AUSWANDERERBLOG

Milchgeld

Posted in Diverses by ruedibaumann on Februar 24, 2011

Auch ist der Hauptort und damit auch wirtschaftliches und kulturelles Zentrum unserer Region. Ich habe mich immer gewundert, dass beim Ortseingang neben der Ortstafel „Auch“ fasst ebenso gross „Memmingen“ angeschrieben ist. Offenbar hat das mit der Städtepartnerschaft zu tun, die das Städtchen Auch seit Jahren mit dem bayrischen Memmingen unterhält. Memmingen war für mich bisher nichts weiteres als ein Ort irgendwo in Bayern, wo viel Bier getrunken wird und die Männer bei Dorffesten Lederhosen tragen…

Jetzt habe ich aber Milchgeld gelesen, „Kluftingers erster Fall“, ein Krimi von Volker Klüpfel und Michael Kobr, der mir das Allgäu, die Umgebung von Memmingen und die Mentalität der Leute dort auf spannende und liebenswürdige Weise viel näher gebracht hat.

Mir ist aufgefallen, dass die Mentalitätsunterschiede zwischen der ländlichen Bevölkerung in der Gascogne und dem Allgäu gar nicht so gross sind. Die manchmal etwas kauzigen Bauern, hier wie dort mit ihrem Patois, das man kaum versteht und nur erraten kann, ihr Fachsimpeln über die Vorzüge und Nachteile diverser Traktoren und Landmaschinen, ihre Beziehung zu den Tieren und Feldern…

Ich war noch nie im Allgäu, aber ich glaube, ich muss das unbedingt mal nachholen!

Im Schatten des Windes

Posted in Diverses by ruedibaumann on Februar 22, 2011

Joschka Fischer hat gesagt, man könne gar nicht anders als das Buch in einer Nacht durchzulesen, weil es so spannend sei. Ich habe eine Woche gebraucht, aber er hat recht, der Roman des Spaniers Carlos Ruiz Zafon „Der Schatten des Windes“ ist eine phantastische Lektüre. Die Geschichte aus der Zeit der Franco-Dikdatur (1936 – 1977) spielt gleich hier ennet den Pyrenäen, in Barcelona.
Es wird einem schmerzhaft bewusst, dass Bürgerkriege und Dikdaturen auch in Europa erst seit sehr kurzer Zeit überwunden sind. Etwas, das wie mir scheint, in der Schweiz bei gewissen Parteien offenbar völlig in Vergessenheit geraten ist.

Weitere 68 Buch- und Leseempfehlungen des Auswanderers. Lesen Sie gut!

América

Posted in Diverses by ruedibaumann on Februar 1, 2011

„Ein Buch wie ein rasanter Film, in dem Erste und Dritte Welt aufeinander krachen“ sagt Elke Heidenreich zu dem Roman von T.C.Boyle.
América gehört zu seinen Bestsellern und sollte eigentlich Pflichtlektüre sein für alle, die sich ernsthaft mit Immigrationsfragen befassen. Vielleicht hätten dann populistische, rechtsnationale Parteien wie die SVP in der Schweiz und der Front National in Frankreich endlich keinen weiteren Zulauf mehr.
Ich habe das spannende Buch von der ersten bis zur letzten Seite in einem Zug durchgelesen: eine Achterbahnfahrt der Katastrophen!

Laudatio

Posted in Diverses by ruedibaumann on Januar 26, 2011

Peter Liechti an den Filmtagen in Solothurn,
Jury-Bericht zu Simon Baumann, 25. 1. 2011, anlässlich der Bekanntgabe der Wettbewerbsgewinner

Liebe Anwesende, lieber Simon Baumann.

Obwohl diese Ausschreibung keineswegs als Nachwuchsförderung konzipiert wurde, stammten auffallend viele der interessanteren Eingaben von jungen Filmern und Filmerinnen. Auch du, Simon, bist noch jung und wirst mit deinem Filmprojekt „Zum Beispiel Suberg“ deinen ersten abendfüllenden Kinofilm realisieren. Du bist der Gewinner des neuen CH-Dokfilm-Wettbewerbs des Migros-Kulturprozents, und dazu möchte ich dir persönlich und im Namen der Jury ganz herzlich gratulieren!

