AUSWANDERERBLOG

Frauenstreiktag

Posted in Politik by ruedibaumann on Juni 12, 2011

Am 14. Juni ist in der Schweiz Frauenstreiktag. Landesweit sollen auf die immer noch anhaltenden Ungerechtigkeiten und Diskriminierungen gegenüber den Frauen aufmerksam gemacht werden. Auch zwanzig Jahre nach dem ersten Frauenstreik ist man vom Grundsatz „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ immer noch meilenweit entfernt.

Erstaunlicherweise hat dieses Jahr auch der Schweizerische Bäuerinnen und Landfrauenverband unter der neuen Präsidentin Bühler beschlossen, am landesweiten Aktionstag teilzunehmen. Das ist diversen altgedienten konservativen Landwirtschaftsvertretern im Bundeshaus aber gehörig in den falschen Hals geraten.
Das gehöre sich nicht und Bäuerinnen sollten sich nicht mit rotgrünen Frauen zusammentun und überhaupt gehörten Landfrauen an den Herd, tönte es etwa von SVP-Vertretern.

Liebe Frau Christine Bühler, ich gratuliere Ihnen zu Ihrem Mut und ihrer Eigenständigkeit! Lassen Sie sich nicht von Bauernverbandsoberen, Ässvoupee-Bauern und von den Rückenschüssen konservativer Kantonalpräsidentinnen einschüchtern. Die Bäuerinnen und Landfrauen liessen sich lange genug am Gängelband der ewiggestrigen Landwirtschaftsvertretern halten. Wenn die Bauersfrau es will, steht jeder Landwirtschaftsbetrieb still!

Rezept für den Frauenstreik

Unser Jahrhundert

Posted in Politik by ruedibaumann on Juni 10, 2011

„Zwei kluge alte Männer streifen durch das 20. Jahrhundert und die Welt von heute, und der Leser genehmigt sich eine Prise Weisheit.“

Man möchte das Gespräch zwischen Helmut Schmidt und dem Historiker Fritz Stern gewissen Schweizer Politikern ans Herz legen, deren Horizont leider an der Schweizer Grenze aufhört.

Zur Rolle der Europäischen Union:
„Die Tatsache, dass es zum ersten mal in fünfhundert Jahren die Möglichkeit eines grossen europäischen Krieges nicht mehr gibt ist eine welthistorische Leistung.“

Leider ist sich die jetzige Generation Europäer zu wenig bewusst, welche Leistung es war, Europa so weit zu bringen, wie es heute ist. Und die Mehrheit der Schweizer verkennt offenbar mehr und mehr, dass die Europäische Union in ihrem dringenden Interesse ist.

Unser Jahrhundert

Deutschland steigt aus der Atomenergie aus!

Posted in Politik by ruedibaumann on Mai 30, 2011

Deutschland und die Schweiz steigen aus der Atomenergie aus! Bravo Deutschland! Bravo Schweiz! Was ist mit Frankreich?


(Foto Hervé Cunff)

Nur noch ein Thema in Frankreich: DSK

Posted in Politik by ruedibaumann on Mai 17, 2011

Das angebliche Verhalten von DSK: unglaublich!

Die Komplott-Theorien: unglaublich!

Die Methoden der amerikanischen Justiz: unglaublich!

Das mögliche Strafmass: unglaublich!

Die Auswirkungen auf die französischen Präsidentschaftswahlen: unglaublich!


Le Monde du 17.05.2011

Der Fluch der Sozialisten

„Es darf doch auch mal krachen“

Posted in Politik by ruedibaumann on Mai 7, 2011

DIE SÜDOSTSCHWEIZ AM SONNTAG

Sonntagsinterview mit Ruedi Baumann

Herr Baumann, das neuste SRG-Wahlbarometer sagt den Grünen erstmals über zehn Prozent Wähleranteil voraus. Hätten Sie sich das als ehemaliger Parteipräsident vor zehn Jahren träumen lassen?
Ruedi Baumann: Ich hoffte, es wären noch mehr (lacht). Die Grünen waren schon damals eine Partei mit Zukunft. Und dank den Grünliberalen gibt es jetzt vielleicht auch eine Mehrheit gegen Atomkraftwerke beziehungsweise für die Förderung erneuerbarer Energien.

