Grossfamilie
Wir lebten alle in einem Haushalt: meine Eltern, die Grosseltern, meine beiden Geschwister, der um anderthalb Jahre ältere Bruder Kurt und die um drei Jahre jüngere Schwester Ruth, jeweils ein oder zwei Lehrlinge aus dem Welschland und die Jumpfer Sophie. Während der grossen Arbeiten sassen oft noch weitere Helfer am langen Küchentisch, Verwandte oder Taglöhnerinnen.
Auch wegen der Milchsammelstelle und dem Anken- und Käseverkauf war bei uns immer viel Betrieb. Unser Hof war sozusagen das Dorfzentrum von Suberg. Manchmal mussten die Käsereikunden auf die Milch warten, weil noch kein Bauer mit seiner Kanne oder Brännte aufgekreuzt war, und so standen sie dann mit ihren leeren Milchkesseli im Stallgang und brichteten mit meinem Vater, der am Melken war. Das behinderte zwar regelmässig unsere Stallarbeiten, das nahmen wir aber gerne in Kauf, weil wir dafür laufend über die Neuigkeiten aus aller Welt und über den Dorfklatsch informiert wurden.
Zudem machte der Bruder meines Vaters, der Posthalter und mein Götti, jeden Tag auf seiner Posttour mit dem schweren schwarzen Velo bei uns eine kurze Pause.
Otti war nebenher Dirigent der grossen Dorfmusikgesellschaft, mein Vater der Präsident, so dass oft und viel über die Subergmusig geredet wurde. Wir berieten am Familientisch die neuen Uniformen des Musikvereins, Farbmuster wurden herumgereicht, Federn für den Hutschmuck begutachtet, Stoffe ausgewählt. Die fertige Uniform sah fantastisch aus und war für die damalige Zeit etwas ganz besonderes: schwarze Hosen mit einem breiten gelben Nahtstreifen, ein schwarzer Kittel mit gelben Zierschnüren und Epauletten, auf dem Hut steckte ein aufrechter schwarzgelber Federnbusch. Auf die Subergmusig mit ihren über fünfzig aktiven und noch viel mehr passiven Mitgliedern ist das Dorf heute noch zurecht stolz.
Mein Bruder und ich waren in jungen Jahren auch eine Zeit lang fleissige Musikanten und übten täglich auf Zugposaune, Flügelhorn und Cornet. Zweimal wurde in unserer Gemeinde das seeländische Musikfest durchgeführt, für das ganze Dorf ein Riesenereignis, das die Dorfgemeinschaft gut ein halbes Jahr lang beschäftigte. Wir Schulkinder durften bei der Marschmusikdemonstration auf der abgesperrten Dorfstrasse vor dem jeweiligen Musikkorps und vor den Ehrendamen die Schrifttafeln mit den Namen der Teilnehmer tragen. Ich trug das Schild der Musig von Sutz-Lattrigen und absolvierte nervös, aber konzentriert meinen ersten und keineswegs den einfachsten öffentlichen Auftritt. Ich musste im Takt der Marschmusik vorausschreiten, beim Kommando „Achtung, Vorwärts, Marsch!“ im richtigen Moment mit dem richtigen (linken) Bein beginnen und darauf achten, dass das Musikkorps im richtigen Abstand auch immer noch nachfolgte, und durfte mich nicht durch die Zurufe der zahlreichen Zuschauer am Strassenrand irritieren lassen!
Das Zusammenleben in einer Grossfamilie funktioniert allerdings nicht immer im Gleichtakt und zur selben Melodie. Die Spannungen zwischen dem Hofbesitzer, meinem Grossvater, der nicht loslassen konnte, und meinen Eltern, die fast zeitlebens als Pächter von ihm abhängig waren und nicht frei entscheiden konnten, waren zahlreich. Das ging so weit, dass meine Eltern gelegentlich erwogen, auszuwandern, aber sie unternahmen nie ernsthaft entsprechende Schritte . Ich glaube, dass die Eltern uns Kindern das nicht antun wollten. Sie haben stattdessen einfach die Zähne zusammengebissen, wenn der Grossvater bei einem notwendigen Stallumbau oder bei einer betrieblichen Umstellung sein Veto einlegte. Wegen solcher Erfahrungen war für mich immer klar, dass ich später nie gemeinsam mit den Eltern in einem Haushalt leben wollte und dass ich nie lange Lächemaa auf einem Hof sein, sondern möglichst bald Eigentümer werden wollte, auch wenn das zumindest am Anfang mit einer hohen finanziellen Belastung verbunden ist. Sein eigener Herr und Meister sein, selber über alles entscheiden können, nicht abhängig sein von einem Hofbesitzer, das alles macht den Bauernberuf erst attraktiv.
