AUSWANDERERBLOG

Politisches Erdbeben

Posted in Politik by ruedibaumann on Juni 28, 2008

Ein politisches Erdbeben erschüttert zur Zeit das Bernbiet. „D’Partei“, so heisst hier im ländlichen Kanton Bern die Schweizerische Volkspartei (SVP), wird regelrecht zerrissen! Durch die seit Generationen in den meisten Landgemeinden felsenfest verankerte und tonangebende Regierungspartei geht plötzlich ein tiefer Spalt.

Ruedi Minger, der spätere Bundesrat, hat 1928 die BGB (Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei) im Berner Bierhübeli als Abspaltung vom elitären Freisinn gegründet und seither regiert die BGB praktisch unangefochten in allen bernischen Bauerndörfern. Einzig der Name wurde in der Zwischenzeit auf „ÄssVouPee“ geändert. Auch wenn manchmal ein paar Sozis oder hie und da ein „grüner linker Stürmisiech“ in den Dörfern aufmuckten, an der staatstragenden bernischen SVP kam niemand vorbei.

Aber was weder Linke noch Grüne je geschafft haben, hat nun ein gewisser Christoph Blocher fertiggebracht: Die bernische SVP (und wahrscheinlich nicht nur die bernische) ist in Kampfscheidung! Und gefochten wird da unerbittlich, mit Gehässigkeiten und wüsten Beschimpfungen zwischen anständigen und unanständigen ehemaligen Parteifreunden. Eigene Mandatsträger, gestern noch hochgelobt, werden plötzlich zu Erzfeinden erklärt und mit allen erdenklichen Mitteln zum Rücktritt gedrängt. Aus Parteifreunden werden Erzfeinde! Es wir in aller Öffentlichkeit dreckige Wäsche gewaschen!

Gemeinde-, Gross-, Regierungs-, National-, Stände- und Bundesräte müssen sich entscheiden, ob sie künftig zu den rechtsextremen, fremdenfeindlichen Blocheranhänger gehören wollen oder doch lieber den Schritt zu den anständigen, liberalen, bürgerlichen Dissidenten wagen sollen.

Im Bernbiet haben ein Drittel der Mandatsträger diesen mutigen aber vernünftigen Schritt bereits gemacht und Hand aufs Herz, es sind die politischen Schwergewichte der Partei. Ich erwarte, dass ungefähr die Hälfte der Parteimitglieder die Blocherpartei ebenfalls verlassen werden. Kein Wunder, dass auf der ehemals lautstarken Parteizentrale nur noch Funkstille herrscht.

Die politische Kultur im Kanton Bern und der Schweiz wird nach diesem Politbeben besser und die politischen Auseinandersetzungen werden wieder demokratisch und vernünftig. Ich freue mich für das Land!