Vom Preis der Butter
„Anderer Ort, andere Zeit: Ein kleiner Bauernhof im Bayerischen Wald nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Es ist einer jener zahlreichen Höfe, die nicht genug abwerfen, die Familie zu ernähren. So etwas nennt man Nebenerwerbs-Landwirtschaft. Den Haupterwerb ermöglicht die Glasfabrik am Ort. Aber auf die Landwirtschaft zu verzichten kommt nicht in Frage. Sie liefert unendlich Wertvolles, wirkliche Mittel zum Leben nämlich. Kartoffeln, Eier, Fleisch, Milch – und Butter. Alles Güter, die wenige Jahre zuvor, während des Krieges, begehrt waren wie nichts anderes. Aber auch in Nachkriegszeiten, zumal im ärmlichen Bayerwald, sind es noch Schätze….“
Hier geht es weiter… (Artikel in der FAZ)
Holzen
Der Orkan Klaus am 24. Januar hat auch auf unserem Betrieb einige Bäume geknickt oder umgeworfen. Diese 90jährige Eiche am Hang hat mich, weil sie mit anderen Bäumen verkeilt war, einiges Kopfzwerbrechen und einige Schweisstropfen gekostet. Jetzt ist es geschafft! Wer braucht Cheminéeholz?
Vor…
… während…
…und nach dem Einsatz!
Müde und achengekeibet hat mein Grossvater jeweils gesagt…
Sattelschlepper
Die kleinen Kommunalstrassen in Frankreich sind nicht sehr geeignet für grosse Lastwagen.
Zudem verunmöglicht das nasse Wetter jegliches ausweichen auf die angrenzenden Felder. Es brauch darum gegenwärtig einige Improvisation, um bei den engen Verhältnissen grosse Sattelschlepper zu beladen. Fast schon Seiltanz oder Zirkus auf dem Bauernhof!
Handel
Ich bin immer noch dabei, unsere Heuproduktion vom letzten Jahr zu verkaufen. Weil die draussen gelagerten Stapel durch das Unwetter schaden genommen haben, wird das zunehmend schwieriger. Alle wollen jetzt verständlicherweise vorerst das Heu, das wir in der Scheune am Trockenen haben.
Aber auch sonst ist der Handel mit den hiesigen Bauern manchmal nicht ganz unkompliziert… Das beginnt schon, wenn ich ihnen am Telefon erklären muss, wie man uns findet! Haben die Leute eigentlich keine Strassenkarten? Gut, ich gebe zu, diverse kleine Verbindungswege sind hier im Südwesten nicht angeschrieben. Zum Glück funktionieren die Portable wieder, eben hat sich einer zum dritten mal erkundigt, wo es nun da bei dieser Kirche weitergehe…
Aber auch der Abtransport gestaltet sich manchmal etwas schwierig. Zwei Grossballen mit dem Frontlader in einen kleinen Viehtransporter zu laden braucht schon einiges an Fingerspitzengefühl…
Heute Sonntag brauchte ein Kunde neben dem Heu auch noch gerade fünf Liter Hydraulikoel für seinen Traktor, weil die Bremsen nicht mehr optimal funktionierten!
Auch die Preisverhandlungen gestalten sich jeweils etwas exotisch, weil ältere Semester halt immer noch mit Französischen Francs rechnen und mit Eurozahlen einfach nicht viel anfangen können. Dann kommt noch das Problem mit dem wägen dazu. Belege für Brutto- und Nettogewichte sind schwer zu erhalten oder werden irgenwie vernuschet… Ich bin jetzt dazu übergegangen, die Preise statt pro Tonne, pro Heuballe festzulegen.
Aber natürlich wollen einzelne Kunden das Heu zuerst ihren Kühen füttern, bevor sie es bezahlen. Bezahlt wird schon, aber lieber später als früher. So muss ich halt ab und zu nach einigen Wochen meinen Cheque bei meinem Kunden selber abholen.
Immerhin ergeben sich viele Kontakte mit kleinen und grösseren Bauern hier in der Gascogne, ich erhalte Einblick in ihre Sorgen und Nöte, und das ist gerade nach dem schweren Unwetter eine menschlich sehr wertvolle Erfahrung.
Zuwachs
Auf dem Biohof Inselmatt in der Schweiz hat es Zuwachs gegeben: Das erste Angus-Kälbchen in diesem Jahr ist geboren. Wie soll es heissen?
