AUSWANDERERBLOG

Flying Winemakers

Posted in Agrikultur by ruedibaumann on August 27, 2008

Gestern abend zeigte France 3 den 2003 entstandenen Dokumentarfilm „Mondovino“, ein Film über die Irrungen und Wirrungen der Weinproduktion, gedreht (warum auch immer?) mit wakeliger Handkamera.
Der amerikanische Filmemacher Jonathan Nossiter reiste zur Recherche von „Mondovino“ um die ganze Welt, um die krassen Gegensätze zwischen traditionellem Weinanbau klassischer Prägung und der globalisierten Form der Gewinnung und vor allem des Vertriebs aufzuzeigen. Italien, Frankreich, die USA, Großbritannien, Brasilien und Argentinien waren seine Stationen. Herausgekommen ist eine äußerst kurzweilige Collage nicht nur über den Prozess, sondern substanziell über die Menschen, die hinter den Erzeugnissen stehen. Nossiter präsentiert knorrige Charaktere und aalglatte Global Player, deren Arroganz aus jeder Pore ihres Körpers tritt. Anhand der verschiedenen Personen zeigt der Regisseur die unterschiedlichen Schlüsselfiguren der Branche und macht klar, wie die Mechanismen funktionieren.
Besonders beleuchtet werden im Film die (fragwürdigen) Rollen der Weinpäpste Robert Parker und Michel Rolland, die als sogenannte Flying Winemakers das Kaufverhalten von Tausenden von Weinkkäufern und Millionen von Konsumenten und damit die Weinpreise und die Produktion massgebend beeinflussen. Gute Weine zeichnen sich nach Ansicht dieser Önologen etwa durch folgende Kriterien aus:

tiefe Farbe
sehr reife, teils sogar überreife Frucht
starke Extraktion
markanter Holzton mit Röst- und Vanillenoten
eher niedrige Säurewerte
eine durch Alkoholgehalt und Holz hervorgerufene Süßeempfindung

Ich bin kein Weinkenner und habe mit Parker und Rolland nur gerade den Jahrgang gemeinsam, aber mich erstaunt immer wieder, mit welchem Brimborium und Marketingaufwand überhöhte Weinpreise gerechtfertigt werden. Für mich gibt es nur Wein den ich gerne trinke und solchen den ich nicht mag, Punkt. Kosten sollte der Wein nicht über zehn Euro pro Flasche (einen Merlot aus der Region den ich gerne trinke kostet zwei Euro!).
Mein eigener biologischer „Garagewein“ ist noch nicht so weit, aber in ein zwei Jahren werde ich hoffentlich einen „Jahrhundertwein“ kredenzen können, der alles Bisherige in den Schatten stellt (ha, ha, ha…). Und das Beste, er wird garantiert unverkäuflich sein!

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