AUSWANDERERBLOG

Welthungertag

Posted in Politik by ruedibaumann on Oktober 16, 2010

An reich gedeckten Tischen und mit vollem Bauch lässt sich trefflich streiten!
Aber eine Milliarde hungernde Menschen und täglich an Hunger sterbende Kinder sind in einer Welt des Überflusses ein Verbrechen. Damit dürfen und wollen wir uns nicht abfinden.
Resignieren ist keine Lösung.
Wir dürfen die Utopie einer gerechteren Welt nie aufgeben!
Und es gibt sie ja, die kleinen erfolgreichen Schritte.
Jeder an seiner Stelle, jede nach ihren Möglichkeiten kann und soll dazu beitragen, dass die Welt ein bisschen gerechter wird.
Ich erwähne ein paar Aktionen, die mir besonders sympathisch sind. Im Wissen: es gibt noch mehr, die genannt werden dürfen.

Zum Beispiel: Fairer Handel
Der faire Handel hat sich etabliert. Konsumentinnen und Konsumenten wissen inzwischen, dass sie mit ihrem Kaufverhalten die Welt verändern können.
Der „commerce equitable“, wie er in Frankreich heisst, hat sich unter dem Label Max Havelaar oder Fairtrade etabliert und die Regale fast aller Grossverteiler erobert.
Das kam nicht einfach so von selbst, dafür haben sich viele Leute jahrzehntelang hartnäckig und anfangs grösstenteils ehrenamtlich eingesetzt.

Oder das Beispiel Bio-Landbau
Der biologische Landbau ist zumindest in Europa aus seinem Nischendasein herausgewachsen und zu einem Wachstumsmarkt geworden.
Vor dreissig, vierzig Jahren war das noch ganz anders.
Die Biobauern galten als Spinner, an den Landwirtschaftsschulen wurden sie ausgegrenzt, an der Agronomieabteilung der ETH belächelt.
Heute erlangen Nachhaltigkeit und Biodiversität immer grössere Bedeutung in den Bemühungen der Kleinbauern- und bäuerinnen im Süden, sich unabhängig und selbständig zu machen.

Frauenrechte ist ein weiteres Stichwort, das ich sehr gern erwähne:
Das Potential der Frauen in der Entwicklungszusammenarbeit ist heute breit anerkannt.
Frauen gehen mit Geld haushälterischer um als Männer.
Ich sah es in Mali: Es sind die Frauen, die dafür sorgen, dass örtliche Wasserpumpstationen und Getreidemühlen ordentlich unterhalten und gewartet werden.
Frauen sind auch hauptverantwortlich für die Produktion.
Frauen tragen die Welt auf dem Kopf, schreibt Katharina Morello
(und vielleicht künftig auch die Schweiz – mit einer Mehrheit im BR)

Weiteres Beispiel: Mikrokredite
Kleinkredite haben hohe Rückzahlungsquoten und sind in vielen Ländern ein Erfolgsmodell.
Übrigens könnte mancher zeitgenössische Finanzakrobat hier lernen, dass man mit Geld auch verantwortungsvoll umgehen könnte.
Auch bei den Mikrokrediten sind es die Frauen, die den Ton angeben.

Noch ein Beispiel: Menschenrechte
Diktatoren werden geächtet und Verbrechen gegen die Menschlichkeit von internationalen Gerichtshöfen zunehmend geahndet. Diktatoren müssen heute damit rechnen, irgend einmal zur Rechenschaft gezogen zu werden.
Auch die Anerkennung des Rechts auf Nahrung als Menschenrecht und dessen Einklagbarkeit in einigen Ländern ist ein positiver kleiner Schritt.

Und als letztes Beispiel: Entwicklungspolitik
Neben Nothilfe und herkömmlicher Entwicklungszusammenarbeit wird mehr und mehr ein dritter Zweig dieser Arbeit anerkannt: Entwicklungspolitik engagiert sich für faire Spielregeln und Chancengleichheit auf internationaler Ebene. So wird etwa die Kapitalflucht aus der Dritten Welt dank der Aufhebung des Bankgeheimnisses erschwert und als Betrug bekämpft. In dieser Angelegenheit hat ja die Schweiz lange Zeit keine gute Rolle gespielt.

Man könnte jetzt noch von Umwelt- und Klimaschutz reden, vom Zugang zu Trinkwasser, von sauberen Brunnen, von Hängebrücken, die Bergdörfer verbinden, oder von der Reduktion der Kindersterblichkeit usw. usf

Es gibt sie also durchaus, die Wege aus der Hoffnungslosigkeit. Aber sie sind steinig und steil. Und sie müssen von den Betroffenen gefunden und begangen werden.

Veränderungen brauchen Zeit und Träume.
Ein altes afrikanisches Sprichwort sagt:
„Eine gute Suppe wird auf kleinem Feuer gekocht.“