Olympische Spiele
Ich habe nichts gegen Olympische Spiele. Es war zu erwarten, dass Präsident Sarkozy schlussendlich an der Eröffnungszeremonie teilnehmen würde („… on peut pas boycotter un quart de l’humanité…“). Dass auch Herr Bundespräsident Couchepin China mit seiner Anwesenheit an den Eröffnungsfeierlichkeiten beehrt, war anzunehmen („… man soll nicht als Lehrer der Welt auftreten…“). Dass aber Daniel Brélaz, seines Zeichens grüner Nationalrat und Stadtpräsident von Lausanne meint, auch er müsse Peking am Tag der Eröffnung der Olypischen Spiele seine Aufwartung machen, will mir nicht in den Kopf…
Aber, aber Daniel Brélaz…. hast du noch nie etwas von politischen Demonstrationen gehört (siège vide für die Menschenrechte!)?
Erinnerungen…
Ich habe 1965 während sechs Monaten als Praktikant auf einer Farm im Südwesten Englands gearbeitet. Und tatsächlich, ich habe Fernlea Farm in Devon, in der Nähe von Holsworthy beim herumsurfen auf Google-Earth gefunden! Damals in den 60er Jahren eine Farm mit Milchwirtschaft (40 Kühe, 60 ha), geführt von Tony und Jean Lacey. Ich war schon damals beeindruckt von dem arbeitssparenden, einfachen farming à l’anglaise.
Sehr viel scheint sich in den letzten 43 Jahren nicht verändert zu haben… aber vielleicht fahre ich demnächst mal an Ort und Stelle um alte Erinnerungen aufzufrischen…
Mehr über mein Englandjahr in meinem Buch„Bauernland“
Jazz in Marciac
Ein heftiges Gewitter war schuld, dass gestern abend das Jazzkonzert in Marciac von Dee Dee Bridgewater unterbrochen werden musste. Trotzdem (oder zumindest vorher) war die Athmosphäre im südwestfranzösischen Städtchen wie immer ausgesprochen beschwingt und heiter (Jazz in Marciac).
Précaution à la Française und ein verlorener Botschafter!
Essen unter den Lauben….
…. bevor das heftige Gewitter losbricht!
Umdenken im Welthandel
Umdenken im Welthandel: Kleinbäuerliche, regionale Landwirtschaft ist ein Zukunftsmodell
Ist das Scheitern der nun schon sieben Jahre dauernden Doha-Runde tatsächlich das Ende der Welt? Oder ist es der Auftakt für eine neue und bessere Welthandelsordnung? Ob all der widersprüchlichen Kommentare reibt man sich verwundert die Augen. Die Exportindustrie jammert auf hohem, die abgeschotteten Nahrungsmittelproduzenten frohlocken verhalten auf tiefem Niveau. Einige reden von verpassten Chancen, andere davon, dass sich eben die Welt in den letzten Jahren grundlegend verändert habe und damit auch neue Rezepte gefragt seien. Manche machen vorwurfsvoll die erstarkten Schwellenländer Indien und China für das Scheitern der WTO-Verhandlungen verantwortlich, andere sind froh, dass der machtbewusste indische Handelsminister die Interessen seiner 800 Millionen Kleinbauern vehement verteidigt hat. So oder so, die Welthandelsgespräche sind einmal mehr am Agrardossier gescheitert.
Nahrungsmittel sind etwas Besonderes, sie lassen sich nicht einfach mit anderen Gütern vergleichen. Nahrungsmittel wachsen unter verschiedenen klimatischen Bedingungen, auf unterschiedlichen Böden, gehegt und gepflegt von Bäuerinnen und Bauern mit traditionell verschiedenen Methoden. Nahrungsmittel sind Pflanzen und Tiere, die leben und sterben und verderblich sind. Nahrungsmittel sind Natur, Genuss, Landschaft, Heimat, Umwelt, sie sind L e b e n s mittel wie Wasser und Luft für alle und Verdienst und Einkommen für viele. Die Landwirtschaft lässt sich nicht wie die weltweite industrielle Produktion mit reinen marktwirtschaftlichen Mechanismen steuern.
Die globale Ernährungskrise hat vielen die Augen geöffnet: Ernährungssicherheit können vor allem selbstständige Bäuerinnen und Bauern gewährleisten, die mittels naturnahen Anbauformen für den regionalen Markt produzieren. Die bäuerliche Landwirtschaft, definiert durch Regionalität, kurze Wege, Generationenfolge, Naturnähe, Qualität und Spezialität darf nicht auf dem Altar des liberalen und rücksichtslosen Welthandels geopfert werden! Die oelgesteuerte Grosslandwirtschaft mit umweltzerstörendem Düngerverbrauch (eine Tonne Stickstoffdünger entspricht zwei Tonnen Erdoel), mit immer zahlreicheren Pestizidanwendungen und immer grösseren Tierfabriken ist nicht nachhaltig und hat den Hunger in der Welt nicht besiegt, ganz im Gegenteil! Die Gentechnologie (Monsanto lässt grüssen) hat Bauern auf der ganzen Welt abhängig gemacht von wenigen Saatgutmonopolisten und die Ernährungskrisen in vielen Entwicklungsländern verstärkt. Für handarbeitsintensive Tätigkeiten werden auch bei uns auf vielen Betrieben rechtlose LandarbeiterInnen zu Hungerlöhnen beschäftigt.
