AUSWANDERERBLOG

Grosse Ehre!

Posted in Von Tag zu Tag by ruedibaumann on Dezember 9, 2006

Kaum zu glauben, ich wurde in der Blogger-Rangliste von Claude Longchamp trotz meiner wackeligen ADSL-Verbindung in der France profonde im November auf Platz eins gewählt! Das ist ein schönes Geburtstagsgeschenk! Hier die Laudatio vom Stadtwanderer:

1. auswandererblog (vormals 3)

„endlich hat es ruedi baumann geschaft, mich voll und ganz zu überzeugen. unermüdlich berichtet er aus der südwestecke frankreichs, schreibt auch viel über die schweiz, sodass er zwar weg, aber eigentlich immer noch da ist. und dann trifft man ihn unerwartet in der buchhandlung, pflegt den gedankenaustausch, und erzählt sich ein wenig über die unterschiede in der bloggerszene der schweiz und in frankreich: ruedi sagt mir, seit er den stadtwanderer lese, müsse er ganz anders durch bern gehen, immer und überall hinauschauen, um zu sehen, was er vorher immer übersah! gut so, antwortete ich ihm, den aufrechten gang üben, ist immer gut, gerade auch für blogger. danke ruedi für deinen unermüdlichen aufrechten gang auch ausserhalb berns!“

Und hier die ganze Rangliste stadtwanderer

Der Gehülfe

Posted in Diverses by ruedibaumann on Dezember 8, 2006

Vor 50 Jahren ist der Bieler Schriftsteller Robert Walser gestorben. Nach Klinikaufenthalten starb Walser auf einem einsamen Waldspaziergang an Weihnachten 1956. Er wird als der grosse Grenzgänger in der Schweizer Literatur des 20. Jahrhunderts beschrieben.
Grund genug für mich, seinen Roman „Der Gehülfe“ (wieder) zu lesen. Darin schildert er das Leben eines mittellosen Büroangestellten bei einem erfolglosen Erfinder mechanischer Apparate. Dem Roman werden starke autobiografische Züge zugeschrieben. Ich erinnere mich auch an den Film von Thomas Koerfer (1976).

Robert Walser 1878 -1956; „Der Gehülfe“ (1908) Weitere Infos über Buch und Film

Ahnengalerie

Posted in Bauernland by ruedibaumann on Dezember 7, 2006

Bauernbub

Ich bin in eine kleine Welt geboren worden und in einer kleinen Welt aufgewachsen. Auf dem Hof Inselmatt, mitten im kleinen Bauerndorf Suberg im Berner Seeland. Das Dorf gehört zur Gemeinde Grossaffoltern, war aber im Schulwesen und in anderen Bereichen lange Zeit selbständig. Wir Buben und der Vater gingen öfter mal mit Schaufel und Pickel zum Gemeindewerk, um den gemeinsamen Wegunterhalt zu besorgen. Suberg zählte damals etwa 150 Einwohner, fast alles alteingesessene Bauernfamilien und Arbeiter, die sich ein einfaches Häuschen leisten konnten. Es gab ein Kolonialwarenlädeli, eine Milchsammelstelle, eine SBB-Station, eine Dorfwirtschaft, die landwirtschaftliche Genossenschaft, die Düngerfabrik, eine Poststelle und ein schönes Schulhaus aus Backsteinen mit einem Türmchen. Meine Eltern haben immer in diesem Dorf gelebt und natürlich auch die Schule besucht. Beim selben Lehrer, der später auch mich und meinen Bruder Kurt während fünf Jahren in der Gesamtschule unterrichtete.
Mein Vater ist „auf der Post“ aufgewachsen, einem bäuerlichen Kleinbetrieb, in dem die Familie Baumann während über hundert Jahren im Nebenerwerb auch das Postbüro betrieb. Urgrossvater, Grossvater und später der Bruder meines Vaters waren Posthalter in Suberg. Die pergamentene, abgegriffene Schweizerkarte an der Wand im Postbüro war für mich so etwas wie der Glanz der fernen Welt. Mein Grossvater hiess Rudolf Baumann senior und mein Vater war der Rudolf Baumann junior. So wurde ich zur besseren Unterscheidung trotz meines Taufnahmens Rudolf halt immer Ruedi geschrieben oder auf Berndeutsch ‚Buume Rüedu’ gerufen, auch wenn mir das nicht sonderlich gefiel.
Die Post liegt in Sichtweite der Inselmatt, wo meine Mutter als Lina Röthlisberger aufwuchs, wo mein Vater eingeheiratet hat und wo meine Geschwister und ich geboren wurden. Meinen Urgrossvater, Simon Röthlisberger, habe ich nicht mehr gekannt. Er stammte aus einer Käserfamilie von Langnau und hat in jungen Jahren den Landwirtschaftsbetrieb in Suberg aufgebaut. Von ihm hat mein Grossvater, Otto Röthlisberger, den wir immer Goffa nannten, die Inselmatt geerbt. Goffa war so etwas wie ein Herrenbauer und mehr Mechaniker als Landwirt. Schon in den dreissiger Jahren besass er ein Auto und weit und breit den ersten Hürlimann-Traktor.
Mein Vater hingegen war Bauer mit Leib und Seele. Er war streng und bestimmt, selber sehr arbeitsam, mit uns Kindern immer fröhlich, und man fühlte, dass er die Arbeit in Feld und Stall liebte.
Wie es weitergeht steht hier!

