Bedingungsloses Grundeinkommen
Im Hinblick auf die Volksabstimmung vom 5. Juni über die Initiative für ein bedingungsloses Grundeinkommen in der Schweiz bin ich einigermassen erstaunt, dass bisher nie über das Grundeinkommen diskutiert wird, das bereits seit Jahren besteht.
Als Bauer in der Europäischen Union und insbesondere in der Schweiz profitiert man seit Jahrzehnten von einem Grundeinkommen. Die sogenannten Direktzahlungen an die Landwirtschaft sind eigentlich nichts anderes.
Die Initianten gehen von einem künftigen bedingungslosen Grundeinkommen von 2500 sfr. pro Monat (für Kinder 625 sfr.) für jede Person aus, also 30’ooo sfr. pro Jahr.
Die rund 50’000 Landwirtschaftsbetriebe in der Schweiz erhalten im Durchschnitt mehr als 50’000 sfr. pro Jahr. Natürlich bestehen zwischen Klein- und Grossbetrieben riesige Unterschiede. Grossbauern dürfen beispielsweise mit über 200’000 sfr. pro Jahr rechnen, für Kleinbauern dagegen bleibt nur wenig übrig!
Jetzt wird man einwenden, diese Direktzahlungen des Bundes würden ja nicht bedingungslos ausgerichtet. Das mag für einen (kleinen) Teil dieser Zuwendungen stimmen. Man spricht von ökologischen Direktzahlungen für Blumenweisen, von allgemeinen Direktzahlungen, von Direktzahlungen für den Zuckerrübenanbau, für Biodiversität, für Obst- und Nussbäume, für die Ernährungssicherheit usw.. Aber ganz allgemein gilt, dass der Grossteil diese Zuwendungen bedingungslos erfolgt. Mir ist jedenfalls kein Bauer bekannt, der keine Direktzahlungen erhält!
In der EU ist es ähnlich, einfach dass das Beitragsniveau pro Betrieb etwa zehn mal tiefer ist und kein Grenzschutz für landwirtschaftliche Produkte mehr besteht.
Als Bauer muss ich fairerweise dem bedingungslosen Grundeinkommen für alle zustimmen, schon nur gerechtigkeitshalber.
Oder etwa nicht?
Telepac
Auch EU-Bauern erhalten Direktzahlungen (pac: politique agraire commune). Allerdings sind diese etwa 10 mal geringer als in der Schweiz. Dafür werden die Plangrundlagen immer genauer. In diesem Jahr haben die zuständigen Beamten sich noch etwas neues einfallen lassen. Sämtliche Flugaufnahmen wurden akribisch gesichtet und jeder Strauch, jeder Baum, jede Hecke, jeder Teich, jeder Steinhaufen… ja jede Heu- oder Strohballe wurde auf den Plangrundlagen festgehalten.
Es wird gemunkelt, Frankreich habe diese Monsterarbeit nach Indien ausgelagert!?
Jeder einzelne Bauer ist nun aufgefordert, auf seiner Telepac-Deklaration diese Landschaftsobjekte zu verifizieren und zu klassieren. Anders als in der Schweiz gibt es für Einzelbäume usw. kein Geld, vielmehr werden die betroffenen Flächen je nach dem nicht mehr als landwirtschaftliche Nutzfläche (SAU: surface agricole utile) anerkannt… Das (Bauern-)Leben ist kompliziert geworden!
Übrigens: für unseren 70 Hektaren grossen Ackerbau-Biobetrieb erhielten wir letztes Jahr insgesamt 9’805 € Direktzahlungen.

Languedoc Roussillon Midi Pyrénées
Durch den Zusammenschluss von den bisherigen Regionen Midi-Pyréenées und Languedoc-Roussion sind wir nun Einwohner einer europäischen Grossregion (zum Beispiel grösser als Irland!) mit 13 Departementen…

5.7 Millionen Einwohner, zweitgrösste Agrarregion Frankreichs mit am meisten Biolandwirtschaft (20%!), grösster Vignoble mondial (273 000 ha), Leader européen im Sektor Aéronautique (Airbus!) und führende Region Frankreichs in der Forschung…
Präsidentin des Regionalparlamentes und der Region ist Carole Delga (socialiste).
http://www.regionlrmp.fr/Un-nouveau-territoire-33814
Das einzige was uns jetzt noch fehlt ist der Name der neuen Region. Darüber soll in einer Volksabstimmung in diesem Sommer entschieden werden. Es stehen 8 Varianten zur Diskussion:

Ich stimme für „Midi“ weil der Name kurz und einfach wäre. Es scheint aber, dass sich die Mehrheit für Okzitanien (Occitanie) aussprechen wird.
Zum Beispiel Suberg
Unsere Familiengeschichte ist noch 6 Tage online verfügbar…. auf
http://www.srf.ch/sendungen/ch-filmszene/zum-beispiel-suberg
oder noch besser auf einer DVD mit Booklet und Bonusmaterial (alte Kurzfilme usw.)
unter www.zumbeispielsuberg.ch
In nur drei Jahrzehnten hat sich Suberg vom verschlafenen Bauern- zum anonymen Schlafdorf entwickelt. Mit feinsinnigem Humor zeigt der Filmemacher Simon Baumann am Beispiel seines Heimatdorfes die Veränderungen: Vereinsamung, Zersiedelung und der Druck der Rentabilität in einer globalisierten Welt.

