EU-Passivmitglied
Die Schweiz ist (selbstverschuldet) ein EU-Passivmitglied. Der sogenannte autonome Nachvollzug der europäischen Gesetzgebung ist zu einem automatischen Nachvollzug geworden. Der in der Schweiz immer noch so hochgelobte bilaterale Weg erweist sich mehr und mehr als souveränitätspolitische Sackgasse. Die Schweiz kann aus wirtschaftlichen Gründen zu neuen europäischen Vorgaben gar nicht mehr Nein sagen, weil sonst geltende lebenswichtige Verträge mit der EU sistiert und das Land wirtschaftlich an den Abgrund bringen würden. Was tun?
Ich würde meinen, endlich ernsthaft über den EU-Beitritt diskutieren und ihn auch mit aller Konsequenz vorbereiten . Vernünftige Leute haben schon lange gemerkt, dass das Mitbestimmen in Europa auch für unser Land wichtiger wäre, als das ängstliche Festhalten an vermeintlichen direktdemokratischen Volksrechten und anderen heiligen Kühen. Was für 27 demokratische europäische Nationen eine gewünschte und wichtige Zusammenarbeitsform ist (und von vielen weiteren Nationen noch gewünscht und angestrebt wird), kann nicht so falsch sein, wie das uns gewisse Neinsager glauben machen wollen.
Es ist nur zu hoffen, dass der Gesamtbundesrat den Anstoss von Moritz Leuenberger zu einer wirklichen Beitrittsdiskussion aufnimmt und die notwendigen Schritte dazu nun ohne Verzug einleitet. Ich bin überzeugt, dass die grosse Mehrheit aller Auslandschweizer, die in den EU-Staaten leben, den längst fälligen EU-Beitritt der Schweiz befürworten würde. Gerade weil sie die Europäische Union als grossartiges Friedens- und Zusammenarbeitsprojekt erleben und nicht als den Bürokratiemoloch wie ihn schweizerische EU-Gegner immer wieder darzustellen versuchen.
Wünschbar wäre auch, wenn die nächsten schweizerischen Parlamentswahlen im Zeichen einer EU-Beitrittsdikussion abgehalten würden. Von meiner Partei, den Grünen, erwarte ich europapolitische Offensiven und nicht den Rückzug ins vermeintliche, schweizerische Ökoréduit!
Nostalgischer Rückblick
Die Berg- und Talwanderungen kann man beim Sortieren der zahlreichen Föteli grad noch einmal geniessen. Weil es so schön war hier noch einmal den Ausblick vom Gemmenalphorn auf Eiger, Mönch und Jungfrau…
Niederhornwanderung (jetzt liegt dort wahrscheinlich schon viel Schnee…)
Sonntag in der Gascogne
Am Morgen habe ich zwei Sommerduvets zusammengenäht, weil es jetzt nachts langsam kälter wird.
Derweil wollte Stephanie Kaffee kochen, was jedoch einen Stromausfall nach sich zog. Nach dreimaligem Versuch wurde klar, dass der Kurzschluss durch unseren neuen Wasserkocher verursacht worden war (gekauft bei Coop in der Schweiz, weil uns das Design bei Carrefour nicht gefiel…). Stephanie vermutete, dass ich den EU-Stecker nicht ordnungsgemäss montiert hätte (Schweizer Steckdosen unterscheiden sich natürlich von der EU-Norm….). Den EU-Stecker hatte ich aber perfekt montiert so dass ich wohl oder übel den Wasserkocher ganz zerlegen musste (Made in Taiwan, gekauft in der Schweiz). Gefunden habe ich nichts, aber bei meiner Reparaturarbeit fiel ein Schräubchen raus, das nirgends mehr reinpasste…). Jedenfalls funktioniert der Wasserheizkrug aus der Schweiz/Taiwan seither wieder perfekt und es gibt keinen Kurzschluss mehr, wenn wir Kaffee oder Thé kochen!
