AUSWANDERERBLOG

Ins Netz gegangen

Posted in Uncategorized by ruedibaumann on August 18, 2016

Kolumne im Bieler Tagblatt vom 18. August 2016

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 Die Gascogne ist eine ausgesprochen ländliche Region, geprägt von dünn besiedelten sanften Hügeln mit Einzelhöfen und kleinen Dörfern, dichten Hecken und lichten Eichenwäldern vor der imposanten Kulisse der Pyrenäenkette. Unser Wechsel vom hyperaktiven Bundeshaus auf einen abgelegenen Hof in der France profonde war wie ein Schritt zurück in die beschaulichen Fünfzigerjahre im Bernbiet.

 

Am Anfang hatten wir alle Hände voll zu tun, den stillgelegten Hof wieder in Schuss zu bringen. Wir haben Dächer erneuert, das Wohnhaus renoviert, Felder gerodet, Hecken geputzt und Gerümpel entsorgt, Maschinen angeschafft und die Wasser- und Stromversorgung erneuert. Bei so viel Arbeit fiel uns kaum auf, dass der tägliche Besuch der Briefträgerin oft unser einziger Kontakt zur Aussenwelt blieb. Natürlich gab es eine Telefonleitung mit Internet. Das lange Erdkabel war aber bei Drainagearbeiten so oft durchtrennt und anschliessend notdürftig zusammengeflickt worden, dass die Verbindung meist schlecht funktionierte. Und wenn wir stattdessen unsere Handys nutzen wollten, mussten wir zuerst fünfhundert Meter auf den nächsten Hügel steigen.

 

Wir können auch nach fünfzehn Jahren noch nicht behaupten, wir würden am Nabel der Welt wohnen. Doch die Zeit ist auch hier nicht stehen geblieben. Inzwischen ermöglichen neue Antennen einen meist stabilen Funkempfang für Handy und Internet. Wir schauen mehrmals am Tag in unsere mail-box und freuen uns, wenn wir dort ein paar Zeilen von Freunden oder ein Föteli von unsern Kindern und Enkeln finden. Skype, Twitter und Facebook gehören zum täglichen Brot. Unser Tun und Lassen halten wir regelmässig im auswandererblog.ch fest. Dank digitaler Medien bleiben wir auch als Ausgewanderte sowohl unserer Familie wie auch dem politischen Geschehen in der Schweiz ganz nah, hören und lesen wir doch fleissig Nachrichten im Netz und verpassen seit Einführung des E-voting keine eidgenössische oder kantonale Abstimmung mehr.

 

Kontakte halten über grosse Distanzen und informiert bleiben, das sind die positiven Seiten des Online-Zeitalters, die wir nicht mehr missen möchten. Nur auf die unschöne Seite dieser ständigen „Weltverbundenheit“ könnten wir leicht verzichten, nämlich auf die zunehmende sprachliche Verrohung, welche uns online immer öfter begegnet. Da wird manchmal hemmungslos polemisiert, beschimpft und gepöbelt. Die Schnelligkeit des Internet erleichtert die Verbreitung von Hass und Hetze. Da bleibt manchmal nur die Flucht aus dem Netz.

Stephanie und Ruedi Baumann

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2 Antworten

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  1. Andreas Willy Rothenbuehler said, on August 18, 2016 at 5:32 pm

    Früher war nicht alles besser.Falls Du das nicht glauben magst,liest Du am besten ein alter Jahrgang des Bieler Tagblatt.“Möge es uns vergönnt sein,Alles unschweizerische und Defätistische Auszumerzen.“ Sagte einmal ein Bundesrat Gnagi.Als BGB Erst August Redner gewissen Seelander Bauernfamilien bestimmt bestens bekannt.

    • ruedibaumann said, on August 19, 2016 at 6:29 am

      Ich würde mich hüten, zu behaupten, früher sei alles besser gewesen. Gestern wie heute wird manchmal unsäglicher Quatsch erzählt… von oben und von unten.


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