Simon Baumann lebt seit seiner Geburt in Suberg. Doch 32 Jahre lang hat der Filmemacher („Image Problem“, 2012) das Dorf und seine Bewohner erfolgreich ignoriert. Anders als sein Grossvater, der als Bauer ein starker Ring in der Kette der Dorfgemeinschaft war, kennt Simon hier kaum jemanden. Aber viele kennen ihn: Seine Eltern waren das erste Nationalratsehepaar der Schweiz und haben sich als linke Politiker im Dorf viele Feinde geschaffen. Auf der Suche nach Anschluss trifft Simon deshalb nicht nur auf offene Türen, man droht ihm sogar mit Handgreiflichkeiten.
Zu Zeiten von Grossvater Baumann war Suberg noch von einer kleinbäuerlichen Struktur geprägt. Vierzehn Landwirtschaftsbetriebe belebten das Dorf. Die Bauern waren aufeinander angewiesen und halfen sich gegenseitig aus. 40 Jahre später ist die Einwohnerzahl von Suberg zwar nur leicht gestiegen, aber die Anzahl der Haushalte hat sich verdoppelt. Die wenigsten Suberger arbeiten im Dorf. Bauernbetriebe gibt es gerade mal noch zwei.
Wer wie Simon Baumann im Dorf nicht nur schlafen, sondern auch am Leben teilnehmen möchte, hat ein Problem: Es fehlt an Orten der Begegnung. Wohl gibt es noch einen Bahnhof und ein Schulhaus, aber schon lange keine Post und keinen Dorfladen mehr. Die ehemalige Dorfbeiz ist einem Restaurant für gehobene Ansprüche gewichen. Also versucht der Filmemacher den ehemaligen Dorfplatz zu reanimieren, spricht mit Menschen, die das Dorf geprägt haben und findet auf der Suche nach dem Lebensgefühl seiner Vorfahren schliesslich im Männerchor eine letzte kleine, ebenfalls vom Aussterben bedrohte Oase des Gemeinschaftssinns.
Mit feinsinnigem Humor zeigt der Filmemacher die Veränderungen in unserem Zusammenleben: Vereinsamung, Zersiedelung und der Druck der Rentabilität in einer globalisierten Welt. «Man sagt, die Welt sei ein Dorf geworden. Nehmen wir an, dieses Dorf heisse zum Beispiel Suberg, dann kann man hier die ganze Welt sehen.»
Bravo Schweiz!
Es tut gut, wieder mal zu den Abstimmungssiegern zu gehören!
Die grosse Mehrheit der Schweizer StimmbürgerInnen hat der fremdenfeindlichen Durchsetzungsinitiative eine Abfuhr erteilt. Der Angriff der SVP auf die Menschenrechte und den Rechtsstaat Schweiz wurde dank der grossen Mobilisierung der Zivilgesellschaft erfolgreich abgewehrt!

Allerdings gilt es weiterzukämpfen um den weiteren Angriffen der Ewiggestrigen aus dem SVP-Lager erfolgreich zu widerstehen.
Was wäre wenn…
Bei Volksabstimmungen in der Schweiz bin ich normalerweise auf der Verliererseite. In den letzten Jahrzehnten habe ich, bzw. wir „Gleichgesinnten“ an die zwanzig wichtige Initiativbegehren bei Volksabstimmungen knapp oder manchmal auch deutlich verloren.
Ich finde es reizvoll, sich auch einmal zu überlegen, wie unser Land, die Schweiz, heute aussehen würde, wenn wir beispielsweise zwanzig wichtige Volksabstimmungen nicht verloren, sondern gewonnen hätten….
Nur nebenbei: eine beträchtliche Anzahl dieser Volksbegehren hätten wir tatsächlich auch gewonnen, wenn die verfügbaren finanziellen Mittel für Befürwortern und Gegnern etwa gleich hoch gewesen wären! Aber das ist eine andere Geschichte…
Also in meiner Schweiz 2016 hätte oder gäbe es…
… keine Atomkraftwerke und dafür die weltweit leistungsfähigsten Firmen für erneuerbare Energien!
… keine Armee und keine Waffenschmieden (wegen dem Waffenausfuhrverbot), dafür anerkannte friedensfördernde Einsätze und eine hervorragende Entwicklungszusammenarbeit!
… eine Landwirtschaft die naturnah produzieren würde. Ökologische Direktzahlungen für bäuerliche Kleinbetriebe und nicht für Tierfabriken (Kleinbauerninitiativen). Ein strenges Raumplanungsgesetz mit Mehrwerabschöpfung hätten Bodenspekulation und Zersiedelung verhindert (Stadt-Land-Initiative)!
… für ArbeitnehmerInnen ein flexibles Rentenalter, 6 Wochen Ferien für alle, Mindest- und gerechte Löhne (1:12 Initiative)! Dafür eine Reichtumsteuer und eine vernünftige Erbschaftssteuer.
… eine aktive internationale Zusammenarbeit als voll mitspracheberechtigtes EU-Mitglied!
… 12 motorfahrzeugfreie Sonntage pro Jahr und Steuern auf der Energie statt auf der Arbeit!
… weniger schädlichen Steuerwettbewerb dafür bezahlbare Wohnungen!
… eine vernünftige Hanfpolitik mit legalisiertem Cannabiskonsum!
… keine Finanzkrise, weil das Bankgeheimnis schon vor Jahrzehnten abgeschafft worden wäre!
Ich glaube immer noch, eine andere Welt (Schweiz) ist (wäre) möglich!
France rurale: Urnengang

