AUSWANDERERBLOG

Krisengipfel in Rom

Posted in Politik by ruedibaumann on Juni 3, 2008

Heute beginnt in Rom ein dreitägiger UN – Sondergipfel zu der dramatischen weltweiten Nahrungsmittelsituation. An dem FAO – Gipfel werden von den 191 Mitgliedstaaten etwa 40 Staats- und Regierungschefs erwartet. Auch unser Präsident Sarkozy will in Rom seine Vorschläge zur Problemlösung vortragen. Ban Ki-moon, der Generalsekretär der UNO fordert ultimativ die Förderung der Landwirtschaft in Entwicklungsländern und die Stärkung der Kleinbauern.

Ich habe mich vor 40 Jahren (!) erstmals mit der FAO beschäftigt, in einem Vortrag im grossen Saal der Landwirtschaftsschule Rütti in Zollikofen, als Landwirtschaftsschüler…
Seither hat mich das Thema Welternährung immer wieder beschäftigt. Als Agronomiestudent an der ETH habe ich Vorlesungen über Entwicklungszusammenarbeit besucht und eine Arbeit über den Weltgetreidemarkt geschrieben. In den Semesterferien habe ich bei der DEZA-Zentrale in Bern gearbeitet. Als Co-Präsident der Schweizerischen Kleinbauernorganisation pflegte ich Kontakte zu den Landlosen-Organisationen in Brasilien und bei Aufenthalten in Mali, Algerien, Kambodscha, Korea, Armenien, Chiapas, Guatemala, Kolumbien und auf dem Balkan konnte ich die Situation der Landbevölkerung und die schweizerischen Entwicklungshilfe-Projekte studieren. Im Parlament war ich Mitglied der Beratenden Kommission für Entwicklungszusammenarbeit. Ich habe regelmässigen Kontakt zu Studienkollegen die seit Jahren bei der FAO-Zentrale in Rom oder als Entwicklungshelfer im Feld arbeiten. Und zu guter Letzt sind wir selber seit jeher Bauern und damit Nahrungsmittelproduzenten.

Auch in diesem Blog habe ich mir wiederholt zum Thema Welthunger Gedanken gemacht.

Und trotz diesen Erfahrungen bin ich ziemlich ratlos und bei Patentrezepten ausgesprochen skeptisch.
Ein Kollege hat mir zu recht geschrieben: „die Nahrungsmittel gehen nie zum Hunger sondern immer zum Geld…“.
Es gibt viele offene Fragen: Schafft die Nahrungsmittelhilfe Abhängigkeiten in Hungerregionen? Können steigende Nahrungsmittelpreise in Afrika nicht auch ein Anreiz sein für die Bäuerinnen und Bauern, mehr zu produzieren? Warum entdeckt man im Süden erst jetzt die Kleinbauern als Nahrungsmittelproduzenten? Warum will man aber gleichzeitig eben diese Kleinbauern im Norden „strukturbereinigen“, sprich wegrationalisieren?
An reich gedeckten Tischen und mit vollem Bauch lässt sich trefflich streiten! Aber 800 Millionen hungernde Menschen und täglich an Hunger strebende Kinder sind in einer Welt des Überflusses ein Verbrechen!