Blödsinn
Gerade das Ende der Schweizer Landwirtschaft prognostiziert der Schweizerische Bauernverband, falls die Trinkwasserinitiative angenommen würde! Dabei stützt er sich auf ein selber bestelltes „Gutachten“ von einigen Studenten von dem landwirtschaftlichen Technikum in Zollikofen (HAFL).
Eine vernünftige landwirtschaftliche Produktion sei schlichtweg ohne Pestizide, Antibiotika und massiven Futterzukäufen aus dem Ausland nicht möglich, behaupten die Mannen aus Brugg.
So ein Blödsinn! Grosse und kleine Biobetriebe beweisen seit Jahrzehnten im In- und Ausland, dass es auch ohne Zerstörung der Umwelt geht! Der Biodiversitätsbericht verlangt ja gerade zwingend, dass das schweizerische Direktzahlungssystem korrigiert werden muss um die Artenvielfalt zu erhalten!
Viele würden dann halt auf Direktzahlungen verzichten und weitermachen wie bisher oder sogar noch intensivieren, drohen die Bauernoberen! Ob das bei den Schweizer StimmbürgerInnen ankommen wir?
Vom Bohren harter Bretter
„Die Politik bedeutet ein starkes langsames Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmass zugleich“ (Max Weber).
Wenn man die heute aktuellen Themen mit Blick auf einige Jahrzehnte Schweizer Politik anschaut, könnte man auch sagen: „Nichts Neues unter der Sonne“.
Heute wird über die Privatisierung der Ruag-Rüstungsindustrie diskutiert. Es war in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts, als wir uns leidenschaftlich für die erste Waffenausfuhrinitiative engagierten. Leider wurde die Initiative in der Volksabstimmung knapp verworfen. Es folgten eine Reihe weiterer Initiativen und Vorstösse, ohne Erfolg…
1976 kam ein erstes eidgenössisches Raumplanungsgesetz vors Volk das die berühmte Mehrwertabschöpfung für Planungsgewinne vorsah. Ich habe mich in meiner ETH-Diplomarbeit und an verschiedenen Podien dafür engagiert. Das Gesetz ging leider bachab… In der Zwischenzeit haben verschiedene Kantone (u.a. Bern) immerhin fakultative Mehrwertabschöpfungen auf Gemeindeebene gesetzlich verankert. Aber heute höre ich im Radio, dass beispielsweise der Kanton Waadt argumentiert, man könne eine solche Neuerung (!) nicht so rasch einführen….
Agrarreform: In den 80er und 90er Jahren war die schweizerische Kleinbauernorganisation auf Kriegsfuss mit dem grossen Bauernverband. Mit gewonnenen Referenden gegen Zwangsabgaben, Milchwirtschaft- und Zuckerbeschluss konnten weitere Schritte in die falsche Richtung verhindert werden. Mit zwei Kleinbauerninitiativen „gegen Tierfabriken und für naturnahes Bauern“ sind wir leider gescheitert… Gleich ging es später der „Fair-food-Initiative. Nur ein Gentech-Moratorium ist heute (noch) in Kraft… Zum Glück für Tiere und Umwelt stehen demnächst die Trinkwasserinitiative und eine Pestizidverbotsinitiative zur Diskussion!

