Dr Ärnscht Eggimaa isch gschtorbe
Mundart-Dichter Ernst Eggimann gestorben
Wortmusiker
Der Mundart-Dichter Ernst Eggimann ist am Dienstag 79-jährig gestorben. Er hat mit seinen Werken seit den sechziger Jahren die Mundart-Dichtung in der Schweiz in die Moderne geführt.
Hommage: Dr Eggima
Dr Eggima, oder?
Dr Eggima, wüsster!
Dr Eggima, verstöhter?
Dr Eggima, oder?
Dr Eggima müesst dr wüsse!
Wüu dr Eggima, dr
Eggima!
Wüu dr Eggima, denn aus Eggima!
Wüu dr Eggima, denn im Ämmitau!
Wüu dr Eggima, denn mit syne Gedicht!
Dr Eggima denn mit Henusode u Heikermänt
Auszug aus einer Hommage von Autor Beat Sterchi.
In den Jahren 1986 bis 1991 war ich mit Ernst Eggimann zusammen in der Fraktion der Freien Liste (Grüne) im Berner Kantonsparlament. Wir hatten als neue Partei auf Anhieb 11 Sitze im grossen Rat und zwei Regierungsratssitze erobert. Damit war im Frühjahr 1986 in der bernischen Politilandschaft alles etwas anders. Wir waren eine relativ unerfahrene Spontigruppe, hatten es lustig und wollten unter keinen Umständen wie die anderen Parteien zu einem stieren Verein werden. Ernst Eggimann hat am Rednerpult hin und wieder seine köstlichen Gedichte vorgetragen: Mir Schwyzer, mir Schwyzer….. Sehr zum Missfallen der bürgerlichen Ratshälfte.
Ernst Eggimann war ein feiner Mensch, ein lieber Freund, ein Wortakrobat, ein Wortmusiker.
Und jetzt ist er 79 jährig in der Nähe von Arles gestorben. Ich werde ihn in bester Erinnerung behalten. „Hei land donner, het das müsse si?“
„Wie heisst das gefragteste Gen?“
Die Literaturtage am Freitag im RBS-Bahnhof Bern. Das Büchertram Buchowski fährt mit dem blauen Bähnli nach Solothurn und zurück. Unter den ersten Gästen: die Herren Sterchi, Mezger und Baumann.
Von Alexander Suri (Der Bund vom 14. Mai 2015)
Alles ist aus Holz in diesem Literaturmobil: die Tische, die Bänke und die Decke, auf den Gepäckablagen hat es Bücher und Zeitschriften. Rustikal gemütlich ist es drinnen, während draussen garstiges Wetter herrscht und die Fensterscheiben beschlagen sind, als ob über Nacht im Mittelland der November ausgebrochen wäre. Wir sind auf dem Weg nach Solothurn, an die Literaturtage.
Aber Moment, da stimmt doch etwas mit der Streckenführung nicht. Gerade erzählt der Schriftsteller Daniel Mezger, in der Ecke des vorderen Kabinenwaggons sitzend, von den Schwierigkeiten einer Familie, die aus der Stadt aufs Land gezogen ist und im Gasthof Hirschen ziemlich vergeblich Anschluss sucht. Und just in dem Moment geht der Blick hinaus und bleibt beim Stationsschild «Papiermühle» hängen. Hat da jemand im blauen Bähnli den Anschluss verloren und fährt wie ein altes Ross mit Stalldrang auf dem Holzweg in Richtung Worb?
Prompt kommt sie, die Durchsage: Leider habe sich ds Bähnli «verfahren», eine eisenbahntechnische «Spitzkehre» sei unumgänglich. Nach 74 Jahren im Jahr 1987 aus dem Dienst entlassen, steht der frisch renovierte Personentriebwagen Be 4/4 36 mittlerweile für Extrafahren zur Verfügung. Am Bahnhof Ittigen stossen die Passagiere mit einem Glas Weisswein, wahlweise darf es auch Wasser sein, auf diese inszenierte Irrfahrt an. Das überaus zuvorkommende Kabinenpersonal lächelt dazu verschmitzt. Und schon setzt sich das «Büchertram» in die entgegengesetzte Richtung wieder in Bewegung. Der Seeländer Dokumentarfilmer Simon Baumann, der mit Mezger im Doppel über das Wesen des Mittellandes sinniert, nimmt den Faden auf und berichtet seinerseits davon, dass er für seinen filmischen Selbstintegrationsversuch «Zum Beispiel Suberg» vor vier Jahren dem Männerchor seines Seeländer Heimatdorfs beitrat. Nach den Proben traf man sich jeweils in einem echten Hirschen zum gemütlichen Teil. «Nach einiger Zeit habe ich herausgefunden», sagt Baumann, «dass man über Politik und Religion nicht sprechen sollte, geeignet sind die aktuellen Baustellen in der Region und natürlich der Sport.» Während er aus einem Text mit dem Titel «Das Dorf muss leben» liest, hat ausgerechnet das Shoppyland Schönbühl einen Kurzauftritt.
Salat im Konfitüreglas!