Also haben Sie keine Berührungsängste gegenüber den «neuen Grünen»?
Ich war von Anfang an gegen die Abspaltung der Grünliberalen von den Grünen. Und es würde mich sehr freuen, wenn es irgendwann wieder zum Zusammenschluss kommen würde. Damit würden auch die innerparteilichen Auseinandersetzungen wieder etwas lebhafter. Es hat mich schon zu meiner Zeit gestört, wenn Mitgliederversammlungen wie ein Gottesdienst abgelaufen sind. Es darf doch auch einmal krachen in einer Partei. Ausserdem braucht die Schweiz nicht noch eine Kraft, die das rechte Lager stärkt, wie das die Grünliberalen nun tun. Die Rechten haben ohnehin seit 150 Jahren in der Schweiz die Mehrheit.

Man könnte das Argument auch umdrehen: Die Grünliberalen sind nur so stark, weil die Grünen zu links sind.
Das glaube ich nicht. Schauen Sie sich all die Grünen Stadt- und Regierungsräte an: Finden sie darunter einen, der zu links ist? Es sind im Gegenteil eher pragmatische Leute, die sich wunderbar in die Konkordanzdemokratie einfügen.

Auf Bundesebene ist der Schritt in die Regierung allerdings noch nicht gelungen. Müssen die Grünen einen Bundesratssitz bekommen?
Es ist schon sehr interessant, dass sich in der Schweiz alles Interesse immer darum dreht, wer nun im Bundesrat sitzt und wer nicht. Mir wäre es viel lieber, man würde das Regierungssystem einmal grundsätzlich überdenken. Gerade bei so vielen Kleinparteien wäre es möglicherweise klug, sich von der Konkordanz zu verabschieden und eine vernüftige Koalitionsregierung zu bilden. Es wäre momentan zwar eine Mitte-rechts-Koalition, aber mit der Aussicht, dass es einmal wechselt. Das könnte die Politik beleben. Und dass dann je nach Konstellation auch Grüne in den Bundesrat einziehen würden, liegt auf der Hand.

Sie meinen also, Rot-Grün würde mit einem Oppositionskurs längerfristig besser fahren?
Darauf kommt es mir gar nicht an. Die Schweizer Konkordanz besteht doch nur noch auf dem Papier, weil jeder Bundesrat hinter dem Rücken der anderen seine Spiele spielt. Das kann längerfristig nicht funktionieren. Da wäre es doch eine Option, Koalitionen zu bilden. Mich würde das jedenfalls mehr interessieren als die ewigen Streitereien um die Bundesratssitze. Da werden am Ende immer die Zahmsten gewählt, was die Schweiz nicht voranbringt.

Ein Wechsel des Regierungssystems ist aber nicht mehrheitsfähig.
Wenn das heutige System noch weitere hundert Jahre bestehen bleiben soll, dann wäre es natürlich höchste Zeit, dass die Grünen an der Regierung beteiligt werden. Und in diesem Fall braucht es selbstverständlich eine grüne Bundesrätin.

Einige Wählerprozente mehr würden da helfen. Oft wird jedoch kritisiert, dass die Grünen unter Ueli Leuenberger weit nach links gerutscht sind und ihr Wähler potenzial in der Mitte nicht ausschöpfen können.
Diese Einschätzung teile ich nicht. Ueli Leuenberger macht einen guten Job. Ich bin froh, dass er die sozialen Anliegen hochhält und sich nicht einschüchtern lässt von jenen Jungen, die unter einer populistischen, rechtsnationalistischen und anti-europäischen SVP aufgewachsen sind – und nun finden, dieser Weg habe Zukunft.

