AUSWANDERERBLOG

Agrocarburant

Posted in Politik by ruedibaumann on Februar 5, 2008

In der Bauernzeitung „La volonté paysanne du Gers“ von dieser Woche freut sich unser Präsident des Chambre d’Agriculture du Gers darüber, dass die europäische Kommission beschlossen habe, auf europäischer Ebene bis ins Jahr 2020 allen Treibstoffen mindestens 10% Biocarburant bezumischen. In Frankreich würden dafür etwa 15% der offenen Ackerfläche benötigt. Zur Verarbeitung von Raps und Sonnenblumen zu Diester („Biodiesel“) sind allein in Frankreich 8 Fabriken mit einer Kapazität von 1,6 Millionen Tonnen geplant.
Für die Ethanol-Produktion aus Weizen, Mais und Zuckerrüben sollen 6 Fabriken mit einer Gesamtkapazität von 1 Million Tonnen erstellt werden.

Gleichentags lese ich in der „Le Monde“, dass an einem Seminar in Grenoble die wichtigsten Forscher betreffend pflanzliche Treibstoffe zum Schluss gekommen sind, dass zwischen den einzelnen Energiebilanzstudien gigantische Unterschiede bestehen würden.
Die Experten kommen zum Schluss, dass insbesondere in Europa durch die pflanzlichen Treibstoffe die bisherigen Brachflächen wieder genutzt würden und dadurch die Artenvielfalt dramatisch gefährdet würde. Die Produktion von „Biotrebstoffen“ sei nicht vereinbar mit dem international vereinbarten Schutz der Biodiversität! Gewisse Agrocarburants würden wegen dem Intensivanbau sogar zu einer massiven Erhöhung des CO2-Belastung führen.

Hier stehen sich Meinungen diametral gegenüber. Auf der einen Seite die (Gross-) Bauernlobby, die unbedingt mehr produzieren will, auf der anderen Seite die Forschung, die Umwelt und Biobauernorganisationen, die um Artenvielfalt und Umwelt besorgt sind. Erstaunlich auch die unterschiedliche Sprache: die Befürworter sprechen konsequent von Bio-Carburant, Bio-Diesel usw., die Gegner von Agro-Carburant oder Phyto-Treibstoffen.

Eines ist sicher, pflanzliche Treibstoffe werden unsere Energieprobleme nicht lösen. Wir werden nicht darum herum kommen, unseren Energiehunger zu drosseln.
Ich sehe überdies meine frühere Schätzung bestätigt: Die ganze Ackerfläche Frankreichs würde nicht ausreichen, den Autoverkehr allein in Frankreich zu versorgen!

Ich produziere jedenfalls weiterhin lieber gesunde Lebensmittel als umweltbelastenden Sprit!

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  1. Avatar von Unbekannt Stritt Jonas said, on Februar 5, 2008 at 8:27 pm

    Ich lese regelmässig ihren Blog und etlichen Aussagen und Meinungen kann ich ihnen beipflichten. Aber wie ich bemerke sind sie nur Biolandwirt und Bioprivat-person in Sachen nicht Chemisch-Spritzen und Düngen. Ihr Traktor lässt bei der mechanischen Unkrautbekämpfung bei ihren grosszügigen Flächen, riesige Mengen Diesel durch den Motor, und das Gleiche bei ihren mehrmaligen Besuchen in der Schweiz mit dem Auto! Sorry, ist doch so?mfg Stritt Jonas

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  2. Avatar von Unbekannt RB said, on Februar 5, 2008 at 11:52 pm

    @Stritt JonasIch bemühe mich wenn immer möglich sanfte Technologien anzuwenden. Aber Sie haben recht, ohne (sparsamen) Energieeinsatz kann auch ich nicht (land)wirtschaften oder reisen. Was schlagen sie vor? Zurück zum Ochsengespann oder gar zu Jäger und Sammler?

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  3. Avatar von Unbekannt Koni Kreis said, on Februar 6, 2008 at 12:50 am

    Steht die Badewanne schon?Gruss Koni Kreis

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  4. Avatar von Heinz Plüss Heinz Plüss said, on Februar 6, 2008 at 10:03 am

    http://www.spritmonitor.de/de/user/h_h_pluess.htmlIch habe mir erlaubt Ihre Fahrt von Suberg nach Traversères nachzurecnen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt ohne Pause bei 105.3 km/h, mit einer Pause von einer Stunde bei 118.9 km/h. Das ergibt eine Spritverbrauch von weit über 10 Litern/100km, bei Diesel vielleicht gerade 10 Liter/100km.Hier wäre ein schönes Sparpotential zu finden.mfg H Plüss

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  5. Avatar von Unbekannt mirach said, on Februar 6, 2008 at 11:46 am

    Hm, ich muss in diesem Zusammenhang eher daran denken, dass davon gesprochen wird, dass wir nicht mehr genügend Getreide und Gemüse anpflanzen (können?), um die Welt zu ernähren.Weil die Rinder soviel fressen und wir soviel Rinder fressen …Und dann sollen wir Ackerland zur Produktion von Diesel „hergeben“? Wenn das nicht völliger Blödsinn ist!

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  6. Avatar von Unbekannt RB said, on Februar 6, 2008 at 2:00 pm

    @Koni KreisNein, ich hatte noch anderes zu tun…@Heinz PlüssIch bin ein sparsamer Autofahrer mit einem sparsamen Auto (Peugeot Pac, 307, Diesel). Wir schaffen die Strecke mit einer Tankfüllung (65 Liter). Für Spartipps bin ich dankbar (2-4 Personen plus Warentransport ca 100 kg).@mirachBin gleicher Meinung… Allerdings fressen „normale“ Rinder nur Gras und Heu, das auch als Salat nicht geeignet ist…

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  7. Avatar von swinti swinti said, on Februar 7, 2008 at 9:42 am

    Gratuliere zum Entschluss, weiterhin gesunde Lebensmittel zu produzieren. Ich lebe seit 20 Jahren in einer von der EU geförderten Intensivlandwirtschaftszone in Portugal. Was hier hergestellt und in Europa gegessen wird, ist wohl eher als Chemiemix denn als Lebensmittel zu bezeichnen.

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