AUSWANDERERBLOG

Chinas neuer Exportschlager: Bauern!

Posted in Agrikultur by ruedibaumann on Dezember 29, 2008

In China leben mehr als 20% der Weltbevölkerung, aber China verfügt gleichzeitig nur über 7% der weltweiten Ackerfläche. China hat zuviel Leute und zuwenig Land. Darum hat man sich gesagt, statt Nahrungsmittel nach Afrika zu exportieren, lassen wir besser unsere Bauern direkt in Afrika arbeiten. Das hat dazu geführt, dass inzwischen 750 000 Chinesen vorübergehend oder ständig in Afrika beschäftigt sind. Eine eigentliche win-win Situation. Nach Ansicht eines chinesischen Bauern sind zudem gewisse Afrikaner ein bisschen träge und glücklicher, wenn sie Früchte direkt vom Baum ernten können, als mühsam Bäume gross zu ziehen…
Das jedenfalls steht heute im Independent.
Vielleicht kommen die Dörrbohnen für die Bernerplatte bald nicht mehr aus China, sondern aus Afrika…

Zerstückelung

Posted in Agrikultur by ruedibaumann on Dezember 23, 2008

In meiner schweizerischen Heimatgemeinde Grossaffoltern haben wir in den Jahren 1978 bis 1998 eine Güterzusammenlegung durchgeführt um die extreme Parzellierung der 70 Landwirtschaftsbetriebe zu korrigieren und den Bauern effizientere Produktionsbedingungen zu gewährleisten. Insgesamt wurden für diese Melioration (inklusive Wegebau und Gewässerkorrekturen) rund 20 Millionen Sfr. investiert, das heisst rund sfr. 20’000.- pro Hektare oder rund 150’000 sfr. pro durchschnittlichen Landwirtschaftsbetrieb.
Inzwischen sind schon wieder zehn Jahre vergangen. Rund 25 Betriebe sind inzwischen dem sog. Strukturwandel zum Opfer gefallen, die verbleibenden weniger als 50 Bauern konnten zum Teil ihre Höfe vergrössern. Der Wegebau und die naturnahen Wasserläufe haben sich bewährt.
Leider hat das zahnlose und wenig wirksame bäuerliche Boden- und Pachtrecht dazu geführt, dass die Zerstückelung der Höfe wieder so zugenommen hat, als hätte gar nie eine Güterzusammenlegung stattgefunden! In sehr vielen Fällen werden die frei werdenden Flächen nicht dem Nachbar verpachtet oder verkauft, sondern einem Dritten, der kilometerweite Wegstrecken in Kauf nimmt, nur um seinen Betrieb zu vergrössern. Und jetzt kreuzen sich die Bauern in ihren grossen Traktoren wieder auf den verstopften Strassen, stehen vor Bahnübergängen oder Ampeln und beklagen sich über Freihandelsverträge mit der EU….
In Frankreich gibt es vernünftige Kriterien bei Landverkäufen oder Landverpachtungen. Wir bewirtschaften in Frankreich 70 ha rund um unsere Hofgebäude und wenn ein Nachbar Land verkaufen oder verpachten will, gibt es klare Kriterien wer berücksichtigt wird. Und es herrscht absolute Transparenz, weil jeder Landverkauf oder jede Landverpachtung vorgängig publiziert werden muss.

Es scheint, dass man in der Schweiz lieber über Wettbewerbsnachteile klagt, statt sie zu beheben.!

Blick vom Jäissberg auf das Seeland

Schöner Ausblick vom Jäissberg auf das zerstückelte Seeland

Le bonheur est dans le pré

Posted in Agrikultur by ruedibaumann on Dezember 9, 2008

Morgen Mittwoch, Radio Suisse Romande, im Rahmen der Sendung „Rien n’est joué“, im Gespräch mit Madeleine Caboche (sofern bis dann die Bundesratswahlen vorüber sind…) um 10:00 Uhr (auf französisch):

Portrait de Ruedi Baumann, un homme qui n’a pas peur de se remettre en question.