In den Achtzigerjahren war es Tschernobyl, jetzt Fukushima: Brauchen die Grünen Umweltkatastrophen, um Wähler zu gewinnen, weil sie sonst wenig zu bieten haben?
Jede Partei profitiert, wenn gerade eines ihrer Kernthemen aktuell ist. Dass die Grünen ausser Umweltpolitik nichts zu bieten hätten, ist aber falsch. Das grüne Personal ist im Vergleich zu jenem der anderen Parteien bestimmt nicht schlechter. Mit Verlaub, aber gewisse Leute, die für die SVP ins Parlament geschwemmt wurden, triefen ja richtiggehend vor Unfähigkeit. Das gibt es bei den Grünen nicht. Und sie haben ein grosses Reservoir an fähigen Nachwuchspolitikern. Man müsste diese halt einfach wählen.

Trotzdem, gerade auf Bundesebene wird den Grünen immer wieder ein Mangel an Sachkompetenz vorgeworfen, nicht zuletzt von der SP.
Dass die SP gutes Personal hat, gerade auch in Umweltthemen, will ich nicht bestreiten. Die Sozialdemokraten sind aber im Bundesrat vertreten und haben dadurch immer einen Informationsvorsprung und können einfacher Koalitionen schmieden. Bei den Grünen ist das anders: Als Partei mit im Moment noch weniger als zehn Prozent Wähleranteil, die keinen Bundesrat hat, ist es ihre Aufgabe, auch einmal 100 zu sagen, wenn eigentlich nur 50 gemeint wären.

Wäre es nicht viel gescheiter, wenn das links-grüne Lager konsequent am gleichen Strick ziehen würde?
Schon, aber im eidgenössischen Parlament ist nun einmal jeder ein Egoist, sonst hätte er es nicht bis ins Bundeshaus geschafft. Ich nehme mich da nicht aus. Dass in der Politik die Ellbogen eingesetzt werden, ist völlig normal. Als Grüner der SP da einen Vorwurf zu machen, wäre falsch. Die SP macht einen guten Job, und ich bin froh, dass es in ihren Reihen immer noch Leute gibt, die aktiv den EU-Beitritt fordern. Und die Jungstars, welche die SP hat, sind doch das Beste, was einer Partei passieren kann.

Aber gerade diese Jungen in der SP machen gerne durch Provokationen auf sich aufmerksam. Die Grünen gehen da bedächtiger vor. Sollten Sie sich nicht besser verkaufen?
Vielleich bräuchte es wieder einmal einen Generationenwechsel bei den Grünen. Die Sesselkleber und Ämterkumulierer, die es leider in allen Parteien gibt, sind sehr schädlich. Wenn jemand nach zwölf Jahren im Parlament noch nicht gesagt hat, was er zu sagen hat, dann wird es fürs Publikum langweilig. Es gibt so viele Jungtalente, die auch einmal zum Zug kommen sollten.

Sie selber sind nach zwölf Jahren als Nationalrat zurückgetreten und leben seit zehn Jahren in Frankreich. Haben Sie da als Grüner keine Gewissensbisse?
Wieso sollte ich?

Weil Frankreich zu 80 Prozent von Atomenergie abhängig ist.
Ich beziehe meinen Stom von den Sonnenkollektoren auf meinem Scheunendach. Aber das Problem der Abhängigkeit vom Atomstrom ist in Frankreich natürlich noch weit schwieriger zu lösen als in der Schweiz. Vor allem auch, weil die französischen Sozialisten und die Gewerkschaften von Anfang an für die Atomkraftnutzung waren, im Gegensatz zu jenen in der Schweiz.

