Sibylle Berg
„Der Mann schläft“, Roman Hanser
Es ist alles Zufall. Nichts hat man sich verdient, gutes Benehmen garantiert kein langes Leben, es gibt weder Gerechtigkeit noch Vernunft, es gibt keine göttliche Weltordnung oder was auch immer wir herbeisehnen, um uns nicht ausgeliefert zu fühlen. Es kann alles vorbei sein in der nächsten Sekunde, oder noch schlimmer: Es kann alles genauso weitergehen.
Manchmal schreibt Sibylle Berg sehr schwarzmalend, bösartig , depressiv… und trotzdem ist es ein schöner Liebesroman geworden!
Die Unvollendeten
Von den Vertreibungen aus dem Sudetenland und dem Berlin des Jahres 2002: Reinhard Jirgl, der Chronist deutscher Vergangenheit und Gegenwart, erzählt die Geschichte von vier Frauen aus der Kleinstadt Komotau, die nach dem Zweiten Weltkrieg übrig geblieben sind: die siebzigjährige Johanna, deren Töchter Hanna und Maria und die siebzehnjährige Enkelin Anna. Eine Familiensaga von Heimatlosen, die der Verlust bis heute nicht los lässt. (Klappentext)
Die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg, die Flüchtlingsströme im zerstörten Europa, der Wiederaufbau, die Landverteilung und Kollektivierung in der DDR, die Entnazifizierung, die Vertreibung der Sudetendeutschen….interessieren mich enorm. Wie viel anders war doch für mich das Aufwachsen in der vom Krieg verschonten Schweiz, in einer „ordentlichen Familie“, auf einer Insel im Meer von Hunger , Not, Trauer und Verlust.
Reinhard Jirgel komponiert einen wahnsinnig intensiven Roman, sprachlich einzigartig, experimentelle Orthografie, anspruchsvoll!
„…raus auf den schmalen Bahnsteig quellende Horden, aufgeschwemmte Häute, die Gesichter zerschunden, Müdigkeit, Alkohol, Körper wie krumme Nägel in bretterharte Lebenszeit geschlagen. Heimwärts.“

Was hat das mit mir zu tun?
Sacha Batthyany hat die Geschichte seiner Familie aufgearbeitet und sich gefragt, welchen Einfluss Ereignisse auf uns haben, die sich vor siebzig Jahren ereignet haben. Er hat sich dabei mit einem Verbrechen im März 1945, einem Massaker an 180 Juden intensiv auseinandergesetzt.
Ein glänzend geschriebenes Buch über familiäre Abgründe in der sich die Geschichte seiner Familie mit der Geschichte Mitteleuropas verbindet.

Unschuld
Jonathan Franzen schreibt fulminante Romane. Nach „Freiheit“ und „Die Korrekturen“ https://auswandererblog.ch/?s=Jonathan+franzen
habe ich jetzt seinen neuen Roman „Unschuld“ gelesen. „Ein Wirbel aus grossen Fragen, grossen Thesen, grossen Ereignissen… mitreissend, einfühlsam, politisch klug, moralisch wach.“ Aber lesen Sie selbst. Eine kühne Story, über die USA, die DDR, Familientragödien, Whistleblower, Zeitgeschichte eben… Spiegel-Bestseller http://www.spiegel.de/kultur/literatur/unschuld-von-jonathan-franzen-der-unrat-der-germanen-a-1050099.html

Alles Licht das wir nicht sehen

Saint-Malo an der bretonischen Küste
Ich würde heute Saint-Malo anders erleben und ansehen als damals, als wir vor sieben Jahren die Bretagne bereist haben. Anders, weil ich eben den Roman von Anthony Doerr: „Alles Licht, das wir nicht sehen“ gelesen habe. https://auswandererblog.ch/?s=Bretagne
Anthony Doerr erzählt darin die Geschichte zweier Jugendlicher im Zweiten Weltkrieg, der blinden Marie-Laure, die mit ihrem Vater aus dem besetzten Paris nach Saint-Malo flieht, und des jungen Waisen Werner, der in der Wehrmacht eingesetzt wird.
Eine spannende, ergreifende, wunderschöne Geschichte! Spiegel-Bestseller und Pulitzerpreisträger! https://www.perlentaucher.de/buch/anthony-doerr/alles-licht-das-wir-nicht-sehen.html
The Color of Water
Ich bin eingetaucht in das Amerika der 40er, 50er, 60er Jahre, genauer an die Ostküste der USA, New York, Delaware, Virginia, North-Carolina. Natürlich nur lesend. Das Buch von James McBride, übrigens schon 1996 erschienen, „Die Farbe von Wasser“hat mich fasziniert. Der Autor erzählt darin liebevoll und mit viel Respekt das ausserordentliche Leben seiner Mutter, die als Kind mit ihrer jüdischen Familie aus Polen in die USA flüchtet und mit 17 allein nach New York geht, um dort einen Schwarzen zu heiraten. Es ist eine ergreifende Biographie einer mutigen Frau, die sage und schreibe in einem ausschliesslich schwarzen Viertel von Queens 12 Kinder grossgezogen hat.

Ich lese sehr gerne Biographien, weil ich jeweils auf dem Netz im Detail die Orte der Handlungen ansehen kann. Ich ziehe Rückschlüsse auf jeweiligen geschichtlichen Ereignisse jener Zeit und vergleiche mit meinen eigenen Lebenserfahrungen. Lesen tut gut!
„Gleis 4“
Ich habe den Roman von Franz Hohler in einem Zug durchgelesen. Das Buch ist spannend wie ein Krimi, obschon es keinen Mordfall aufzuklären gibt und ich eigentlich ja keine Krimis lese. Letztlich geht es um die schweizerische Verdingkinderproblematik.
Aber eigentlich sollte man nicht zuviel verraten. Selber lesen! Hohler ist, wir wissen es alle, ein begnadeter Erzähler!
Noch etwas: Franz Hohler veröffentlicht auf seiner Homepage nicht etwa die guten und hervorragenden Kritiken zu seinem Schaffen, sondern nur die schlechtesten(!)
Er kann sich das leisten! http://www.franzhohler.ch/files/bespr.html
Chapeau!
„Auerhaus“
Bov Bjerg erzählt in seinem Roman von Jugendlichen, die kurz vor ihrem Abitur eine WG in der westdeutschen Provinz gründen. Ein zauberschönes Buch über die Jugend – für jedes Alter.
http://www.zeit.de/2015/48/auerhaus-bov-bjerg-coming-of-age-roman-jugend
„Ihr Leben soll nicht in Ordnern mit der Aufschrift Birth – School – Work -Death abgeheftet werden…“
Mani Matter
stumm
hei si gstimmt
aber was
si gstimmt hei
het nid gstumme
tumm hei si gstimmt
Heute wäre Mani Matter 80 geworden. Seine Texte und Lieder sind zeitlos!
Das Buch vom Süden
Ich habe André Hellers Debütroman gelesen…..http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/in-andre-hellers-debuetroman-ertrinkt-man-im-zuviel-14213946.html

… und schliesse mich dem Urteil der FAZ an.
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