Nachtzug nach Lissabon
Habe eben Pascal Merciers (alias Peter Bieri) Roman Nachtzug nach Lissabon fertig gelesen und werde mir in den nächsten Tagen überlegen, was ich davon halte….
„Das Leben ist nicht das, was wir leben; es ist das was wir uns vorstellen zu leben“
Flughafer, Avena fatuas
Der Flughafer ist bei uns ein Problemungras. Es handelt sich um ein einjähriges, im Frühjahr keimendes Rispengras das im Biolandbau schwierig zu bekämpfen ist, weil die mechanischen Bekämpfungsverfahren (Hackstriegel) nicht wirken. Bei dichtem Auftreten wirkt es sich stark ertragsmindernd aus.
Wir werden versuchen, dem Flughafer mit kulturtechnischen Massnahmen beizukommen: z. Bsp. mit mehrjährigem Luzerneanbau mit häufigen Schnitten und/oder abwechselnden Herbst- und Frühjahrs-Feldbestellungen.
Tröstlich zu wissen: Flughafer ist ein beliebtes Futter für die gefiederten Freunde…
Übrigens: Im konventionellen Landbau wird Flughafer im gentechnisch veränderten, herbizidresistenten Mais mit einer Roundup-Douche total eliminiert….
Budapest 1972 – 2007
Stephanie und ich waren 1972 in Budapest. Simon und Kathrin (unsere Kinderlein) waren diese Woche in der ungarischen Hauptstadt. Vieles habe sich in diesen 35 Jahren verändert, einiges aber auch nicht, sagt Simon, der unsere Aufnahmen von damals mit seinen heutigen Fotos verglichen hat. Entstanden ist eine Collage mit alten (schwarzweissen) und jungen (farbigen) Erinnerungen…..
Damals prangte auf der Plakatsäule die Werbung für den Film Sacco und Vanzetti, jetzt für ein Magazin über Nicolas Sarkozy. Sacco und Vanzetti waren italienische Arbeiter und Gewerkschafter und wurden 1927 in den USA nach einem umstrittenen Prozess hingerichtet und später rehabilitiert. Nicolas Sarkozy ist der neue französische Staatschef mit ungarischen Wurzeln.
Bienenragwurz, Orchidee Nr. 25
Und hier wieder mal eine Sexualtäuschblume: Die Lippe der hell- bis dunkelrosa (selten weiss) blühenden Ophrys apifera ist einer Biene nachgebildet. Sie braucht allerdings gar keine Biene mehr anzulocken um sich fortzupflanzen. Denn sie ist autonom und bestäubt sich selber. Hierfür gleiten die Pollinien schon sehr früh aus den Pollenfächern, die Stielchen krümmen sich und bringen den Pollen auf die Narbe.
Und was heute auch noch wichtig ist:
LE MONDE.FR : Dernière minute
vendredi 18 mai 2007
La composition du gouvernement de François Fillon a été annoncée
L’équipe gouvernementale comporte quinze ministres et quatre secrétaires d’Etat. Ont été nommés : Alain Juppé, ministre d’Etat, ministre de l’écologie, du développement et de l’aménagement durable ; Jean-Louis Borloo, ministre de l’économie, des finances et de l’emploi ; Michèle Alliot-Marie, ministre de l’intérieur, de l’outre-mer et des collectivités locales ; Bernard Kouchner, ministre des affaires étrangères et européennes ; Brice Hortefeux, ministre de l’immigration, de l’intégration, de l’identité nationale et du codéveloppement ; Rachida Dati, ministre de la justice ; Xavier Bertrand, ministre du travail, des relations sociales et de la solidarité ; Xavier Darcos, ministre de l’éducation nationale ; Valérie Pecresse, ministre de l’enseignement supérieur et de la recherche ; Hervé Morin, ministre de la défense ; Roselyne Bachelot, ministre de la santé, de la jeunesse et des sports ; Christine Boutin, ministre du logement et de la ville ; Christine Lagarde, ministre de l’agriculture et de la pêche ; Christine Albanel, ministre de la culture et de la communication, porte-parole du gouvernement ; Eric Woerth, ministre du budget, des comptes publics et de la fonction publique.
Erstmals hat Frankreich eine Landwirtschaftsministerin! Nach dem miserablen Minister Busserau kann es nur besser werden….
Im schönsten Wiesengrunde…
So schön präsentieren sich unsere ungedüngten Wiesen zur Zeit. Eine Augenweide für Naturschwärmer….
Die Buntbrache auf unserem Schwesterbetrieb im Berner Seeland kann sich aber auch sehen lassen! Es ist einfach eine andere Pflanzengesellschaft mit viel Margritli….
Nochmal eine ganz andere Gesellschaft ist in diesen Minuten dem Vernehmen nach am petit déjeuner in Paris. Um elf Uhr will Sarkozy seinen Premieminister François Fillon vorstellen und morgen soll uns die neue Regierung präsentiert werden: 15 Minister, davon 7 Frauen, als Aussenminister der Sozialist Bernhard Kouchner, eine Landwirtschaftsministerin, eine Innenministerin usw. usf.. Alles neu macht der Mai…..
Kessel flicken
Frankreich hat den Aufbruch gewählt, sagte der neu gewählte Präsident nach seinem Wahlsieg.
Frankreich hat die Wende gewählt, schrieben die Schweizer Medien.
