AUSWANDERERBLOG

Telepac

Posted in Agrikultur by ruedibaumann on April 9, 2009

Telepac ist die elektronische Variante des jährlich erforderlichen Papierkriegs zur Erlangung der europäischen Direktzahlungen in der Landwirtschaft. Man kann das Ganze natürlich auch auf Papier haben. Nicht weniger als 52 Seiten Formulare, Flugaufnahmen, Pläne und Erklärungen erhält jeder Landwirt anfangs April mit der Aufforderung, das Ganze bis spätestens am 15. Mai bei dem zuständigen Landwirtschaftsdepartement ausgefüllt, gezeichnet und unterzeichnet abzugeben. Dabei wimmelt es von Fachausdrücken die Nichteingeweihte kaum und ich oft nur schwer verstehe…
Für Anfänger:
PAC politique agraire commune
DPU droits payement unique
RPG registre paecellaire graphique
ICHN indemnités compensatoires de handicaps naturels
PMTVA prime au maintain du troupeau de vaches allaitantes
MAE mesure agroenvironnementale
CAD contrat d’agriculture durable
usw. usf…..

Natürlich würde ich gerne diese komplizierte Administration über Internet abwickeln. Seit Jahren versuche ich das erfolglos. Das graphische Parzellenregister (RPG) will einfach nicht auf meinem Bildschirm erscheinen. Ich habe es mit EDV-Beratern in New York, Kyoto und der Schweiz versucht… ohne Erfolg! Die französische Administration behauptet natürlich, es liege an meinem ordinateur, der einfach nicht gut funktioniere (ich habe einen Mac Laptop, iBookG4). Es ist zum verzweifeln….
In der Zwischenzeit schlage ich mich weiter mit viel Papier herum und warte auf Computerfreaks die mir weiterhelfen können!

Landmaschinenmechaniker

Posted in Agrikultur by ruedibaumann on April 2, 2009

Wir beabsichtigen im Laufe dieses Monats ca. 20 Hektaren Sonnenblumen anzubauen. Um 70’000 Saatkörner auf 4 cm Tiefe pro Hektare auszusäen brauchen wir dazu eine pneumatische Einzelkornsämaschine. Bisher hatte ich das Ding von einem Unternehmer gemietet, musste aber für die Saat und die nachfolgenden Pflegearbeiten die Spurweite meines Traktors verändern, was bei diesen Riesenrädern ein Sauchrampf ist… Zudem konnte ich den optimalen Saatzeitpunkt nicht selbst wählen. Vor dem Einsatz musste die Maschine jeweils akribisch gereinigt werden, weil wir im Gegensatz zu der konventionellen Landwirtschaft nur ungebeiztes Saatgut verwenden.
Per Internet habe ich nun eine günstige (1300€), 15-jährige Occasionmaschine gefunden, die ich für unsere Bedürfnisse umbauen kann. Erstens muss ich den Microgranulator entfernen. Das ist ein Aufbau der es ermöglicht, zu jeder Saatzeile Schneckenkörner abzulegen… Als Biobauer kommt so etwas für mich natürlich nicht in Frage! Ich werde um Frassschäden etwas auszugleichen, die Saatmenge um 20% erhöhen.
Natürlich sind bei einer alten Occasionsmaschine mechanische Defekte nicht auszuschliessen und nur ein paar wenige rostige Schrauben können bei den Einstellarbeiten stundenlangen Arbeitsaufwand verursachen. Eine pneumatische Einzelkornsämaschine ist ein relativ kompliziertes mechanisches Regelwerk mit tausenden von Einzel(ersatz)teilen, die im Schadenfall jeweils noch gefunden werden müssen… Nun, eine vergleichbare neue Maschine hätte aber gut und gerne 9’000€ gekostet! Wünscht mir Glück bei meiner Aussaat! Zum Dank gibt es schöne Bilder von leuchtenden Tournesolfeldern.

