AUSWANDERERBLOG

Sonnenfinsternis im Land der Zwerge

Posted in Politik by ruedibaumann on Oktober 18, 2015

Es ist zehn Uhr, Sonntagvormittags, Wahlsonntag in der Schweiz. In wenigen Stunden werde ich mich über den populistischen Rechtsrutsch ärgern. Ich tue was ich immer tue vor wichtigen anstehenden Entscheiden und Beschlüssen: ich stelle mir den „Worstcase“ vor: massive Gewinne der Rechtsnationalisten, Triumph für den Milliardär und seine Adlaten, Verluste für die Grünen und Linken, Abwahl oder Nichtwahl von Hoffnungsträgern…. Die Folge davon: keine Energiewende mehr, Dämpfer für Solarenergie, Sonnenfinsternis, weitere Entfremdung von Europa und der Weltgemeinschaft, verbale Enthemmung der Fremdenhasser, soziale Härte gegen Flüchtlinge, Rückschritt für ökologische Landwirtschaft usw. usf.. Kurz, ein Wahlsonntag zum Auswandern (wenn man denn nicht schon ausgewandert ist).

Und ich suche mir schon zum voraus tröstende Lichtblicke. Einer davon, dass sich endlich wieder ein Schriftsteller von Format mit einer Wutrede den ganzen Frust vom Leibe schreibt wie zu Dürrenmatt und Frischs Zeiten. Bärfuss hält dem Land der Zwerge den Spiegel vor! Und Pedro Lenz zögert nicht, ihn dabei politisch zu unterstützen! Endlich wieder richtige politische Auseinandersetzungen statt dem ewigen Gesäusel praktisch aller Massenmedien um Akzeptanz, Sonderfall, Wirtschaftsinteressen und Blocherismus. Es gibt noch Hoffnung für das Land der Zwerge!

„Décullotée“, blamiert bis auf die Knochen haben sich mit einer Monsterniederlage les Quinzes de France, unser Rugby-Nantionalmannschaft gestern Abend gegen Neuseeland. Wie kommt es nur, dass ich mich inzwischen auch darüber ärgere, wenn „les Bleus“ verlieren, bzw. freue wenn sie gewinnen. Ist das Heimatliebe, Chauvinismus oder Nationalismus?

Vive l’Europe, vive la France, vive la Suisse (aber nur wenn der Rechtsrutsch ausbleibt)! Das gilt für alle!

Neue Region

Posted in Politik by ruedibaumann on Oktober 1, 2015

Da sagt man immer Frankreich sei reformunfähig und nun das: innert nur zweier Jahre hat Frankreich seine territoriale Gliederung ganz umgekrempelt. Aus 22 Regionen werden ab 1.1. 2016 nur noch 13 Regionen. Das ist etwa so, wenn die Schweiz aus 26 Kantonen innert Jahresfrist 5 Kantone machen würde!

Unsere Region Midi-Pyrénées wird mit der Region Langedoc-Roussion fusioniert und wird mit 72 000 km2 wesentlich grösser als la Suisse entière. Mit 5,7 Millionen Bewohnern ist die neue Region allerdings etwas weniger dicht besiedelt als die Schweiz. Zur Zeit streitet man sich noch um die Hauptstadt: Toulouse oder Monpellier? Auch der Name ist noch offen: Die grosse Mehrheit der Zeitungsleser der neuen Region voten für Occitanie (Okzitanien).

Im Dezember wird das neue Parlament gewählt und wir hoffen natürlich auf eine nach wie vor rot-grüne Mehrheit. Es lebt sich hier wie anderorts viel besser ohne SVP und ohne Front National!

Ohne Titel (1)

Wählen!

Posted in Politik by ruedibaumann on September 27, 2015

Trotz den eidgenössischen Wahlen…

Posted in Politik by ruedibaumann on September 18, 2015

… fahren wir zurück nach Frankreich. Für alle In- und Auslandschweizer kann ich nur eines empfehlen:

Grün wählen statt schwarz malen!

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Au revoir en France!

Marciac

Posted in Politik by ruedibaumann on Juli 29, 2015

Wie praktisch jedes Jahr besuchen wir auch heuer das international renommierte Jazzfestival in Marciac https://auswandererblog.ch/?s=marciac

Allerdings gab es dieses Jahr einige Schwierigkeiten. Weil der französische Landwirtschaftsminister Le Foll die Teilnahme an einer Diskussionsrunde angesagt hat, haben militanten Jungbauern der FNSEA kurzerhand alle Zufahrtswege mit ihren grossen Traktoren blockiert. Le Foll ist schlussendlich nicht gekommen und die Festivalbesucher haben die Behinderungen mehr oder weniger gelassen in Kauf genommen. Ich zweifle allerdings daran, dass die Bauern mit ihren nun schon lange anhaltenden Protesten bei der übrigen Bevölkerung viel Sympathien gewinnen.