Politicien, écologiste et président de parti, Ruedi Baumann est avant tout un homme de la terre.

Après des années d’engagement au sein du parti écologiste, il quitte sa terre bernoise pour une ferme dans le Sud-Ouest de la France.

Ancien président du Parti écologiste suisse, Ruedi Baumann est né en 1947 à Suberg (canton de Berne), où il exploite sa propre ferme.

Ingénieur agronome de l´Ecole polytechnique fédérale de Zurich, il a été conseiller communal, puis membre du Grand Conseil bernois. Siégeant au Conseil national au titre du Parti écologiste, dont il est élu président en 1997, il copréside également l´Association suisse des petits et moyens paysans.

Partisan de l´adhésion de la Suisse à l´Europe, il prône la lutte contre le génie génétique, une réforme fiscale écologique et l´encouragement aux énergies renouvelables.

En 2001, il démissionne de la présidence de son parti et part se mettre „au vert“ dans le Sud-Ouest de la France.

Qui n’a pas rêvé de tout quitter pour vivre libre, hors du temps, dans une campagne idyllique? Ruedi Baumann l’a fait. A présent Suisse de l’étranger, il continue de suivre avec intérêt la politique suisse et européenne.

Bild RSR

Brüsseler Spitzen

Posted in Agrikultur by ruedibaumann on November 20, 2008

Die EU-Landwirtschaftsminister haben (wieder mal) eine Reform der europäischen Landwirtschaftspolitik für die nächsten Jahre beschlossen. Ich bin gespannt, wie sich diese auf unseren Betrieb in Frankreich auswirken wird. Es tönt ja schon mal gut, wenn man liest, dass Direktzahlungen von über 300’000 Euro pro Betrieb (!) um 14% gekürzt werden sollen. Nur Kleinstbetriebe mit Direktzahlungen von unter 3000 Euro pro Jahr sollen von dieser Kürzung ausgenommen werden. Dafür will man mehr Geld für die Natur und die ländliche Entwicklung ausgeben. Dabei sollen die einzelnen Staaten selber im Detail über die Ausgestaltung der Oekozahlungen entscheiden.
Falls es Sarkozy ernst ist mit der Förderung des Biolandbaus, dann dürften ja auch die französischen Biobauern bald gewisse Oekobeiträge erhalten….
Bisher haben wir auf unserem 70 ha Biobetrieb rund 10’000 Euro Direktzahlungen pro Jahr erhalten. Für schweizerische Verhältnisse doch eher ein bescheidner Zustupf. Jedenfalls Bilder wie diese aus dem Berner Seeland von der hoch subventionierten Zuckerrübenernte (viele Traktoren, wenig Land) sieht man in Frankreich höchstens an Bauerndemonstrationen in Paris…

Bild Simon Baumann, subergwest

Zu Besuch bei…

Posted in Agrikultur by ruedibaumann on November 11, 2008

…. Lorenz Kunz und Magdalena Schatzmann auf ihrem Hof im Diemtigtal im Berner Oberland. Lorenz ist Biobauer, Koch und Politaktivist und Magdalena Pianistin, Musiklehrerin und Bäuerin. Auf ihrem Hof in Diemtigen und auf der Alp Ramsen produzieren sie diverse Alpkäsesorten und Fleischspezialitäten. Magdalena unterrichtet Klavier, gibt interessante Konzerte und kombiniert ganz allgemein Agri- mit Musikkultur. Alle Angebote finden sich auf ihrer Homepage Kulturland.

Das Jungvieh und…

… die schönen Milchkühe auf der Weide am Eingang zum Simmental.