Simon Röthlisberger und Maria-Magdalena Röthlisberger Hänni, meine Urgrosseltern mütterlicherseits

Otto Röthlisberger 1889-1972, mein Grossvater mütterlicherseits

Rudolf Baumann 1920-1975, mein Vater

CNN à la Française

Posted in Comédie française by ruedibaumann on Dezember 6, 2006

Heute abend soll Première sein: France 24 geht auf Sendung. Nach CNN, BBC World, Deutsche Welle und Al-Jazira hat nun endlich auch Frankreich einen eigenen Informationssender der rund um die Uhr das Weltgeschehen aus der Sicht der Grande Nation darstellen soll. Es geht darum „l’influense de la France dans le monde“ zu verstärken bzw. zu entwickeln oder doch zumindest zu halten. Die Sendungen werden auf französisch und englisch, später auch auf arabisch und spanisch ausgestrahlt. Der Sender wird mit jährlich 86 Millionen Euros durch die öffentliche Hand finanziert. Er ist über Internet www.france24.com, Satellit und Kabel zu empfangen. Ich bin gespannt, ob der président de la République höchst persönlich bei der Eröffnung dabei ist!

Ruinen

Posted in Patrimoine et architectures by ruedibaumann on Dezember 6, 2006

Bei unseren zahlreichen Wanderungen in den Eichenwäldern des Gers stossen wir immer wieder auf alte Ruinen, etwas das man zumindest in der Deutschschweiz kaum kennt. Es sind Steinmauern von alten Höfen, Windmühlen, Pigeoniers die bereits seit Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten verlassen sind. Wir malen uns jeweils aus, wie das Leben hier wohl vor hundert Jahren ausgesehen hat. Es gibt auch verlassene Höfe, wo noch die verrosteten Reste uralter Landmaschinen herumstehen. Daneben stehen majestätische Eichen die viele Menschengenerationen überdauert haben. Eigentlich möchte man die Höfe wieder instandstellen, die Böden wieder kultivieren…

Wer macht heute noch so schöne Natursteinmauern?

Französische Grüne

Posted in Comédie française by ruedibaumann on Dezember 4, 2006

„Le Monde“ vom Samstag, 2. Dezember hat einen grossen Artikel über die Irrungen und Wirrungen der französischen Grünen publiziert. Darin werden vier verschiedene Flügel der zerstrittenen Oekologen ausgemacht mit den hauptsächlichen Vertretern der entsprechenden Schwerpunkte:
1. La défense de la nature (Antoine Waechter u.a.)
2. La lutte contre le réchauffement (Yves Cochet u.a.)
3. Contre le nucléaire (Stéphane Lhomme u.a.)
4. L’agriculture sans OGM (Noel Mamère, José Bové u.a.)

