaco-Verwaltungsrat Leo Müller und Bauernverbands-Präsident Markus Ritter. Bisher ist es den Bauern dank Unterstützung der Bürgerlichen stets gelungen, ihre Interessen durchzusetzen: Milliarden an Direktzahlungen, kaum Zugeständnisse an eine ökologischere Landwirtschaft.

Was im Parlament noch funktioniert, scheint für die Bevölkerung immer weniger aufzugehen. Sonst würde es aktuell nicht gleich zwei Initiativen geben, die von den Landwirten einen radikalen Richtungswechsel fordern – die Pestizid- und die Trinkwasser-Initiative. Beide wollen eine Landwirtschaft, die bewahrt und nicht zerstört. Also vereinfacht gesagt: Bio. Für die ganze Schweiz.

Für Fenaco wäre so was geschäftsschädigend. Für die weltweit tätige Syngenta ist der Schweizer Markt vernachlässigbar – doch die Signalwirkung wäre schlecht.“

Der Gegenbauer

Posted in Politik by ruedibaumann on April 26, 2021

Kilian Baumann ist Bauer und gleichzeitig Feindbild vieler Bauern. Etwa, weil

er für die Trinkwasserinitiative kämpft. Er hat gewusst, dass es so weit

kommen wird – von seinem Vater.

Samuel Tanner NZZaS

24.04.2021, 21.45 Uhr

Auf der Landwirtschaftsschule nannte er sich, so gut es ging,

Kilian B.: Kilian Baumann, Nationalrat der Grünen. (Suberg,

Dieser Bauernhof in Suberg im Kanton Bern, ein denkmalgeschütztes

Riegelhaus, das umgeben ist von Bächen und von Bäumen, an vielen

Tagen eingenebelt zwischen Bern und Biel, dieser Bauernhof der

Familie Baumann stand schon immer im Sturm.

Kilian Baumann, 40, Bauer und Nationalrat der Grünen, steht

zwischen dem Stall und einem alten Traktor – ein schmaler Mann

mit schönen Schuhen –, als er von den Drohungen gegen sich und

seine Familie erzählt. In den Kommentarspalten der Bauernpresse

rufen sie zu Gewalt auf, so dass er das Bild mit Partnerin und

Kindern von seiner Website gelöscht hat. Anrufe auf sein Handy

nimmt er nur noch ab, wenn er die Nummer zuordnen kann.

Er sei da reingeraten, in diesen Sturm der Politik, sagt Baumann,

seine Partnerin kritisiere das durchaus. Es hört nicht mehr auf.

Am Abend davor war er im «Club» des Schweizer Fernsehens, um für

die Trinkwasser- und die Pestizidinitiative zu reden, über die am

13. Juni abgestimmt wird. Die Initiativen wollen, dass die Bauern auf

Pestizide verzichten, auf Antibiotika, auf den Zukauf von

Futtermittel. Kilian Baumann, der neue Präsident der Kleinbauern,

sass Markus Ritter gegenüber, dem Präsidenten des grossen

Bauernverbands.

Sie sind beide Biobauern, aber damit hören die Gemeinsamkeiten

auf. Baumann trug ein feines Hemd, Ritter eine breite

Edelweisskrawatte wie ein Plakat. Baumann hat eine stille Stimme,

Ritter den häckselnden Dialekt seiner Heimat.

Ritter hat die Macht, Baumann den Zeitgeist auf seiner Seite. Und die

Macht hat den Zeitgeist schon immer gefürchtet. Ritter erstritt sich

das Wort und referierte Zahlen, bis niemand mehr folgen konnte.

Damit kommt er meistens durch. Aber Baumann ist kein leichter

Gegner. Er will den Fleischkonsum reduzieren, aber er ist nicht

Veganer, sondern Fleischproduzent. Er ist ein Bauer, wie das urbane

Milieu ihn malen würde, ein Teilzeitbiobauer und Teilzeitvater, aber

er hat nie studiert und wohnte sein ganzes Leben lang im gleichen

Dorf.

Vielleicht sind es gerade diese Widersprüche, die seine Gegner

wahnsinnig machen. Baumann ist eine stille Provokation. «Ich bin

bei vielen Bauern nicht beliebt», sagt er, «das ist der Punkt, an dem

mein Vater schon stand.»

«Kilian hat sicher auch

gelitten unter seinem Vater,

stillschweigend» – das sagt:

sein Vater.