Im Kanton Bern steht häufig neben dem Bauernhaus das Stöckli, das Altenteil. Eine ideale Lösung um Generationenkonflikte zu vermeiden und trotzdem die ältere Generation als Chummerzhilf in der Nähe zu haben. Wir hatten kein Stöckli zur Verfügung. Wir mussten uns wohl oder übel im gemeinsamen Haushalt anpassen und lernen, Rücksicht zu nehmen.
Les bestioles
Zwischen den Orchideen…
tummeln sich jetzt auch die Insekten. Die Zitronenfalter tanzen….
Etwas schwieriger zu finden: die Haubenfangschrecken, die sich total an die Umgebung anpassen und nur dann zufällig entdeckt werden, wenn sie sich ausgerechnet in dem Moment bewegen, wenn man zufällig vor einer Orchidee kniet und das Objektiv bereits auf Makro eingestellt hat:
Auch die Bienchen sind bereits fleissig. Absolutes und seltenes Highlight für Orchideenfreaks: wenn man eine Biene bei der Pseudokopulation (Befruchtung) auf einer Orchidee „erwischt“ 🙂
Jetzt wird (wieder) gerodet
Wilde Orchideen gedeihen nur auf ungedüngten, aber regelässig gemähten Wiesen und Weiden. Die Verbuschung durch Weiss- und Schwarzdorn und diversen Ginsterarten muss von Zeit zu Zeit bekämpft werden…
Der Arbeitsplatz ist phänomenal…
…das Wetter sommerlich (20°)
…auf dass die Ophrys de mars weiter gedeihen!
Grossvater
Grossvater Röthlisberger interessierte sich sehr für alle technischen Neuerungen, die die bäuerliche Arbeit erleichtern konnten. Für die Getreideernte schaffte er schon früh eine Lieuse an, einen Bindemäher, lange vor allen anderen Bauern, die das Getreide immer noch von Hand mähten. Die Lieuse war ein technisches Wunderwerk: Messerbalken schnitten das Getreide, weit ausholende Holzarme legten die Halme auf Leinentuchrollen, auf denen sie mit hoher Geschwindigkeit transportiert, zu Bündeln gesammelt und schliesslich mit einer farbigen Schnur gebunden wurden, worauf die fertigen Garben über ein Seitenblech auf den Boden glitten. Allein der Schnurknüpfer war für die damalige Zeit eine technische Meisterleistung. Oft habe ich fasziniert zugeschaut, wie die Maschine Garbe um Garbe sauber geknüpft ausspuckte, und mich dabei gefragt, welches Genie sich so etwas Kompliziertes hat ausdenken können. Wahrscheinlich habe ich meine Technikbegeisterung von Goffa übernommen, als er mir detailliert die über dreissig Arbeitsschritte beibrachte, die notwendig waren, um die Lieuse am Feldrand vom Strassentransport auf den Feldeinsatz umzustellen. Seine Geduld war grenzenlos, wenn es um den Einsatz von Maschinen ging. Bei technischen Pannen widmete er sich seelenruhig und bedächtig der Reparatur, auch wenn dabei die ganze Ernteequipe stundenlang aufgehalten wurde oder ein Gewitter drohte. „Nume nid jufle“ war sein eisernes Arbeitsprinzip.
Mein Grossvater verkehrte regelmässig mit den Notablen der grossen Nachbargemeinde Lyss. Den Kegelabend mit dem Notar, dem reichen Metzger und dem Wirt liess er nie aus. Er war auch der einzige an unserem grossen Familientisch, der jeden Tag zum Essen ein Glas Rotwein trank. Wahrscheinlich lebte er immer ein wenig über seine Verhältnisse. Der Hof war denn auch ziemlich verschuldet und der bauliche Zustand der Gebäude verschlechterte sich im Laufe der Jahr und Jahrzehnte zusehends, obwohl der Goffa hier und dort kleine Reparaturen selber machte. Wie mein Grossvater war auch meine Mutter ein Einzelkind, so dass zumindest bei den Betriebsübernahmen keine Geschwister ausbezahlt werden mussten und man sich all die teuren Maschinen eher leisten konnte.