Die NZZ sieht es so: http://www.nzz.ch/meinung/kommentare/was-die-wut-der-bauern-ueber-frankreich-aussagt-1.18586614

Ich habe da meine Zweifel, dass ausgerechnet der ungenügende Strukturwandel in der französischen Landwirtschaft Schuld an der Misère sei. Die NZZ behauptet die französischen Betriebe seien schlicht zu klein um konkurrenzfähig zu sein.

Warum, frage ich, werden die Protestaktionen ausschliesslich von der Grossbauerngewerkschaft FNSEA und ihrer Jugendorganisation JA organisiert? Und warum sind ausschliesslich Riesentraktoren auf den Strassen anzutreffen?

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Éleveur en colère

Posted in Politik by ruedibaumann on Juli 22, 2015

Im Augenblick wird im französischen Parlament (einmal mehr) heftig über die Landwirtschaftspolitik gestritten. Die Debatte wird live auf TV3 übertragen. Ausgangspunkt sind die zahlreichen Aktionen und Strassenblokaden der Bauern im Norden Frankreichs. Präsident Holland hat höchstpersönlich 24 dringliche Massnahmen angeordnet, wohl wissend, dass sich sonst die Krise und die Protestaktionen weiter ausweiten könnten.

Natürlich versucht die grösste bürgerliche Bauerngewerkschaft (FNSEA) und ihre Jugendorganisation (Jenes Agriculteurs JA) aus der Krise politisches Kapital zu schlagen und die verhasste sozialistische Mehrheit zu destabilisieren.

Selbstverständlich werden einmal mehr neben den tiefen Milch- und Fleischpreisen die Umweltauflagen frontal angegriffen und ins lächerliche gezogen. Schuld an den tiefen Produzentenpreisen (Milch .30 cent/kg) seien die Grossverteiler, die ihre Marge laufen erhöhten. Argumentiert wird wie überall auf der Welt: „nous avons les meilleurs agriculteurs du Monde!“….

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Vieles ist verständlich, kaum aber, dass gerade der bürgerliche Bauernverband (FNSA) selber viel dazu beiträgt, dass die Betriebe immer grösser und industrialisierter werden. Gerade wie in der Schweiz…. die Gespenster die ich rief (immer grösser und intensiver) werde ich jetzt nicht los!

Übrigens: unter „éleveur“ fasst man in Frankreich alle Nutzviehproduzenten zusammen (Milchviehalter, Rindermäster, Tierzüchter, Schweineproduzenten, Geflügelproduzenten usw.).

Gruselkabinett

Posted in Literatur, Politik by ruedibaumann on Juli 5, 2015

Den Grüseln von der SVP kommt die Sommerhitze nicht gut: sie hauen auf die Pauke und machen immer ungenierter auf offene Ausländerhetze. Arme Schweiz, die sich wegen einiger Flüchtlinge von einer rechtsnationalistischen Partei so diffamieren lässt.

Ohne Titel (1)

Ernst Eggimann  1936 – 2015

Volksabstimmung vom 14. Juni 2015

Posted in Politik by ruedibaumann on Mai 19, 2015

Als Auslandschweizer und Berner geniesst man das Privileg per Internet abstimmen zu können. Und die Berner sind einmal mehr ganz schnell: ich konnte bereits gestern abstimmen! Eigentlich naheliegend, dass bald einmal alle Stimmberechtigten per Mausklick wählen und abstimmen können! Vielleicht eine Möglichkeit die jämmerliche Stimmbeteiligung etwas anzuheben(?)

Übrigens: hier in Frankreich wird jeweils nicht der Prozentsatz der Stimm- bzw. Wahlbeteiligung angegeben, sondern der Prozentsatz der Nichtstimmenden (taux d’abstention). In unserer Gemeinde ist der taux d’abstention jeweils sehr klein (ca. 10%).

Hier noch meine Abstimmungsempfehlung:

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Ich bin ein Ja-Sager. Ich hoffe Sie auch!

Armenien

Posted in Politik by ruedibaumann on April 24, 2015

Ich nehme den Gedenktag an den Völkermord an den Armeniern zum Anlass, um auf meine seinerzeitigen Erfahrungen als OECD-Wahleobachter in Armenien (2003) zurückzugreifen. Enttäuscht bin ich, dass der schweizerische Bundesrat den Völkermord an den Armeniern immer noch nicht offiziell anerkannt hat, obschon er 2003 vom Nationalrat dazu aufgefordert wurde. Deutschland (Gauck) und Frankreich (Hollande) nehmen dazu klar und deutlich Stellung.