Wie schätzen Sie denn die Chancen ein, dass die Schweiz den Atomausstieg schaffen wird?
Wenn sie diesen Schritt jetzt nicht endlich schafft, würde ich wohl endgültig an der Daseinsberechtigung der direkten Demokratie zweifeln. Schliesslich macht man sich mittlerweile bis weit ins bürgerliche Lager hinein Gedanken zu diesem Thema. Sollten das alles nur leere Worte sein, würden viele Bürgerlichen wohl auch noch den letzten Rest an Glaubwürdigkeit einbüssen.

Sie scheinen aus der Distanz einen ü
beraus kritischen Blick auf ihre Heimat zu haben.

Das Land hat unter der Herrschaft der Milliardäre und der rechtsnationalitischen Populisten gelitten. Offen gestanden wird mir Angst und Bange, wenn ich mir die Schweiz anschaue. Meine einziger Lichtblick ist, dass der unfähigste Bundesrat, den wir je hatten, abgewählt wurde. Ich hoffe, dass die Schweiz noch rechtzeitig zur Einsicht kommt, dass Abschottung zu nichts führt. Immer wieder Nein zur EU zu sagen, ist keine zukunftsweisende Haltung.

Sie schlagen ordentlich auf die SVP ein.  Dabei waren Sie ja auch mal Mitglied.
Das ist eine alte Geschichte: Meine Familie ist seit Generationen in der Landwirtschaft tätig und war natürlich in der Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei, der Vorläuferin der SVP. Ich selbst habe mich immer als Linken gesehen, aber als ich Sekretär auf der bernischen Landwirtschaftsdirektion wurde, gehörte es eben dazu, in die SVP einzutreten. Ich war aber nie besonders parteipolitisch aktiv. Allerdings war ich drei Jahre für die SVP im Gemeinderat von Grossaffoltern. Als meine Frau in die SP eintrat, ist die Situation eskaliert. Ich bin dann eben 1985 ausgetreten und habe im Berner Seeland geholfen, die Grünen zu gründen.

Und als Grüner haben sie sich stehts für den EU-Beitritt ins Zeug gelegt.
Zu Recht. Ich finde es furchtbar, wie sich die Schweiz gegenüber der EU verhält. Denn sie ist ein einmaliges Friedensprojekt in Europa – und die einzige Chance des Kontinents, im Konzert der Weltmächte mitzuspielen. Die Schweiz hat von der EU profitiert, ohne etwas dafür getan zu haben. Wenn ich nun höre, dass die Personenfreizügigkeit gekündigt und das menschenverachtende Saisonnierstatut wieder eingeführt werden soll, dann finde ich das einfach unwürdig. Aber mit dieser Haltung stosse ich in der heutigen Schweiz offenbar auf wenig Verständnis.

Mittlerweile gibt es aber auch Grüne, welche die Personenfreizügigkeit mit der EU wieder einschränken wollen.
Das ist doch völlig neben den Schuhen. Natürlich gibt es auch Probleme mit dem Bevölkerungswachstum, etwa die zunehmende Zersiedelung. Aber dafür einmal mehr die Ausländer verantwortlich zu machen, ist doch haarsträubend. Und ihnen vorzuwerfen, sie würden die Züge zwischen Zürich und Bern verstopfen, grenzt an einen Skandal. Wenn ich als Schweizer hier in Frankreich solche Töne hören würde, wäre ich wohl längst wieder gegangen.

Dann fühlen Sie sich also wohl in der Wahlheimat Frankreich.
Wir fühlen uns sogar sehr wohl und sind mittlerweile auch Franzosen. Damit sind wir – endlich – Bürger der Europäischen Union.

Aber als Doppelbürger werden Sie am 23. Oktober auch in der Schweiz wählen, oder?
Selbstverständlich. Wir stimmen auch regelmässig ab und ärgern uns, wenn das Schweiz mal wieder falsche Entscheidungen trifft. Aber eigentlich wundert mich das nicht mehr.