Berner Zeitung 1986
Ich habe mich immer leidenschaftlich für Europa und den Beitritt zur Europäischen Union engagiert. Die knapp verlorene EWR-Abstimmung 1991 hat leider die Schweiz zu einem europäischen Aussenseiter gemacht und einen beispiellosen Aufstieg der Rechtsnationalisten rund um ihren Oligarchen und Financier ermöglicht!
Die vielen Demos, Leserbriefe, Gutachten, Diskussionsabende, Initiativen, ja sogar Tschernobyl vor 33 Jahren, haben die Atomkraftwerke nicht beseitigt. Wenigsten wurden nicht noch mehrere neue Atommeiler gebaut. Mühleberg stillgelegt und die Energiewende eingeleitet hat aber erst die Atomkatastrophe von Fukushima!
Die Klimadiskussion hat eigentlich auch schon vor bald einem halben Jahrhundert begonnen: „Grenzen des Wachstums“, Initiative 12 autofreie Sonntage, Initiative Energie statt Arbeit besteuern usw.. waren weitsichtige Versuche, rechtzeitig vernünftig zu handeln. Ohne Erfolg!
Viele der Volksinitiativen in der Schweiz sind an der Urne gescheitert, weil grüne und linke Forderungen im Abstimmungskampf ungleich kürzere finanzielle Spiesse haben. Die verdeckte, intransparente Finanzierung der Politpropaganda ist inzwischen ein Hauptübel der schweizerischen direkten Demokratie geworden. Kein anderer westeuropäischer Staat lässt diese Art von Korruption so uneingeschränkt zu! Die anstehende Transparenzinitiative wäre ein Schritt in die richtige Richtung. Aber dafür muss die Initiative noch eine von den Gegnern millionenhoch finanzierte Volksabstimmung überstehen….
Abstimmungsempfehlung…
… für Auslandberner (gilt auch für Inlandberner!)

Ihr wisst ja:
dene wos guet geit
giengs besser
giengs dene besser
wos weniger guet geit
Es grünt so grün…
Die links-grünen Wahlerfolge in der Schweiz wecken Frühlingsgefühle!

Ökostrom
Das sonnige Wetter in den letzten Wochen trocknet zwar die Felder aus, aber dafür steigt unsere Photovoltaik-Stromproduktion.

1400 kWh Ökostrom haben wir im März der Eléctricité de France (EDF) im Monat März verkauft. Das zu einem stolzen Kilowattpreis von umgerechnet rund 70 Rappen pro kWh. Der Preis ist so hoch, weil wir unsere Anlage schon vor zehn Jahren installiert und mit der EDF einen 20-jährigen Abnahmevertrag abgeschlossen haben.
Meines Wissens zahlt die halbstaatliche BKW in der Schweiz ihren Solarstromproduzenten etwa 10 mal weniger (!) als die EDF! Oder ist das vielleicht auf die unterschiedlichen Cheflöhne zurückzuführen? Die viel kleinere BKW bezahlt ihrer Chefin sage und schreibe 2 Millionen Jahressalär, bei der ungleich grösseren EDF erhält der CEO gerade mal 350’000!
Sozialausgaben

