Atomausstieg
Wir zählen uns zu den Atomkraftwerkgegnern der ersten Stunde. Seit den achziger Jahren im letzten Jahrhundert (!) haben wir an unzähligen Aktionen, Unterschriftensammlungen, Abstimmungen, Demonstrationen und Diskussionen gegen die Atomlobby teilgenommen. Es hat alles nichts oder fast nichts genützt!
Immerhin konnte der Bau von weiteren Atommeilern verhindert werden (Kaiseraugst, Verbois, Graben)!
Wir haben aber auch im Rahmen unserer Möglichkeiten laufend in alternative Energien investiert:
1975: Stückholzzentralheizung installiert
1983: Installation Kleinwasserkraftwerk in alter Oele und Stromeinspeisung
1986: Fenster mit Isolierverglasung und Hausisolation
1990: Solarpanel (24m2) zur Warmwasserproduktion
2005: Holzpelletsheizung installiert
2009: Photovoltaikanlage auf Stalldach (80m2) mit Stromeinspeisung ins öffentliche Netz
Wir produzieren heute drei mal mehr Strom als wir selber brauchen und verdienen noch Geld damit!
Selbst die Atomkatastrophe von Tschernobyl (die Cäsiumwerte in unserem Bioweidefleisch waren damals bedrohlich angestiegen!) hat bei den bürgerlichen Parteien in der Schweiz zu keinem Umdenken geführt. SVP, FDP, CVP und der Bauernverband setzten stur auf Atomkraft und haben die Förderung der Alternativenergien nicht nur sträflich vernachlässigt sondern aktiv behindert!
Und jetzt nach dem Gau in Japan: man müsse zuerst abklären, was genau passiert sei, und eine Auslegeordnung machen, und keine Schnellschüsse und Zeit gewinnen…sagen die ÄssvoupeeFDPCVPundBauernverbandsverwaltungsräte der Atomkraftwerke!
Es ist zum Heulen und zum Davonlaufen!
Die braune Gefahr
Der Front National (FN) in Frankreich ist von seinen politischen Inhalten her zu vergleichen mit der Schweizerischen Volkspartei (SVP). Im Vordergrund dieser rechtsextremen, nationalistischen Parteien steht der Kampf gegen alles was vom Ausland kommt, gegen alles Fremde, gegen Asylbewerber bis hin zu offenem Rassismus.
Gleich wie die SVP wird der Front National von einer einzigen Person bzw. Familie dominiert und autoritär geführt. Was für die SVP der Blocher, ist für den FN die Familie LePen (während Jahrzehnten der Vater, jetzt die Tochter).
Bei den Kantonalwahlen vom letzten Wochenende haben viele von der Sarkozy-Regierung entäuschte Franzosen ihre (Protest-) Stimme dem Front National gegeben (15%). In 22 von den insgesamt 100 französischen Departementen erreichte die extreme Rechte sogar über 20%! Wie die Übersichtskarte zeigt, konzentrieren sich die rechten Erfolge vor allem auf Ostfrankreich. Unser ländliches Departement Gers im Südwesten zählt beispielsweise nur 2,35% FN-Wähler (zum Glück!).
Nächsten Sonntag findet nun bei den Kantonalwahlen der zweite Wahlgang statt. Das Wahlsystem lässt im zweiten Wahlgang nur Parteien zu, die im ersten Wahlgang mindestens 12% erreicht haben. Das führt dazu, dass in den meisten Kantonen nur noch zwei Parteien zur Entscheidung antreten können (nur hin- und wieder sind es drei, – man spricht dann von „triangulaire“-, oder vier Parteien). Die im ersten Wahlgang ausgeschiedenen Parteien können sich mit Wahlempfehlungen für die „Finalisten“ aber einen gewissen politischen Einfluss aufrechterhalten.
Diese Wahlempfehlungen haben nun bei der regierenden und oft geschlagenen UMP zu grossen Spannungen geführt.
