AUSWANDERERBLOG

„Hobbybauern“

Posted in Politik by ruedibaumann on Januar 5, 2019

Ein Tamedia Wirtschaftsjournalist, Dominik Feusi, gibt vor, die Lösung für die schweizerische Agrarproblematik gefunden zu haben. Er schreibt unter anderem im Bund vom 3.1.2019:

„Der Bund zahlte 2018 gut 2,8 Milliarden Franken Direktzahlungen. Das waren durchschnittlich gut 60000 Franken pro Betrieb. Die Mehrheit der Empfänger sind Nebenerwerbsbauern, die einem anderen Beruf nachgehen. Diese Hobbybauern belegen Flächen, die von jenen Bauern bestellt werden könnten, die voll auf die Landwirtschaft setzen. Die heutige Ausrichtung der Direktzahlungen verhindert einen Strukturwandel und damit die Wettbewerbsfähigkeit der bäuerlichen Produkte.“

Meine Antwort:

Sehr geehrter Herr Dominik Feusi

Ihrer Einschätzung, was alles auf den neuen BR  zukommt, stimme ich in vielen Teilen zu. Allerdings finde ich ihre These: „Die Hobbybauern belegen Flächen, die von Bauern bestellt werden könnten, die voll auf Landwirtschaft setzen“ völlig falsch und gar, erlauben sie den Ausdruck, ehrverletzend! Warum?

Wenn in der schweizerischen Agrarpolitik vieles falsch läuft sind daran sicher nicht die Zu- und Nebenerwerbsbetriebe schuld. Natürlich sind die Direktzahlungen in der Schweiz pro Flächeneinheit (ha) viel zu hoch. Aber dem könnte man mit einer klaren Plafonierung Rechnung tragen. Leider wurden auch die Einkommens- und Vermögensgrenzen pro Betrieb bei der Ausrichtung von DZ fallengelassen. Selbstverständlich sollten auch die oekologischen Voraussetzungen für den Bezug von Direktzahlungen verschärft werden. Die Trinkwasserinitiative zeigt die Richtung vor. Oder auch die Vorschläge der eidg. Finanzkontrolle zur Aufhebung von schädlichen Direktzahlungen wären wichtig.

Zu- und Nebenerwerbsbetriebe zu diskriminieren,  wäre aber das denkbar schlechteste Heilmittel für die schweizerische Agrarproblematik, weil diese Betriebe innovativ, anpassungsfähig, beweglich und in der Regel auch umweltschonender sind, als die sog. „Vollerwerbsbetriebe“.

Was ist ein Zu- oder Nebenerwerbsbetrieb? Wahrscheinlich sind in der Schweiz schätzungsweise 80% der Familienbetriebe auf einen Zuerwerb angewiesen (Partner oder Partnerin). Was soll daran schlecht sein? Wir selber bewirtschafteten in der Schweiz während 25 Jahren einen Betrieb mit Mutterkuhaltung mit 15 ha Fläche, jetzt in Frankreich einen Ackerbaubetrieb mit 70 ha Fläche, alles bio, immer im Nebenerwerb.

Natürlich gibt es in der Schweiz inzwischen Betriebe mit über 100 ha Fläche, hohen Investitionskosten, Massentierhaltung (20’000 Hühner) und dutzenden von billigen polnischen Arbeitskräften. Weil die Betriebe ja nicht arrondiert sind, müssen die schweren Landmaschinen immer grössere Distanzen auf den überfüllten Landstrassen zurücklegen. Wohlverstanden, ich habe nichts gegen „Musterbetriebe“ mit Melk- und Industrierobotern, aber verdienen die besonderen staatlichen Schutz?

Hier in Frankreich gibt es in unserer Umgebung inzwischen Betriebe mit 300 bis 600 Hektaren Fläche. Die Betriebsleiter wohnen nicht mehr auf dem Dorfe, sondern in der Stadt, was sich zunehmend negativ auf die dörfliche Infrastruktur auswirkt.

Das Tourismusland Schweiz profitiert von den kleinbäuerlichen Strukturen, auch wenn die Akteure inzwischen „Hobbybauern“ sind. Parmelin, übrigens wie Bauernpräsident Ritter, beides Hobbybauern (!), tun gut daran, Ihren Vorschlag zur vermeintlichen Professionalisierung (ich würde sagen Industrialisierung) der Landwirtschaft nicht zu befolgen!

Mit freundlichen Grüssen

Ruedi Baumann

 

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Eine Antwort

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  1. Andreas Willy Rothenbuehler said, on Januar 7, 2019 at 10:29 am

    Sommer,Strahm und Feusi sind der lebendige Beweis,das Tamedia von Blocher übernommen wurde.Und nicht wie in der „Presse“ stand: Tamedia die BaZ gekauft hätte.

    Gefällt 1 Person


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