„Ich habe zusammen mit einer Amerikanerin die Wahlen in der Bergregion am Sevan-See (1900 m ü.M.) rund um die Kleinstadt Martuni beobachtet. Der Wahltag verlief äusserst friedlich und ohne jegliche Zwischenfälle. In allen 13 besuchten Wahllokalen wurde sorgfältig und mit ausgesprochener Gründlichkeit gearbeitet. Die zahlreichen Verfahrensvorschriften wurden mit Akribie eingehalten. Alle Wahldokumente und Utensilien wurden von den jeweils neun offiziellen Mitgliedern der lokalen Wahlkommission (PEC) geprüft, versiegelt und unterschrieben. Mich persönlich hat beispielsweise erstaunt, dass auf dem Wahlzettel nur das sogenannte Nike-Zeichen (Ö) als eindeutiger Wählerwillen akzeptiert wurde und demnach beispielsweise ein angekreuzter Kandidat (X) auf einem Wahlbogen dazu führte, dass der Wahlzettel als ungültig erklärt wurde.

Die Wahlbeteiligung betrug über 60 %, obschon es zur Zeit in Armenien bissig kalt ist und es am Wahltag fast ununterbrochen schneite. Ohne die bereitwillige Mithilfe der lokalen Bevölkerung und der ortskundigen Driver und Interpreter hätten wir viele Polling-Stationen in der tief verschneiten ländlichen Region kaum gefunden oder sicher nicht erreicht. Schneeräumung auf öffentlichen Strassen ist für die Dörfer ein Fremdwort.

Das Auszählen der Stimmen am Abend des Wahltages erfolgte in dem von uns beobachteten Wahllokal ebenfalls ausgesprochenen exakt. Das Zählen von 800 Stimmzetteln dauerte von 20.00 Uhr bis nach Mitternacht in kaum oder nicht geheizten Räumen. Dabei wurden nach intensiver Beratung 15 Ballots als ungültig erklärt.

Die anschliessende Zusammenfassung der lokalen Wahlergebnisse in der regionalen Wahlkommision (TEC) fand nachts in der Zeit zwischen 01.00 Uhr und 05.00 Uhr statt und war in unserem Fall ausgesprochen chaotisch. Dabei ging es aber nicht um Betrügereien, sondern vielmehr um organisatorische Probleme und Unfähigkeit des zuständigen Leiters. Zudem waren wohl wegen den schweren Schneefällen alle Fax-Leitungen unterbrochen und erschwerten so die Kommunikation.

Wir wurden während dem ganzen Einsatz im Privathaushalt unseres Drivers untergebracht und genossen eine schon fast unbeschreibliche Gastfreundschaft. Die Leute waren froh, und wohl auch ein wenig stolz, dass sich die internationale Gemeinschaft um ihre Probleme kümmert. Wir wurden wiederholt gebeten, doch bitte noch dieses und jenes Abstimmungslokal zu besuchen. Erstaunt hat mich persönlich auch, dass beispielsweise der drohende Irak-Krieg für die Dorfbevölkerung kaum ein Thema ist. Offensichtlich hat man bei bis zu 80%iger Arbeitslosigkeit andere Probleme.“

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Überall fand unsere Wahlbeobachtung uneingeschränkte Zustimmung und Dank. Ich möchte diesen Dank an die zuständigen Stellen im EDA weiterleiten.

http://www.gruene.ch/gruene/de/positionen/internationales/aussenpolitik/medienmitteilungen/150423_oton_armenien.html

Hollande bei den Eigenbrötlern

Posted in Politik by ruedibaumann on April 16, 2015

Marseillaise auf dem Berner Münsterplatz, wolkenloser Frühlingshimmel, Ehrenformation der Schweizer Armee: freundlicher Empfang durch die Schweizer Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga. Alles direkt übertragen in die gute Stube in der Gascogne durch das CH-Fernsehen.

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Viele freundliche Worte und das offensichtliche Bemühen der Bundespräsidentin, beim französischen Staatsgast Verständnis für die unsägliche schweizerische Masseneinwanderungsinitiative zu gewinnen…

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Für die Franzosen und alle übrigen EU-Mitglieder bleiben die Schweizer in der Mehrheit  Eigenbrötler, die seit Jahrzehnten die Erfolge der Europäischen Union kleinreden.

In den französischen Medien war der Staatsbesuch Hollandes nur eine kleine Randbemerkung. Immerhin wurde da und dort auf das erfolgreiche schweizerische Lehrlingswesen hingewiesen…