Kilian Baumann hat früh mitbekommen, was es bedeutet, sich gegen

Grossmächte im Bauernstand auszusprechen. Der Bauernhof, auf

dem er aufgewachsen ist und den er heute führt, war besprayt mit

den Worten: «Ruedi du Wixer». Damit war sein Vater gemeint, Ruedi

Baumann. Ein Stier musste geschlachtet werden, weil Sprayer ihm ins

Gesicht sprühten, bis er böse wurde.

Das Bändli des Telefons war mit Morddrohungen belegt. Auf der

Landwirtschaftsschule nannte er sich, so gut es ging, Kilian B., um

nicht als Baumann erkannt zu werden. Das merkten seine Eltern erst

später. «Kilian hat sicher auch gelitten unter seinem Vater,

stillschweigend» – das sagt: sein Vater.

Wieso ist aus Kilian B. jetzt doch Kilian Baumann geworden?

Die Antwort liegt auf diesem Bauernhof in Suberg, der seit vielen

Generationen von der Familie geführt wird. Baumanns Grossvater

war beliebt, der Kommandant der Dorffeuerwehr, der Präsident der

Musikgesellschaft. Als er im Herbst des Jahres 1975 starb, wurde die

Hauptstrasse für den Trauerzug gesperrt. Mit ihm ging, so wird er in

der Familie beschrieben, ein zufriedener Kleinbauer in einer Schweiz

der Kleinbauern. Er war einer, der dazugehörte.

Nach dem Tod des Grossvaters brach eine neue Zeit an: auf dem Hof,

im Land. Ruedi Baumann übernahm, das zweite Kind der Familie. Er

blieb Kleinbauer in einer Zeit, als die Schweiz zu einem Land der

Grossbauern wurde. Er wurde einer, der nicht dazugehörte. Baumann

heiratete eine emanzipierte Frau aus Bern. Sie bekamen zwei Söhne,

denen sie alle Freiheiten liessen. Sie führten einen Biohof und

wurden dafür belächelt. Er trug einen langen Bart, sie trug Hosen.

Als er für seine alte Partei, die SVP, auf eine Liste wollte, wurde Ruedi

Baumann abgelehnt – weil seine Frau in einer anderen Partei sei als

er: bei der SP. Deshalb ging er zu den Grünen, deren Präsident er

später werden sollte. In den neunziger Jahren waren Ruedi und

Stephanie Baumann das erste Ehepaar im Nationalrat. Als er im

Vorstand des Bauernverbands eine Kleinbauerninitiative vorstellen

wollte, wies man ihn ab. Deshalb trat er aus dem Verband aus und

wurde zu dessen Gegner.

Provokationen, überall

Ruedi Baumann sagt: «Ich bin nicht freiwillig zum Aussenseiter

geworden.»

In Suberg wehrten sich Baumanns gegen eine Bahnunterführung –

bis heute regen sich die Leute im Dorf über sie auf, wenn sie am

Bahnübergang warten müssen. Sie wehrten sich dagegen, dass Bäche

zugedeckt wurden und eine Umfahrungsstrasse gebaut wurde. Die

Ironie ihrer Geschichte ist, dass sie die Schweiz bewahren wollten

und dabei von Konservativen bekämpft wurden.

In dieser Umgebung wuchsen die beiden Söhne auf, Simon und

Kilian. Im nahen Wald erschufen sie sich ihre eigene Welt: ein

Hüttendorf, in dem sie in den Sommerferien lebten. Einen Kleinstaat

mit eigener Währung, Strassen, Restaurants. «Die Eltern waren oft

weg und wir frei», sagt Kilian Baumann. Im Wald konnte er

irgendeinen Namen tragen.

In der Realität war es anders. Simon Baumann, der ältere Sohn, sagt:

«Wir waren nie ein weisses Blatt Papier. Wir mussten uns immer zu

unseren Eltern positionieren. Das ist unser Erbe.» Er wurde

Filmemacher und zum Beobachter seiner eigenen Familie. In dem

Dokumentarfilm «Zum Beispiel Suberg» versuchte er die

Aussenseiterrolle in seinem eigenen Dorf zu überwinden, die auch

familienbedingt war. Er trat dem Männerchor bei und blieb sechs

Jahre lang, bis zu dessen Auflösung. Zurzeit arbeitet er an einem Film

über seine Eltern und das, was sie hinterlassen.

