Präsidentschaftswahlen auf dem Dorfe
Nächsten Sonntag wählen wir in Frankreich eine(n) Präsident*in für die nächsten fünf Jahre. Das heisst, wir treffen erst eine Vorauswahl für die definitive Wahl am 24. April (weil ja niemand der 12 Kanditat*innen im ersten Wahlgang das absolute Mehr erreichen wird). Gemäss Umfragen wird schlussendlich die Stichwahl wohl zwischen dem amtierenden Präsidenten Emanuel Macron und der Herausforderin Marine Le Pen stattfinden.

Hier sind die 12 Kanditat*innen auf unserem Dorfplatz fein säuberlich aufgereit. Alle mit dem gleichen Plakatformat, nirgends eine Parteienbezeichnung. Die Werbeflächen und auch die Werbezeiten in Radio und Fernsehen sind strikt reglementiert. Demokratie, Chancengleichheit und Transparenz auch bei den finanziellen Aufwendungen wird grossgeschrieben.
https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4sidentschaftswahl_in_Frankreich_2022
Unser bureau de vote in Traversères mit rund 60 Stimmberechtigten ist am Sonntag von 8:00 bis 18:00 offen. Ich erwarte eine Stimmbeteiligung von über 80%.

Geit’s no?
Nach dem Überfall der russischen Streitkräfte auf die Ukraine will die SVP als einzige schweizer Partei die Sanktionen der westlichen Welt gegen Putin nicht mittragen. Unter dem Stichwort „Neutralität“ wollen Blocher und seine Mannen die russischen Oligarchen von Sanktionen verschonen und ihren Chefstrategen weiterhin Geschäfte mit dem Aggressor Russland ermöglichen als wäre nichts geschehen. Diese feige, unsolidarische Haltung gegenüber der Ukraine und Europa soll jetzt sogar noch mit einer Volksinitiative in der Verfassung verankert werden!
Klar, dass sich jetzt einige Ässvoupee-Bauern an die Anbauschlacht im letzten Weltkrieg zurückbesinnen und verlangen, die Schweiz solle ihre spärlichen Oekoflächen sofort wieder zerstören und für den chemisierten Anbau von Futter- und Nahrungsmittel freigeben. Natürlich übersehen sie geflissentlich, dass dafür Stickstoffdünger aus Russland, Treibstoffe aus Saudiarabien und generell Pestizide und Saatgut aus dem Ausland importiert werden müssten. Wie wär’s, wenn wir stattdessen schlicht weniger Futtermittel für die Massentierhaltung anbauen würden?
Wie wäre es, wenn die grösste aber leider dümmste Partei dieses Landes ihre Gurus und Geldgeber endlich entsorgen und sich wieder auf eine vernünftige Politik besinnen würde? Das Gleiche erwarten wir schliesslich auch von Russland: das Ende von Putin!
Bauernbank und Bauernzeitung
Früher galt die Raiffeisenkasse als eigentliche genossenschaftliche Bauern- und Landbank. Das war, bevor der nun angeklagte Pierin Vincenz und andere mit offenbar fragwürdigen Methoden Raiffeisen zu einer Grossbank machten. In dem morgen beginnenden Prozess soll nun endlich geklärt werden, wie weit Betrug, Urkundenfälschung, Söihäfeli-Söideckeli-Politk usw. bei Raiffeisen an der Tagesordnung waren.
Mich erstaunt, wie wenig bisher das illustere Aufsichtsorgan der Bank, der damalige Verwaltungsrat thematisiert wurde. Immerhin waren in der fraglichen Zeit die zürcher Regierungrätin Rita Fuhrer (notabene damals auch offizielle Bundesratskandidatin der SVP) und der stellvertretende Direktor des Schweizerischen Bauernverbandes Urs Schneider Mitglieder des hoch dotierten Aufsichtsgremiums (170’000 Franken Entschädigung pro Jahr für diese Nebenbeschäftigung). Was macht eigentlich ein Verwaltungsrat in einer Bank?
Es scheint, dass es nun auch den Bauernzeitungen nicht mehr ganz so wohl ist bei der Sache. Früher war man stolz darauf, ein Geschäftsleitungsmitglied des Bauernverbandes im Verwaltungsrat der erfolgreichen Bank zu wissen. Jetzt nur noch Schweigen.
Aber Urs Schneider darf weiterhin die Abstimmungskämpfe der Agrarlobby gegen unliebsame Initiativen organisieren. Selbstverständlich bleibt die Finanzierung der Abstimmungskämpfe geheim. Schliesslich geht das niemand etwas an… wie bei Raiffeisen.
Hat man nichts gelernt?
Umfahrungsstrasse
Wir benötigen gut eine Stunde um per Auto nach Toulouse zu gelangen (per Auto und Zug sind es zwei Stunden und per Velo fünf Stunden). Weil die N 124 direkt durch das Städtchen Gimont führt, entstehen hier regelmässig langwierige Staus. Das soll sich nun ändern: eine grosszügige Umfahrungsstrasse wird anfangs März eröffnet. Wir haben heute das Bauwerk zu Fuss abgeschritten…





Wie immer bei solchen Projekten: mehr Lebensqualität für Siedlungsbewohner*innen, viel Landschaftsbeeinträchtigung, auch wenn sich die Strassenbauingenieure viel Mühe geben. Kaum lösbare Zielkonflikte!
Wie weiter mit der EU?
Nichts neues unter der Sonne: diese Arenadiskussion fand vor sage und schreibe 22 Jahren statt:
Aber sehen und hören Sie selbst: (unten stehenden Link anklicken)
Leider ist dieses schöne Land keinen Schritt weiter, im Gegenteil!

Besuch im Bundeshaus….
Zusammen mit ehemaligen, aktiven und künftigen (?) Parlamentarier:innen….

Kurzdokumentarfilm Bio Suisse
Der schöne Dokufilm zeigt anhand von verschiedenen Bauernhöfen die Vielgestaltigkeit schweizer Biobetriebe. Der Film (13 min) wurde für das 40-Jahr-Jubiläum von Biosuisse realisiert (ton und bild GmbH).
Förderung Photovoltaik in Frankreich
Ich weiss, 70% der französischen Elektrizitätsversorgung basiert auf Atomstrom und Macron befürwortet den Bau weiterer (kleineren) Atomkraftwerke. Und trotzdem, die Photovoltaik beispielsweise wird viel stärker gefördert als in der Schweiz. Als Bauer staunt man über all‘ die Inserate, in denen landwirtschaftliche Oekonomiebauten gratis und franko angeboten werden. Die Ersteller wollen einfach den Energieertrag der Hallendachflächen während 20/30 Jahren nutzen.
Warum ist das nicht auch in der Schweizer Landwirtschaft möglich?


Die Schweiz im Nebel
So kommt es mir vor. Im Abstimmungsnebel, mit einer aggressiven Nein Kampagne der Impfgegner, in der selbst jedes Komma falsch ist!
Im Europanebel, mit einem Aussenminister der so falsch operiert, dass man nur hoffen kann, dass er selber zur Einsicht kommt, sein unglückliches Gastspiel im Bundesrat demnächst zu beenden.
Ich habe vor 20 Jahren im Parlament gesagt, wenn die Schweiz nicht der EU beitreten will, dann werde ich es persönlich tun. Gesagt getan. Ich habe es nie bereut.



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