Kann man tatsächlich von Aufbruch und Wende sprechen, wenn ein Mann zum Staatspräsidenten erkoren wird, der bis kurz vor seiner Wahl doch einige Jahre lang bereits als Minister in der Regierung des Landes sass? Und wenn dieses Land vor und nach den Wahlen von der genau gleichen Partei regiert wird?
Vive la France!
Letzter Tag von Jaques Chirac im Elysée. Heute Abend um acht will er sich auf TF1 von seinem Volk verabschieden. Vielleicht auch etwas Rechenschaft ablegen über seine 12 Jahre als Staatschef. Seine Bilanz ist durchzogen.
Ich erinnere mich, wie er sein Amt antrat und gleich mit Atombombentests Proteste in der ganzen Welt auslöste. Wir haben damals selber im Nationalratssaal mit einem Transparent „Stop Chirac“ proklamiert und das Schlimmste befürchtet.
Chirac hat uns Lügen gestraft: Er hat sich geweigert, mit Bush und Blair in den Irakkrieg zu ziehen und damit zweifellos Recht behalten. Er hat in Frankreich die allgemeine Wehrpflicht abgeschafft und sie durch eine stark reduzierte Berufsarmee ersetzt. Er hat als erster Präsident die Verfehlungen der Grande Nation bei der Kolonialisierung, die teilweise Kollaboration mit der deutschen Besatzung im zweiten Weltkrieg und die französischen Greueltaten im Algerienkrieg anerkannt und sich dafür entschuldigt.
Chirac hat sich für den weltweiten Umweltschutz engesetzt und sich mit einer Abgabe auf Flugtreibstoff einen Namen gemacht. Er hat im Rahmen der EU die französischen Bauern verteidigt und gleichzeitig immer ein offenes Ohr gehabt für afrikanische Kulturen.
Er wollte Europa voranbringen und ist mit seiner Volksabstimmung über die europäische Verfassung (leider) kläglich gescheitert. Er konnte nicht verhindern, dass die Arbeitslosigkeit hoch blieb und sich Frankreich zunehmend verschuldete.
Chirac wird jetzt seine parlamentarische Immunität verlieren und in den nächsten Jahren wahrscheinlich für verschiedene Finanzaffären während seiner langen politischen Tätigkeit zur Rechenschaft gezogen…..
Aber er will auch eine weltweite Stiftung gründen zur nachhaltigen Entwicklung und zur Förderung des Dialogs zwischen den Kulturen! Morgen um elf Uhr wird er seinem Nachfolger Nicolas Sarkozy die Schlüssel der französischen (Atom-) Macht übergeben.
Bonne chance, monsieur le président!
Wilde Orchideen
An den Südhängen ist sie schon verblüht, aber nordseitig und im Halbschatten der Eichenhaine leuchtet sie noch aus dem hohen Gras: die grüne Waldhyazinthe, Platanthera chloranta.
Sie hätte noch eine Schwester, nämlich die weisse Waldhyazinthe, die sich nur in ganz kleinen Details unterscheidet.
Nachdem sicher die halbe Schweiz den Artikel von Erwin Koch im letzten Magazin gelesen hat (Königin der Fensterbank) und jetzt alles über gezüchtete Orchideen weiss, können wir jetzt hier hemmungslos mit folgenden Details aufwarten:
Bei der grünen Waldhyazinthe treten die Pollinien unten breit auseinander und die Stielchen sind länger als die Pollenmasse. Bei der weissen Waldhyazinthe hingegen stehen die Pollinien eng beieinander, senkrecht und parallel, und die Stielchen sind kürzer als die Pollenmasse. Alles klar?
Wir suchen also weiter nach der weissen Hyazinthe und gehen hierfür vor jeder Pflanze in die Knie (es sind über Hundert bisher), schauen jeder Blüte tief in die Augen, stehen wieder auf und gehen zur nächsten Pflanze….. Das ersetzt den Fitness-Club.
Heuet
Es wird geheuet in der Gascogne. Zunehmend wird das Gras nur angewelkt und bevor es ganz dürr ist in Plastikplanen verpackt. Die Rundballen werden einzeln oder in lange „Plastikwürste“ eingewickelt. Die Vorteile liegen auf der Hand: Keine Blattverluste weil das Futter noch nicht ganz trocken ist, Lagerung im Freien und rationelles Handling. Die Nachteile: Beeinträchtigung der Landschaft durch die „Dinosauriereier“ oder „Kunststoffwürste“ und Resourceverschleiss (Plastikplane).
Kuckucksspeichel
Wenn man zur Zeit durch die Wiesen läuft, bekommt man selbst an sonnigen Nachmittagen nasse Füsse. An zahlreichen Pflanzen haftet Zikadenschaum. Die Wiesenschaumzikade schützt sich so vor Angreifern. Die Larve frisst sich im Schutz dieses Schaummantels am Grünzeug satt.
Der Zikadenschaum wird auch als Kuckucksspeichel bezeichnet, weil er häufig an Wiesenschaumkraut (= Kuckucksblume) haftet.
Zickadenschaum an Bocksbart. Die Blume öffnet sich am Morgen und ist um 12 Uhr schon wieder geschlossen…. 28 Stundenwoche in Frankreich? Im Hintergrund Klappertopfwiese.











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