Heimvisite

Posted in Agrikultur by ruedibaumann on November 2, 2008

Nun sind wir nach acht Jahren Frankreich wieder mal für eine längere Zeit in der Schweiz. November und Dezember bin ich unter anderem Betriebshelfer in Suberg. Gelegenheit, mich mal wieder etwas intensiver mit die hiesigen Politk und Gebräuchen zu beschäftigen.
Vorerst habe ich mich mit der mir anvertrauten Mutterkuhherde angefreundet…

Wegen dem Schnee und nasskalten Wetter haben wir die Tiere vorübergehend eingestallt (Offenfrontsttall, Tiefstreue).

Kühe hüten

Posted in Agrikultur by ruedibaumann on Oktober 30, 2008

Ich werde in den nächsten zwei Monaten in der Schweiz auf unserem Schwesterbetrieb als globaler Betriebshelfer die Kühe hüten. La Oueyte in Frankreich wird von unseren französischen Nachbarn Olivier und Séverine betreut. Kilian und Bettina wollen in dieser Zeit Zentralamerika bereisen. Meine Schwester Ruth und ihre Familie ist gegenwärtig in Argentinien und mein Bruder Kurt, seit 30 Jahren in Manhatten angesiedelt, wohnt jetzt in Kyoto…
Die Welt ist ein Dorf geworden!

In Suberg ist es allerdings zur Zeit empfindlich kalt und es hat 5 cm geschneit!

Madiran

Posted in Agrikultur by ruedibaumann on Oktober 23, 2008

Der Südwesten Frankreichs ist als Weinregion sehr uneinheitlich. Es gibt fast zwanzig verschiedene AOC-Regionen, wobei in der Schweiz der rote Madiran aus der gleichnamigen Region wohl der bekannteste ist. „Seine dunkelrote, tanninreiche, rauchige Urkraft hat der Madiran aus der Tannat-Traube und den fetten Lehmböden über Kalkfelsen am linken Ufer des Adour“ (diese Beschreibung stammt von mir!).
Als Che Guevara der Stöcke gilt hier Alain Brumont, er hat die grösste Domäne von Madiran (150 ha), über 10% der ganzen AOC-Rebfläche. Seiner Meinung nach gibt es im Madiran 22 gute Hügel und er scheint sich zum Ziel gesetzt zu haben auf allen Weinberge zu ergattern…

„Sein Cuvée Montus ist in seiner Jugend mit schwarzen Johannisbeeren und Pflaumen vollgepackt aber in einen Tanninmantel aus Weihrauch, Kräuter und Rauch gehüllt….“ (diese Beschreibung stammt nicht von mir…)

Genug des Wein-Brimboriums.

Jean-Marc Laffitte erzeugt auf seinem 40-ha-Gut solide, verlässliche rote Madiran- und eindrucksvolle weisse Pacherenc-Weine und ich habe bei ihm ein Barrique gekauft…

Madiran

Weide putzen

Posted in Agrikultur by ruedibaumann on Oktober 20, 2008

Es ist 25 Grad im Südwesten. Goldener und milder Herbst oder eher Spätsommer. Ich bin am Weide putzen. Mähen der verbliebenen Pflanzen, die die Kühe verschmäht haben (Brombeeren, Disteln, alte Raygräser, Margeriten usw.). Schöner Arbeitsplatz. Allerdings verdiene ich dabei nicht ganz so viel wie Vasella von der Novartis (aber das ist ja reiner Populismus hat er gesagt….)

Übrigens: der Traktor fährt wieder vor- und rückwärts…

Läset – vendanges

Posted in Agrikultur by ruedibaumann on Oktober 18, 2008

Mehr und mehr werden auch in Frankreich die Trauben nicht mehr von Hand gelesen. Die grossen Erntemaschinen sind für die Rebbauern effizienter, schneller und kostengünstiger als viele Erntehelfer. Aber es geht einmal mehr sehr viel Bauernromantik verloren…

Die Erntemaschine gehört einem global tätigen Wynemaker-Unternehmen, mit Rebbaubetrieben in Frankreich, Australien und Chile. Der Fahrer auf dem Bild ist ein Chilene.