Wie meinen Sie das?
Nehmen wir die Parteienfinanzierung. Es ist ein Skandal, wie die Demokratie in Helvetien mit geheimen Zahlungen manipuliert wird. Wenn etwa Grossbanken, Pharmaindustrie und andere Geldgeber die bürgerlichen Parteien schmieren. Das ist in der EU und allen anderen demokratischen Staaten untersagt . Nicht, dass es sonst nirgends gemacht würde, aber es ist wenigstens verboten und wird streng geahndet.

Interessanterweise ist es in der Schweiz derzeit aber kein Linker, sondern der SVP-Nationalrat Lukas Reimann, der gegen die Intransparenz kämpft.
Linke und Grüne haben immer wieder ähnliche Vorstösse gemacht. Wir können für uns in Anspruch nehmen, dass wir bereits in den achziger Jahren im Kanton Bern eine Transparenz-Initiative lanciert haben. Und wir wollten mehr als der Schlaumeier Reimann. Ihm geht es ja nur um Mandate der einzelnen Parlamentarier. Aber was nützt dort Transparenz, wenn ganze Parteien nach wie vor von geheimen Geldgebern finanziert werden und abhängig sind?

Aber es ist doch ein Schritt in die richtige Richtung?
Die Initiative ist ungenügend, aber ja, es ist gut, dass er wenigstens etwas macht. Mal sehen, ob ihn seine Partei dabei unterstützen wird? Meiner Meinung nach sollte sich die Transparenz aber nicht nur auf die Politik beschränken. Schon als Nationalrat war ich beispielsweise für die Offenlegung der einzelbetrieblichen Direktzahlungen in der Landwirtschaft. In der EU übrigens eine Selbstverständlichkeit. Es geht nicht an, dass millionenschwere Grossbauern noch Subventionen bekommen, von denen niemand etwas weiss. Doch damit kam ich nie durch.

Woran liegt das?
Das Volk glaubt nicht, dass man wirkliche Transparenz schaffen kann. Für mich haben auch die Medien Schuld daran. Sie sind zahm und brav und geben sich damit zufrieden, der SVP nachzuplappern, weil die ja so erfolgreich ist – dank ihrer Millionen natürlich. Und es dürfte eigentlich auch nicht sein, dass mit Johann Schneider-Ammann nun schon der zweite Multimillionär in der Regierung sitzt.

Was haben Sie denn gegen Johann Schneider-Ammann?
Nichts, er ist ein anständiger Mann. Aber er ist ohne politischen Leistungsausweis in den Nationalrat gewählt worden – einfach, weil er das Geld für eine grosse Kampagne hatte. Das ist doch keine Demokratie mehr.

Dass die SVP viel Geld hat, ist ja kein Geheimnis. CVP und FDP hingegen klagen über leere Kassen.
Das glaube ich gern. Es hat vor allem mit deren Wankelmütigkeit und Profillosigkeit zu tun. Aber vielleicht bräuchte es eine staatliche Parteienfinanzierung. Das würde der Politik etwas Glaubwürdigkeit zurückgeben.

Apropos Glaubwürdigkeit: Sie leben und produzieren als Biobauer unter den Franzosen, die es ja nicht so mit dem Umweltschutz haben.
Diesbezüglich haben die Franzosen grosse Fortschritte gemacht. Es gibt beispielsweise mehr Hecken und naturnahe Wiesen als in der Schweiz, weil hier weniger intensiv bewirtschaftet wird. Verglichen damit hat die Schweiz einen Quadratmeternaturschutz.

Gibt es in der Gascogne, wo Sie leben, denn viele Biobauern?
Als wir vor zehn Jahren herkamen, nur sehr wenige. Inzwischen hat sich das verbessert. Durch staatliche Förderung ist die Anzahl Biobauern allein im letzten Jahr um 25 Prozent gestiegen.