Dann habe ich unsere Hausklingel demontiert (sie hat noch nie funktioniert) und kleine Löcher in der Hauswand mit Mörtel geflickt.
Anschliessend übte ich Saxophon: Georgia On My Mind und so Zeugs.
Zu Mittag gab es Müesli.
Am Nachmittag machten wir eine Feldbegehung, bewaffnet mit Heugabel (um die Pflanzenreste nach dem Striegeln vom Feld zu entfernen) und mit der Baumschere (um vorwitzige Dornen am Feldrand zu kappen). Natürlich habe ich mich dabei (leicht) verletzt. Diese verdammten Dornen…
Unter dem Walnussbaum haben wir drei Kilogramm Nüsse zusammengelesen (das Kilo kostet auf dem Mark zur Zeit 7€}.
Später habe ich alte Tagesanzeiger-Magazine gelesen und den Start der Formel 1 im TV geschaut.
Sophie und Jean-François mit ihren drei Kinder kamen zu Besuch. Jean-François hat mir geholfen eine neue Telefonleitung entlang der Scheune zu verkabeln, damit unser Internetempfang besser wird. Er versteht etwas davon.
Jedenfalls funktioniert jetzt alles wieder tadellos.
Am Abend schauen wir Giacobbo/Müller auf SF1.
Das ist unsere Internetleitung auf dem Hof, anschliessend führt ein einfaches Bodenkabel drei Kilometer zum nächsten Dorf…(bei Drainagearbeiten habe ich es schon wiederholt zerrissen…). Wir werden wohl noch lange auf auf ein „trés haut debit-Glasfaserkabel“ warten müssen…
Biobauer
Eigentlich wollte ich im nächsten Frühjahr erstmals Biohirse (Sorghum) anbauen. Abklärungen bei unserer Genossenschaft Agribio Union www.agribio.fr haben ergeben, dass es nach der Ernte aus Kapazitätsgründen Logistik-, Lagerungs- und Trocknungsprobleme geben würde. Ich habe daher beschlossen, auf dieser Parzelle (16 ha) Féveroles (Ackerbohnen) anzubauen.
Nun ist aber zerifiziertes Bio-Saatgut sehr teuer (1010 €/Tonne) und ist zudem in arbeitsaufwendige 25 kg-Säcke abgepackt.
Inzwischen habe ich über Internet einen Bioproduzenten gefunden, der mir aus seiner diesjährigen Ernte direkt 2,5 Tonnen Féveroles zu vernünftigen Bedingungen verkaufen will.
Allerdings muss ich die Semence fermier noch selber in Bigbags abfüllen und den Transport organisieren. Trotz Rezession scheint hier das Transportgewerbe mehr als ausgelastet zu sein. Fünf angefragte Transportfirmen haben abgesagt, weil sie keine freien Kapazitäten haben.
Hackstriegeln als Unkrautkur Wochen vor der Saat.
Heckenpflege
Wir haben auf La Oueyte über fünf Kilometer artenreiche Hecken. Deren Pflege ist zeit- und arbeitsaufwendig. Die Hecken sind einerseits wichtige Gestaltungselemente in der Landschaft der Gascogne und andererseits von grosser Bedeutung für Flora und Fauna.
Von Zeit zu Zeit holze ich kleinere Abschnitte aus (auf den Stock zurücksetzen) und gewinne dabei klafterweise Brennholz.
Vor der Aussaat der Feldkulturen mähe ich mit der Débroussailleuse den Krautsaum und verhindere damit, dass die Dornen in die Kulturen wachsen. In der EU muss jedes kleinste Gewässer durch einen Oekostreifen von mindestens zehn Meter Breite geschützt sein. Eine wichtige oekologische Massnahme, die leider in der Schweiz erst ansatzweise realisiert ist.
Stichwort Hecken in diesem Blog.
Welternährungstag
Das Thema Welternährung hat mich seit meiner Ausbildungszeit ein Leben lang begleitet.
Ich habe Bauer gelernt und an der ETH Agronomie studiert.
