Oekoheu
So etwa ab Mitte Juni sind auf unserem Hof die meisten Orchideen, andere Feldblumen und Gräser verblüht. Zeit also auch dieses Oekoheu einzubringen. Agronomisch fast wertlos weil überständig und eiweissarm, von der Artenvielfalt her eigentliches Medizinalfutter! Für die Heuer viel Arbeit aber wenig Ertrag: Me muess d’Fröid viu rächne!
Jubiläum: 8 Jahre Ferme en France
Wie doch die Zeit vergeht: morgen sind es 8 Jahre her, dass wir ausgewandert sind.., acht schöne, intensive, gute Jahre!
„Es war spätabends und entsprechend finster in dieser gottverlassenen Gegend, als wir am 21. Juni 2001 hier ankamen. Wie abgemacht, lag der Hausschlüssel unter einem Stein neben dem Haupteingang des Maison du Maitre, aber wir hatten weder Strom noch Wasser und auch das Telefon funktionierte nicht. So biwakierten wir in unserm neuen unmöblierten Heim bei Kerzenlicht auf dem Fussboden, das Wasser holten wir aus dem nahen Senkbrunnen und zur nächsten Telefonkabine fuhren wir meilenweit. In den ersten Wochen war aufräumen, reparieren, entsorgen, einkaufen und anstreichen angesagt. Daneben knüpften wir erste Kontakte zu den Bauernfamilien in der Gegend. Unsere Gemeinde zählt nur 65 Einwohner, die nächsten Nachbarn sind eineinhalb Kilometer entfernt. Wir stellten uns beim Maire vor und schlugen uns mit der französischen Administration, mit der Electricité de France und der France Telecom herum. Einen Traktor und Maschinen haben wir gemietet, bis wir nach und nach das Nötige anschafften.
Während vier Jahren hatten wir etwa 30 Betriebe besucht, bis wir hier in der France profonde den passenden gefunden haben. Unser Hof liegt in der Gascogne, 100 km westlich von Toulouse, im Midi-Pyreneé, Departement Gers. Die hügelige Region gilt als Abwanderungsgebiet und ist am dünnsten besiedelt von ganz Frankreich. Die Böden sind hart und steinig, kalk- und tonreich und oft sehr trocken. Unser Hof umfasst eine landwirtschaftliche Nutzfläche von 70 ha, alles an einem Stück, mit alten aber charaktervollen Gebäuden. Die früheren Besitzer waren sogenannte Pieds noirs, die 1963 von Algerien hierher kamen. In den letzten 10 Jahren war der Betrieb mit Hilfe von EU-Subventionen stillgelegt. Einerseits ideal für uns, weil wir ab dem ersten Tag mit biologischem Landbau beginnen konnten, andererseits waren Hof und Felder stark vernachlässigt und verbuscht. Aber was gibt es schöneres als etwas wieder instand zu stellen, Böden zu rekultivieren, zu säen und zu ernten und das alles in einer landschaftlich zauberhaften Gegend. Inzwischen haben wir am Wohnhaus das Dach saniert, eine Heizung eingerichtet, die Wasserversorgung erneuert und alle Zimmer gestrichen. Auf 40 ha Acker gediehen in den letzten Jahren Sonnenblumen, Brot- und Futtergetreide und Févéroles (Bohnen). Wir haben Drainagerohre eingelegt und Bachläufe saniert, einen kleinen Rebberg und einen Garten mit Gewächshaus angelegt.
Die notwendigen grossen landwirtschaftlichen Maschinen haben wir ganz am Anfang gemietet, weil auf dem Hof kein brauchbares Material mehr vorhanden war. Inzwischen haben wir die wichtigsten Maschinen, Bodenbearbeitungsgeräte, Saat- und Mähapparate, Schaufelbagger und Frontlader usw. nach und nach angeschafft. Nicht ohne vorher alle Maschinenausstellungen in der Region besucht und intensiv mit den Maschinenhändlern verhandelt zu haben. Einen neuen, topmodernen 120-PS Massey-Ferguson Traktor haben wir uns Ende des ersten Betriebsjahres zu Weihnachten geleistet. Stephanie und ich bewirtschaften den Hof allein mit gelegentlicher Mithilfe unserer Söhne aus der Schweiz.