Wie schon gesagt, wir haben im Rahmen dieses Wettbewerbs noch andere spannende Dossiers gelesen; ich wünsche deshalb auch den heute leer ausgegangenen MitbewerberInnen alles Gute und viel Erfolg bei der Realisierung ihrer Ideen. Schliesslich gibt es bei solchen Auswahl-Verfahren keine wirklich objektiven Kriterien, das heisst, es braucht auch immer etwas Glück. Mit diesem Jury-Entscheid hattest du also auch Glück, Simon – doch es gibt noch reichlich andere Gründe, um unseren Zuschlag zu deinem Projekt zu rechtfertigen, und die sollen hier kurz dargelegt werden:

Ich selbst und eigentlich auch die anderen Jury-Mitglieder gehören einer Generation an, die noch gegen zu viel Anpassung rebelliert und für die individuelle Verwirklichung gekämpft hatte. Integration in die helvetische Durchschnittlichkeit und Anbiederung an dörfliche Vereinsmeierei hätten wir als reinsten Ausdruck von Spiessertum und Rückständigkeit verstanden, den traditionellen Werten misstrauten wir zutiefst. Und nun kommt ein Simon Baumann, rund dreissig Jahre jünger, quasi einer unserer Söhne, und erzählt, dass er von Berlin nach Suberg ziehen möchte, um sich dort – 100 Meter vom alten Elternhaus entfernt – in die Dorfgemeinschaft zu integrieren und als Nachwuchs-Mitglied dem Suberger Gesangs-Verein beizutreten. Und er tut dies auf sehr überlegte und intelligente Weise; seine Drehvorlage ist derart klar geschrieben – und bebildert!, dass wir ihm ohne weiteres folgen können auf dieser ganz persönlichen Reise ins Landesinnere. So zielt denn sein Film nicht nur auf Kernprobleme, wie wir sie heute in unserem Land überall antreffen, sondern er thematisiert über seine Eltern auch die Kämpfe und Ideen, die uns – die mittlerweile ältere Generation – früher umgetrieben hatten, und was heute daraus geworden ist. Simons Eltern, engagierte Linke und Alternative, die damals politisch äusserst aktiv und entsprechend unbeliebt waren im Dorf – wurden schliesslich aus dem Ort vertrieben, und nun kehrt der Sohn zurück, nicht nur mit einem Film-, sondern auch gleich noch mit einem persönlichen Lebens-Projekt. Filmerei wird dadurch zu einer Art aktiv gelebter Fragestellung, in der Hoffnung, auf diesem Weg einige Antworten zu finden auf die grundsätzlichen Themen unserer Zeit. Ich zitiere hierzu zwei Beispiele aus seinem Dossier-Text:
„…Heute kann sich der einzelne dreimal soviel Konsumgüter leisten wie vor dreissig Jahren. Laut der Glücksforschung ist aber die Lebenszufriedenheit in den westlichen Industrienationen seit Ende der Siebziger-Jahre nicht mehr angestiegen, sondern teilweise gar rückläufig. Ich bin also wissenschaftlich belegt nicht glücklicher als mein Grossvater, obwohl ich viel weniger arbeite und mir dreimal mehr leisten kann. Kommt hinzu, dass ich mit meiner Lebensart die Umwelt um ein Mehrfaches belaste.“

Seinen Grossvater kennt Simon nur von Fotos; beim Betrachten dieser Bilder sinniert er, dieser wirke „abegwärchet“ aber stets glücklich…
„Das irritiert mich.“, schreibt er, „Wo nimmt einer diese Zufriedenheit her, wenn er als Pächter sieben Tage die Woche vierzehn Stunden hart arbeitet und dabei kaum etwas verdient? Ich vermute, dass die feste Verankerung in der Dorfgemeinschaft etwas damit zu tun hat.“…

Und weiter heisst es – im Hinblick auf seine künftige Vereinstätigkeit in Suberg:
„Die Jungen haben sich vom traditionellen Vereinsleben verabschiedet. Den
Vereinen fehlt der Nachwuchs und sie sterben aus. Geht damit etwas Wichtiges verloren, oder lebt es nur anderswo in neuer Form weiter? Ersetzen Internet-Foren den Gesangsverein, oder die Handy-Antenne den Dorfladen?“

