AUSWANDERERBLOG

Unfaire Steuerpraktiken

Posted in Politik by ruedibaumann on Dezember 18, 2006

Endlich hat es die Schweiz mal geschafft hier in Frankreich in die Schlagzeilen zu kommen. Dank Johnny Hallyday. Leider sind es negative Schlagzeilen. Sie wissen es, der Altrocker will seinen (Steuer-) Wohnsitz nach Gstaad ins Berner Oberland verlegen. Um Steuern zu sparen selbstverständlich. Weil in der Schweiz für reiche Ausländer günstige Steuerabkommen möglich sind, zieht es immer wieder Steuerflüchtlinge in das Nicht-EU-Land. Zum Ärger aller anderen zivilisierten Staaten und zum Ärger aller braven Schweizer Steuerzahler.
Hat das die Schweiz wirklich nötig, werden wir von unseren französichen Freunden gefragt und müssen verschämt zugeben, dass wir natürlich auch dagegen sind, aber leider nichts dagegen tun können usw.
Ein kleiner Trost bleibt: Johnny Hallyday gilt als Supporter des bürgerlichen Präsidentschaftskandidaten Nicolas Sarkosy und würde mit seiner Steuerflucht den armen Nicolas schön in die Bredouille bringen…

Karukatur aus Le Monde elctronique

Die NZZ vom 20. Dezember 2006 sieht das natürlich ganz anders….:

„Ein (weiterer) steuermüder Franzose zieht die Konsequenzen
Ug. (Paris) Jean-Philippe Smet hat die Nase gestrichen voll. Er will nicht länger über zwei Drittel seines Einkommens dem Staat überlassen (indirekte Steuern und andere Abgaben nicht berücksichtigt) und wird deshalb seinen Wohnsitz von der Isle de France in die Schweiz, nach Gstaad, verlegen. Er ist längst nicht der einzige Franzose, der seinem Land den Rücken kehrt. Doch dass seine Pläne zu Aufregung in Politik und Medien geführt haben, ergibt sich aus einem kleinen Detail: Er ist besser bekannt als Johnny Hallyday, als Frankreichs grosser Rockstar. Zwar nicht mehr ganz taufrisch, taucht er dennoch bei jeder denkbaren Gelegenheit im Fernsehen auf und gehört deshalb quasi zum täglichen Leben. Den Schock, den diese Nachricht auslöste, versuchte er mit einer Liebeserklärung an Frankreich abzuschwächen. Doch die Reaktionen waren vorhersehbar: Ségolène Royal, die Präsidentschaftskandidatin des Parti Socialiste, meinte, Hallyday sei moralisch verpflichtet, in dem Land Steuern zu zahlen, das ihn bekannt gemacht habe. Finanzminister Breton wandte ein, die Regierung habe doch gerade die maximale Steuerlast auf 60% des Einkommens begrenzt. Dass dies immer noch eine Handvoll ist, scheint ihn nicht zu bekümmern. Nicolas Sarkozy, der Hoffnungsträger der Regierungspartei UMP, erkannte immerhin im steten Exodus von Künstlern, Forschern und vermögenden Bewohnern ein Problem. Aber eine umfassende Reform der Besteuerung von Einkommen, Vermögen und Erbschaften traut er sich nicht zu. So wird das Abwandern wohl anhalten.“

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  1. Avatar von Unbekannt Walter Sägesser said, on Dezember 18, 2006 at 3:48 pm

    Ich zahle gerne Steuern in der Schweiz, in einem schönen Land, mit meinem guten Lohn auf CH-Niveau. Ich habe auch Freude, dass es Herrn Hallyday in die Schweiz zieht und nicht an die Côte d’Azur. Ich bin stolz, dass es das Tourismusland Schweiz schafft, gut situierte Leute anzulocken. Wenn Herr Hallyday wirklich Steuern sparen will, wäre er nämlich nicht nach Gstaad gegangen, sondern direkt nach Freienbach.Es ist tatsächlich denkbar, dass es Leute in die Berge zieht nicht nur primär aus monetären Interessen, sondern weil es ihnen dort gefällt, und weil es dort schon ein paar andere reiche Leute hat, denen sie auf Partys und auf dem Golfplatz begegnen können.Ganz nebenbei: Für Ausgleich ist schon gesorgt, denn die Handwerkerbüez in seinem Chalet in Gstaad werden dann schon ein paar Ostdeutsche oder Polen ausführen und das Geld wieder in die EU bringen. So what! Nur keine Aufregung wegen einem alternden Französischen Barden

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