AUSWANDERERBLOG

Direktzahlungen nach Schweizerart

Posted in Agrikultur, Politik by ruedibaumann on Dezember 15, 2014

Die Online-Formulare der „neuen“ Agrarpolitik in der Schweiz ermöglichen es allen Landwirten, ihren „Bundeslohn“ im voraus zu berechnen. Da ist es für uns natürlich verlockend, auszurechnen, wieviel Direktzahlungen wir erhalten würden, wenn unser Hof diesseits der Grenze wäre…

Die Basisdaten unserer Ferme in Frankreich lauten wie folgt:

Landwirtschaftliche Nutzfläche 70 ha, davon

Getreide 25 ha, Luzerne 20 ha, Blumenwiesen 15 ha, Hecken, Waldweide 10 ha

3 Teiche mit Pufferzonen, 2 Bachläufe 4 km, 24 Nussbäume, 10 markante Einzelbäume (Eichen)

Die Berechnung der landwirtschaftlichen Direktzahlungen nach Schweizerart ergibt folgende Resultate (in Schweizerfranken):

Versorgungssicherheitsbeiträge              50’500

Biodiversitätsbeiträge                            120’000

Landschaftsqualitätsbeiträge                  28’300

Produktionssystembeiträge                     39’000

Übergangsbeitrag                                   80’250

Total Direktzahlungen und Beiträge 2014              318’050

Über die sogenannten Standartarbeitskräfte (SAK) wird der Direktzahlungsbeitrag pro theoretisch erforderlichen Arbeitskraft auf 70’000 sfr. reduziert. Für unseren Betrieb rechnet das Programm mit 3.13 Standartarbeitskräften. Daraus würde sich ein minimaler Direktzahlungsbeitrag von 219’100 sfr. ergeben. Allerdings wären auch weitere „Optimierungen“ gegen oben mit Kulturlandschafts- und Hangbeiträgen möglich.

Zum Vergleich: In Frankreich erhalten wir umgerechnet 11’760 sfr. Direktzahlungen. Ich bewirtschafte den Betrieb allein, also mit etwas weniger als einer Arbeitskraft….

Jetzt weiss ich, warum die (grossen) Schweizer Bauern um nichts in der Welt in die EU wollen!

Ohne (1)

8 Antworten

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  1. p bossart bl ch said, on Dezember 15, 2014 at 11:42 am

    Sie müssen sich verrechnet haben. So unglaublich lesen sich ihre Zahlen. Wenn ich die Preise unserer landwirtschaftlichen Produkte noch vergleiche mit jenen jenseits im Dreieckland,muss ETWAS in Helvetien drunter und drüber laufen. Warum geben bei uns so vieie Kleinbauern auf?

  2. Der andere Bauer said, on Dezember 15, 2014 at 12:08 pm

    Haben Sie auch überprüft ob Ihr Betrieb die Vorgaben erfüllen würde ob Sie überhaupt Direktzahlungsberechtigt wären (ÖLN)?

  3. ruedibaumann said, on Dezember 15, 2014 at 4:40 pm

    @p bossart
    Nein ich habe mich nicht verrechnet. Die Zahlen wurden durch einen ausgewiesenen Fachmann überprüft! Kleinbauern geben auf, weil das CH-Direktzahlungsystem Grossbauern begünstigt und Kleinbauern diskriminiert, bzw. ganz ausschliesst!
    @Der andere Bauer
    Natürlich erfüllt unser Biobetrieb alle Vorgaben und wäre problemlos Direkktzahlungsberechtigt!
    Ich habe die detaillierten Berechnungen auch dem Bundesamt für Landwirtschaft zugestellt und bin gespannt auf deren Stellungnahme!

  4. Hansueli Berli said, on Dezember 16, 2014 at 9:01 pm

    Herr Baumann, ich bin mir fast sicher, dass Sie sich bei den Uebergansbeiträgen verrechnet haben. Können Sie mir die Berechnung der Uebergansbeitrages zustellen?
    Als fleisiger Leser Ihrer Berichte weiss ich, dass Sie Ihre Oekoflächen nicht nach „Schweizer Norm“ bewirtschaften. So heisst es explizit, dass das Mulchen der Oekoflächen nicht erlaubt ist und dass das Material zusammen genommen werden muss. Dies würde für Ihren Betrieb bedeuten, dass Sie eine Abreitskraft für die Pflege der Oekoflächen anstellen müssten. Oder als alternative auf einen nahmhaften Betrag verzichten müssten….
    Bitte stellen Sie den Kommentar des BLW’s online.

  5. Hansueli Berli said, on Dezember 16, 2014 at 9:19 pm

    Sorry, habe noch einen Fehler gesehen. Lanschaftsqualtitätsbeiträge gibt es maximal 360 Franken / ha. Das heisst, 70 * 360 = 25200. Und was die Bedinungen in dieser Gegend gestellt werden, können Sie und ich nicht sagen….

    • ruedibaumann said, on Dezember 17, 2014 at 3:13 pm

      @Hansueli Berli
      Unter diesem Link finden Sie die Berechnungsgrundlagen: http://www.focus-ap-pa.ch/de-de/tools.aspx
      Wie Sie als aufmerksamer Bologneser richtig feststellen, kommt es vor, dass ich sinnvollerweise gewisse Oekoflächen mulche (insbesondere wenn der Heupreis < 50€/To beträgt…). Der Arbeitsaufwand mulchen bzw. mähen, pressen ist so oder so minimal…
      Das Erstaunliche ist aber, dass ich durch verschiedene Optimierungen das Total der hypothetischen Direktzahlungen noch über die berechneten 318'000 sfr. steigern könnte!
      Den Kommentar des BLW werde ich online stellen sobald er eintrifft.

  6. ruedibaumann said, on Dezember 17, 2014 at 3:22 pm

    Hier die Stellungnahme des Bundesamtes für Landwirtschaft:

    Sehr geehrter Herr Baumann

    Herzlichen Dank für Ihre Interessante Zusammenstellung, die uns einen Blick über die Schweizer Grenzen eröffnet.

    Aufgrund Ihrer Angaben können wir nicht beurteilen, ob die von Ihnen berechneten Direktzahlungen stimmen. Insbesondere die Biodiversitätsbeiträge, die Landschaftsqualitätsbeiträge und der Übergangsbeitrag erscheinen uns sehr hoch. Die Limitierung der Direktzahlungen pro SAK muss ebenfalls berücksichtigt werden, wobei einige Beiträge (u.a. Landschaftsqualität, Übergangsbeitrag) von dieser Begrenzung ausgenommen sind. Interessant wären in diesem Zusammenhang sicher auch die Auswirkungen des Systemwechsels mit der AP 14-17 auf diesen Betrieb. Für einen Vergleich zwischen einem Betrieb in Frankreich und einem in der Schweiz müssten neben den Direktzahlungen auch die Anforderungen, Auflagen, Kosten, Erlöse etc. verglichen werden.

    Freundliche Grüsse

    Jonas Plattner

    Eidgenössisches Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung WBF
    Bundesamt für Landwirtschaft BLW
    Fachbereich Direktzahlungsgrundlagen

    Mattenhofstrasse 5, 3003 Bern

  7. Anonymous said, on Dezember 19, 2014 at 10:56 pm

    Mir scheint, hier ist es anders als dort. Was war schon wieder die Frage?

    Koni Kreis


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