Etwa eine halbe Stunde Fussmarsch…

durch Eichenhaine…

über Wiesen und Weiden…

ins Dorf Traversères…

vorbei an der einzigen offiziellen Plakatwand…

zur Wahlurne!

Hoffentlich wird die Wahl nicht zur Sackgasse für das Land!
Wir sind zuversichtlich! Heute um 20 Uhr erwarten wir die ersten Resultate! Vive la France et vive la république!
Regionalwahlen in Frankreich, zweite Runde
Es wird sich einmal mehr bestätigen: richtig ernst wird es immer erst in der zweiten Runde, also übermorgen Sonntag!
In der ersten Runde legen viele Franzosen Proteststimmen ein um ihre Unzufriedenheit zu demonstrieren. Das könnte auch mal ins Auge gehen…
In der definitiven zweiten Runde gilt es dann ernst: antreten dürfen nur noch Gruppierungen die mindestens 10% Wähleranteil mitbringen. Das heisst beispielsweise, dass die zersplitterten Rotgrünen plötzlich auf einer Liste vereinigt werden können. Ja es geht soweit, dass sich zum Beispiel die Sozialisten in den zwei Regionen in denen der Front National an der Spitze liegt, ganz aus dem Rennen nehmen und dazu aufrufen, die rechten Republikaner zu wählen! Ganz im Gegenteil zur Schweiz wird hier zwischen der Rechten (Sarkozys Republikaner) und den Extremrechten (Le Pens FN) unterschieden!
Heute morgen hat Premierminister Valls auf Radio France Inter währen zwei Stunden Hörerfragen beantwortet und dabei eindringlich vor dem rassistischen, menschenrechtsverachtenden, undemokratischen und die Republik zerstörenden Front National gewarnt!
Man stelle sich vor, Simonetta Sommaruga würde zwei Tage vor den Wahlen in der Schweiz öffentlich so schonungslos die Haltung der SVP (die sich nur in Nuancen vom FN unterscheidet) kritisieren und zu deren Abwahl aufrufen!
Die Umfragen zeigen, dass der FN wahrscheinlich am Sonntag in keiner Region eine Mehrheit hinter sich bringen wird. Gut so!
http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Rechtsextrem–das-sind-die-anderen/story/29341442
Neuer SVP-Bundesrat
Na ja…. ich geh dann wieder aufs Feld….
https://auswandererblog.ch/?s=Weinbau
Hier noch die Bilder meiner Wald- und Flurbegehung…

Die Févéroles sind schön gekeimt und haben das Striegeln gut überstanden…

Hier waren die Wildschweine zu Besuch…



Am Besten kann ich…
…mich auf dem Feld von miserablen Abstimmungs- und Wahlresultaten erholen…!

Die erste Runde der Regionalwahlen hat in Frankreich den gleichen Trend hin zu rechtsextremen Populisten wie in der Schweiz gebracht (Front National wie SVP).
Glücklicherweise ist hierzulande erst der zweite Wahlgang matchentscheidend. Es ist aber zu befürchten, dass der Front National in zwei der 13 Regionen Frankreichs eine Mehrheit erzielen wird! Leider!
Bei uns in der Gemeinde hat Rot-Grün immer noch knapp mehr Stimmen als der FN. Im Departement Gers konnten die Sozialisten ihre Spitzenposition halten.
Wahrscheinlich muss ich mich am nächsten Mittwoch (Bundesratswahlen in der Schweiz) schon wieder auf dem Feld erholen…;-)
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