AUSWANDERERBLOG

Bauernbub

Posted in Bauernland by ruedibaumann on März 6, 2014

Bauernland  Ich bin in eine kleine Welt geboren worden und in einer kleinen Welt aufgewachsen. Auf dem Hof Inselmatt, mitten im kleinen Bauerndorf Suberg im Berner Seeland. Bild Das Dorf gehört zur Gemeinde Grossaffoltern, war aber im Schulwesen und in anderen Bereichen lange Zeit selbständig. Wir Buben und der Vater gingen öfter mal mit Schaufel und Pickel zum Gemeindewerk, um den gemeinsamen Wegunterhalt zu besorgen. Suberg zählte damals etwa 150 Einwohner, fast alles alteingesessene Bauernfamilien und Arbeiter, die sich ein einfaches Häuschen leisten konnten. Es gab ein Kolonialwarenlädeli, eine Milchsammelstelle, eine SBB-Station, eine Dorfwirtschaft, die landwirtschaftliche Genossenschaft, die Düngerfabrik, eine Poststelle und ein schönes Schulhaus aus Backsteinen mit einem Türmchen. Meine Eltern haben immer in diesem Dorf gelebt und natürlich auch die Schule besucht. Beim selben Lehrer, der später auch mich und meinen Bruder Kurt während fünf Jahren in der Gesamtschule unterrichtete. Bild

Mein Vater ist „auf der Post“ aufgewachsen, einem bäuerlichen Kleinbetrieb, in dem die Familie Baumann während über hundert Jahren im Nebenerwerb auch das Postbüro betrieb. Urgrossvater, Grossvater und später der Bruder meines Vaters waren Posthalter in Suberg. Die pergamentene, abgegriffene Schweizerkarte an der Wand im Postbüro war für mich so etwas wie der Glanz der fernen Welt.  Mein Grossvater hiess Rudolf Baumann senior und mein Vater war der Rudolf Baumann junior. So wurde ich zur besseren Unterscheidung trotz meines Taufnahmens Rudolf halt immer Ruedi geschrieben oder auf  Berndeutsch ‚Buume Rüedu’ gerufen, auch wenn mir das nicht sonderlich gefiel. Bild

Die Post liegt  in Sichtweite der Inselmatt, wo meine Mutter als Lina Röthlisberger aufwuchs, wo mein Vater eingeheiratet hat und wo meine Geschwister und ich geboren wurden. Meinen  Urgrossvater, Simon Röthlisberger, habe ich nicht mehr gekannt. Er stammte aus einer Käserfamilie von Langnau und hat in jungen Jahren den Landwirtschaftsbetrieb in Suberg aufgebaut.  Von ihm hat mein Grossvater, Otto Röthlisberger, den wir immer Goffa nannten, die Inselmatt geerbt. Goffa war so etwas wie ein Herrenbauer und mehr Mechaniker als Landwirt. Schon in den dreissiger Jahren besass er ein Auto und weit und breit den ersten Hürlimann-Traktor.

Mein Vater hingegen war Bauer mit Leib und Seele. Er war streng und bestimmt, selber sehr arbeitsam, mit uns Kindern immer fröhlich, und man fühlte, dass er die Arbeit in Feld und Stall liebte. Er war hochgeachtet als Ortspräsident, als Feuerwehrkommandant und als Präsident der Musikgesellschaft. Bild Bei meinem Vater haben wir früh gelernt, hart zu arbeiten, auch mal auf die Zähne zu beissen, wenn der Rücken beim Kartoffelsetzen schmerzte oder wenn uns beim Aufstellen der Getreidegarben die Gluren stachen. Meine Eltern waren lange Jahre Pächter auf dem Inselmatthof. Erst mit dem Tod von Grossvater Röthlisberger, viel zu spät, ging der Hof in den Besitz der Eltern über.

Meine Mutter führte den grossen Haushalt, war für die Verpflegung der Grossfamilie zuständig, half in der Milchsammelstelle mit  und betreute noch den Hühner- und Schweinestall, den Garten und Pflanzplätz.  Die Arbeitsteilung war  sehr traditionell, mein Bruder und ich halfen früh in Feld und Stall mit, aber nicht im Haushalt. Für die Küche waren meine Mutter, früher noch die Grossmutter und die Jumpfer Sophie, später meine Schwester zuständig.

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