AUSWANDERERBLOG

Erinnerungen

Posted in Bauernland by ruedibaumann on März 5, 2014

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Vor bald zehn Jahren habe ich unter dem Titel „Bauernland“ ein Büchlein über mein Leben veröffentlicht. Inzwischen ist die bei Nagel und Kimche erschienene Autobiografie vergriffen.

Ich werde daher künftig in loser Folge einzelne Kapitel aus „Bauernland“ hier posten, und weil das hier viel einfacher ist, auch mit Bildern der Zeit illustrieren.

Schliesslich hat das frühere Bauerndorf Suberg im Bernischen Seeland durch den preisgekrönten Film „Zum Beispiel Suberg“ in der Zwischenzeit so etwas wie nationale Bekanntheit erlangt.

Bauernland

Vorwort

Seit dreissig Jahren führe ich eine Art Tagebuch, meistens nur in Stichworten und ergänzt mit vielen technischen Details aus meiner täglichen Arbeit als Bauer. Aus diesen Aufzeichnungen habe ich die folgende Erzählung eines Lebens erstellt und ihnen einige Kapitel aus meiner Jugendzeit vorangestellt. Die biographischen Stationen sind wie die jedes Lebens eingebettet in größere Zusammenhänge und Ereignisse.  Mitte des letzten Jahrhunderts, nach der Lebensmittelknappheit und der darauf folgenden Anbauschlacht  während dem zweiten Weltkrieg, wurde die Ernährungssicherung zum Obersten Ziel im Landwirtschaftsgesetz. Noch in den 60er Jahren ermunterte Bundesrat Schaffner die Bauern zur hemmungslosen Produktion, für den Absatz werde der Bund sorgen. Der Bauer wurde zum Produzenten. Mit der Mechanisierung und hoffremden Hilfsstoffen stiegen die Erträge rasch und deckten bald den Bedarf für die angestrebte Selbstversorgung. Schon entstanden unverkäufliche Überschüsse, die Milchseen und Butterberge wuchsen und zwangen den Bund zu planwirtschaftlichen Markteingriffen, wie die einzelbetriebliche Milchkontingentierung. Für bäuerliche Kleinbetriebe begann der Kampf ums Überleben. Nach einem Vierteljahrhundert Wachstum zeigten sich die ersten Umweltschäden: ausgeräumte Landschaften, verschmutzte Grundwasser und Rückstände in den Lebensmitteln. In den 90er Jahren musste die Chemisierung der Agrarproduktion gesetzlich gebremst werden. An Stelle der produktionsfördernden Subventionen traten ökologische Direktzahlungen. Gleichzeitig führt die Globalisierung und Liberalisierung des Welthandels zu einem Preiszerfall für landwirtschaftliche Produkte.

 Die Landwirtschaft in der Schweiz hat im Verlauf von nur einer Generation stärkere strukturelle Änderungen mitmachen müssen als in den paar hundert Jahren zuvor. Bauer und Politiker zu sein hat in der Schweiz bis heute zugleich etwas Respektables und Anrüchiges. Respektabel, weil die Schweiz sich immer schon als Bauernland versteht und traditionell große Stücke auf ihre Landwirtschaft hält. Anrüchig, weil den Bauern nachgesagt wird, in sturer Ackerverbundenheit nur ihre eigenen Interessen zu verfolgen, blind zu sein für den Fortschritt und sich um die großen Zusammenhänge nicht zu kümmern. Beides ist eine verkürzte und unzureichende Einschätzung und darum falsch. Mein Buch soll als Erzählung eines exemplarischen Lebens einen wenn auch kleinen Beitrag der Aufklärung dazu leisten.

Ich sehe meinen Rückblick vor allem als kleines Zeitdokument, als Schilderung der täglichen Bauernarbeit in einer bestimmten Zeit, und meine Arbeit als Politiker erlaubt es mir, dieses Bauernleben in einige Verbindungen einzubetten, die seine Hintergründe beleuchten. Die Entwicklung der Landwirtschaft habe ich aus unterschiedlichen Blickwinkeln mitverfolgen können: als Bauernbub, Lehrling, Agronom, Landwirtschaftsbeamter, Politiker und als selbständiger Landwirt in der Schweiz und nun in Frankreich. Es ist nicht ein hervorragendes Leben, das ich hier erzählen möchte, wohl aber ein typisch untypisches. Und als solches im Zusammenhang der dazu gehörenden Veränderungen in der Schweiz eine Betrachtung wert.

2 Antworten

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  1. Gaynell Rhump said, on Juli 2, 2014 at 9:29 am

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