Dorfmärit
Jeden Freitagmorgen findet in unserem Nachbardorf Seissan ein sympathischer Dorfmarkt statt. Hier gibt es alle Produkte direkt ab Hof, Gemüse, Früchte, Wein und Brot, einfach alles für den täglichen Bedarf, und noch viel mehr…
Aber in erster Linie ist es auch ein Treffpunkt für die BewohnerInnen der weit verstreuten Einzelhöfe.
Convivialité française eben, trotz Wirtschaftskrise und chômage…
Stromausfall…
Mit Stromausfall gehen wir inzwischen schon ziemlich gelassen um. Erstens weil das ziemlich oft vorkommt und zweitens, weil wir mit einem kleinen Stromgenerator die wichtigsten Haustechnikgeräte in Betrieb halten können. Die Frage stellt sich jeweils nur, was sind die wichtigsten Geräte? Heizen kann man auch mit dem Cheminée ohne Umwälzpumpe, der Tiefkühler ist inzwischen gut isoliert, Lesen bei Kerzenlicht? kalte Mahlzeit? IPhone funktioniert einen Tag auch ohne Strom, auf TV kann man gut verzichten… Kurz: das Wichtigste und damit unverzichtbar ist inzwischen… der Internetempfang 😉
Während die ERDF-Monteure arbeiten, übernimmt der kleine Generator die (Not-)Stromversorgung.
Nach fünf Stunden ist der Schaden (eine Starkstromleitung ist zerrissen) schon behoben.
Dass es auch anders geht beweisen die Zwei: https://auswandererblog.ch/?s=Marc+et+Lotti
Das ist ein Kunstwerk…
Ja gut, vorher war es ein Solarinverter, ein Wechselrichter für unsere Photovoltaik-Anlage, ein Moduleur wie die Franzosen sagen. Dann kam der verhängnisvolle 8. August und ein heftiges Gewitter mit Blitzschlag und einer „Sûrtension“ (Hochspannung) im ganzen Haus und vielen beschädigten Haushaltgeräten… Der Wechselrichter war leider auch etwas beschädigt und arbeitete nur noch zu zwei Drittel. Weil die kleine Solarinstallationsfirma die unsere Photovoltaikanlage vor vier Jahren installiert hatte leider nicht mehr existiert, haben wir uns für die Reparatur direkt mit dem Hersteller Sunways Solar in Deutschland in Verbindung gesetzt. Da wurde uns mitgeteilt, dass die Firma im Konkursverfahren stecke und keine Ersatzteile mehr geliefert werden können…
Wohl oder übel mussten wir nun einen nigelnagelneuen Wechselrichter (diesmal von ABB) installieren lassen (Kostenpunkt 3966 €). Die Versicherung klärt nun seit mehr als drei Monaten ab, ob sie sich allenfalls auch an den Kosten beteiliegen wolle…
Und der leicht beschädigte Solarinverter dient nun als modernes Kunstwerk in unserer guten Stube!
An der Atlantikküste…
…ist es zur Zeit 29°C und es wird gesurft, gebadet und gewandert…
… hier im Baskenland bei Saint-Jean-de-Luz.
Netz Natur
Um die Libellen und Frösche auf einem unserer Teiche ganz aus der Nähe zu fotografieren habe ich ein Floss gebastelt…
Das Resultat der Zeitrafferkamera demnächst in diesem Theater… 😉
Tricolore auf Halbmast
Präsident Hollande hat wegen dem Flugzeugabsturz in Mali, an dem 54 Französinnen und Franzosen ums Leben gekommen sind, die Fahnen an allen öffentlichen Gebäuden für drei Tage auf Halbmast setzen lassen (drapeau en berne, deuil national).
Frankreich wäre nicht Frankreich, wenn auch dieser Entscheid des Präsidenten nicht ausführlich und leidenschaftlich diskutiert würde. Ist die Massnahme nicht übertrieben? Was ist mit den viel mehr Toten im Strassenverkehr? Will der Präsident mit der Massnahme politisches Kapital schlagen und von allen anderen gravierenden Problemen ablenken?
Die Stimmung im Lande ist schlecht. Die Wirtschaftszahlen wollen und wollen nicht ansteigen und die Arbeitslosigkeit verharrt auf hohem Niveau. Die Getreidebauern klagen über das schlechte Erntewetter und die Früchte- und Gemüsebauern über die Billigkonkurrenz aus Spanien und Marokko. Die Kulturschaffenden protestieren gegen die Reformen in der Arbeitslosenunterstützung und haben damit etliche Sommerfestivals an den Rand des Ruins getrieben.
