AUSWANDERERBLOG

Markt in Samatan

Posted in Agrikultur by ruedibaumann on Juni 26, 2006

Jeden Montag ist Markt in Samatan. Neben den üblichen Marktständen mit dem Allerlei für den täglichen Bedarf und dem Gemüse- und Früchtemarkt gibt es hier jede Woche auch ein Grossangebot von lebendem Geflügel und Kleingetier. Wichtig ist aber insbesondere für die Grossregion Toulouse der „marché au gras“, das heisst der Markt für foie gras, also für Gänse- und Entenleber. Foie gras ist d i e Spezialität des Gers. Auf sehr vielen Bauernhöfen der Region wird nach wie vor Stopfleber produziert. Kein Wunder, sind doch die Preise für diese Delikatesse des Südwestens beachtlich: rund 20€ für eine frische Leber von etwa 750 Gramm.
Die in anderen Ländern verbreitete tierschützerische Kritik gegen diese tierquälerische Produktionsform ist hier praktisch inexistent. Foie gras gehört hier inzwischen zum „patrimoine culturel“, zu einer traditionellen Tierhaltungsart die zum „nationalen Erbe“ gehört wie die Marseillaise oder die Tricolore.
Man sagt, die Gavage, also das stopfen von Gänsen und Enten, sei vor Jahrhunderten aus einer eigentlichen Not der Landbevölkerung entstanden: die Bauern mussten in grauer Vorzeit ausgemetzgete Enten und Gänse an die Obrigkeit und an die Landbesitzer abgeben. Nur die Innereien konnten sie behalten. Aus dieser Not hätten sie eine Tugend gemacht: Wenn sie schon nur die Innereien behalten durften, sollten diese dann doch möglichst nahrhaft sein. Die haute cusine habe die fois gras erst viel später als Leckerbissen erkannt. Soweit die Sage.
Ich habe selber bei unseren Nachbarn bei der Gavage zugesehen. Die Bäuerin ging dabei sehr liebevoll mit den Tieren um, und man hat nicht das Gefühl, dass die Gänse gegen die Prozedur sind. Ganz im Gegenteil, die Tiere lassen das mit sich geschehen, wie sich beispielsweise eine Kuh melken lässt… Andere Länder, andere Sitten.
Dass die Gavage inzwischen auch industrialisiert worden ist lässt sich leider kaum wegdiskutieren und ist tierschützerisch äusserst verwerflich. Aber jede industrielle Produktion in Tierfabriken ist scheusslich. Das gilt leider auch für viele Hühner- und Schweinehaltungsbetriebe in der Schweiz. Man sieht es nur nicht, oder will es nicht sehen.

Gänse

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