Tagwerk
Wir brauchen zur Zeit etwa drei Körbe Cheminée-Holz pro Tag. Also muss ich rechtzeitig für Nachschub sorgen. Hecken und Wälder hat es ja genug. Ich schaffe pro Tag etwa drei Ster Brennholz. Das ist nicht sehr viel aber sehr gesund. Ich brauche deshalb auch kein Fitnesscenter-Abi…
Den Tagesverdienst stelle ich mir so vor:
3 Ster Brennholz à 70.- sfr., macht 210.- sfr.
1 Stunde Fitnesscenter 30.- sfr.
Aufwand:
Motorsäge 40.- sfr.
Überkleider waschen und flicken 10.- sfr.
Heftpflaster… 1.- sfr.
Bleibt ein Tagesverdienst vor Steuern und Abgaben von 199.- sfr.
Nicht schlecht, oder?
Aber es bleibt noch viel zu tun….
Solarenergie
Frankreich will seinen Rückstand bezüglich erneuerbaren Energien gegenüber seinen deutschen Nachbarn aufholen. Der garantierte Abnahmepreis für Solarenergie beträgt jetzt 0.6 €/kWh, und wird während 20 Jahren regelmässig der Teuerung angepasst.
Die Bauern entdecken dank dieser Abnahme- und Preisgarantie die Produktion von Solarenergie als neuen Betriebszweig.
So organisiert die Chambre d’agriculture du Gers jetzt regelmässige Einführungskurse für Interessenten. Geplant ist anschliessend auch der gemeinsame Einkauf der Solarpanel und Ondulateure um möglichst gute Einkaufsbedingungen zu errreichen.
Endlich habe ich gelernt, was mono- und polychristalline Solarzellen sind, was la puissance crête bedeutet, dass ich in Traversères etwa mit 1150 kWh/kWc rechnen kann, wie sich Dachschrägen, Temperatur und allfällige Schattenwürfe auf die Energieproduktion auswirken usw. usf..
Die beteiligten Bauern planen alle ihre Solardächer in der Grössenordnung von 100 bis 300m2. Je nach Eigenleistungen werden dadurch hunderttausend bis einige hunderttausend Euro Investitionskosten ausgelöst. Klar, dass bei diesen bedeutenden Investitionen die Finanzierungsfragen eine grosse Bedeutung erhalten. Sehr kompliziert sind auch juristische und steuerlich Aspekte, weil viele Landwirtschaftsbetriebe in verschiedenen Gesellschaftsformen organisiert sind (GAEC, EARL). Nicht zu vernachlässigen sind auch versicherungstechnische Aspekte.
Mich würden jedenfalls Erfahrungsberichte von Solarenergieproduzenten interessieren: Konnten schlussendlich die am Anfang projektierten Resultate und Erträge realisiert werden?
Mit was für Schwierigkeiten ist allenfalls zu rechnen?
Frühlingssonne?
Das schlechte Wetter in den letzten zwei Monaten behinderte die Feldarbeiten: Der Körnermais ist noch nicht überall geerntet. Die Aussaat von Wintergetreide war sehr erschwert und ist noch nicht abgeschlossen. Wintergemüse konnte vielerorts wegen den gefrorenen Böden nicht geerntet werden und ist jetzt sehr teuer.
Bei Feldbegehungen plane ich das Agrikulturjahr 2009.
Soll ich, wie geplant, die Luzerne noch ein oder zwei Jahre stehen lassen? Das würde aber bedingen , dass ich die Heuernte besser verkaufen kann als im letzten Jahr (rund 150 Grossballen haben wir immer noch eingelagert…). Oder soll ich wieder Sonnenblumen anbauen? Wieviel? 20, 30, 40 oder gar 50 Hektaren? Um der Raygras-Verunkrautung beizukommen, müsste ich aber erstmals pflügen (wir haben bisher pfluglosen Ackerbau betrieben). Aber ich habe keinen Pflug! Kaufen oder mieten? Falls kaufen: 3 oder 4 Scharen? Neu oder occasion? Der Pflug muss wegen dem felsigen Untergrund eine hydraulische Non-Stopp-Einrichtung haben. Stufenlose hydraulische Einstellung der Arbeitsbreite wäre in unserem hügeligen Gelände wünschbar aber sehr teuer….
Viele offene Fragen aber auch Vorfreude auf die kommenden Feldarbeiten. Insbesondere wenn die ersten Strahlen der Fühlingssonne besseres Wetter ankündigen…
Wasser
Im November und Dezember hat es hier im Gers viel geregnet. Die zahlreichen Teiche sind wieder voll. Meine Drainagearbeiten vom letzten Sommer haben sich offensichtlich bewährt und verhindert, dass Staunässen entstanden sind.
Übrigens: Das im Dezember verschobene Gespräch „Le bonheur est dans le pré“ soll nun morgen Freitag vormittag um 10:00 Uhr auf Radio Suisse Romande ausgestrahlt werden.













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