Weil wir nicht grossflächig bewässern können, sind die Erträge nur etwa halb so hoch wie in der Schweiz. Der Absatz der Bioprodukte erfolgt über landwirtschaftliche Genossenschaften, allerdings zu Marktpreisen die zwei- bis dreimal tiefer liegen als in der Schweiz. Die Weideflächen bestossen wir kurzfristig mit 40 Mutterkühen unseres Nachbarn, dem Gemeindepräsidenten Jean-Michel Liares. Damit ist ihm und uns gedient. Uns, weil wir zeitlich eine gewisse Unabhängigkeit aufrecht erhalten können, ihm, weil er mit der zusätzlichen Weidefläche die Futterknappheit in den heissen und trockenen Sommermonaten ausgleichen kann.“
(Leseprobe aus meinem Buch Bauernland)
Ich ärgere mich (fast) täglich…
… dass die Schweiz immer noch nicht Mitglied der Europäischen Union ist. Die Schweiz übernimmt zwar brav die Gesetzgebung und die Regelungen der EU, ohne aber selber mitzubestimmen. Die EU-Gegner der SVP gaukeln der Bevölkerung mit populistischen Sprüchen (EU Nie!) vor, wir würden mit unseren direktdemokratischen Abstimmungen alles selber bestimmen. Kein Wort davon, dass diese Abstimmungen durch geheime (!) Geldgeber aus Banken- und Industriewelt finanziert werden. In der EU nennt man das Korruption! Und wenn es mal wirklich um wichtige Anliegen geht, wie beispielsweise das Milliardengeschenk an die UBS, dann kann nicht einmal das Parlament, geschweige denn das Schweizervolk mitreden!
Bedauerlich finde ich, dass die Schweiz als schwarzer Fleck auf der Europakarte, zunehmend ganz einfach nicht mehr wahrgenommen wird, weil sie in allen Ländervergleichen schlicht und einfach fehlt. Täglich erscheinen in den europäischen Medien Quervergleiche zwischen den 27 Staaten der EU über alle erdenklichen gesellschaftlich wichtigen Fragen. Vergleiche zwischen Staatsfinanzen, Verschuldung, Sozialpolitik, medizinische Versorgung, Landwirtschaft, Ausbildung, Hochschulen, Energiepolitk, Umweltfragen usw. usf. werden aufgearbeitet und grafisch dargestellt. Nur die Schweiz fehlt.
Gestern abend fand auf France3 eine interessante Diskussion zur Frage statt, ob allenfalls Frankreich im Vergleich mit seinen Nachbarn die gegenwärtige Weltwirtschaftskrise besser meistere. Alle Nachbarn wurden miteinbezogen, das heisst alle… ausser der Schweiz!
Frankreich sei krisenresistenter weil sein Sozialmodel (égalité! solidarité!) für besseren Ausgleich sorge, weil die Einkommensunterschiede geringer seien, weil 60% der Französinnen und Franzosen Wohnungseigentümer seien, weil sie immer noch ihre Rechnungen bezahlen könnten, weil sie nicht exportabhängig seien, weil ihre Grossbanken vernünftig gehandelt hätten…
Der Vergleich mit der Schweiz hätte mich interessiert. Der Austausch, der Vergleich, auch die Rangierung im europäischen Vergleich ist für alle anderen Länder eine Selbstverständlichkeit, auch Anlass zu lernen, es besser zu machen! Die Schweiz steht freiwillig abseits und geht zunehmend vergessen. Ich ärgere mich über die selbstgefälligen, dummen EU-Gegner, aber noch fast mehr über die Höseler in anderen Parteien, die es nicht wagen, endlich den Beitritt laut und deutlich zu fordern.
Wider besseres Wissen werden jungen Schweizerinnen und Schweizern wichtige Zukunftsperspektiven verbaut.
Armes Land, das sich vor der europäischen Integration und Mitgestaltung so fürchtet und stattdessen jetzt wieder drei Monate darüber streitet, aus welchem Kaff ein neuer Bundesrat kommen soll…
Galette
Die bretonische Galette ist eine Crêpe, wird aus blé noir (Buchweizen) hergestellt und besteht in ihrer einfachsten Form nur aus Mehl, Wasser und Salz. Buchweizen ist keine Graminée wie alle anderen Getreidearten sondern gehört zu der Familie der Knöterichgewächse.
In der Bretagne wird die Galette häufig zusammen mit Cidre brut oder Cidre doux (Apfelmost in einer grossen Tasse) genossen.
Die Galette kann mit allen erdenklichen Zutaten angereichert werden.
