AUSWANDERERBLOG

Sesselkleber

Posted in Politik by ruedibaumann on Januar 20, 2011

Im Club des Schweizer Fersehens wurde kürzlich über die Frage diskutiert, ob für Politiker eine Altersguillotine gelten sollte. Um es vorweg zu nehmen, ich bin nicht dieser Meinung. Von mir aus sollen auch Senioren ins Parlament gewählt werden können.
Allerdings bin ich entschieden der Meinung, dass Parteien sich an klare Amtszeitbeschränkungen halten sollten und dass sie die leidige Ämterkumulation verbieten müssen.
Wer nach zwölf (oder sechzehn) Jahren Amtsdauer noch meint, er sei auch in Zukunft unentbehrlich, der verwechselt Eigeninteressen und die Interessen der Demokratie. Die Demokratie lebt vom Wandel! Wem es nach zwölf Jahren noch nicht gelungen ist, seine Anliegen publik oder sogar mehrheitsfähig zu machen, dem wird es auch in den folgenden Amtsdauern nicht gelingen. Zudem werden junge Nachwuchskräfte von der politischen Beteiligung ausgeschlossen.
Wer argumentiert, das Volk sei ja frei, Sesselkleber abzuwählen, der verkennt Entscheidendes: gewählt werden nicht die Wägsten und Besten, sondern die Bekanntesten! Und da haben natürlich Bisherige gegen Newcomer entscheidende Vorteile.

Parteien tun gut daran, die Amtszeit ihrer Mitglieder rechtzeitig, beispielsweise auf zwölf Jahre zu beschränken und für eine vierte Amtsdauer eine höhere Hürde einzubauen (beispielsweise Zweidrittelsmehrheit der Delegierten).
Amtsdauern von zwanzig und mehr Jahren sind für mich jenseits von Gut und Böse! Selbst wenn man gewisse langjährige AmtsinhaberInnen gut findet, überwiegen die Vorteile eines Wechsels!
Undiskutabel finde ich übrigens auch die Ämterkumulation. Wer meint, er könne ein Parlamentsmandat noch mit einem Sitz in einer hauptamtlichen Exekutive kombinieren, der überschätzt sich masslos und beweist nur, dass er die partizipative Demokratie nicht begriffen hat.
Meine Empfehlung (gilt übrigens für Frankreich mindestens so klar wie für die Schweiz): Keine Sesselkleber und Kumulierer wählen!

7 Antworten

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  1. Bürgerin said, on Januar 20, 2011 at 11:51 am

    Völlig ausgeklammert wurde im Club (da hätte ich von Ineichen etwas weniger Naivität erwartet) dass ein Wahlkampf viel Geld kostet, das die Jungen meist nicht haben. Sesselkleber allerdings schon und dann eben auch noch die besten Listenplätze. Eine Debatte, die scheinheilig die Finanzen nicht einbezieht, ist eine Scheindebatte. Der Club hat, ausser Schaumschlägerei der alten Männer, nichts gebracht.

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  2. Alexander said, on Januar 20, 2011 at 12:15 pm

    Ich finde immer wieder interessant, wie sich andere Ländern Gedanken um ihre Politiker machen. (Das soll eher ein Vorwurf an uns Deutsche sein)Ich weiß ja nicht, wie es in der Schweiz ist, aber in Deutschland hat das Staatsoberhaupt (nicht verchseln mit dem Regierungschef/chefin) eine Regierungszeit von maximal 10 Jahren am Stück. (entpricht 2x gewählt)Alle anderen sind beliebig lang an der oben, solange sie nur wiedergewählt werden. Einige Beispiele:Konrad Adenauer (1. Bundeskanzler der BRD): 12 JahreHelmut Kohl (Bundeskanzler „der Einheit“): 16 JahreVorsitzende politische Parteien sind in der Regel (d.h. wenn sie nicht vorher sterben oder ein Spion sie verrät) 5 Jahre in ihrem Job (obwohl die Mitglieder sie jedes jahr ändern könnten)(Eine Legistlatorperiode hat 4 Jahre.)

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  3. RB said, on Januar 20, 2011 at 12:31 pm

    @BürgerinDem kann ich nur beipflichten! Siehe http://auswandererblog.blueblog.ch/?s=ParteispendenGruss RB

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  4. Dude said, on Januar 21, 2011 at 12:44 pm

    Dem Satz hier: „Wer nach zwölf (oder sechzehn) Jahren Amtsdauer noch meint, er sei auch in Zukunft unentbehrlich, der verwechselt Eigeninteressen und die Interessen der Demokratie.“ ist kaum noch etwas hinzuzufügen und das gilt global, denn in jedem Land kleben irgendwelche debilen Heini’s an ihren Sitzen, schaut mal nach Afrika

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  5. Immobilienmakler Wiesbaden said, on Januar 24, 2011 at 2:13 pm

    Es muss ein gesundes Gleichgewicht zwischen jung und alt bestehen, damit es vorwärts geht.Das ist das wichtigste. Sowohl auf alt als auch auf jung kann nicht verzichtet werden.

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  6. Fritzl said, on Januar 24, 2011 at 5:12 pm

    Meiner Meinung nach braucht es ebenfalls jung und alt um ein Volk gemeinsam zu regieren. Das Volk besteht schließlich auch aus allen Altersgruppen, da sollte es in der Politik nicht anders sein.Die Weitergabe von Ämtern sollte verboten werden. Ich bin generell für mehr Mitspracherecht des Volkes!

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  7. Sesselkleber | AUSWANDERERBLOG said, on März 26, 2014 at 8:57 am

    […] Argumente […]

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