Höchste Zeit für die Handelsdiplomaten der WTO in Genf, grundsätzlich über die Bücher zu gehen und zu akzeptieren, dass kleinbäuerliche Strukturen einen Ausweg aus der globalen Ernährungskrise sind und daher vielerorts eines gewissen Schutzes bedürfen. Die unterschiedlichen Produktionsbedingungen des Landbaus können nicht mit dem Industrie- und Dienstleistungssektor verglichen werden, es gibt keine einfache win-win Situation im Welthandel zwischen Agrar- und Industrieprodukten.
Das heisst, dass sehr wohl Exportsubventionen untersagt werden sollen, dass daneben aber im Interesse der lokalen Bevölkerung und der Umwelt (man denke nur an die unsäglichen Transportwege) Schutzmechanismen wie oekologische Direktzahlungen oder Zölle aufrecht erhalten bleiben können, ja müssen. Jedes Land sollte nicht nur das Recht haben, bäuerliche Landwirtschaft zu verteidigen, sondern geradezu die Pflicht haben, dies zu tun!
Der Weltlandwirtschaftsrat, zusammengesetzt aus 400 Wissenschaftern und Praktikern hat kürzlich in diesem Sinne ein radikales Umdenken in der Agrarpolitik gefordert. Der Hunger auf der Welt könne mit intakten kleinbäuerlichen Strukturen, mit angepasster Technologie und natürlichem, an die örtlichen Verhältnisse angepasstem Saatgut besser und nachhaltiger bekämpft werden als mit industriellen, lebensfeindlichen Anbauformen, sagte dieses hochkarätige Expertengremium. Vielleicht hat diese Haltung bereits zum wachsenden Selbstvertrauen vieler Kleinbauernvertreter beigetragen.
Ich denke, die Belange der Weltlandwirtschaft sollten in Zukunft wieder vermehrt im Rahmen der FAO (UN-Welternährungsorganisation) behandelt und gelöst werden. Zudem könnte eine zu schaffende starke globale UNO-Umweltorganisation angesichts drohender Klima- und Ernährungskatastrophen mehr zu deren Lösung beitragen als die auf Handelshemmnisse fixierte WTO.
Für die Aussenpolitik der Schweiz würde dies bedeuten: sich vermehrt in der Entwicklungszusammenarbeit und bei der Schaffung einer kompetenten globalen Umweltorganisation zu engagieren, statt sich weiterhin um die imageschädigende Verteidigung von Bankgeheimnis und Steuerhinteziehung zu bemühen. Innenpolitisch müsste die Förderung der umwelt- und tiergerechten (klein-)bäuerlichen Landwirtschaft in den Vordergrund gerückt werden. Regionale Qualität und Marktfrische vom Oekobauer statt Massenfood vom liberalisierten Weltmarkt.
Ruedi Baumann
(Gastkommentar in Sonntag AZ vom 3. August 2008)
Canal du midi
Der Canal du midi ist ein faszinierendes Bauwerk, eine Ingenieurleistung erster Güte! Gebaut in den Jahren 1667 – 1681 (in nur 14 Jahren!) von Pierre-Paul Riquet und tausenden von Arbeitern begeistert der Kanal noch heute alle Seeleute, Wanderer, Freizeitkapitäne, Velofahrer, Naturschützer und Ingenieure und gilt zurecht als Weltkulturerbe!
Ich habe per Velo erst mal die Strecke Toulouse-Narouze abgefahren. Der Kanal verbindet dank der Garonne aber eigentlich les deux meres, den Atlantischen Ozean mit dem Mittelmeer. Die Strecke von Toulouse bis Sète am Mittelmeer beträgt 240 km und mittels 63 Schleusenanlagen wird eine Scheitelhöhe von 194m überwunden! Luftlinie Bordeaux-Mittelmeer 450 km.
Alles Wissenswerte und viele Bilder über den Canal du midi findet man hier!
Ironie der Geschichte: Die Ruhe des Kanals wird teilweise durch die Autobahn A61 beeinträchtigt, auf der nun alle Transporte abgewickelt werden… Und für mich als Velowanderer hat es eindeutig zuwenig Beizen am Canal….
Fête de Traversères
Zwei Tage Fête de Traversères bedeutet concour de Pétanque und vor allem reichhaltiger repas communal mit 150 Gästen an einem langen Tisch, convivialité française eben. Douce France!
… am Samstagabend gab es Couscous und am Sonntagabend Coeur de canard…
Landtechnik
Meine Technikbegeisterung stammt aus den 50er-Jahren und begann mit unserer Lieuse (Bindemäher). Eine komplizierte Landmaschine mit Bodenantrieb, die das Getreide schnitt, zu Garben bündelte und schliesslich kunstvoll mit einer Schnur, die maschinell geknüpft (!) wurde zusammenband… Zudem hatte unsere Lieuse so grosse Holzarme, die sich geheimnisvoll bewegten und die fast aussahen wie ein Indianerzelt!
Am marché à l’ancienne in Seissan werden diese alten ehrwürdigen Maschinen, die im letzten Jahrhundert die harte Erntearbeit schon stark erleichtert haben, jeweils dem staunenden Publikum vorgeführt. Nostalgische Erinnerungen für alte Bauern!
Ich weiss nicht, wer diesen Knüpfer im letzten Jahrhundert erfunden und entwickelt hat, aber jedenfalls hat er noch heute meine uneingeschränkte Hochachtung!
… und es hat funktioniert und funktioniert noch heute!
Ich kann nur sagen: Chapeau!!
Worte zum 1. August
Leuenberger, Schmid, Merz… Bundesratsreden zum Nationalfeiertag
(den Blocher können Sie überspringen)
Bundespräsident Couchepin zu den 670 000 Auslandschweizern
















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