Dabei ging mit der Tour de France eben eine Begeisterungswelle durchs Land, weil endlich nach dreissig Jahren wieder zwei Franzosen auf dem Podium in Paris standen.
Trotz allen Widerwärtigkeiten ist halb Frankreich „en fête“, es wird gefeiert, getrunken, gegessen und die Autobahnen sind wie eh und je verstopft, weil alle, wirklich alle in die Ferien fahren!
C’est la vie!
Was wäre wenn…
…und trotzdem kann ich mir ein Leben ohne Internet in der französischen Provinz kaum mehr vorstellen! Wenn wir nach einem heftigen Gewitter wieder mal kein Netz haben fahren wir schon bald einmal zu nächsten Hotspot um unsere Mails herunterzuladen.
Netzgeschädigte grüne Auswanderer?
Allez les Bleus!
Wenn es schon die Multikulti-Schweizer nicht geschafft haben, vielleicht gelingt es heute Abend den Franzosen: Vorstoss ins Halbfinal…
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Fin du rêve…. Allemagne – France 1 : 0
Zehn Etappen zu einem französischen Pass…
Weil mein alter Schweizerpass abgelaufen ist, habe ich mich entschlossen, einen neuen französischen Pass zu erwerben. Schliesslich bin ich seit sieben Jahren stolzer Europäer. Gesagt getan. Auf unserer kleinen Marie wurde mir beschieden, dass ein biometrischer Pass nur auf der Marie unserer Hauptstadt Auch ausgestellt werden könne. Unser Gemeindepräsident höchst persönlich hat sich dort erkundigt und mir eine Liste der erforderlichen Dokumente ausgehändigt.
Pflichtbewusst habe ich mir die notwendigen Dokumente und Passfotos beschafft: décret de naturalisation, justificatif de domicile récent, nom, date, lieu de naissance des parents, pièce d’identité usw..
Einigermassen erstaunt war ich über die Bestimmung, dass ich für das vereinbarte Rendez-vous auf der Mairie in Auch auch für 86 euros „timbre fiscaux“ mitbringen müsse. Diese seinen in einem Tabaklädeli (bureau de tabac) zu besorgen. Der erste diesbezügliche Tabakladen den ich zu diesem Zwecke aufgesucht habe, war leider in Sachen „timbre fiscaux“ ausverkauft: „On a plus, malheureusement!“
Beim Zweiten wurden mir diese schönen Marken einzeln und fein säuberlich in einem kleinen Plastketui verpackt überreicht. Bezahlen konnte ich allerdings nicht wie sonst gang und gäbe mit der Kreditkarte sondern nur in bar oder mit einem chèque, ausgestellt zu handen des trésor publique.
Voll ausgerüstet mit Timbre, Originalakten und Passfotos vom spezialisierten Fotografen traf ich zum vereinbarten Termin bei der zuständigen strengen Beamtin im Erdgeschoss des beeindruckenden Hotel de ville am Place de la liberation ein.
Platz nehmen und warten.
Dann übertrug die Beamtin meine umfangreichen Angaben auf den Originalakten fein säuberlich und handschriftlich in ihren grossen Formularbogen ein. Dazwischen wurden meine vier Finger der linken und dann diejenigen der rechten Hand auf einem kleinen Registriergrät auf ihrem Pult eingelesen. Schliesslich geht es um einen biometrischen Pass.
Nachdem auch die Passfotos mit einem speziellen Gerät ausgeschnitten und mit einer Spezialfolie auf das Formular geklebt wurden, waren nun die timbre fiscaux gefragt. Einzeln, mit UHU-Kleber haftbar gemacht, kamen diese auf die genau definierten Aussparungen auf dem wichtigen Formular. Jetzt wurde das ganze noch abgestempelt und dreifach unterschrieben…. und schlussendlich eingescannt für die nächst höhere Stelle, die für die Gewährung eines französischen Passeports zuständig ist….
Persönlich abzuholen im Hotel de ville, Erdgeschoss, in etwa zehn Tagen mit den erhaltenen Belegen nach vorheriger telefonische Anmeldung…
Hat da jemand etwas von Bürokratie gesagt?



















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