Kilian Baumann, der jüngere Sohn, übernahm im Alter von zwanzig

Jahren den Bauernhof der Eltern. Ruedi und Stephanie Baumann

zogen sich am Anfang des neuen Jahrtausends aus der Politik und

auf einen Bauernhof in der Gascogne, Frankreich, zurück. Sie hatten

versucht, einen Hof in der Schweiz zu kaufen oder zu pachten, aber

sie fanden keinen. Auch aus politischen Gründen, sagt Ruedi

Baumann.

Am Telefon teilt er sein Leben in zwei Zeiten: In der Schweiz hätten

sie «eine gute Zeit» gehabt, in Frankreich «eine grossartige Zeit». Als

Auswanderer konnten sie ihren Namen noch einmal neu

konnotieren. Sie machen jetzt nicht mehr Politik, sie haben jetzt «ein

im ganzen Land anerkanntes Orchideenzentrum», wie er sagt.

In Suberg führt Kilian Baumann sein Erbe weiter: auf dem Hof und

in der Politik. Sein Vater sagt: «Wir sind stolz auf ihn und ziemlich

erstaunt. Vom Charakter her ist er kein Politiker.» Sein Bruder sagt:

«Mein Vater hat den politischen Kampf gesucht, er zog Energie

daraus. Hoffentlich kann Kilian das auch.» In der Familie kann

niemand erklären, wieso es ihn in die Politik zog.

Kilian Baumann erbte mit dem Bauernhof auch eine Perspektive. Er

ist Kleinbauer geworden in einer Schweiz, die Kleinbauern eigentlich

nicht mehr vorsieht. Er hat eine Obstbaumkultur wiederbelebt auf

einer Wiese, die er auch als Bauland hätte verkaufen können. Er hat

neun Rinder und ein paar Hühner und zehn Hektaren Land. Fleisch

verkauft er nur direkt ab Hof.

Nur mit seinem Bauernhof könnte er seine Familie nicht ernähren,

sie waren schon immer auf den Lehrerinnenlohn seiner Partnerin

angewiesen. Kleinbauern müssen vielleicht kreativer sein als

Grossbauern, damit sie überleben. Vieles rentiert für sie nicht.

Der Präsident der Grünen, Balthasar Glättli, will vermehrt auch die

konservative Seite seiner Partei betonen. Was ihm vorschwebt, ist

eine Art helvetisches Hüttendorf: mit lokalen Währungen, mehr Sein

als Haben, ein Leben nach den Ressourcen der Natur. Balthasar

Glättli sucht in der Vergangenheit eine Zukunft, die Kilian Baumann

auf seinem Bauernhof bereits gefunden hat.

Als Jugendlicher schnupperte Baumann auch in anderen Berufen, als

Gärtner oder als Kaufmann, aber er wollte Bauer werden, weil man

sich auf seinem Hof die eigene Welt erschaffen, oder in seinem Fall

eher: bewahren kann. Er sagt: «Es brauchte immer solche, die einen

neuen Weg gehen. Veränderungen werden belächelt, sie werden

abgelehnt, aber sie entfalten dennoch ihre Wirkung.» Er spricht von

neuen Wegen, aber neue Wege können auch zurückführen.

Um sein Erbe, diesen kleinen Bauernhof in Suberg im Kanton Bern,

zu verteidigen, muss er die Landwirtschaftspolitik verhindern, die

aus Bauernhöfen so etwas wie Bauernkonzerne machen will. Aus

diesem Grund steht er heute an dem gleichen Punkt wie damals sein

Vater.

Wir gratulieren!

Posted in Politik by ruedibaumann on April 25, 2021

Die Kleinbauernvereinigung hat Nationalrat Kilian Baumann (Grüne, BE) zu ihrem neuen Präsidenten gewählt. An der digital durchgeführten Veranstaltung sagte Baumann, der Schweizer Bauernverband sei politisch auf dem Holzweg. 

Regina Fuhrer, Biobäuerin aus Burgistein BE und SP-Grossrätin, präsidierte zehn Jahre lang die Kleinbauern-Vereinigung (VKMB). Letztes Jahr kündigte sie ihren Rücktritt an. An der digital durchgeführten Jahresversammlung wurde sie von Vizepräsident Jean-Marie Minka lobend verabschiedet. Sie habe den Vorstand verjüngt und schlagkräftiger gemacht, und dank ihr sei die Kleinbauern-Vereinigung medial präsenter geworden. Sie habe in der Zusammenarbeit mit Politik und Behörden die Anliegen der VKMB «immer menschlich, aber klar und konsequent in der Sache» eingebracht. Mit ihr traten auch Alois Rölli, Ruedi Kunz, Ruth Berchtold und Markus Schwegler aus dem Vorstand zurück. Rölli war seit 1980 als Gründungsmitglied der Vereinigung in deren Vorstand gesessen. 