Was produzieren Sie eigentlich?
Wir haben einen sehr einfachen Betrieb und bauen hauptsächlich Getreide, Sonnenblumen und Bohnen an. 20 Hektaren sind Dauerwiesen, inzwischen die schönsten Orchideenwiesen in ganz Frankreich, wenn ich ein bisschen angeben darf. Wir haben 28 verschiedene Wildorchideenarten hier. Das gibt es in der Schweiz wahrscheinlich nicht mehr.

Tiere halten Sie nicht?
Nein, wir haben einen viehlosen Ackerbaubetrieb und sind dadurch viel unabhängiger. Wir verkaufen das anfallende Oeko- und Luzerneheu an umliegende Tierhalter. Unser jüngster Sohn, der in der Schweiz unseren Hof übernommen hat, hält Tiere. Damit er und seine Familie auch mal in die Ferien können, kümmern wir uns hin und wieder um den Hof in der Schweiz.

Mit Ruedi Baumann sprachen Sermîn Faki und Simon Fischer

Geld und Politik

Posted in Politik by ruedibaumann on April 28, 2011

Es war noch vor dem Swissair Grounding. Die Schweizerische Bankiervereinigung hatte die Parlamentarier in den noblen Salon Rouge des Hotels Bellevue zu ihrer Lobbyveranstaltung geladen. Frau Spörry, Ständerätin vom Kanton und Bankenplatz Zürich und damals noch hochangesehene mehrfache Verwaltungsrätin zahlreicher Grossunternehmen präsidierte die gut besuchte Veranstaltung. In der Diskussionsrunde nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und bat die anwesenden CEOs von UBS und CS in aller Freundlichkeit um öffentlich Auskunft darüber, warum die beiden Grossbanken seit Jahren die bürgerlichen Parteien massiv finanziell unterstützen und warum denn die Grünen und Sozialdemokraten für ihren Einsatz zu Gunsten der schweizerischen Demokratie nichts erhalten würden…. (die Rede war damals von jährlichen Beiträgen in Millionenhöhe an SVP, FDP, CVP und Liberale, aber so genau wussten und wissen das offenbar nur wenige….).
Ich war damals Präsident der Grünen, – immerhin die grösste Nichtregierungspartei der Schweiz-, und wir mussten unsere Schulden abstottern, die wir mit der Lancierung unserer Doppelinitiative zur oekologischen Steuerreform aufgehäuft hatten. Das ging so weit, dass wir uns monatelang keinen Parteisekretär mehr leisten konnten und auch keinen roten Rappen in für Abstimmungsinserate zur Verfügung hatten!

Auf meine Frage ging ein feindseliges Raunen durch die Reihen der Parlamentarier und anderer Wirtschaftsvertreter und mir wurde sofort klar, dass ich in meiner Naivität so etwas wie einen kapitalistischen Gottesdienst gestört hatte. Frau Spörry wies mich mit scharfen Worten zurecht: hier sei jetzt wirklich nicht der Ort, über Parteien- und Abstimmungsfinanzierung zu reden. Selbstverständlich bekamen wir auch von den hochrangigen Bankenvertretern weder damals noch später eine Antwort.

Einige Jahre danach muss das Parlament in einer Hauruckübung die UBS mit sechzig Milliarden Schweizerfranken vor dem Konkurs retten. Trotzdem verhindert die Mehrheit des Parlamentes gegenwärtig erfolgreich, dass endlich etwas gegen die Abzockermentalität der Banker unternommen wird. Die geheimen Schmiergeldzahlungen an bankenhörige Parteien und auch die exorbitanten Beiträge an Bei- undVerwaltungsräte ihrer Mitglieder gehen weiter.
Wer zahlt befiehlt!

