Laizität
Im heutigen französischen Verständnis ist Laizismus zu einem politischen Ideal geworden, das die Grundsätze der Neutralität des Staates gegenüber den Religionen, deren Gleichbehandlung sowie die Glaubensfreiheit zum Ziel hat. Laizität ist ein Verfassungsprinzip. Religion ist ausschließlich Privatangelegenheit, woraus folgt, dass Religion nicht nur keine staatliche, sondern auch keine öffentliche Funktion hat. In Anwendung dieses Grundsatzes wurde 1905 das gesamte Kirchenvermögen ohne Entschädigung verstaatlicht, wovon jene Teile, die „dem Kult dienen“, den einzelnen Glaubensgemeinschaften zur Nutzung überlassen werden können. Frankreich erkennt kirchliche Organisationen zwar in ihrer Existenz an, sie erhalten jedoch keine staatlichen Zuschüsse; allerdings existieren steuerliche Begünstigungen.
Frankreich ist eine laizistische Republik (république laïque), die weltanschauliche Neutralität des Staates entspricht meinen persönlichen Überzeugung (je suis laïque et athé). Mit den schweizerischen Landeskirchen hatte und habe ich immer meine liebe Mühe (ich bin vor bald 50 Jahren aus der Kirche ausgetreten). Der Verankerung Gottes auch in der revidierten Verfassung der Eidgenossenschaft („im Namen Gottes…“) habe ich seinerzeit im Nationalrat nicht zugestimmt. Dass der Kanton Bern die Pfarrerlöhne der Landeskirche bezahlt, halte ich für falsch. Die strickte Trennung von Kirche und Staat scheint mir auch für die Schweiz unabdingbar.
Nach den Terroranschlägen in Paris und den Massenmanifestationen zu Gunsten der Meinungsfreiheit ist die weltanschauliche Neutralität noch vermehrt in den Vordergrund gerückt. Die Erziehungsministerin Najat Vallaud-Belkacem hat gestern ein Programm vorgestellt, das die laizistischen Grundsätze (charte laïque) noch vermehrt in das Unterrichtsprogramm der Schulen einbauen will. Gegen religiösen Fundalismus hilft nur Aufklärung.
„Vielen Dank für das Leben“
So heisst ein Roman von Sibylle Berg: „Das ist kein Roman, das ist ein Manifest.“
Ein Buch, schwer auszuhalten, radikaler Pessimismus von Anfang bis am Ende. Die Geschichte:
Toto ist ein Wunder. Ein Waisenkind ohne klares Geschlecht. Zu dick, zu groß, im Suff gezeugt. Der Vater schon vor der Geburt abgehauen, die Mutter bald danach. Und doch bleibt Toto wie unberührt. Im kalten Sommer 1966 geboren, wandelt er durch die DDR, als ob es alles noch gäbe: Güte, Unschuld, Liebe. Warum, fragt er sich, machen die Menschen dieses Leben noch schrecklicher, als es schon ist? Toto geht in den Westen, wo der Kapitalismus zerstört, was der Sozialismus verrotten ließ. Nur zwei Dinge machen ihm Hoffnung – das Wiedersehen mit Kasimir und sein einziges Talent: das Singen. Es führt Toto bis nach Paris. Ein wütender, schriller Roman einer großen Autorin über das Einzige im Leben, was zählt.
Der Dank am Schluss gilt allen „die sich den Anfeindungen aussetzen, die persönliche Freiheit mit sich bringt“
Schon wieder auf dem Feld…
Sobald der Boden genügend abgetrocknet ist beginne ich schon wieder mit der mechanischen Unkrautbekämpfung. Mit dem österreichischen Hackstriegel Hatzenbichler habe ich eine grosse Flächenleistung (3 Stunden für 25 ha). Allerdings ist es nördlich der Hecken und Waldränder noch zu nass…
Je suis fier d’être Français!
Ich glaube, es ist ein historischer Moment für Frankreich, für die Demokratie, für die Menschenrechte, für die Meinungsäusserungsfreiheit: Millionen von Menschen demonstrieren heute friedlich zu Ehren der Attentatsopfer! Nous somme tous Charlie!
Nicht nur in Paris, wo sich über 50 Staatschefs eingefunden haben, auch in allen anderen Städten wird für die liberté d’éxpression demonstriert. Selbst in der französischen Provinz sind alle auf der Strasse! Wir sind an einem eindrücklichen Marche silencieuse im südwestfranzösischen Städtchen Auch. Ich gehe davon aus, dass es auch hier noch nie eine vergleichbare Mobilisierung der Bevölkerung gegeben hat. Nous somme tous unis pour la liberté, la laïcité et les valeur de la république! Ich schätze, dass hier 10’000 Leute (die halbe Stadtbevölkerung) an der ruhigen Demonstration teilnehmen. Keine Reden, keine Partei- oder Gewerkschaftsfahnen, vereinzelte Trikoloren, viele Charlie Hebdo Karikaturen.
Vive la France et vive la république!
https://www.facebook.com/events/402158389942020/403400369817822/?notif_t=plan_mall_activity
Der Tag danach…
Es waren bewegende Tage für Frankreich. Wir haben fast rund um die Uhr die Geschehnisse auf dem Netz und auf verschiedenen TV-Kanälen live mitverfolgt. Die traurige Bilanz, 17 tote Menschen, mehrere Verletzte, 3 tote Terroristen. Wir werden diese Tage in Frankreich nicht vergessen. Die offene Gesellschaft ist verletzlich und wird es auch in Zukunft bleiben.
Ich bin der Überzeugung, dass Frankreich diese Herausforderungen gut gemeistert hat. Allen voran gilt meine uneingeschränkte Hochachtung den französischen Polizeikräften, die an vorderster Front, – unter Einsatz ihres eigenen Lebens notabene -, die Geiseln befreit haben. Aber auch die besonnenen Äusserungen des französischen Staatspräsidenten François Hollande, seine dauernde Präsenz während den ganzen Geschehnissen hat mich überzeugt. Der bisher eher farblose Innenminister hat sachlich informiert, ohne sich auf Spekulationen einzulassen.
Auch diverse Medienschaffende haben in Live-Reportagen die sich zum Teil überschlagenden Geschehnisse professionell kommentiert. Auf France 2 beispielsweise wurden während praktisch 24 Stunden mit unzähligen AussenreporterInnen laufend kommentiert, erklärt und eingeordnet.
Weniger überzeugt haben mich die Beiträge im Schweizer Fernsehen. Der Frankreich-Korrespondent wusste nichts Schlaueres, als der rechtsaussen Politikerin LePen ein Podium für ihre abstrusen Kommentare zu bieten.
Ich bin stolz darauf wie Frankreich diese grosse Krise bisher bewältigt hat. Die grosse Solidaritätsdemonstration von morgen Sonntag in Paris ist ein schönes Bekenntnis zu Meinungsfreiheit, Demokratie und Solidarität! Es freut mich, dass auch Bundesrätin Simonetta Sommaruga an der Solidaritätsdemo teilnehmen wird.
Vive la France et vive la république!




















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