Auf unserem Hof betrieben wir während Jahrzehnten nebenher die dörfliche Milchsammelstelle. Die Eingangstür zum Milchraum befand sich gleich gegenüber der Stalltür, was bedeutete, dass der Stall aus hygienischen Gründen immer rechtzeitig ausgemistet werden musste, noch bevor die ersten Kunden in die Käserei kamen. Der Miststock war hinter einer Holzbretterwand versteckt, und der Hausplatz hatte immer einwandfrei sauber zu sein. In den fünfziger Jahren brachten über ein Dutzend Bauern morgens und abends ihre Milch zu uns in die Sammelstelle. Die grösseren Bauern stellten ihre Kannen auf einen Handkarren und die kleinen trugen ihre Milch in einer Brännte auf dem Rücken. Alle kamen noch zu Fuss, mit Ausnahme des Kleinbauern vom oberen Dorfteil, der jahrelang mit geschulterter Brännte auf einem alten Fahrrad ohne Bremsen den Hügel hinunterraste, auf dem holprigen Bahnübergang regelmässig eine Milchspur hinterliess und immer nur knapp die Abzweigung zur Inselmatt erwischte. Fast immer: einmal schaffte er die enge Kurve nicht, knallte kurz vor dem Ziel ungebremst in eine Scheunenwand und die Milch ergoss sich in einem Schwall über ihn und versickerte langsam auf dem Kiesweg. Mit leerer Brännte und kaputtem Fahrrad, aber glücklicherweise ohne grössere Schrammen machte sich unser Milchlieferant zu Fuss auf den stotzigen Heimweg.
In der Sammelstelle wurde die Milch vom Grossvater oder meiner Mutter gesiebt, gewogen, gekühlt und direkt an die dörfliche Kundschaft halbliter- und literweise ausgeschöpft. Die überschüssige Milch wurde täglich in Kannen auf dem Bockwagen zur nahe gelegenen SBB-Station geführt und dort für die Molkerei in Biel verladen. Unser Freiberger Wallach Franz kannte seinen Weg zum Bahnhöfli selber, man brauchte nur „Hü“ zu sagen und das treue Pferd trottete verlässlich zum Güterbahnwagen, wo die vollen Milchkannen ein- und die Magermilch- und Schottekannen ausgeladen werden konnten.
Neben der Milch verkauften wir auch Käse und Butter. Diese Produkte lagerten jedoch im Keller. Jeder Dorfbewohner, der ein Stück Käse oder ein Ankemödeli kaufen wollte, musste sich in der Küche melden, worauf eins von uns Kindern schnell die gewünschten Sachen heraufholte. Nur hatten wir damals noch kein Badezimmer, und wir Kleinkinder wurden abends in der Küche gewaschen. Es war mir doch immer sehr peinlich, wenn ein Kunde die Küche betrat, während wir Kinder noch nackt im Waschzuber sassen
Die zweite Orchideenart des Jahres 2014
Sie kam jetzt doch früher als erwartet: eine ganze Gruppe Ophrys fusca (braune Ragwurz) hat den Knopf aufgemacht
aber am weitesten entwickelt ist eigenartigerweise ein total vereinzelt, einsam stehendes Exemplar am Nordhang hinter dem Haus
Und hier noch mal ein paar „neue“ Ohprys de mars zum Vergleich:
Velotürli
Von Traversères über Ornezan entlang dem Gers über Auch nach Preignan. Hin und zurück… oufff, ca 60 km.
Kathedrale von Auch
Man beachte das trübe Wasser des Gers-Flusses. Die tonreichen Böden (argileux-calcaires) führen dazu, dass die Gewässer im ganzen Departement praktisch immer trüb sind, nicht nur nach grossen Niederschlägen. Gut zum Fischen, weniger einladend zum Baden.
Erste Orchideen blühen
Jetzt kann man den ersten Orchideen wieder beim Erblühen zuschauen: innerhalb weniger Stunden entwickelt sich eine Knospe zur vollen Blüte. Und wie jedes Jahr macht vor unserer Türe genau die gleiche Orchidee als erste den Knopf auf: eine Ophrys de mars. In der Schweiz heisst sie: spinnenähnliche Ragwurz (Ophrys arachnitiformis).
Letztes Jahr kam sie drei Tage später – und versank dann noch mal für ein paar Tage im Schnee:
Ophrys de mars auf dem Rundweg:
Ophrys de mars auf dem Schneckenhügel:
Von der braunen Ragwurz (Ophrys fusca) gibt es vorerst nur mal Knospen. Bilder der Blüte folgen in schätzungsweise zwei bis drei Tagen.
In Frankreich heisst sie übrigens neuerdings Ophrys forestieri, was die Kommunikation über die Grenze auch nicht gerade vereinfacht……
Bauernbub
Ich bin in eine kleine Welt geboren worden und in einer kleinen Welt aufgewachsen. Auf dem Hof Inselmatt, mitten im kleinen Bauerndorf Suberg im Berner Seeland.