Anders als in der Schweiz ist in Frankreich keine Partei bereit die Rechtsextremen direkt zu unterstützen. Aber mit einer Empfehlung von Sarkozy, bei den zahlreichen Duellen PS – FN weder PS noch FN („ni PS und ni FN“) zu wählen, gewährt er zumindest eine Art indirekte Unterstützung für die Rechtsextremen. Premierminister Fillon hat sich im Gegensatz zu Sarkozy sofort dafür ausgesprochen „republikanisch“ zu wählen, das heisst in jedem Fall den sozialistischen Kandidaten gegenüber dem FN vorzuziehen. Etwas das die Sozialisten ja bekanntlich mit einer Empfehlung für die Wahl von Chirac vor Jahren auch klar gemacht haben.
Ich hoffe und gehe davon aus, dass die Französinnen und Franzosen vernünftig wählen werden und der Front National keinen oder höchstens einige wenige der über 4000 Kantone gewinnen wird. Man ist sich der braunen Gefahr in der Grande Nation schon sehr bewusst! Heureusement!
Cantonales
Zusammenfassend lässt sich über die erste Runde der Kantonalwahlen in Frankreich folgendes sagen:
Schlechte Stimmbeteiligung, nur 45% haben sich an die Urnen bemüht (…citoyen aux urnes!)
PS en tête 25%!
Sarkozys UMP erleidet grosse Verluste, kommt nur noch auf 17%
Beängstigend viele FN-Stimmen 15%
Gutes Resultat der Grünen (Europe Ecologie Les Verts) 8%
Für die zweite Runde nächsten Sonntag muss gelten: Keine Stimme für die rechtsnationalistischen Le Pens!
Bei uns im Canton Saramon ist bereits im ersten Wahlgang alles entschieden:
Gewählt ist Jean-Pierre Salers (PS)
Die Resultate von Traversères:
Stimmbeteiligung 68%
Parti socialiste 47%
Ecologiste 34%
Communiste 18%
Atomstaat Frankreich
Frankreich setzt seit jeher fast ausschliesslich auf Kernkraftwerke. 58 Reaktoren an 19 Standorten sichern bis zu 80 % die Stromversorgung des Landes. Diese einseitige Abhängigkeit von Kernenergie wurde möglich dank einem politischen Konsens zwischen den rechten und linken Regierungsmehrheiten. Die Sozialisten in Frankreich haben im Gegensatz zum übrigen Europa auch immer auf Atomenergie gesetzt.
So fehlt denn auch in der Bevölkerung eine starke Gegnerschaft gegen les céntrales nucléaires. Nur die Grünen (les verts, Europe écologie) haben sich hierzulande immer gegen Kernenergie ausgesprochen, ohne allerdings je eine breite Gegnerschaft mobilisieren zu können.
Ich bin denn auch immer wieder erstaunt, wie leichtfertig die französische Öffentlichkeit auftretende Störfälle bei einzelnen Atomkraftwerken im Inland zur Kenntnis nimmt (Atomunfall).

Source: ASN, ministère d’Ecologie, Dépéche du midi 15.3.2011
Die Regierung Sarkozy hat sich angesichts der Atomkatastrophe in Japan bisher auch nur zu einer halbherzigen Reaktion durchgerungen: man werde den französischen Atompark im Lichte der japanischen Erfahrungen überprüfen aber selbstverständlich an der Atomenergie festhalten…
Selbst die Förderung von erneuerbaren Energien (Wind, Photovoltaik) ist in den letzten Monaten wegen Budgetrestriktionen wieder ins Stocken geraten!
Japanische Atomkraftwerke
Japanische Atomkraftwerke sind erdbebensicher!
Sie würden auch einem gewaltigen Erdbeben standhalten, das nur höchstens alle tausend Jahre einmal stattfinden kann!
Dabei werden noch zusätzliche Sicherheitsmargen eingebaut, dass wirklich nichts geschehen kann!
Bei einem Erdbeben werden die Reaktoren automatisch und vorsorglich abgestellt!
