Agrocarburant
In der Bauernzeitung „La volonté paysanne du Gers“ von dieser Woche freut sich unser Präsident des Chambre d’Agriculture du Gers darüber, dass die europäische Kommission beschlossen habe, auf europäischer Ebene bis ins Jahr 2020 allen Treibstoffen mindestens 10% Biocarburant bezumischen. In Frankreich würden dafür etwa 15% der offenen Ackerfläche benötigt. Zur Verarbeitung von Raps und Sonnenblumen zu Diester („Biodiesel“) sind allein in Frankreich 8 Fabriken mit einer Kapazität von 1,6 Millionen Tonnen geplant.
Für die Ethanol-Produktion aus Weizen, Mais und Zuckerrüben sollen 6 Fabriken mit einer Gesamtkapazität von 1 Million Tonnen erstellt werden.
Gleichentags lese ich in der „Le Monde“, dass an einem Seminar in Grenoble die wichtigsten Forscher betreffend pflanzliche Treibstoffe zum Schluss gekommen sind, dass zwischen den einzelnen Energiebilanzstudien gigantische Unterschiede bestehen würden.
Die Experten kommen zum Schluss, dass insbesondere in Europa durch die pflanzlichen Treibstoffe die bisherigen Brachflächen wieder genutzt würden und dadurch die Artenvielfalt dramatisch gefährdet würde. Die Produktion von „Biotrebstoffen“ sei nicht vereinbar mit dem international vereinbarten Schutz der Biodiversität! Gewisse Agrocarburants würden wegen dem Intensivanbau sogar zu einer massiven Erhöhung des CO2-Belastung führen.
Hier stehen sich Meinungen diametral gegenüber. Auf der einen Seite die (Gross-) Bauernlobby, die unbedingt mehr produzieren will, auf der anderen Seite die Forschung, die Umwelt und Biobauernorganisationen, die um Artenvielfalt und Umwelt besorgt sind. Erstaunlich auch die unterschiedliche Sprache: die Befürworter sprechen konsequent von Bio-Carburant, Bio-Diesel usw., die Gegner von Agro-Carburant oder Phyto-Treibstoffen.
Eines ist sicher, pflanzliche Treibstoffe werden unsere Energieprobleme nicht lösen. Wir werden nicht darum herum kommen, unseren Energiehunger zu drosseln.
Ich sehe überdies meine frühere Schätzung bestätigt: Die ganze Ackerfläche Frankreichs würde nicht ausreichen, den Autoverkehr allein in Frankreich zu versorgen!
Ich produziere jedenfalls weiterhin lieber gesunde Lebensmittel als umweltbelastenden Sprit!
Bricoleur
In den Bricoleurläden gibt es alles zu kaufen, was man in Haus, Hof, Garten und Stall benötigt. Do it yourself wird im ländlichen Frankreich gross geschrieben, allerdings auf… französisch. Viele bauen ihr ganzes Haus selber und beziehen sämtliche Materialien für Elektroinstallationen, Küche, Bad und Heizung auf dem Heimwerkermarkt.
Niemandem käme es hier bespielsweise in den Sinn, die Kaminreinigung einem professionellen Kaminfegermonopolisten wie in der Schweiz zu übertragen.
Bricoler ist ein beliebter Volkssport.
Auch wenn meine Kenntnisse betreffend Elektro- und Sanitärinstallationen nicht über alle Zweifel erhaben sind, ist es Ehrensache, dass ich ganz ohne fremde Hilfe eine Badewanne einbaue oder ein Garagetor zusammenschweisse.
Learning bei doing!
Also hier will ich eine Badewanne installieren. Wetten dass ich das schaffe…?
Municipales
Am 9. und 16. März finden in ganz Frankreich die Gemeindewahlen statt. Allein in unserem Departement Gers sind 463 Maires (Gemeindepräsidenten) und 4806 Conseil communales (Gemeinderäte) zu wählen. Landauf und landab werden zur Zeit die Listen zusammengestellt, Kandidatinnen und Kandidaten nominiert und Absprachen getroffen.
Im Gers hat jede zweite Gemeinde weniger als 200 EinwohnerInnen. In diesen kleinen Gemeinden gibt es in der Regel keine Parteilisten, schliesslich kennt man sich ja.
„La Dépêche du Midi“ hat gestern eine Liste aller Maires des Departementes veröffentlicht, die entweder wieder zur Wahl antreten, sich noch nicht entschieden haben oder nicht mehr antreten wollen. Demnach müssen allein im Gers im März über hundert neue GemeindepräsidentInnen gewählt werden. Das sorgt für viel Gesprächstoff in der Region.
In den grösseren Ortschaften und Städten Frankreichs gelten die Gemeindewahlen natürlich auch als Popularitätstest für die amtierende Regierung auf nationaler Ebene. Dabei steht vor allem der Kampf zwischen rechts und links, also zwischen UMP und Sozialisten im Fokus. Oft werden in grossen Städten auch national bekannte PolitikerInnen „eingeflogen“ (parachutée), um einen Wahlkreis zu erobern, bzw. zu verteidigen. Politmanöver die so in der Schweiz völlig undenkbar wären. Andere Länder, andere Sitten….
Das Resultat der Gemeindewahlen wird so oder so für Sarkosy einen ersten richtigen Härtetest werden. Mal sehen, ob der neuvermählte Staatschef seinen Abwärtstrend stoppen kann?
Freitagmorgen in Gimont
Gimont ist ein kleines Städchen im bäuerlichen Südwesten. Der Marktflecken zählt 2734 Einwohner und ist stolz auf seine Markthalle au centre ville und auf die dominierende Kirche aus dem 14ten Jahrhundert.
subergwest
Our children are coming home! Wir freuen uns riesig auf die Rückkehr der Amerikareisenden von subergwest.
Allerdings werden wir den tollen Reiseblog sehr vermissen! Simon und Kathrin haben versprochen, dass es weiter geht: The show must go on!
Welcome home!
Und für die Entzugserscheinungen: Chinablog









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