Das Dorf gehört zur Gemeinde Grossaffoltern, war aber im Schulwesen und in anderen Bereichen lange Zeit selbständig. Wir Buben und der Vater gingen öfter mal mit Schaufel und Pickel zum Gemeindewerk, um den gemeinsamen Wegunterhalt zu besorgen. Suberg zählte damals etwa 150 Einwohner, fast alles alteingesessene Bauernfamilien und Arbeiter, die sich ein einfaches Häuschen leisten konnten. Es gab ein Kolonialwarenlädeli, eine Milchsammelstelle, eine SBB-Station, eine Dorfwirtschaft, die landwirtschaftliche Genossenschaft, die Düngerfabrik, eine Poststelle und ein schönes Schulhaus aus Backsteinen mit einem Türmchen. Meine Eltern haben immer in diesem Dorf gelebt und natürlich auch die Schule besucht. Beim selben Lehrer, der später auch mich und meinen Bruder Kurt während fünf Jahren in der Gesamtschule unterrichtete. 
Mein Vater ist „auf der Post“ aufgewachsen, einem bäuerlichen Kleinbetrieb, in dem die Familie Baumann während über hundert Jahren im Nebenerwerb auch das Postbüro betrieb. Urgrossvater, Grossvater und später der Bruder meines Vaters waren Posthalter in Suberg. Die pergamentene, abgegriffene Schweizerkarte an der Wand im Postbüro war für mich so etwas wie der Glanz der fernen Welt. Mein Grossvater hiess Rudolf Baumann senior und mein Vater war der Rudolf Baumann junior. So wurde ich zur besseren Unterscheidung trotz meines Taufnahmens Rudolf halt immer Ruedi geschrieben oder auf Berndeutsch ‚Buume Rüedu’ gerufen, auch wenn mir das nicht sonderlich gefiel. 
Die Post liegt in Sichtweite der Inselmatt, wo meine Mutter als Lina Röthlisberger aufwuchs, wo mein Vater eingeheiratet hat und wo meine Geschwister und ich geboren wurden. Meinen Urgrossvater, Simon Röthlisberger, habe ich nicht mehr gekannt. Er stammte aus einer Käserfamilie von Langnau und hat in jungen Jahren den Landwirtschaftsbetrieb in Suberg aufgebaut. Von ihm hat mein Grossvater, Otto Röthlisberger, den wir immer Goffa nannten, die Inselmatt geerbt. Goffa war so etwas wie ein Herrenbauer und mehr Mechaniker als Landwirt. Schon in den dreissiger Jahren besass er ein Auto und weit und breit den ersten Hürlimann-Traktor.
Mein Vater hingegen war Bauer mit Leib und Seele. Er war streng und bestimmt, selber sehr arbeitsam, mit uns Kindern immer fröhlich, und man fühlte, dass er die Arbeit in Feld und Stall liebte. Er war hochgeachtet als Ortspräsident, als Feuerwehrkommandant und als Präsident der Musikgesellschaft.
Bei meinem Vater haben wir früh gelernt, hart zu arbeiten, auch mal auf die Zähne zu beissen, wenn der Rücken beim Kartoffelsetzen schmerzte oder wenn uns beim Aufstellen der Getreidegarben die Gluren stachen. Meine Eltern waren lange Jahre Pächter auf dem Inselmatthof. Erst mit dem Tod von Grossvater Röthlisberger, viel zu spät, ging der Hof in den Besitz der Eltern über.
Meine Mutter führte den grossen Haushalt, war für die Verpflegung der Grossfamilie zuständig, half in der Milchsammelstelle mit und betreute noch den Hühner- und Schweinestall, den Garten und Pflanzplätz. Die Arbeitsteilung war sehr traditionell, mein Bruder und ich halfen früh in Feld und Stall mit, aber nicht im Haushalt. Für die Küche waren meine Mutter, früher noch die Grossmutter und die Jumpfer Sophie, später meine Schwester zuständig.
Erinnerungen
Vor bald zehn Jahren habe ich unter dem Titel „Bauernland“ ein Büchlein über mein Leben veröffentlicht. Inzwischen ist die bei Nagel und Kimche erschienene Autobiografie vergriffen.
Ich werde daher künftig in loser Folge einzelne Kapitel aus „Bauernland“ hier posten, und weil das hier viel einfacher ist, auch mit Bildern der Zeit illustrieren.
Schliesslich hat das frühere Bauerndorf Suberg im Bernischen Seeland durch den preisgekrönten Film „Zum Beispiel Suberg“ in der Zwischenzeit so etwas wie nationale Bekanntheit erlangt.