Die Schweiz ist zu recht stolz auf ihre direkte Demokratie. Nur können leider Wahlen und Abstimmungen heutzutage mit viel Geld und polemisch-populistischen Behauptungen fast beliebig manipuliert werden, so lange keine Transparenz herrscht. Die SVP hat für die nächsten nationalen Wahlen im Herbst dank einiger Grossspender für Propaganda schätzungsweise achzig mal mehr Geld zur Verfügung als die Grüne Partei. Das Gleiche gilt bei Volksabstimmungen: mit viel Geld und Marketing werden falsche Behauptungen aufgestellt und den Leuten eingehämmert. Mobilisierung der eigenen Wählerschaft nennt man das heute. Economiesuisse kann aufgrund der Umfrageergebnisse im Vorfeld von Volksabstimmungen jeweils rechtzeitig so viel Geld in den Abstimmungskampf stecken, dass in aller Regel ihr gewünschtes Resultat erzielt wird.

Von Egalité ist die Schweizer Demokratie aber mit dieser intransparenten Art der Politfinanzierung immer weiter entfernt. Die Demokratie braucht ehrliche Information und gleich lange Spiesse. Die meisten europäischen Staaten sind diesbezüglich viel transparenter und demokratischer als die Schweiz.

Übrigens: wir Grüne haben wegen der millionenschweren Abstimmungspropaganda der Atomlobby auch unsere Initiativen zur Förderung der erneuerbaren Energien und zum Ausstieg aus der Kernenergie knapp verloren.
Vielleicht verhilft jetzt erst die atomare Katastrophe in Japan zu später Einsicht?

Green Day

Posted in Politik by ruedibaumann on März 28, 2011

Die richtige Antwort an die Atomfritzen: Nicht schwarz malen, grün wählen!
Gratulation an die Grünen in Baden-Württenberg, Rheinland-Pfalz und Baselland!

Jetzt nur nicht übermütig werden… weiterarbeiten!
Zum Beispiel: Kartoffel setzen, Rübli säen, Tomatensetzlinge ziehen….

Grün-Rot im Glück

Atomausstieg

Posted in Politik by ruedibaumann on März 26, 2011

Wir zählen uns zu den Atomkraftwerkgegnern der ersten Stunde. Seit den achziger Jahren im letzten Jahrhundert (!) haben wir an unzähligen Aktionen, Unterschriftensammlungen, Abstimmungen, Demonstrationen und Diskussionen gegen die Atomlobby teilgenommen. Es hat alles nichts oder fast nichts genützt!
Immerhin konnte der Bau von weiteren Atommeilern verhindert werden (Kaiseraugst, Verbois, Graben)!
Wir haben aber auch im Rahmen unserer Möglichkeiten laufend in alternative Energien investiert:
1975: Stückholzzentralheizung installiert
1983: Installation Kleinwasserkraftwerk in alter Oele und Stromeinspeisung
1986: Fenster mit Isolierverglasung und Hausisolation
1990: Solarpanel (24m2) zur Warmwasserproduktion
2005: Holzpelletsheizung installiert
2009: Photovoltaikanlage auf Stalldach (80m2) mit Stromeinspeisung ins öffentliche Netz

Wir produzieren heute drei mal mehr Strom als wir selber brauchen und verdienen noch Geld damit!

Selbst die Atomkatastrophe von Tschernobyl (die Cäsiumwerte in unserem Bioweidefleisch waren damals bedrohlich angestiegen!) hat bei den bürgerlichen Parteien in der Schweiz zu keinem Umdenken geführt. SVP, FDP, CVP und der Bauernverband setzten stur auf Atomkraft und haben die Förderung der Alternativenergien nicht nur sträflich vernachlässigt sondern aktiv behindert!

Und jetzt nach dem Gau in Japan: man müsse zuerst abklären, was genau passiert sei, und eine Auslegeordnung machen, und keine Schnellschüsse und Zeit gewinnen…sagen die ÄssvoupeeFDPCVPundBauernverbandsverwaltungsräte der Atomkraftwerke!

Es ist zum Heulen und zum Davonlaufen!

