Narzissmuszentrifuge
Ich weiss nicht mehr wo ich es gelesen habe: „Narzissmuszentrifuge“. Das Wort hat mir gefallen. Gemeint sind damit die sozialen Medien wie facebook, twitter, instagram, youtube, blogs usw.. Ich gehöre mit meinem blog ja auch zu der Gemeinde, die jeden Blödsinn aufs Netz bringen, Banalitäten, Filmli, Föteli… Und ich followe diverse „Meinungsmacher“, Journalisten, Schriftsteller, Freunde und Bekannte. Ich gehöre also zu denen, denen gemäss dem ehemaligen Google-Mitarbeiter Tristan Harris : „das Silicon Valley das Hirn gehackt hat“. Er sagt, facebook mache süchtig, manipuliere uns.
Natürlich habe ich zunehmend bei facebook und anderen social medias ein schlechtes Gewissen. Kommt jetzt nach der Flugscham auch noch die Internetscham dazu?
Dabei war ich immer an der digitalen Welt interessiert. Ich habe in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts an der ETH eigene kleine Programme auf Lochkarten für den Grosscomputer gestanzt. Ich ging nach New York, um nach dem „Commodore“ schon früh einen sehr teueren ersten Mac zu kaufen. Seit 1994 habe ich meine eigene Mail-Adresse. Seit 2006 führe ich diesen auswandererblog.ch mit inzwischen mehr als 4000 Beiträgen!
Die sozialen Medien ermöglichen mir Kontakte in aller Welt, auf die ich nicht verzichten möchte. Mein blog ist für mich so etwas wie eine „ausgelagerte Festplatte“ mit automatisierter Suchfunktion. Eine Art „Erinnerungsmaschine“.
Vorteile die für mich überwiegen. Dafür haben wir Nachteile wie Radikalisierung der Gesellschaft, Banalisierung, Überwachung, Manipulation usw. bisher offensichtlich zu wenig wahrgenommen. Wir müssen diese Technologien zweifellos wieder unter gesellschaftliche, menschliche Kontrolle bringen.
Pseudowissenschaftlicher Unsinn
Das von Blocher(s) finanzierte Extrablatt der ÄSSVOUPEE wurde offenbar schweizweit jedem Haushalt aufgezwungen. Der Inhalt ist nur faktenwidriger Habakuk und pseudowissenschaftlicher Unsinn! Das Pamphlet trieft von haltloser Polemik und ist nichts anderes als eine demokratiepolitisch bedenkliche Irreführung der Bevölkerung!
Siehe dazu Sandro Bellini im „Der Bund“ von heute Mittwoch 19. Juni 2019
https://www.derbund.ch/schweiz/standard/habakuk-statt-wissenschaft/story/17516009
Frauenstreik!
„Ich hab‘ gar nicht gewusst, dass es so viele Frauen gibt!“
Mehr als eine halbe Million Menschen demonstrieren am Frauenstreik / Aktionstag!
Zu recht! Die Schweiz ist in Sachen Familienfreundlichkeit und Kinderbetreuung das Schlusslicht in Europa!
Impressionen aus Bern
Europawahlen auf dem Dorfe
In unseren kleinen, bäuerlichen Gemeinde in der Gascogne triumphierten die Grünen (Liste Europe Écologie) bei den Europawahlen! Bei einer Stimmbeteiligung von 74.29% wurde in Traversères wie folgt gewählt:

Wenn nur die Schweizer Bauern auch endlich merken würden, dass die Grünen viel bauernfreundlicher sind als die Milliardäre und Köppels am Zürichsee!
Wiener Nachtpfauenauge


Europawahlen in der France profonde
Nicht weniger als 34 landesweiten Listen stehen übernächsten Sonntag in Frankreich zur Auswahl, um die 79 Abgeordnete ins EU-Parlament zu wählen. Dank der Sperrklausel von 5 % werden es wahrscheinlich nur etwa 6 bis 8 Parteien schaffen, ein oder mehrere Mandate zu erobern. Da nicht wie in der Schweiz kumuliert und panaschiert werden kann, werden die einzelnen Listen stark durch die jeweiligen Spitzenkandidaten geprägt. Allerdings sind in der französischen Provinz selbst die jeweiligen Spitzenkandidaten wenig bekannt. Also gar nicht so einfach, sich in ländlichen Regionen eine Übersicht zu verschaffen.
Stellvertretend für die Eurodéputées stehen dann notgedrungen die viel bekannteren nationalen Politgrössen im Vordergrund, obwohl die ja gar nicht zur Wahl stehen.
Präsident Macron steht für La République en marche (LREM) und seine europafreundliche Liste heisst „Renaissance“ mit der Spitzenkandidatin Nathalie Loiseau.
Die Grünen (EELV) sind leider nicht so im Aufwind wie in der Schweiz und Deutschland und zudem auf verschiedenen Listen präsent. Die Sondages gehen von 7 bis 10% aus.
Bei den letzten EU-Wahlen 2014 war der EU-feindliche, rechtspopulistische Front National (jetzt Rassemblement National) stärkste Partei. Obschon ihre „Leistungen“ in Brüssel desaströs waren, ist zu fürchten, dass die LePenisten wiederum um die 20% erreichen, gleichauf mit der Liste Macron.
Die früher staatstragenden Parteien (Sozialisten und bürgerliche Republikaner) sind sehr geschwächt und dürften nur noch 5 bis 13% der Stimmen erreichen.
Die Gelbwesten (Gilet jaunes) sind heillos zerstritten und treten offenbar mit drei chancenlosen konkurrierenden Listen an.