Ja, selbstverständlich müssen die abgestellten Reaktoren weiter gekühlt werden, damit sie nicht zu heiss werden.
Wenn die Stromversorgung ganz ausfällt, dann treten Notstromgruppen in Kraft damit die Kühlsysteme weiter funktionieren. Wir haben alles im Griff.
Vorsorglich sollen die Leute im Umkreis von 10 km evakuiert werden. 50’000 Leute bitte (nur vorübergehend und sicherheitshalber) wegfahren. Fenster schliessen!
Der Druck im Reaktorgebäude ist zu hoch. Wir müssen leider etwas Druck ablassen. Die entweichende Radioaktivität ist nur bescheiden… Zudem weht der Wind in Richtung Meer…
Die Kernschmelze ist möglicherweise doch eingetreten… Ihr braucht euch keine Sorgen zu machen…
Da ist nur ein wenig weisser Rauch… eine Explosion des Reaktorgebäudes ist nicht zu erwarten….
Es ist nur die Aussenhülle eingestürzt!
Gute Nacht!
Kernschmelze im zweiten Reaktor
Das Ende des Atomzeitalters!
Muslimbruderschaft
Ich habe Neuland entdeckt, eine Internetplattform oder vielmehr ein multimediales Magazin mit seriöser Information und gut recherchierten Beiträgen. Heute zum Beispiel ein differenzierter Artikel von André Marty zum Thema: „Wir Westler und die Muslimbruderschaft“.
Wahlkampf auf dem Dorfe
Die Kantonalwahlen werfen in der französischen Provinz keine hohe Wellen. Der „Wahlkampf“ ist fair, sachlich, unaufgeregt und bürgernah. Für viele natürlich auch etwas langweilig. Die Kandidaten informieren zusammen mit ihren Stellvertreterinnen über das bisher geleistete und/oder was in den nächsten Jahren ihrer Meinung nach gemacht werden soll.
Im Gemeinderatszimmer von Traversères waren gestern Abend die Vertreter der Parti Socialiste zu Gast. Geschlagene drei Stunden lang hat der bisherige Amtsinhaber monologartig die (wenigen) Zuhörer informiert über Sozialeinrichtungen, Strassenbau, Kehrichtentsorgung, Schulwesen, Wasserversorgung, Schülertransporte… usw. usf.
Basisdemokratie ist ein hartes Geschäft!
Cantonales
Am 20. und 27 März finden bei uns die zwei Wahlgänge für die Kantonalwahlen (Éléctions cantonales française) statt. Von den 31 Conseil généraux im Gers sind 16 zu erneuern. Seit 12 Jahren wird unser Departement Gers von einer klaren linken Mehrheit regiert (21 Divers Gauche, 10 Divers Droite als Opposition). Das ist umso erstaunlicher, als das Gers als eine der „ruralsten“ Regionen Frankreichs gilt.
In unserem Kanton Saramon mit 16 kleinen Landgemeinden tritt Jean-Pierre Salers von den Sozialisten wieder an. Daneben kandidieren VertreterInnen von Europe Écologie Les Verts und der Kommunisten. Die rechte UMP ist zur Zeit ziemlich desorientiert und hat offenbar bei uns gar keinen Kandidaten gefunden oder ist mit der linken Mehrheit zufrieden…
Es ist abzusehen, dass im Gers die Links-Grünen wiederum die Mehrheit stellen werden und das ist gut so! Ich finde sie machen einen guten Job!
Kein Wunder, dass auch die übergeordnete Region Midi-Pyrénées (conseil régional) eine deutliche linke Mehrheit aufweist.
Das Gers wird übrigens auch in Paris von zwei linken Députées vertreten und im Senat ist je ein Sitz von Links und Rechts besetzt.
Wenn es dann 2012 noch gelingt, auf nationaler Ebene eine links-grüne Mehrheit zu installieren, dann fühlen wir uns in unserer neuen Heimat rundum wohl! Vive la France!





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