Photovoltaik in diesem Blog

Die braune Gefahr

Posted in Politik by ruedibaumann on März 24, 2011

Der Front National (FN) in Frankreich ist von seinen politischen Inhalten her zu vergleichen mit der Schweizerischen Volkspartei (SVP). Im Vordergrund dieser rechtsextremen, nationalistischen Parteien steht der Kampf gegen alles was vom Ausland kommt, gegen alles Fremde, gegen Asylbewerber bis hin zu offenem Rassismus.
Gleich wie die SVP wird der Front National von einer einzigen Person bzw. Familie dominiert und autoritär geführt. Was für die SVP der Blocher, ist für den FN die Familie LePen (während Jahrzehnten der Vater, jetzt die Tochter).

Bei den Kantonalwahlen vom letzten Wochenende haben viele von der Sarkozy-Regierung entäuschte Franzosen ihre (Protest-) Stimme dem Front National gegeben (15%). In 22 von den insgesamt 100 französischen Departementen erreichte die extreme Rechte sogar über 20%! Wie die Übersichtskarte zeigt, konzentrieren sich die rechten Erfolge vor allem auf Ostfrankreich. Unser ländliches Departement Gers im Südwesten zählt beispielsweise nur 2,35% FN-Wähler (zum Glück!).


Source Le Monde, 23 mars 2011

Nächsten Sonntag findet nun bei den Kantonalwahlen der zweite Wahlgang statt. Das Wahlsystem lässt im zweiten Wahlgang nur Parteien zu, die im ersten Wahlgang mindestens 12% erreicht haben. Das führt dazu, dass in den meisten Kantonen nur noch zwei Parteien zur Entscheidung antreten können (nur hin- und wieder sind es drei, – man spricht dann von „triangulaire“-, oder vier Parteien). Die im ersten Wahlgang ausgeschiedenen Parteien können sich mit Wahlempfehlungen für die „Finalisten“ aber einen gewissen politischen Einfluss aufrechterhalten.

Diese Wahlempfehlungen haben nun bei der regierenden und oft geschlagenen UMP zu grossen Spannungen geführt.

Anders als in der Schweiz ist in Frankreich keine Partei bereit die Rechtsextremen direkt zu unterstützen. Aber mit einer Empfehlung von Sarkozy, bei den zahlreichen Duellen PS – FN weder PS noch FN („ni PS und ni FN“) zu wählen, gewährt er zumindest eine Art indirekte Unterstützung für die Rechtsextremen. Premierminister Fillon hat sich im Gegensatz zu Sarkozy sofort dafür ausgesprochen „republikanisch“ zu wählen, das heisst in jedem Fall den sozialistischen Kandidaten gegenüber dem FN vorzuziehen. Etwas das die Sozialisten ja bekanntlich mit einer Empfehlung für die Wahl von Chirac vor Jahren auch klar gemacht haben.

Ich hoffe und gehe davon aus, dass die Französinnen und Franzosen vernünftig wählen werden und der Front National keinen oder höchstens einige wenige der über 4000 Kantone gewinnen wird. Man ist sich der braunen Gefahr in der Grande Nation schon sehr bewusst! Heureusement!

Cantons français

Cantonales

Posted in Politik by ruedibaumann on März 21, 2011

Zusammenfassend lässt sich über die erste Runde der Kantonalwahlen in Frankreich folgendes sagen:
Schlechte Stimmbeteiligung, nur 45% haben sich an die Urnen bemüht (…citoyen aux urnes!)
PS en tête 25%!
Sarkozys UMP erleidet grosse Verluste, kommt nur noch auf 17%
Beängstigend viele FN-Stimmen 15%
Gutes Resultat der Grünen (Europe Ecologie Les Verts) 8%

Für die zweite Runde nächsten Sonntag muss gelten: Keine Stimme für die rechtsnationalistischen Le Pens!

Resultate

Bei uns im Canton Saramon ist bereits im ersten Wahlgang alles entschieden:

Gewählt ist Jean-Pierre Salers (PS)

Die Resultate von Traversères:

Stimmbeteiligung 68%
Parti socialiste 47%
Ecologiste 34%
Communiste 18%