Klar, dass wir uns nach unserer Bretagne-Reise Buchweizenmehl besorgt haben und nun Galetten in allen Formen und Farben mit Spiegeleier, Schinken, Käse, Champignons, Gemüse und Salat selber herstellen.
Versuchet es auch, es schmeckt!
Naturschutz in der Bretagne
Die Bretagne gilt europaweit als Landwirtschaftsregion mit (zu) hohem Nutztierbesatz (ähnlich wie gewisse Regionen in der Inner- und Ostschweiz) mit den damit verbundenen Gewässerbelastungen.
Nichtstestotrotz hat es in der Bretagne beachtliche Naturschutzgebiete. Georges, ein Orchideenexperte aus der Region, hat uns durch die Dünen bei Etel geführt und uns auf die Besonderheiten der Flora und Fauna aufmerksam gemacht.
Man beachte die Orchideen, die wir bei uns nicht finden:
Ophrys passionis, Epipactis palustris, Liparis loeselii und Spiranthes aestivalis…
… und den Lapin im Vordergrund, nicht den im Hintergrund…
Das Moorgebiet im „Parc naturel régional de Brière“ gilt neben der Camarque als grösstes Marais Frankreichs (Grande Brière). Wir haben uns auf einer Barke von einem lokalen Naturschutzexperten durch die Kanäle führen lassen.
Voisinage
Das Comité de fête unserer Gemeinde hat ein rencontre de voisinage organisiert mit balade und repas. Das ganze Dorf mit Kind und Kegel genossen die gemeinsame Wanderung und das köstliche Essen…
…. ein richtiges Käferfest eben.
So wohnt man in der Bretagne…
Sei es im einfachen Strandhaus von St. Cado…
… im herrschaftlichen Bürgerhaus direkt an der Küste von St. Malo…
…oder gar in einem Weltkulturerbe…
Gut, der Mont Saint-Michel gehört eigentlich schon zur Basse-Normandie. Als Neu-Franzosen muss man natürlich d i e Touristenattraktion Frankreichs einmal gesehen haben…
… auch bei schlechtem Wetter hat es hier zwei drei andere Touristen. Vive la France!
Austernzucht
Austern gehören zwar nicht zu meinen Lieblingsspeisen, aber in den Küstenregionen Frankreichs kommt man fast nicht darum herum. Die Austernzucht in den bretonischen Küstengewässern ist für uns Binnenlandbewohner aber doch sehr faszinierend: Austernzucht
Da Austern keine Fortbewegungsmöglichkeiten haben, sind sie darauf angewiesen, dass die Nahrung (Plankton) zu ihnen kommt. Das wird durch die Gezeitengewässer in Küstennähe (Ebbe und Flut) ideal erfüllt. Wenn Sie jetzt wieder mal nachlesen wollen, wie die beeindruckenden Wasserstands-Unterschiede entstehen, dann könne sie das hier tun: (Gezeiten)
Hier hat Obelix seine Menhire deponiert…
In den sog. Alignements de Carnac stehen hunderte von Megalithen in Reih und Glied, allerdings schon seit über 4000 Jahren vor Christus. Obelix konnte also zu Zeiten der Römer seine Menhire (Hinkelsteine) gerade reihenweise herumtragen…
Diente allenfalls diese gehimnissvolle Anordnung von Magalithen als Vorlage für ein ganz anderes Denkmal in Berlin?
Aber es gibt in der Bretagne nicht nur Steine und Steilküsten, sondern zum Beispiel auch…
… Kühe…
…Sandstrände (hier bei Etel)…
… und mondäne Jachthäfen (La Baule)
Grüne Gemeinde
Bei den Europawahlen vom Wochenende wurde in unserer Gemeinde Traversères bei einer Stimmbeteiligung von 64% zum ersten Mal mehrheitlich grün gewählt! Bravo!
Die Resultate:
Liste des Verts (José Bové) 28.21%
Liste de la majorité (UMP) 17.95%
Liste du parti socialiste (PS) 10.26%
Liste du centre (MoDem) 5.13%
Liste du PCF et du Parti de gauche 0.00%
Die 10 Sitze der Grossregion Südwesten für das Europaparlament wurden denn auch an diese 5 Parteien vergeben (UMP 4 Sitze, Vert 2, PS 2, MoDem 1, PCF 1).

































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