Einzig Dominique Voynet und der TV-Produzent und Animateur Nicolas Hulot werden dabei mehreren Themen zugeordnet. Bekanntlich ist nach einem peinlich langem internen Wahlverfahren M. Voynet als Präsidentschaftskandidatin nominiert worden. Allerdings sind ihre Umfragewerte katastrophal: Zur Zeit wollen gerade nur 2% der Französinnen und Franzosen die ehemalige grüne Umweltministerin als Staatspräsidentin wählen. Viel bessere Umfragewerte hat der Fernsehmann Nicolas Hulot, der sich mit eindrücklichen Natursendungen einen Namen gemacht hat. Er hat auch einen oekologischen Forderungskatalog (pacte écologique) aufgestellt, den nun alle Präsidentschaftskandidaten unterschreiben sollen. Politisch steht er wahrscheinlich der UMP näher als einer allfälligen Linksregierung.
José Bovét, streitbarer ehemaliger Sprecher der kleinen Bauerngewerkschaft Conféderation paysanne ist der meistverurteilte GVO-Mais-Mäher! Er hat sich vergebens bemüht, zusammen mit den Kommunisten einen antiliberalen Zusammenschluss mit ihm als Präsidentschaftskandidat zu realisieren. Die Gruppe der Neinsager zur europäischen Verfassung ist für die présidentielle völlig auseinandergebrochen. Laurent Fabius ist bei den Sozialisten gescheitert und die übrigen Linksaussen wollen alle ihre eigenen Kandidaten in den Wahlkampf schicken.

Kein Wunder, dass unter diesen Umständen die französischen Grünen zur Zeit einen lamentablen Eindruck hinterlassen und bei den nächsten Wahlen wahrscheinlich unter ferner liefen klassiert werden. Dabei scheinen grüne Themen in Frankreich zur Zeit aktuell wie noch nie! Schade!

Am 2. und 3. Dezember fand in Bordeauc die Generalversammlung der Grünen statt. Resolutionen von Les verts

Scheisselektronik

Posted in Von Tag zu Tag by ruedibaumann on Dezember 3, 2006

Die Kontrollanzeige in meinem Traktor (MF 6270) leuchtete rot: Warnanzeige verstopfter Getriebeoelfilter 15 Mikron und Anzeige des Schmieroeldrucks 5 bar. Motor sofort abstellen! Ich bin am Hackstriegeln, Unkrautbekämpfung im Getreide. Gemäss Bedienungsanleitung soll ich zwei Filter auswechseln. Also hole ich die Ersatzteile bei meinem Traktorenverkäufer in Preignan, 30 km Autofahrt. Nein, wir haben seit kurzem die MF-Traktorenvertretung nicht mehr, also auch keine Ersatzteile mehr. Also auf zum nächsten möglichen Ersatzteillager, schliesslich ist Freitagnachmittag und ich möchte wegen dem schönen Wetter übers Wochenende weiterarbeiten. Autofahrt 70 km nach Vic-Fezensac, mechanische Werkstätte mit Massey-Ferguson Traktorenvertretung.
Die zwei Oelfilter sind am Lager, zwar teuer, über hundert Euro. Filterwechsel ohne Getriebeoel abzulassen dürfte schwierig werden, also nehme ich noch 40 Liter Ersatz-Getriebeoel mit. Zahlen mit der Kreditkarte ist leider bei uns nicht möglich, sagt mir der freundliche Magaziner. Was bleibt mir anders übrig als vorerst noch einen Geldautomaten „en ville“zu suchen. Es ist schon dunkel auf meinem Weg zurück auf den Hof.
Ich wechsle die beiden Filter aus, ohne die 70 Liter Getriebeoel abzulassen. Uff!
Endlich, die Warnanzeige auf der Instrumententafel erlischt, ich kann die dringende Feldarbeit weiterführen. Eine halbe Stunde später leuchtet die Anzeige wieder rot!
Was jetzt. Der Mechaniker hat gesagt, vielleicht sei es nur die Sonde, die Elektrosonde. Aber das mit der Elektronik sei eben schwierig. Scheisselektronik….
Waren das noch Zeiten, als man Landmaschinen und Traktoren mit Gabelschlüssel, allenfalls Hammer und Ambos in der Dorfschmiede reparieren konnte!
Ich hoffe, dass sich die Elektroniksonden wieder erholen und morgen wieder grün leuchten!

Ausgedient...

