AUSWANDERERBLOG

Wir Ertrunkenen

Posted in Uncategorized by ruedibaumann on August 21, 2016

Carsten Jensen erzählt von Menschen, deren Leben vom Meer bestimmt ist. Von Männern, die ihrer Sehnsucht nach Freiheit und Abenteuer folgen, und von Frauen, die dem Meer, das ihnen die Männer und die Söhne raubt, den Kampf ansagen. „Wir Ertrunkenen“ ist ein großes Buch über Liebe, Freundschaft, Verlust und Wahnsinn, voller Satanskerle, Glücksritter, Leichtmatrosen und starker Frauen.

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Wow, was für ein Buch, was für ein gewaltiges Buch! 778 spannende Seiten!

Ich habe das Buch gelesen, nachdem wir in Dänemark und auf der Ostsee waren.

Ausgangspunkt für den Autor ist die kleine Stadt Marstal auf der dänischen Insel  Ero, wo  er selber aufgewachsen ist. Er will mit dem Roman die ethnische Herkunft der Dänen als Seefahrernation in Erinnerung rufen, weil die heutigen Dänen meinen, sie seien eine Bauernnation gewesen mit Wurzeln im Ackerboden. Er schreibt dazu in einem Nachwort:

Wir leiden an einem historischen Erinnerungsverlust. Ich sehe es als einen tragischen Erinnerungsverlust an, denn er tritt zu dem ungelegensten Zeitpunkt unserer Geschichte auf; einem Zeitpunkt, an dem uns eine Entwicklung, für die wir keinen anderen Begriff haben als ein Fremdwort – die Globalisierung – , in die Pflicht nimmt zu lernen, mit dem und mit den Fremden zu leben. Ob wir das wollen oder nicht.

Das konnte der Bauer nie. Er wusste kaum von der Existenz des Fremden, sondern blieb stattdessen auf seinem Grund und Boden. Der Seemann besuchte die Fremde. Er umarmte sie vielleicht nicht, aber stets nahm er von dort etwas mit nach Hause. Vor allem brachte er das Wissen mit, dass man die Dinge auf mehr als nur eine Weise tun konnte. Ein Seemann hatte nicht nur die tägliche Aussicht auf den weiten Horizont. er wusste auch, dass es auf der anderen Seite des Horizontes noch etwas gibt und dass es nicht notwendigerweise dasselbe sein muss wie hier. Der Bauer blickte nicht weiter als zu seiner Flurgrenze, sein Weltbild gründete sich auf einer kleinen Parzelle.

Daher ist der Seemann im Zeitalter der Globalisierung ein besserer Stammvater als der Bauer, und daher ist es tragisch, dass wir uns entschieden haben ihn zu vergessen.

 

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3 Antworten

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  1. sentenhof1gmxnet said, on August 27, 2016 at 9:20 am

    lieber ruedi,
    wir sind daran, uns auf seemännische horizontbetrachtungen einzustellen. hier ist die möglichkeit, unsere reise zu verfolgen: sehfahrerblog.wordpress.com
    gruss: ueli ineichen

    • ruedibaumann said, on August 27, 2016 at 10:41 am

      Liebe Weltenbummler,
      Ich wünsche schöne Reise und werde den sehfahrerblog mit Interesse verfolgen. Als Reiseliteratur empfehle ich Carsten Jensen und Juli Zeh.
      LG
      Ruedi

  2. ☆berlinizer☆ said, on August 30, 2016 at 7:08 am

    herzlichen Dank für den Buchtipp 😊
    Frank


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