Vorwort
Seit dreissig Jahren führe ich eine Art Tagebuch, meistens nur
in Stichworten und ergänzt mit vielen technischen Details aus meiner täglichen Arbeit als Bauer.Aus diesen Aufzeichnungen habe ichdie folgende Erzählung eines Lebens erstellt und ihnen einige Kapitel aus meiner Jugendzeit vorangestellt. Die biographischen Stationen sind wie die jedes Lebens eingebettet in größere Zusammenhänge und Ereignisse. Mitte des letzten Jahrhunderts, nach der Lebensmittelknappheit und der darauf folgenden Anbauschlacht während dem zweiten Weltkrieg, wurde die Ernährungssicherung zum Obersten Ziel im Landwirtschaftsgesetz. Noch in den 60er Jahren ermunterte Bundesrat Schaffner die Bauern zur hemmungslosen Produktion, für den Absatz werde der Bund sorgen. Der Bauer wurde zum Produzenten. Mit der Mechanisierung und hoffremden Hilfsstoffen stiegen die Erträge rasch und deckten bald den Bedarf für die angestrebte Selbstversorgung. Schon entstanden unverkäufliche Überschüsse, die Milchseen und Butterberge wuchsen und zwangen den Bund zu planwirtschaftlichen Markteingriffen, wie die einzelbetriebliche Milchkontingentierung. Für bäuerliche Kleinbetriebe begann der Kampf ums Überleben. Nach einem Vierteljahrhundert Wachstum zeigten sich die ersten Umweltschäden: ausgeräumte Landschaften, verschmutzte Grundwasser und Rückstände in den Lebensmitteln. In den 90er Jahren musste die Chemisierung der Agrarproduktion gesetzlich gebremst werden. An Stelle der produktionsfördernden Subventionen traten ökologische Direktzahlungen. Gleichzeitig führt die Globalisierung und Liberalisierung des Welthandels zu einem Preiszerfall für landwirtschaftliche Produkte.
Die Landwirtschaft in der Schweiz hat im Verlauf von nur einer Generation stärkere strukturelle Änderungen mitmachen müssen als in den paar hundert Jahren zuvor. Bauer und Politiker zu sein hat in der Schweiz bis heute zugleich etwas Respektables und Anrüchiges. Respektabel, weil die Schweiz sich immer schon als Bauernland versteht und traditionell große Stücke auf ihre Landwirtschaft hält. Anrüchig, weil den Bauern nachgesagt wird, in sturer Ackerverbundenheit nur ihre eigenen Interessen zu verfolgen, blind zu sein für den Fortschritt und sich um die großen Zusammenhänge nicht zu kümmern. Beides ist eine verkürzte und unzureichende Einschätzung und darum falsch. Mein Buch soll als Erzählung eines exemplarischen Lebens einen wenn auch kleinen Beitrag der Aufklärung dazu leisten.Ich sehe meinen Rückblick
vor allem als kleines Zeitdokument, als Schilderung der täglichen Bauernarbeitin einer bestimmten Zeit, und meine Arbeit als Politiker erlaubt es mir, dieses Bauernleben in einige Verbindungen einzubetten, die seine Hintergründe beleuchten. Die Entwicklung der Landwirtschaft habe ich aus unterschiedlichen Blickwinkeln mitverfolgen können: als Bauernbub, Lehrling, Agronom, Landwirtschaftsbeamter, Politiker und als selbständiger Landwirt in der Schweiz und nun in Frankreich. Es ist nicht ein hervorragendes Leben, das ich hier erzählen möchte, wohl aber ein typisch untypisches. Und als solches im Zusammenhang der dazu gehörenden Veränderungen in der Schweiz eine Betrachtung wert.
Ce sont les provisoires qui durent
Als wir vor dreizehn Jahren den etwas heruntergekommenen Hof übernommen hatten, musste vieles schnell gehen: Dach flicken, Wasserleitungen legen, ausmisten, Mauern und Zäune abbrechen, Fenster einsetzten usw. Wir haben weder Hausrat noch Maschinen gezügelt, sondern nach und nach alles hier angeschafft. Es liegt auf der Hand, dass viele Provisorien blieben.
Es braucht jetzt schon längere Regenperioden, dass wir uns zu neuen Streichaktionen oder Ummöblierungen entschliessen können. Aber das Resultat lässt sich sehen:
Vorher…
Nachher…
Das neue Möbel zusammenzuleimen, zu schrauben und zu nageln hat mich volle 5 Stunden gekostet…






























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