Frankreich ist ein Sozialstaat, was man von der Schweiz nicht unbedingt behaupten kann…
Les voeux du maire et du conseil municipal
Etwas hat sich verändert in der französischen Politlandschaft: Heute fand die jährliche Neujahrsfeier in unserer kleinen Gemeinde (81 Einwohner) nicht nur mit dem Gemeindepräsidenten und dem vollzähligen Gemeinderat wie üblich statt, nein auch eine stattliche Anzahl der regionalen und nationalen (!) Politprominenz gab sich die Ehre!
Le maire de Traversères André Pau konnte begrüssen:
le sénateur du Gers, M Franck Montaugé, Stadtpräsident von Auch https://www.senat.fr/senateur/montauge_franck14257w.html
le député M. Jean-René Cazeneuve (LREM) (Abgeordneter in der Nationalversammlung in Paris) https://www.nosdeputes.fr/jean-rene-cazeneuve
Madame Adda Fatma, grüne Regionalrätin der Region https://www.laregion.fr/ADDA-Fatma
den Präsidenten des Gemeindeverbandes Val du Gers M. François Rivière
http://www.cc-valdegers.fr/communaute-communes/gouvernance/
die Gemeindepräsidenten der umliegenden Gemeinden Seissan, Haulies und Sansan
Anschliessend an die kurzen Voten entspannte sich bei einem reichhaltigen Buffet eine intensive Diskussion mit den Gewählten.
Es scheint doch, dass die gilets-jaunes Aktivitäten die Behördenvertreter und Abgeordneten veranlassen, sich wieder vermehrt um die Sorgen und Nöte der kleinen Leute in der französischen Provinz zu kümmern…
Gelebte Demokratie in der Republik Frankreich!
„Hobbybauern“
Ein Tamedia Wirtschaftsjournalist, Dominik Feusi, gibt vor, die Lösung für die schweizerische Agrarproblematik gefunden zu haben. Er schreibt unter anderem im Bund vom 3.1.2019:
„Der Bund zahlte 2018 gut 2,8 Milliarden Franken Direktzahlungen. Das waren durchschnittlich gut 60000 Franken pro Betrieb. Die Mehrheit der Empfänger sind Nebenerwerbsbauern, die einem anderen Beruf nachgehen. Diese Hobbybauern belegen Flächen, die von jenen Bauern bestellt werden könnten, die voll auf die Landwirtschaft setzen. Die heutige Ausrichtung der Direktzahlungen verhindert einen Strukturwandel und damit die Wettbewerbsfähigkeit der bäuerlichen Produkte.“
Meine Antwort:
Sehr geehrter Herr Dominik Feusi
Ihrer Einschätzung, was alles auf den neuen BR zukommt, stimme ich in vielen Teilen zu. Allerdings finde ich ihre These: „Die Hobbybauern belegen Flächen, die von Bauern bestellt werden könnten, die voll auf Landwirtschaft setzen“ völlig falsch und gar, erlauben sie den Ausdruck, ehrverletzend! Warum?
Wenn in der schweizerischen Agrarpolitik vieles falsch läuft sind daran sicher nicht die Zu- und Nebenerwerbsbetriebe schuld. Natürlich sind die Direktzahlungen in der Schweiz pro Flächeneinheit (ha) viel zu hoch. Aber dem könnte man mit einer klaren Plafonierung Rechnung tragen. Leider wurden auch die Einkommens- und Vermögensgrenzen pro Betrieb bei der Ausrichtung von DZ fallengelassen. Selbstverständlich sollten auch die oekologischen Voraussetzungen für den Bezug von Direktzahlungen verschärft werden. Die Trinkwasserinitiative zeigt die Richtung vor. Oder auch die Vorschläge der eidg. Finanzkontrolle zur Aufhebung von schädlichen Direktzahlungen wären wichtig.
Zu- und Nebenerwerbsbetriebe zu diskriminieren, wäre aber das denkbar schlechteste Heilmittel für die schweizerische Agrarproblematik, weil diese Betriebe innovativ, anpassungsfähig, beweglich und in der Regel auch umweltschonender sind, als die sog. „Vollerwerbsbetriebe“.
Was ist ein Zu- oder Nebenerwerbsbetrieb? Wahrscheinlich sind in der Schweiz schätzungsweise 80% der Familienbetriebe auf einen Zuerwerb angewiesen (Partner oder Partnerin). Was soll daran schlecht sein? Wir selber bewirtschafteten in der Schweiz während 25 Jahren einen Betrieb mit Mutterkuhaltung mit 15 ha Fläche, jetzt in Frankreich einen Ackerbaubetrieb mit 70 ha Fläche, alles bio, immer im Nebenerwerb.
Natürlich gibt es in der Schweiz inzwischen Betriebe mit über 100 ha Fläche, hohen Investitionskosten, Massentierhaltung (20’000 Hühner) und dutzenden von billigen polnischen Arbeitskräften. Weil die Betriebe ja nicht arrondiert sind, müssen die schweren Landmaschinen immer grössere Distanzen auf den überfüllten Landstrassen zurücklegen. Wohlverstanden, ich habe nichts gegen „Musterbetriebe“ mit Melk- und Industrierobotern, aber verdienen die besonderen staatlichen Schutz?