Ich habe Mist gebaut…

Posted in Agrikultur by ruedibaumann on März 30, 2009

Das sind die aufgehäuften Schäden vom Orkan Klaus. Weil das Unwetter vom 24. Januar sämtliche Blachen meiner diversen Heulager im Freien zerfetzt hatte, landet jetzt ein Teil meines Qualitäts-Luzerneheus auf dem Mist. Die obersten Heuballen wurden bei den nachfolgenden schweren Niederschlägen so durchnässt, dass sie nicht mehr zu retten sind. Ich mache damit jetzt Kompost. Ein arbeitsintensives Recycling, frustrierend und ärgerlich! Klar, dass die teure Landwirtschaftsversicherung entsprechende Schäden natürlich nicht deckt….
Das isch haut buuret!
Immerhin haben wir in der Zwischenzeit das trockene Heu (85%) bis auf den letzten Halmen verkauft. Im Mai werden wir wieder heuen und dabei auf gutes Wetter ohne Sturmschäden hoffen…

Gräben aufmachen und zuschütten

Posted in Agrikultur by ruedibaumann on März 28, 2009

Was vor einigen Tagen nach Arbeit aussah, hat sich bewahrheitet. Ich habe Gräben ausgehoben um dem Wasseraufstoss auf die Spur zu kommen. Und obschon es hier drei Wochen nicht mehr geregnet hat läuft das Wasser….eine richtig ergiebige Quelle!

Stille Wasser gründen tief…

Canale grande…

Ich werde die Quelle fassen und mit einer Drainageleitung in den Ruisseau d’Embarrut abführen, auf dass auch hier bald die Sonnenblumen blühen….

Das sieht nach Arbeit aus…

Posted in Agrikultur by ruedibaumann on März 23, 2009

Es ist eine Eigenschaft der Ackerböden hier im Südwesten, dass quellenartige Wasseraufstösse trotz aller Trockenheit lokale Nässen verursachen, die die Bewirtschaftung erschweren. Hier sieht es seit kurzem aus, wie bei einem Wasserleitungsbruch, obwohl sich weit und breit keine Wasserleitung in der Nähe befindet.
Ich werde versuchen, das auftretende Wasser mit einer Drainageleitung in den nächsten Vorfluter (Bach) abzuleiten. Jedenfalls sieht es nach (viel) Arbeit aus…

Auswanderer auf französischer Scholle...

Übrigens: Auf unserem Schwesterbetrieb in der Schweiz gibt es das beste Rindfleisch weit und breit direkt ab Hof:
> Der Biohof Inselmatt hat wieder
> Angus-Weidefleisch im Angebot
> Das zarte Jungrindfleisch ist
> für einen 2-Pers.-Haushalt, küchenfertig
> portioniert, vakuumiert und etikettiert.

Es hat nur solange es hat!

Pflügen

Posted in Agrikultur by ruedibaumann on März 13, 2009

Ich habe fertig gepflügt und noch gleich diverse Verschleissteile (Vorschäler usw.) für die nächste Saison ausgewechselt. Sieht doch gut aus, nicht?

Selbsthalterpflug, La Oueyte

Hoppla, das war der Pflug meiner Vorgänger….

Gregorie Besson, 3-scharig, ausbaubar

Mehr dazu hier!

Das schönste Wappen in der Welt….

Posted in Agrikultur by ruedibaumann on Februar 26, 2009

… ist der Pflug im Ackerfeld. Ja, meine Internetrecherche war erfolgreich! Ich habe von Robert Faure einen Gregorie Besson Pflug gekauft. Jahrgang 1990, 3 corps, erweiterbar auf 4 corps, bon état, Preis HT 2’300 €.
Gestern habe ich die Maschine selber in 32130 Nizas (nicht in Nizza!) abgeholt. Robert und Monica haben kürzlich auf ihrem Hof die Elevage aufgegeben und bauen dafür ihre touristische Aktivitäten aus. Ihr Bauernhof Aux lauriers bietet chambres d’hôtes in einer reizvollen ländlichen Umgebung!
Idealer Ausgangspunkt für Ferien in der Gascogne!

Ich werde in den nächsten warmen Frühlingstagen mit grossem Vergnügen ca. 25 ha z’acherfahre!