Baumann ist neuer Präsident

Schon im Vorfeld der Versammlung war Kilian Baumann schriftlich zum neuen Präsidenten der Kleinbauern-Vereinigung gewählt worden. Vizepräsident Minka verwies auf sein Nationalratsmandat und seinen Einsitz in der Wirtschaftskommission, also dort, wo die Agrarpolitik gemacht wird. Baumann erhielt 84 Stimmen, es ging 1 Gegenstimme bei 0 Enthaltungen ein. Baumann führt in Suberg BE den Betrieb seiner Eltern Ruedi und Stephanie Baumann weiter. Schon Ruedi Baumann hat von 1989 bis 2001 die Kleinbauern-Vereinigung präsidiert, er war ebenfalls Nationalrat für die Grünen (seine Frau Stephanie war SP-Nationalrätin). 

«Bevölkerung fordert Antworten»

Baumann hielt gleich eine programmatische Antrittsrede. Es seien agrarpolitisch turbulente Zeiten. Die AP 22+ sei sistiert worden und damit auch eine gerechtere Verteilung der Direktzahlungen. «Der Druck aus der Bevölkerung nimmt zu. Die Bevölkerung ist nicht zufrieden mit der gegenwärtigen agrarpolitischen Situation, sie fordert Antworten, wie der Klima- und Biodiversitätskrise begegnet werden kann», so Baumann. Die Landschaft sei ja selbst stark betroffen von der Klimaveränderung. 

«SBV kämpft sogar gegen Konsumenten»

Dann fuhr Baumann wie folgt fort: «Während sich unser grosser Bruder, der Grossbauernverband (SBV), politisch gerade etwas verirrt hat und kaum noch weiss, wo unten und oben ist bei seinem Kampf gegen Klimastreikende, gegen Umweltverbände und sogar gegen Konsumentinnen und Konsumenten, zeigt sich bei uns ein ganz anderes Bild. Einmal mehr bestätigt sich, dass die Ausrichtung der Kleinbauernvereinigung, zusammen mit Konsumentinnen und Konsumenten nach Lösungen zu suchen, der richtige Weg ist.» Es freue ihn sehr, die Interessen der ökologischen und sozialen Landwirtschaft zu vertreten und unsere Anliegen auch auf nationaler Ebene einzubringen. Die Betonung der «sozialen und ökologischen» Landwirtschaft zeigt auf, dass diese Dimension mittlerweile für die Organisation wohl fast wichtiger ist als diejenige der Grösse oder Kleinheit des Betriebes. 

Kampf für die Pestizidinitiative

Das zeigt sich auch in der Kampagne, welche die Kleinbauern-Vereinigung derzeit für die Pestizidinitiative führt, über die am 13. Juni abgestimmt wird. Sie fordert in der Schweiz ein Verbot aller synthetischen Pflanzenschutzmittel. Weiter steht im Initiativtext: «Die Einfuhr zu gewerblichen Zwecken von Lebensmitteln, die synthetische Pestizide enthalten oder mithilfe solcher hergestellt worden sind, ist verboten.» Die Kleinbauern-Vereinigung hat dazu schon letztes Jahr die Ja-Parole gefasst und macht eine eigene Ja-Kampagne. Zu diesem Zweck hat sie auch zusätzliche Spenden von Privatpersonen erhalten, wie Regina Fuhrer erläuterte. Fuhrer erklärte, die Vereinigung sei überzeugt, dass es diesen Systemwechsel brauche. Man wolle raus aus dem Hamsterrad einer immer billigeren Produktion hin zu einer Produktion, die die Umwelt respektiert. 

Stimmfreigabe zur Trinkwasser-Initiative

Auf eine Frage hin erklärte Noch-Präsidentin Regina Fuhrer die Haltung der Kleinbauern-Vereinigung zur Trinkwasser-Initiative. Der Vorstand habe sich im vergangenen Jahr mit Franziska Herren, der Initiantin, ausführlich unterhalten und ausgetauscht. «Wir erachten die Stossrichtung der Initiative als sehr richtig und wichtig und berechtigt. Wir haben uns aber entschieden, auf die Pestizidinitiative zu setzen, denn diese ist für uns klarer und einfacher umzusetzen.» Deshalb habe man Stimmfreigabe beschlossen. 