Bei Aufenthalten in Entwicklungsländern lernte ich die Situation der Landbevölkerung und Projekte der schweizerischen Entwicklungshilfe kennen.
Später, als Co-Präsident der Schweizerischen Kleinbauernorganisation pflegte ich Kontakte zu den Landlosen-Organisationen in Brasilien und Im Parlament war ich Mitglied der Beratenden Kommission für Entwicklungszusammenarbeit.
Ich habe Kontakt zu Studienkollegen die als Entwicklungshelfer im Feld oder bei der FAO-Zentrale (die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen) in Rom arbeiten.
Und zu guter Letzt bin ich selber seit jeher Bauer, früher in der Schweiz, jetzt in Frankreich und damit immer ein kleiner Nahrungsmittelproduzent.
Diese Erfahrungen haben mich mit der Komplexität der Zusammenhänge vertraut und gegen Patentrezepte sehr skeptisch gemacht.
Wie kann unserer Beitrag aussehen, was kann der Norden dazu beitragen, um die Schieflagen zu verringern?
Hand aufs Herz: Warum sind viele afrikanische Staaten auch nach Jahrzehnten west- und östlicher Entwicklungshilfe so arm wie nie zuvor?
Wem helfen denn die Helfer eigentlich?
Thema Welternährung in diesem Blog.
Une fleur pour Marilyne
Unsere Nachbarin sagt, ich schulde ihr was, denn sie hat schon vor drei Wochen vermutet, dass der Transformer unser Internet-Problem verursache, was ich damals nicht glauben wollte.
Voilà Marilyne, une orchidée pour toi:
Wegen der Trockenheit konnte die Herbstwendelorchis im September nicht blühen und wir dachten schon, dass es für dieses Jahr vorbei sei mit der Orchideensaison. Aber oh Wunder – jetzt nach dem Regen kommt die Spiranthes spiralis doch noch raus:
Versteckt im hohen Gras kaum zu finden:
Spiranthes d’automne:
Durch die Blume gesagt…
Ich frage mich oft, warum viele Schweizer Stimmbürger in politischen Foren so aggressiv reagieren. Aktuelles Beispiel auf meinem Blog ist die Diskussion um die unsägliche Minarettverbotsinitiative. Wenn Ungerechtigkeiten in anderen Ländern geschehen und dort die Menschenrechte verletzt werden ist das offenbar für viele Grund genug, ebenfalls ungerecht zu sein. Dabei geht es ihnen doch gut den Schweizern und man könnte anständig über bestehende Probleme diskutieren.
Fremdenfeindliche Rechtsparteien haben die französischen Grenzgänger in Genf als Gesindel (racaille) bezeichnet, und mit dieser Haltung sogar die Wahlen gewonnen. Man wundert sich im übrigen Europa manchmal über die ach so direktdemokratische Schweiz.
Ist es die selbstgewählte Isolation, die so aggressiv macht? Nur durch die Blume gesagt…
Zurück! De retour!
Zurück auf französischen Feldern. Und, oh Wunder, in der Zwischenzeit hat es geregnet und die Äcker lassen sich endlich wieder gut bearbeiten. Hier sollen in etwa drei Wochen Ackerbohnen gesät werden…
Und heute hat sogar ein France-Telecom-Techniker unsere ADSL-Verbindung wieder instand gestellt. Defekt war unter anderem der Transformer der die Livebox alimentiert… Schöne Technik… wenn sie funktioniert!
Der Himmel über der Schweiz ist weit…
…. allerdings gibt es in den Dörfern und Städten des Landes eine sogenannte Volkspartei, die mit populistischem Nationalismus, fremdenfeindlicher Propaganda und dummen Sprüchen das Ansehen der Schweiz in den Dreck zieht! Wer jetzt in diesem Land immer noch SVP wählt oder gar immer noch Mitglied ist, schadet der Heimat und ist nicht bei Trost!















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