Dünger!
Mit genügend Wasser und Dünger lasse sich hier alles produzieren, sagen meine Bauernkollgen. Richtig, nur mit dem Dünger ist es auch so eine Sache: er ist in den letzten Jahren auch etwa dreimal teuer geworden. Nehmen wir den für die weltweite landwirtschaftliche Praxis wichtigsten Pflanzennährstoff, den chemischen Stickstoffdünger (N): er lässt sich synthetisch herstellen, allerdings nur mit riesigem Energieaufwand.
Stickstoff wäre auch in den guten alten organischen Hofdünger (Mist, Gülle) enthalten. Allerdings in einem vergleichbar so kleinen Prozentsatz, so dass der Einsatz in landwirtschaftlichen Grossbetrieben schon aus transporttechnischen Gründen kaum mehr in Frage kommt.
Bleiben noch die sogenannten Gründünger, Pflanzen die die Fähigkeit haben, mittels Knöllchenbakterien den Luftstickstoff zu nutzen und ihn teilweise der nachfolgenden Kultur zu überlassen.
Wir versuchen das mit mehr oder weniger Erfolg in unserer Fruchtfolge: nach Getreide oder Sonnenblumen bauen wir jeweils eine stickstoffspeichernde Leguminose an. Bei uns sind das die Féveroles-Bohnen oder die Luzerne als Futterpflanze.
Die Düngerversorgung der Böden ist so natürlich viel bescheidener als bei der üblichen chemischen Düngung und entsprechen bleiben die Erträge unterdurchschnittlich. Dafür tragen wir aber auch nicht zu der grassierenden Nitratverschmutzung der Gewässer bei und erhalten die Biodiversität.
Damit lasse sich aber die wachsende Weltbevölkerung nicht ernähren, sagt der amerikanische Nobelpreisträger Norman Borlaug: „Without chemical fertilizer, forget it. The game is over!“
Was meinen Sie?
Vent d’autan
Seit zwei Tagen bläst er hier im Midi-Pyrénée intensiv: der vent d’autan . Ein lästiger Ostwind, nicht so kalt und zum Glück nicht so häufig, aber sonst fast zu vergleichen mit der Bise im Berner Seeland… Die Einheimischen sagen „c’est le vent qui peu rendre fou“.
Auch sonst ranken sich viele Mythen und Wetterregeln rund um den vent d’autan. Es heisst beispielsweise, nach drei Tagen vent d’autan würde es immer beginnen zu regnen….Wir haben die Erfahrung gemacht, dass das wenn es schon trocken ist ganz und gar nicht stimmt. Es stimmt höchstens, wenn man trockenes Heu am Boden hat…
Wir trösten uns damit, dass wir hier zumindest keinen Mistral haben, der so oft in der Provence sein Unwesen treibt.
Früher war der vent d’autan Antriebskraft für die zahlreichen Windmühlen der Gegend. Jetzt lässt er die immer zahlreicher werdenden „Windfarmer“ frohlocken…. Wir richten uns in der Zwischenzeit an einem einigermassen windstillen Plätzchen hinter dem Haus ein oder lesen die Zeitung nur noch am Küchentisch.
Hässliche Schweiz?
Kurz vor der Fussball-Europameisterschaft zeigt ein Teil der Schweiz wieder mal sein hässliches Gesicht. Die millionenschwere Abstimmungskampagne der Fremdenhasser für ihre willkürliche Anti-Einbürgerungsinitiative verbreitet ein himmeltrauriges Bild eines Landes, das sich doch eigentlich als weltoffenes Gastland versteht. Die Geldgeber für die übergrossen, xenophoben Plakatwände müssten eigentlich wissen, wie stark sie dem Land schaden.
Wir leben seit knapp sieben Jahren in Frankreich und wurden in dieser kurzen Zeit in einem fairen, vernünftigen, rechtstaatlichen und demokratischen Verfahren hier eingebürgert. Ich habe das Schritt für Schritt auf diesem Blog aufgezeichnet (Naturalisation). Nur wenn man sich selber irgendwo auf der Welt einbürgern lässt, kann man ermessen, wie menschenverachtend, arrogant und kleinkariert die SVPler argumentieren.
Der französische Pass ist für uns isolierte Schweizer etwas Besonderes: damit können wir auch in der immer wichtiger werdenden europäischen Rahmengesetzgebung mitbestimmen!
Also liebe SchweizerInnen, schickt die hässliche Einbürgerungsinitiative der SVP tüchtig bachab und zeigt der Welt, dass die Schweiz ein Rechtsstaat bleibt und sich an seine eigene Verfassung hält! 600 000 Auslandschweizer wären wären Ihnen dankbar dafür!
Orchideenfieber
Die Serapias erobern unsere Wiesen:

Die Serapias vomeracea
und die Serapias lingua
…. und der Gentleman-Farmer möchte heuen, aber diese Orchideen-Kostbarkeiten lassen das nicht zu. Was tun?

Repas communal
Das gemeinsame Essen gehört zur convivialité française. Gestern Sonntag fand das repas communal in Traversères statt. Das comité de fête hat gut gekocht und viel aufgetischt: salade gascogne mit gésier, pintade mit Reis, Tomaten, Peperoni und Zwiebeln mit Speck, fromage camambert und tarte au chocolat zum Dessert. Dazu natürlich Rotwein aus der Region (Saint Mont) und Champagner zum Abschluss. Fast alle GemeindebürgerInnen (rund 50) waren anwesend und haben das Festessen genossen. Qualité de vie dans le sud-l’ouest rurale!
Intensives Stadtwandern
Selbstverständlich gehören die unzähligen Touristenattraktionen jeweils mit zu unserem Stadtwandererprogramm. Allerdings hasse ich das Warteschlangenstehen, so dass die meisten Museen und Kirchen nur von aussen gesehen werden…
Als neue französische Staatsbürger haben wir dafür den Palais Bourbon, den Sitz der französischen Nationalversammlung besucht. Das ist übrigens gar nicht so einfach, weil man nur auf Einladung eines Députées die Assamblée national bei ihrer Arbeit besichtigen kann. Wir haben es nur dank unserer Ausweise als Ex-Parlamentarier geschafft….
Nicht zu übersehen, der Eiffelturm…,
…. oder die älteste Brücke von Paris, die Pont Neuf…
… den Louvre…
…Sacré coeur….
,,,,und tausend andere historische Baudenkmäler (balades à Paris)
Aber eigentlich interssiert uns l’architecture contemporain fast mehr, wie zum Beispiel das Muséé Quai Branly…
Übrigens: Die Schweiz hat an den Eishockeyweltmeisterschaft in Kanada Frankreich 4 zu 1 geschlagen. Nur leider interessiert das hier im Süden kein Schwein….
Blogger aus der Gascogne
Zwei grosse Franzosen in Paris: der einte ist der Blogger aus der Gascogne und der andere De,…De..G…, wie hiess er nun schon?
1. Mai in Paris
An den Strassenecken im Quartier latin werden Muguets (porte bonheur) verkauft. Auf dem Place de l’Opéra lässt der Front national seine Truppen aufmarschieren mit Sprechchören: „Justice, Honetée, la France au Français…“. Hinter dem Denkmal der Jeanne d’Arc eine Theatergruppe die die nationalistischen Töne der Rechtsextremen vor dem Denkmal gleich auf die Schippe nimmt…
Am Place de la République ein Multikultifest der Gewerkschaften, Linksalternativen, Anarchisten, Menschenrechtsaktivisten… An unzähligen Ständen wird grilliertes Fleisch und Gemüse aus diversen Kulturkreisen angeboten. Bratenduft überall auf dem Platz.
Marschmusik und Marseillaise hier, dröhnender Sound aus allen Weltgegenden da.
Die Ordnungshüter diskret im Hintergrund oder mitten im Getümmel. Nach dem cortège folgen gleich die Kehrichtwagen und -männer und räumen alles sauber auf!
Friedlicher 1. Mai in Paris. Wenn man die Bilder aus Zürich sieht fragt man sich: Warum können das die demokratischen Schweizer nicht (mehr)?
Front national auf dem Place de l’Opéra….
… und Gewerkschaften auf dem Place de la République





















leave a comment