Über 2000 Antworten bei Umfrage

Regina Fuhrer erklärte, dass die Kleinbauern-Vereinigung die Arbeit für die Anlaufstelle für die ausserfamiliäre Hofübergabe und die Regio-Challenge weiterführen werde. Das Vermögen der Kleinbauern-Vereinigung betrage knapp 300’000 Franken bei zuletzt Ausgaben von rund 550000 Franken pro Jahr, so habe man eine gewisse Sicherheitsreserve. Die Kleinbauern-Vereinigung sei in den vergangenen Jahren gewachsen, auch finanziell. Ihre Arbeit stosse auf zunehmendes Interesse. Sie erwähnte auch, dass bei einer Umfrage bei Mitgliedern und Sympathisantinnen zu Anliegen und Prioritätensetzung über 2000 Rückmeldungen eingegangen seien. Die Kleinbauern-Vereinigung vereinigt Bäuerinnen und Bauern (sichtbar sind fast ausschliesslich Bioproduzenten) und Konsumenten. (Text Schweizer Bauer, Daniel Salzmann)

Striegeln gegen Unkraut

Posted in Politik by ruedibaumann on April 19, 2021

Ich frage mich dabei, wie sich wohl Biobauern fühlen, wenn sie mit ihrem Porträt vom Agrochemiekonzern Syngenta bezahlten Inseraten Stimmung gegen die Trinkwasserinitiative machen. Mit 2x Nein-Inseraten und -Fahnen verraten sie alle Konsument:innen und Berufskollegen, schliesslich hat Biosuisse ja zumindest für die Pestizidinitiative die Ja-Parole beschlossen!

Für alle die nicht wollen, dass Trinkwasser und Boden weiterhin verseucht werden: 2 x Ja am 13 Juni zu den dringend notwendigen Agrarinitiativen!

Weniger Fleisch (Bieler Tagblatt)

Posted in Politik by ruedibaumann on Juli 16, 2020

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Er gehört zum Seeland wie die Zuckerfabrik oder der Hagneckkanal: Der Biobauer Kilian Baumann aus Suberg ist in der Region alles andere als unbekannt. Mit seiner Aufforderung, dass Schweizerinnen und Schweizer der Umwelt und der eigenen Gesundheit zuliebe weniger Fleisch essen sollen, machte er jetzt auch landesweit Schlagzeilen. «Weniger Fleisch für Soldaten!» So titelte der «Blick» Anfang Juli mit Grossbuchstaben einen Artikel und erklärte darin, was der Grünen-Nationalrat aus dem Seeland will: Dass jeder seinen wöchentlichen Fleischkonsum senkt. Ein Kilogramm Fleisch in der Woche landet hierzulande im Durchschnitt auf dem Teller. Das ist weniger als vor ein paar Jahren, aber noch immer zu viel, wie der Fleischproduzent findet.

Dabei solle der Bund bei der sogenannten öffentlichen Beschaffung mit gutem Beispiel vorangehen und etwa den Soldaten in der Armee weniger Fleisch auftischen. «Auf diese Aussage hin habe ich unzählige Reaktionen erhalten, sei es per Mail, via Telefon oder per Brief», sagt Baumann, der selber regelmässig Fleisch isst, einfach sehr reduziert, wie er sagt. «Wenn es ums Fleisch geht, verstehen viele keinen Spass.» Gerade im Militär brauche es doch Fleisch, sonst fehle die Energie, schrieb man ihm unter anderem.

Die Tatsache, dass er sein Geld mit dem Verkauf von Jungrindfleisch verdient und Fleisch isst, mache es doch gerade glaubwürdig, über Fleischkonsum zu reden, findet Baumann: «Wäre ich Veganer, wäre der Widerstand wohl noch grösser.»

 

Aktiv gegen Klimawandel

Baumann erlebte als Biobauer hautnah, wie sich die Natur in den letzten Jahren verändert hat: «Die Sommer werden immer trockener, die Auswirkungen deutlicher, die Klimaerwärmung verlangt nach einer Handlung», sagt er, während er auf seiner Rinderweide steht. Jetzt da er als Volksvertreter im Nationalrat sitze, habe er eben auch die Möglichkeit, aktiv etwas für die Umwelt zu tun.

Ein Weg führt laut dem Grünen-Politiker über die Drosselung des Fleischkonsums. Baumann hat im Nationalrat bereits mehrere Vorstösse eingereicht, in denen es um den Fleischkonsum geht. So fordert er den Bund unter anderem dazu auf, eine Informationskampagne zu lancieren, bei der es um die gesundheitlichen Aspekte des Fleischkonsums geht. Im Frühling hat Baumann, der seit letzten Herbst im Nationalrat sitzt, einen Vorstoss eingereicht, in dem er den Bund auffordert, Fleischalternativen zu fördern.

