AUSWANDERERBLOG

Lyssbach zum Dritten

Posted in Diverses by ruedibaumann on August 31, 2007

Ich bin am Lyssbach aufgewachsen und kenne jeden Laufmeter und jeden offenen Zufluss von der Quelle bis zur Einmündung in die alte Aare. Der Inselmatt-Hof wird vom Lyssbach und dem Gewerbekanal umrahmt und steht sozusagen auf einer Insel. Der Lyssbach ist Spielplatz, Naherholungsgebiet, Fischgewässer, Energielieferant, Gefahrenherd, Bewässerungskanal, Kuhtränke…. kurz, Lebensader einer ganzen Region!
Aber man hat ihm zuviel zugemutet. Der Bauboom und die damit einhergehende Bodenversiegelung, die Autobahn- und Bahnlinienentwässerung haben dazu geführt, dass er die jetzt bei jedem Gewitter rasch ansteigenden Wassermassen nicht mehr verkraften kann. Er steigt über die Ufer und führt zu verheerenden Überschwemmungsschäden.
Zugegeben, wir haben uns schon früher mit Mistwalmen (!), später Sandsäcken gegen die Wassermassen gewehrt. Überschwemmungen wie in den letzten zwei Tagen sind noch nie vorgekommen!
Ich war in den 80er Jahren als Gemeinderat an der Gründung des Lyssbachschutzverbandes mitbeteiligt. In der Zwischenzeit wurden am Oberlauf des Baches und bei diversen Zuflüssen wertvolle Renaturierungen, Verbreiterungen und Bepflanzungen realisiert.
Allerdings blieben verschiedene Nadelöhrs bestehen, was insbesondere im Unterlauf bei Suberg und Lyss zu wiederholten Überschwemmungen geführt hat.
Ein geplanter 30-Millionen teurer Hochwasserstollen soll zumindest für Lyss Abhilfe schaffen.
Meines Erachtens sollten aber natürliche Rückhaltebecken (zeitweise Überflutung von Landwirtschaftsland) im Oberlauf und an Zuflüssen dafür sorgen, dass der Abfluss der Wassermassen jeweils kontrolliert verzögert wird, weil sonst die Probleme nur weiter unten entstehen(Alte Aare, Aare). Ich bin überzeugt, dass sanfte Lösungen am Oberlauf, mit jeweils grosszügiger Entschädigung der Kulturlandschäden erfolgversprechender und kostengünstiger sind als harte technische Lösungen und sich vor allem rasch realisieren lassen. Und vielleicht braucht es halt beides.

Lyssbach und Zuflüsse

Offenbar habe ich mich schon oft mit dem Lyssbach beschäftigt….

Glück im Unglück

Aus aktuellem Anlass

Bachwandern

Lyssbach

Wurzeln, racines, roots

Eishockey

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  1. w.leuzinger said, on September 1, 2007 at 11:17 am

    Sie sprechen die Bodenversiegelung und Entwässerung an. Dem kann ich nur zustimmen und folgende Ergänzung beifügen: die Meliorationen der Landwirtschaft haben vermutlich ebensoviel beigetragen. Wo Weideland war, betreibt man Ackerbau, fast jeder Landwirtschaftsweg ist asphaltiert und mit Kanalisation versehen. Habt ihr die Sturzbäche in den nur leicht abfallenden Aeckern gesehen? Was mich am meisten stört in der Berichterstattung ist, dass man nur wieder von technischen Kraftakten zur Problemlösung spricht kein Wort von den wirklichen Ursachen der Misere. Ich wohne übrigens in der Broye profonde und bin ein aufmerksamer Beobachter der Landschaft.

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  2. RB said, on September 1, 2007 at 12:57 pm

    @w.leuzingerIm Einzugsgebiet des Lyssbachs haben wir in der Gemeinde Grossaffoltern (rd. 1000ha) in den Jahren 1978 bis 98 eine sanfte Gesamtmelioration durchgeführt ( ich war selber Mitglied ses Vorstandes). Dabei sind rund 18 km Bachläufe renaturiert worden, das heisst, frühere Betonkanäle wurden entfernt und die Bachläufe mäandrierend in die Landschaft gelegt. Diese Oekokorridors gehören der Gemeinde und werden vertraglich gegen Entschädigung durch die Landwirte gehegt und gepflegt. Der WWF hat den auch die Gesamtmelioration ausgezeichnet!Ich meine, eine sehr gelungene Güterzusammenlegung, die die Landschaft aufwertet und den Wasserabfluss bremst. Aber Sie haben schon recht, es gibt in Sachen Rückbau der Gewässer noch viel zu tun!Ich empfehle Ihnen eine kleine Velotour auf dem Gemeindegebiet von Grossaffoltern als positiven Anschauungsunterricht. Viel Vergnügen!Ruedi Baumann

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  3. RB said, on September 1, 2007 at 5:29 pm

    NachtragIch habe gehört, dass Regierungsrat Luginbühl plant, am Oberlauf des Lyssbachs zwischen Schüpfen und Münchenbuchsee als Galmiz-Ersatz 50 (!) Hektaren Industrieland einzuzonen.Ich mache die Rechnung:100 mm Niederschlag (wie am Donnerstag) auf 50 ha ergibt eine Wassermenge von 50 Millionen Liter!Mit anderen Worten, die Abflussmenge würde mit einem Schlag noch einmal um bis zu 20% erhöht.“Schöne“ Aussichten für alle die jetzt schon dreimal im Jahr Schlamm schaufeln müssen…Ruedi Baumann

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