Wir, die Jury, hoffen natürlich, dass Simon bei seiner „Heimkehr“ ins Dorf nicht nur singen lernt, sondern auch immer wieder fündig wird bei seiner filmischen Bestandesaufnahme im schweizerischen Nomansland. Das Script zu „Suberg“ verspricht jedenfalls eine spannende soziologisch-psychologische Analyse. Der heterogene, witzige Kosmos dieses Dorfes im gesichtslosen Mittelland wird aus nächster Nähe miterlebt; was dort im Kleinen gezeigt wird, ist heute beispielhaft für die schweizerische Community…

Noch überzeugender hat es Simon selbst formuliert in den abschliessenden Ausführungen zu seiner Motivation für diesen Film; ich zitiere:
„Aus der Ferne betrachtet ist Suberg wahrscheinlich nur ein globalisiertes Bauerndorf in der politisch zunehmend isolierten Schweiz. Ein Dorf irgendwo in den Vororten des Schweizer Finanzplatzes. Man sagt, die Welt sei ein Dorf geworden. Nehmen wir für einen Moment an, dieses Dorf heisse zum Beispiel Suberg. Dann können wir hier die ganze Welt sehen.“

Wir wünschen dir, Simon, und deinem Produzenten Dieter Fahrer, dass euch genau das gelingen wird. Wir freuen uns auf diesen Film und wünschen euch bei der Umsetzung dieser schönen Worte in ein Stück Kino noch einmal viel Glück!
Peter Liechti

Berner Jungfilmer gewinnt den Migros-Dokfilm Wettbewerb

Posted in Diverses by ruedibaumann on Januar 25, 2011

Der 32-jährige Filmer Simon Baumann gewinnt den 1. CH-Dokfilm-Wettbewerb und erhält vom Migros-Kulturprozent 400’000 Franken für einen Dokumentarfilm über sein Heimatdorf Suberg

Baumann hat heute gleich doppelten Grund zur Freude. Er wird 32. und er gewinnt den 1. Preis beim Schweizer Dokfilm-Wettbewerb, den die Migros dieses Jahr zum ersten Mal vergibt. Sein Projekt «Zum Beispiel Suberg» hat die Jury am meisten überzeugt, wie deren Präsidentin Hedy Graber, Leiterin Direktion Kultur und Soziales des Migros-Genossenschafts-Bunds, erklärte. Baumann hat sich gegen vier Mitkonkurrenten durchgesetzt, die es im zweistufigen Auswahlverfahren ebenfalls bis in die Schlussrunde gebracht hatten.

Der Jungfilmer verfolgt mit seinem Film das Ziel, sich in sein Heimatdorf Suberg zu integrieren. Er wohnt zwar schon sein ganzes Leben im Dorf, das zwischen Biel und Bern liegt. Bis heute sei es ihm aber «erfolgreich gelungen», sich nie auf die Dorfbewohner einzulassen.

Alle ziehen weg, Baumann bleibt

Nachdem seine Freunde aus der Kinderzeit Suberg zu Gunsten grosser Städte wie Zürich oder Berlin verlassen haben, will er die Bewohner von Suberg endlich kennenlernen. Mehr noch, er will neue Freunde gewinnen. So will er etwa dem örtlichen Gesangsverein beitreten. Diesen Integrationsprozess will er filmisch festhalten.

Der Film soll im Frühling 2012 fertig werden und an den Visions du Réel in Nyon Premiere feiern. Das Migros-Kulturprozent unterstützt die Produktion mit 400000 Franken. Gut 60000 Franken steuert das Schweizer Fernsehen bei, dass sich die Vorkaufsrechte gesichert hat, erklärt Produzent Dieter Fahrer gegenüber «az».

Neuer Wettbewerb

Am Wettbewerb hätten auffallend viele junge Filmer teilgenommen, die man bisher kaum gekannt habe, erklärte Jury-Mitglieder und Filmer Peter Liechti. Baumann ist einer von ihnen. Der 32-jährige hat über die Musik zum Film gefunden. Er hat bis heute 4 Kurz- und zwei Musikfilme gedreht.