Organisiert werden die Fahrten an die Solothurner Literaturtage über das Auffahrtswochenende vom Verein Buchowski, der seit drei Jahren der Literatur in Bern ein besonderes Zuhause schaffen will und schon 2012 auf Berns Schienen unterwegs war. Ein denkwürdiges gastronomisches Vergnügen bildet der Zwischenhalt in Fraubrunnen. Zwei weisse Bartische werden auf dem Perron 1 unter dem Dach aufgestellt, es gib Aufschnitt, Brot Käse und Kuchen.
Nicht eingeweihte Passanten staunen ob dieser kulinarischen Veranstaltung und mögen sich fragen, ob die RBS nun auch alternative Hochzeitsapéros anbietet für bahnaffine Zeitgenossen. Wer will, kann ein leeres Konfitüreglas mit Salatingredienzien vom Buffet zusammenstellen, Sauce darübergiessen, Deckel schliessen und schütteln. Mindestens so durchdacht wie diese pragmatisch-poetische Salatzubereitung sind die Interventionen des Berner Autors Beat Sterchi, der im anderen Teil des Waggons – so will es uns zumindest scheinen – exakt beim Passieren der Kantonsgrenze nach Solothurn von Mundart-Agglo-Geschichten über eskalierende Nachbarschaftsstreitereien zu hochdeutschen Kalauern mit nicht zu unterschätzendem Tiefsinnpotenzial wechselt. So fragt er nach einem Schluck Weisswein vergnügt: «Wie heisst das gefragteste Gen?» Und antwortet gleich selber: «Das Fragen».
Als das blaue Bähnli sanft in die letzte Rechtskurve einbiegt, beendet Sterchi seinen Auftritt in katholischen Landen mit dem Bekenntnis «Die Messe war schön». Solothurn erreichen wir mit 30 Minuten Rückstand auf den Fahrplan. Noch nie war uns eine Verspätung so willkommen. Noch Fragen? Diese literarische Bahnreise ist eine Messe wert.
Literarischer Fahrplan unter: http://www.buchowski.ch (Der Bund)
Niklaus Meienberg 1940 – 1993
Ich habe die Lebensgeschichte des Schweizer Journalisten und Schriftstellers Niklaus Meienberg von Marianne Fehr durchgelesen. Für mich eine Art Zeitreise in die Vergangenheit. Die spannenden, wortgewaltigen, polemischen Reportagen aus der Schweiz habe ich in den 80er Jahren im Tagimagi, in der Weltwoche (als das noch eine respektable Zeitung war…) oder in der WOZ jeweils mit grossem Vergnügen gelesen. „Die Erschiessung des Landesverräters Ernst S,“, „Das Schmettern des gallischen Hahns“, „Die Erweiterung der Pupillen beim Eintritt ins Hochgebirge“ usw. sind Bücher, die mein Weltbild geprägt haben. Vielleicht habe ich mir auch das besondere Interesse an Frankreich durch seine Bücher und Geschichten einverleibt.
Niklaus Meineberg hat uns auch hin und wieder mit seinem Töff auf unserem Hof Inselmatt im Berner Seeland besucht. Allerdings nicht wegen uns, sondern wegen Nina, die in den achtziger Jahren als ETH-Agronomie-Studentin bei uns ein Praktikum absolvierte. Manchmal waren wir nicht sehr glücklich, wenn er seine Freundin ausgerechnet während dem arbeitsintensiven Heuet oder der Getreideernte mit seinem Motorrad nach Freiburg entführte… Bei einem Nachtessen im Frühjahr 1987 bei uns im Garten war er ganz euphorisch, weil er zufällig an einer Heimatausstellung in Meilen die Briefsammlung aus dem Wille-Clan entdeckt und heimlich fotografiert hatte. Daraus entstand das berühmte Werk: „Die Welt aus Wille und Wahn“. Schade dass es heute keine Meienbergs mehr gibt!
Der Trafikant
Österreich 1937: Der 17-jährige Franz
Huchel verlässt seine Heimat im Salzkammergut. In Wien beginnt er eine Lehre in
einer Trafik, einem kleinen Tabak- und Zeitungsgeschäft. Zu den Stammkunden gehört ein gewisser Sigmund Freud, der Franz von Anfang an fasziniert. Ebenso wie die Varietétänzerin Anezka. Doch die politischen Verhältnisse in Österreich stehen auf Sturm…
Der Roman von Robert Seethaler ist ein Bestseller: Zu recht!
http://www.srf.ch/play/tv/literaturclub/video/der-trafikant
Und Nietzsche weinte
Ich habe noch selten ein so gescheites Buch gelesen.
Viel Menschliches, Allzumenschliches…!
„Wunderzeit“
Anfang der 80er Jahre zwischen Rumänien und Jugoslawien: Der 15-jährige Alin sitzt mit seinen Eltern an der Grenze fest. Angespannt warten sie auf die Ausreise, und der Junge erinnert sich zurück… (Klappentext)
Es ist der Debutroman von Catalin Dorian Florescu, die Geschichte einer Kindheit, die seiner eigenen gleicht. Ein spannendes Buch, erzählt in schillernden Farben.
http://www.perlentaucher.de/buch/catalin-dorian-florescu/wunderzeit.html
Regenwetter
Lesen vor dem Cheminée…
Jan-Philipp Sendker: „Das Herzenhören“. Eine Liebesgeschichte aus Burma, für mich haarscharf am Kitsch vorbei…








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