Politique agricole commune (PAC)

Posted in Agrikultur by ruedibaumann on Februar 24, 2009

Der salon d’agriculture in Paris bietet jeweils Gelegenheit, für den président de la république, etwas zur Landwirtschaft und über le monde paysan zu sagen. Gestern wurde angekündigt, dass ab 30. April (endlich) der Forderung der EU entsprochen wird und die einzelbetrieblichen landwirtschaftlichen Direktzahlungen publiziert werden. Auf www.telepac.gouv.fr werden künftig die Landwirtschaftssubventionen offengelegt.
Man weiss schon heute, dass 56% der Zahlungen an die 20% der gutsituierten Grossbetriebe gehen, die grossmehrheitlich nördlich der Loire angesiedelt sind.
5300 der insgesamt 390 000 Betriebsleiter in Frankreich erhalten jährliche PAC-Zahlungen von mehr als 100’000 Euros! 37 grosse Gentelmenfarmer schliesslich bekommen jährlich je mehr als 300’000 Euros!
Kein Wunder, dass sich die Regierung gezwungen sieht, die Direktzahlungen etwas auszugleichen. Grosse Getreidebauern sollen etwas weniger, die éléveurs etwas mehr erhalten.

Übrigens: in der Schweiz werden die Daten über die einzelbetrieblichen Direktzahlungen gehütet wie das Bankgeheimnis! Weil nicht wenige Grossbauern selber im Parlament sitzen, wurde die Veröffentlichung immer wieder abgelehnt! Offensichtlich hat man da einiges zu verbergen….

Ich brauche einen Pflug

Posted in Agrikultur by ruedibaumann on Februar 23, 2009

Seit nun schon acht Jahren betreiben wir hier in Frankreich Ackerbau. Wir haben bisher“sans labour“, pfluglos, geackert. Dabei wird der Boden mit dem „déchaumeur“ nur sehr flach bearbeitet (ca. 15 cm tief). Das ist vorteilhaft für die Bodenstruktur, hat aber den Nachteil, dass sich Gräser („graminées“) in den Getreidekulturen immer stärker verbreiten, weil wir im Biolandbau ja keine Herbizide einsetzen.
Durch das pflügen (ca. 25 cm tief) versprechen wir uns eine erfolgreiche mechanische Unkrautbekämpfung.

Wie beschafft man sich einen Pflug (charrue)?
Man sieht sich bei den Nachbarn um. Das Problem ist, dass die so Riesenmaschinen (5-scharige) haben, die meinen 120 PS Traktor überfordern. Man kann auch einen neuen passenden Pflug kaufen (3- bis 4-scharig). Kostenpunkt happige 7 bis 10’000 Euros!
Ich beginne in einer intensiven Internetrecherche nach einem Occasionpflug zu suchen.

Auf der Internet-Plattform für Occasions-Landmaschinen www.agriaffaires.com werden in ganz Europa 1293 Occasionspflüge angeboten… Ich beginne meine Suche geografisch auf unser Departement einzuschränken und finde noch 7 Offerten.
Die genaue Adresse der Verkäufer lokalisiere ich mit dem oneline Telefonbuch: www.pagesjaunes.fr
Gestern Sonntag haben wir Schritt für Schritt die Adressen („lieu dit“) auf unserm GPS eingegeben und sechs potentielle Verkäufer aufgesucht. Keine leichte Aufgabe in den französischen Landen, wo viele Hofbezeichnungen doppelt oder mehrfach vorkommen und auch sprachlich oft nicht eindeutig definiert sind. Nach über zweihundert abgefahrenen Kilometern haben wir jetzt zwei-drei vielversprechende Angebote….
Fortsetzung folgt!

Was würden Sie für den bezahlen?

Was ist das?

Posted in Agrikultur by ruedibaumann on Februar 22, 2009

Das haben wir in unserem Unterholz entdeckt. Wer weiss was das ist?

Foto Stephanie am 21. Februar 2009

Hier noch eine kleine Hilfe: Wenn der Mensch das nachbaut, dann sieht es so aus…