DPU (Droits de payement unique)

Posted in Agrikultur by ruedibaumann on Dezember 2, 2006

Heute wurden uns – und ich glaube auch allen anderen Bauern in Frankreich-, über die Direction départementale de l’agriculture die seit langem ersehnten europäischen DPU eröffnet. Es handelt sich bei diesen Droits de payement unique um Zahlungsrechte für die nächsten Jahre. Diese EU-Beiträge für die Landwirtschaft sind produktionsunabhängig und basieren auf den Basisjahren 2000 bis 2002.
Wir erhalten künftig für die Bewirtschaftung von 63 ha einen Flächenbeitrag von rund 140 €/ha und für rund 5 ha Brachland 313 €/ha, alles in allem einen jährlichen Beitrag von rund 10 000 € für den ganzen Betrieb
Diese EU-Beiträge sind an eine ganze Reihe von oekologischen Auflagen (conditionalité) gekoppelt wie zum Beispiel die Anlage von Krautsäumen entlang von Wasserläufen (bandes enherbée), Aufzeichnungen über Ensatz von Dünger und Pflanzenschutzmittel, Brachlandflächen, Heckenpflege usw.. Als langjähriger Biobetrieb haben wir, im Gegensatz zu vielen anderen Bauern, keine Probleme mit diesen Randbedingungen.
Die EU-Staaten haben die Möglichkeit, Biobetriebe mit etwas höheren Beiträgen zu unterstützen. Leider macht die gegenwärtige bürgerliche Regierung davon keinen Gebrauch. Wir gehen aber davon aus, dass bei einem Regierungswechsel hin zu den Sozialisten im nächsten Jahr, Umweltleistungen wieder besser honoriert werden!

Die Bauerngewerkschaft Coordination rurale ist sehr skeptisch gegenüber dieser neuen Art der Direktzahlung in Frankreich und Europa!

Santé!

Posted in Agrikultur by ruedibaumann on Dezember 1, 2006

Länger leben mit dem richtigen Rotwein

Gute Nachrichten für Weinliebhaber: Rotweine aus dem Gers weisen einen besonders hohen Anteil gesunheitsfördernder Verbindungen auf. Sie sollen den Blutdruck senken und damit der Arterienverkalkung vorbeugen.

Wissenschaftler führen diesen Effekt auf Polyphenole zurück, wie eine Gruppe um Roger Corder von der Queen Mary Universität in London im Journal „Nature“ berichtet. Zu diesen Substanzen gehören unter anderem Gerb- und Farbstoffe, die auch zum Geschmack des Weins beitragen.

Die britischen Forscher haben nun jene Polyphenole identifiziert, die für den Schutz der Arterien verantwortlich sind. Es handle sich dabei um Procyanidine. Die Forscher wiesen in Laborversuchen nach, dass diese die Herstellung eines gefässverengenden Eiweisses, des Endothelin-1, unterdrücken.

Corder errechnete, dass pro Tag ein Viertelliter eines Weins mit viel Procyanidin bereits den Blutdruck senke. Hoher Blutdruck schädigt die Innenwand der Arterien und ist einer der Risikofaktoren für Arterienverkaltung.

Es stellte sich heraus, dass Weine aus dem südwestfranzösischen Departement Gers vier Mal mehr Procyanidine enthielten als andere, heisst es in „Nature“. Tatsächlich waren dies auch jene Regionen, in denen die Menschen auffallend alt wurden.

Besonders viele Procyanidine sind in Traubenkernen enthalten. Bei der traditionellen Weinherstellung, wie sie im Gers gepflegt wird, würden die Trauben zusammen mit den Kernen und den Schalen für drei bis vier Wochen vergoren, erklärt Corder.

Das liesse genug Zeit für eine vollständige Extraktion der Procyanidine. Moderne Weine hingegen vergärten höchstens eine Woche, wobei der Traubenschale vor allem die Farbe entzogen werde.

Zudem sei die in Südfrankreich vorrangig verwendete Traube mit dem Namen Tannat sehr reich an diesen gesundheitsfördernden Substanzen. Die traditionelle Weinherstellung sei aufwendiger und teurer als moderne Verfahren und daher heute wenig verbreitet.

Info aus bluewin

Die bekanntesten Weine aus der Region sind der Saint-Mont und der Madiran

Tannat-Reben, Gewitterstimmung La Oueyte