 

Abholzung des Regenwaldes

Kilian Baumann isst wie erwähnt selber Fleisch: «Ich versuche die Menge aber zu reduzieren, das heisst ich esse maximal drei Mal pro Woche Fleisch.» Dabei habe er das Glück, dass er und seine Familie das eigene Rindfleisch essen können, auf Poulet und Schweinefleisch verzichte man hingegen fast ganz.

Denn der grösste Teil der Pouletmasten in der Schweiz arbeite mit Importfutter. Dadurch würden viele Nährstoffe aus Brasilien in die Schweiz gebracht, die später wieder als Mist und Gülle auf unseren Feldern lande. Dabei komme es nicht nur zur Abholzung des Regenwaldes, sondern eben auch zur Überdüngung. Unterbrochen werden könne dieser Kreislauf durch weniger Fleischkonsum. Auch Fleischimport sei aus Sicht des Tierschutzes höchst problematisch, weil vieles davon aus Tierfabriken stamme.

Beim Rindfleisch sei es hingegen möglich, eine gewisse Menge in der Schweiz herzustellen – mit Futter, das ebenfalls hierzulande hergestellt wurde.

 

Für Fleischersatzprodukte

Baumann beschäftigt sich auch mit Fleischersatzprodukten, die ausschliesslich aus Pflanzen und ganz ohne Zusatzstoffe hergestellt sind. Etwa dasjenige von einem Schweizer Start-up, das nur aus Erbsenprotein und Sonnenblumenöl ein Ersatzprodukt herstellt. «Wenn man es als Chicken Nugget oder in einem Döner isst, merken sogar Fleischliebhaber den Unterschied nicht mehr», sagt Baumann, der findet, dass Restaurants dadurch bewertet werden sollten, wie nachhaltig ihr Fleisch ist.

Sein Rindfleisch ist es auf jeden Fall: Seine Herde besteht aktuell aus zehn Tieren, die lange bei den Muttertieren lebten. Sie kommen also aus einer sogenannt muttergebundenen Kälberaufzucht, in der gleichzeitig Milch hergestellt wird. Etwas, was in der Schweiz erst seit diesem Sommer legal ist. Bis die Rinder etwa zwei Jahre alt sind, leben sie auf dem Hof von Baumann.

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Zum Beispiel Suberg

Posted in Politik, Uncategorized by ruedibaumann on Juni 13, 2020

Morgen Sonntag 14. Juni 2020 um 23:05 auf SRF1:

 

 

Verfügbar bis 21.06.2020 auf SRF: CH-Filmszene

https://www.srf.ch/play/tv/chfilmszene/video/zum-beispiel-suberg?id=6758f8bb-784a-44b2-bfbd-87a1c4dbe8ca

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Ferien auf dem Bauernhof in der Schweiz?

Posted in Agrikultur, Politik by ruedibaumann on Juni 13, 2020

IMG_2817

 

…entpuppt sich bei näherem Hinsehen als harte Jätarbeit durch osteuropäische LandarbeiterInnen! (Bild vergrössern!)

 

IMG_2817

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Pablo Neruda

Posted in Literatur, Politik by ruedibaumann on Mai 2, 2020

Ich habe in den letzten Tagen die Memoiren von Pablo_Neruda „Ich bekenne ich habe gelebt“ wiedergelesen.

Ein beeindruckendes Leben!

Ich erinnere mich an den Film „Il Postino“, an die Kontroversen um seine Ode an Stalin, an den Streit um seine Todesursache und um den Missbrauch einer Frau.  Pablo Neruda wurde 1971 mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet. Seine Dichtung hat oder hatte in Chile Kultstatus. Er wurde verehrt und gehasst.

„Die Jahre vergehen. Man verbraucht sich, gedeiht, leidet und geniesst. Die Jahre nehmen und bringen einem das Leben. Die Abschiede werden häufiger, die Freunde kommen ins Gefängnis, werden wieder entlassen, sie fahren nach Europa, kehren zurück oder sterben einfach“.

(Textauszug, diktiert kurz vor seinem Tode 1973)

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Schweizer Geheimdienst

Posted in Politik by ruedibaumann on Februar 26, 2020

Screenshot 2020-02-26 13.49.20

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