Jede noch so kleine Gemeinde muss für jede der 34 Listen eine identische Plakatfläche zur Verfügung stellen. Wie man sieht, ist offenbar nicht jede Partei in der Lage (oder Willens) für 50 StimmbürgerInnen einen Aushang zu finanzieren. Ein Teil der Wahlkampfaufwendungen werden meines Wissens nur dann zurückerstattet, wenn 3% WählerInnenanteil erreicht wird….

https://de.wikipedia.org/wiki/Europawahl_in_Frankreich_2019

Blödsinn
Gerade das Ende der Schweizer Landwirtschaft prognostiziert der Schweizerische Bauernverband, falls die Trinkwasserinitiative angenommen würde! Dabei stützt er sich auf ein selber bestelltes „Gutachten“ von einigen Studenten von dem landwirtschaftlichen Technikum in Zollikofen (HAFL).
Eine vernünftige landwirtschaftliche Produktion sei schlichtweg ohne Pestizide, Antibiotika und massiven Futterzukäufen aus dem Ausland nicht möglich, behaupten die Mannen aus Brugg.
So ein Blödsinn! Grosse und kleine Biobetriebe beweisen seit Jahrzehnten im In- und Ausland, dass es auch ohne Zerstörung der Umwelt geht! Der Biodiversitätsbericht verlangt ja gerade zwingend, dass das schweizerische Direktzahlungssystem korrigiert werden muss um die Artenvielfalt zu erhalten!
Viele würden dann halt auf Direktzahlungen verzichten und weitermachen wie bisher oder sogar noch intensivieren, drohen die Bauernoberen! Ob das bei den Schweizer StimmbürgerInnen ankommen wir?
Vom Bohren harter Bretter
„Die Politik bedeutet ein starkes langsames Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmass zugleich“ (Max Weber).
Wenn man die heute aktuellen Themen mit Blick auf einige Jahrzehnte Schweizer Politik anschaut, könnte man auch sagen: „Nichts Neues unter der Sonne“.
Heute wird über die Privatisierung der Ruag-Rüstungsindustrie diskutiert. Es war in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts, als wir uns leidenschaftlich für die erste Waffenausfuhrinitiative engagierten. Leider wurde die Initiative in der Volksabstimmung knapp verworfen. Es folgten eine Reihe weiterer Initiativen und Vorstösse, ohne Erfolg…
1976 kam ein erstes eidgenössisches Raumplanungsgesetz vors Volk das die berühmte Mehrwertabschöpfung für Planungsgewinne vorsah. Ich habe mich in meiner ETH-Diplomarbeit und an verschiedenen Podien dafür engagiert. Das Gesetz ging leider bachab… In der Zwischenzeit haben verschiedene Kantone (u.a. Bern) immerhin fakultative Mehrwertabschöpfungen auf Gemeindeebene gesetzlich verankert. Aber heute höre ich im Radio, dass beispielsweise der Kanton Waadt argumentiert, man könne eine solche Neuerung (!) nicht so rasch einführen….
Agrarreform: In den 80er und 90er Jahren war die schweizerische Kleinbauernorganisation auf Kriegsfuss mit dem grossen Bauernverband. Mit gewonnenen Referenden gegen Zwangsabgaben, Milchwirtschaft- und Zuckerbeschluss konnten weitere Schritte in die falsche Richtung verhindert werden. Mit zwei Kleinbauerninitiativen „gegen Tierfabriken und für naturnahes Bauern“ sind wir leider gescheitert… Gleich ging es später der „Fair-food-Initiative. Nur ein Gentech-Moratorium ist heute (noch) in Kraft… Zum Glück für Tiere und Umwelt stehen demnächst die Trinkwasserinitiative und eine Pestizidverbotsinitiative zur Diskussion!

Berner Zeitung 1986
Ich habe mich immer leidenschaftlich für Europa und den Beitritt zur Europäischen Union engagiert. Die knapp verlorene EWR-Abstimmung 1991 hat leider die Schweiz zu einem europäischen Aussenseiter gemacht und einen beispiellosen Aufstieg der Rechtsnationalisten rund um ihren Oligarchen und Financier ermöglicht!
Die vielen Demos, Leserbriefe, Gutachten, Diskussionsabende, Initiativen, ja sogar Tschernobyl vor 33 Jahren, haben die Atomkraftwerke nicht beseitigt. Wenigsten wurden nicht noch mehrere neue Atommeiler gebaut. Mühleberg stillgelegt und die Energiewende eingeleitet hat aber erst die Atomkatastrophe von Fukushima!
Die Klimadiskussion hat eigentlich auch schon vor bald einem halben Jahrhundert begonnen: „Grenzen des Wachstums“, Initiative 12 autofreie Sonntage, Initiative Energie statt Arbeit besteuern usw.. waren weitsichtige Versuche, rechtzeitig vernünftig zu handeln. Ohne Erfolg!
Viele der Volksinitiativen in der Schweiz sind an der Urne gescheitert, weil grüne und linke Forderungen im Abstimmungskampf ungleich kürzere finanzielle Spiesse haben. Die verdeckte, intransparente Finanzierung der Politpropaganda ist inzwischen ein Hauptübel der schweizerischen direkten Demokratie geworden. Kein anderer westeuropäischer Staat lässt diese Art von Korruption so uneingeschränkt zu! Die anstehende Transparenzinitiative wäre ein Schritt in die richtige Richtung. Aber dafür muss die Initiative noch eine von den Gegnern millionenhoch finanzierte Volksabstimmung überstehen….
Abstimmungsempfehlung…
… für Auslandberner (gilt auch für Inlandberner!)

Ihr wisst ja:
dene wos guet geit
giengs besser
giengs dene besser
wos weniger guet geit
Es grünt so grün…
Die links-grünen Wahlerfolge in der Schweiz wecken Frühlingsgefühle!

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