Hier in Frankreich gibt es in unserer Umgebung inzwischen Betriebe mit 300 bis 600 Hektaren Fläche. Die Betriebsleiter wohnen nicht mehr auf dem Dorfe, sondern in der Stadt, was sich zunehmend negativ auf die dörfliche Infrastruktur auswirkt.
Das Tourismusland Schweiz profitiert von den kleinbäuerlichen Strukturen, auch wenn die Akteure inzwischen „Hobbybauern“ sind. Parmelin, übrigens wie Bauernpräsident Ritter, beides Hobbybauern (!), tun gut daran, Ihren Vorschlag zur vermeintlichen Professionalisierung (ich würde sagen Industrialisierung) der Landwirtschaft nicht zu befolgen!
Mit freundlichen Grüssen
Ruedi Baumann
Aufstand von unten
Kolumne von Rudolf Strahm im Berner Bund vom 27. Dezember 2018
Mein Kommentar:
Lieber Ruedi Strahm
Deine Kolumne „Aufstand von unten“ spricht offensichtlich in der Schweiz viele Menschen an, wie ich den zahlreichen online Kommentaren entnehme.
Ich habe meine liebe Mühe mit einigen deiner Aussagen. Du sprichst von drei Aufstandsmotiven:
Erstens: Abwehr gegen die Migration. Du zeigst offen Verständnis für die Populisten wegen den Folgen für unsere Gesellschaft, wenn „die Zuwanderung aus dem arabischen Raum und aus Afrika unvermindert weitergeht“.
Sicher weißt du, dass gerade mal 4.7% aller Migranten in der Schweiz aus diesem Raum kommen! Tönt es jetzt nicht wie zu Schwarzenbachs Zeiten mit „all’ den Italienern“? Was hat es der Schweiz gebracht? Überfremdung? Mitnichten, es kamen Menschen, etwas südländische Lebensfreude, viel wirtschaftlicher Aufschwung von dem die Schweiz noch heute profitiert! Es kann auch schäbig sein, den Rassismus nicht als Rassismus zu bezeichnen!
Zweitens: die Abstiegsängste unterer Bildungsschichten. Kann ja sein, dass sich viele über 50jährige vor der Globalisierung fürchten und dafür vor allem die Personenfreizügigkeit der EU verantwortlich machen. Aber was wäre die Schweiz ohne die Personenfreizügigkeit? Vielleicht wäre es hilfreich, diesen Wert der internationalen Zusammenarbeit den Wutbürgern in Erinnerung zu rufen, welche eben gerade wegen dieser Zusammenarbeit und dank der EU zu „traditionellen Leistungsträgern“ werden konnten.
Drittens die Identitätsfrage und die Sprache der Eliten, die „weniger Sprachgewandte nachhaltig verletzt“. Ähnliches hört man auch von den Gilets jaunes hier in Frankreich. Angefangen hat ihr Protest gegen die Geschwindigkeitsbeschränkung auf Überlandstrassen, dann gegen die Oekosteuern, schliesslich gegen Macron und die Politikschickeria in Paris. Erstaunlicherweise wurde ja gerade hier erst vor einem Jahr das halbe Politestablishment ausgewechselt…. Jetzt ist eine Hauptforderung die Einführung des Initiativ- und Referendumsrechtes nach schweizerischem Vorbild.
Die Anhänger der Populistenführer ernst nehmen ist das eine, das andere wäre, die Errungenschaften der westlichen Demokratien, die Gewaltenteilung, den Rechtsstaat und jawohl auch europäische Zusammenarbeit im Rahmen der EU nicht nur zu kritisieren sondern auch zu verteidigen.
Mit freundlichen Grüssen
Ruedi Baumann, emigrierter Schweizer Bauer in Frankreich
Demografie
Die Bevölkerung Frankreichs beläuft sich auf rund 67 Millionen Menschen und wächst weiter. Bevölkerungswachstum wird hier grundsätzlich begrüsst. Jedenfalls habe ich hier das Wort Dichtestress noch nie gehört. Wachstum konzentriert sich vor allem auf die großstädtischen Agglomerationen. Daneben spricht man auch von einer Diagonale der Entleerung (la diagonale du vide), wie sich auf nachfolgender Grafik deutlich zeigt.

Unsere Grossregion Occitanie (Okzitanien) in SW-Frankreich wächst bevölkerungsmässig deutlich stärker als das übrige Frankreich. Verantwortlich dafür ist der Grossraum Toulouse und die Mittelmeerküste.

Auch in unserem Departement, im ländliche Gers nimmt das Total der Bevölkerung immer noch zu, allerdings schwerpunktmässig angrenzend an den Grossraum Toulouse. Daneben gibt es zahlreiche kleinere Ortschaften die einen Bevölkerungsrückgang verzeichnen.
1 comment