Das Migros-Kulturprozent hat den Wettbewerb 2010 anlässlich der Solothurner Filmtagen lanciert und dabei auch gleich das Thema vorgegeben. «Lebenswelten – miteinander leben» war das Motto. Das Thema der zweiten Ausschreibung lautete «Freiheit – eine Herausforderung». Dokfilmer können ihre Projekte bis am 16. Mai 2011 einreichen. (rsn)
Quelle AZ

Sennhausers Filmblog

Bieler Tagblatt

Filmen

Blick

Ein typisches Stück Schweiz

„Empört euch!“ „Indignez-vous!“

Posted in Diverses by ruedibaumann on Januar 24, 2011

Ich bin in einem interessanten Artikel in Le Monde (vom 15. Januar 2011) auf ihn aufmerksam geworden: Stéphane Hessel, 93 jährig, ehemaliger Résistance-Kämpfer, Überlebender des Konzentrationslagers Buchenwald und seit kuzem Bestsellerautor. Sein kleines Buch „Indignez-vous!“ wurde schon eine Millionen mal verkauft und hat das Zeug zum Weltbestseller!
Er sagt Sachen die mir und offenbar vielen Franzosen am Herzen liegen: „L’économie financiarisée est le principal ennemi“, oder auch darüber dass die Unterschiede zwischen Armen und Reichen noch nie so gross gewesen seien wie heute (FAZ).

Auf was wartet ihr? Empört und engagiert Euch (endlich)!

Lasst euch nicht unterdrücken!

Werdet mutig und militant!

Teneriffa Flugverkehr

Posted in Diverses by ruedibaumann on Januar 17, 2011

Vor 34 Jahren hat sich auf Teneriffa die grösste Flugzeugkatastrophe aller Zeiten erreignet. Dabei kamen 583 Menschen ums Leben, nur 61 Menschen überlebten.
Das war am 27. März 1977 und eigentlich müsste ich mich daran erinnern. Aber ich muss zugeben, dass ich erst hier wieder auf dieses Unglück aufmerksam wurde. Wahrscheinlich passiert auf dieser Welt einfach zuviel Schreckliches um alles zu memorieren.

Wenn man dem regen Flugbetrieb auf dem neuen Flughafen Teneriffa Süd zusieht, ist es ja sogar erstaunlich, dass es nicht mehr Unfälle gibt.

Flugzeugkatastrophe Teneriffa

Touristeninsel Teneriffa

Posted in Diverses by ruedibaumann on Januar 15, 2011

In Teneriffa ist immer Frühling. Die Temperaturen sind das ganze Jahr über angenehm warm.
Kein Wunder , dass dieses Wetter Touristen aus der ganzen Welt anzieht. Vor allem ältere. Es sind richtige Rentner Ghettos entstanden: Engländer, Deutsche, Iren, Franzosen…
Die Immobilienkrise in Spanien ist aber auch auf Teneriffa spürbar. Viele Bauplätze sind eingestellt und viele Baumaschinen stehen still.

Teneriffa Geologie

Posted in Diverses by ruedibaumann on Januar 14, 2011

Teneriffa ist eine Vulkaninsel. Die Vielfalt der Geländeformen ist beeindruckend! Mich faszinieren die verschiedenen vulkanischen Steinarten. Hier eine kleine Auswahl:

Dioxin-Skandal 2011

Posted in Diverses by ruedibaumann on Januar 7, 2011

Was mich wundert ist nicht, dass regelmässig Lebensmittelskandale öffentlich werden. Mich wundert, dass offenbar der gegenwärtige Dioxin-Skandal nur die deutschsprachigen Länder beschäftigt. Jedenfalls habe ich hier in französischen Medien bisher nichts darüber gehört, gelesen oder gesehen. Dabei ist doch Frankreich sehr agressiv in die Produktion von Agrotreibstoffen eingestiegen und hat eine ganze Reihe von entsprechenden Anlagen zur Biodieselproduktion aus dem Boden gestampft.

Allerdings ist mir auch noch nicht klar, ob, wie und warum bei der Produktion von Agrotreibstoffen Dioxin entstehen kann? Die diversen Artikel in Spiegel Online geben dazu auch keine konkreten Hinweise. Gibt es jemanden, der darüber verbindliche Aussagen machen kann?

Massentierhaltung und Zufütterung von betriebsfremden Futtermitteln birgt immer die Gefahr von Lebensmittelkontamination. Wenn man Fleisch und Eier essen will, sollte man darauf achten, dass diese Produkte von Biobetrieben mit ausschliesslich betriebseigenen Futtermittel stammen. Dazu gibt es glücklicherweise immer mehr Möglichkeiten.

Inzwischen dürfen (vorübergehend) in Deutschland 4’700 Bauernbetriebe keine Produkte mehr auf den Markt bringen. Die beim deutschen Futterfetthersteller Harles und Jentzsch gemessenen Dioxinwerte liegen bis zu 77-mal höher als erlaubt.