Ferien auf dem Bauernhof in der Schweiz?

…entpuppt sich bei näherem Hinsehen als harte Jätarbeit durch osteuropäische LandarbeiterInnen! (Bild vergrössern!)

Pablo Neruda
Ich habe in den letzten Tagen die Memoiren von Pablo_Neruda „Ich bekenne ich habe gelebt“ wiedergelesen.
Ein beeindruckendes Leben!
Ich erinnere mich an den Film „Il Postino“, an die Kontroversen um seine Ode an Stalin, an den Streit um seine Todesursache und um den Missbrauch einer Frau. Pablo Neruda wurde 1971 mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet. Seine Dichtung hat oder hatte in Chile Kultstatus. Er wurde verehrt und gehasst.
„Die Jahre vergehen. Man verbraucht sich, gedeiht, leidet und geniesst. Die Jahre nehmen und bringen einem das Leben. Die Abschiede werden häufiger, die Freunde kommen ins Gefängnis, werden wieder entlassen, sie fahren nach Europa, kehren zurück oder sterben einfach“.
(Textauszug, diktiert kurz vor seinem Tode 1973)
Municipales

In Frankreich finden am 15. März Gemeindewahlen statt. In unserer kleinen Gemeinde Traversères steht ein siebenköpfiger Gemeinderat zur Wahl.
Da wir am Wahldatum abwesend sind, haben wir eine Stellvertretung (procuration) organisiert. Schliesslich glänzen die ländlichen Gemeinden hierzulande mit einer hervorragenden Stimmbeteiligung von über 80% und wir wollen diese Ziele hoch halten! Eine Stellvertretung für eine Abstimmung zu organisieren ist administrativ aufwendig. Man muss persönlich mit den notwendigen Ausweispapieren beim Hauptsitz der Police Nationale in der Hauptstadt des Départementes vorsprechen um die entsprechenden Formulare auszufüllen. Gesagt, getan… einer erfolgreichen Gemeinderats- und -präsidentenwahl steht nichts mehr im Wege!
Landwirtschafts-ABC
Unser Sohn Kilian hat ein ein sehr gutes und vielbeachtetes Interview zur gegenwärtigen, schweizerischen Agrarpolitik gegeben, das in verschiedenen Medien veröffentlicht wurde:
Mich hat erstaunt, wieviel Halb- und Unwissen über die Landwirtschaft in den rund 200 Kommentaren aufgetaucht ist. Auf die Gefahr hin, als Besserwisser oder Klugscheisser apostrophiert zu werden, erlaube ich mir dazu einige wenige Bemerkungen:
Genetisch hornlose Kühe sind nicht das Resultat, eines gentechnologischen Eingriffs in die Keimbahn gewisser Rinderrassen, sondern schlicht und einfach das Resultat einer jahrzehnte- oder gar jahrhundertalten Auslese (Auslese = Zucht) von hornlosen Tieren, die übrigens auch problemlos wieder tierzüchterisch rückgängig gemacht werden kann.
Pflanzliches Protein (=Eiweiss) lässt sich sehr wohl auf schweizer Biobetrieben anbauen. Ich habe damit im In- und Ausland 50jährige Praxiserfahrung! Grossflächiger Anbau von diversen Eiweisserbsen, Bohnen, Soja usw. für den menschlichen Konsum ist zukunftsträchtig und würde erlauben, mindestens zehn mal mehr Leute zu ernähren, als über den Umweg Tiermagen. Zudem brauchen Leguminosen (= Proteinpflanzen) keinen Stickstoffdünger und schonen damit unser Trinkwasser!
Bekanntlich lassen sich Milch und damit auch alle Milchprodukteproblemlos aus verschiedensten einheimischen Pflanzen herstellen (Sojamilch, Hafermilch usw.). Dabei ist auch eine nichtindustrielle, bäuerliche Produktion möglich!
Die Vorstellung einzelner Kommentatoren und Medienleute, Nebenerwerbsbetriebe in der Landwirtschaft seien unproduktiv und sollten zu Gunsten von grossflächigen Haupterwerbsbetrieben aufgegeben werden, ist Unsinn. Nur dank bäuerlicher Klein- und Mittelbetriebe kann in der Schweiz die Biodiversität einigermassen aufrecht erhalten bleiben. Industrielle Grossbetriebe bringen nur Nachteile: Massentierhaltung, Immissionen, Abwanderung aus dem ländlichen Raum, Verlust der bäuerlichen Dorfkultur.
Grossverteiler wie Migros, Coop, Aldi, Lidl usw. könnten mit ihrer Margengestaltung sehr wohl Einfluss nehmen auf den Absatz von Bioprodukten. Warum basiert die schöne Absatzwerbung ausschliesslich auf bäuerlichen (Bio)Betrieben, während die verkauften Produkte oft aus Massentierhaltung oder industrieller Gemüseproduktion stammen? Gesunde Bioprodukte sollten nicht das Privileg reicher Konsumenten bleiben.

Nägel mit Köpfen machen?
Parlamentarische Initiative
Risiko beim Einsatz von Pestiziden reduzieren
Aufgeschreckt durch die dramatischen Resultate der Trinkwasserqualität in der Schweiz und der anstehenden Abstimmung über die Trinkwasserinitiative hat die WAK des Ständerates einen Gesetzesentwurf in die Vernehmlassung gegeben, der die Pestizidrisiken reduzieren soll.
Auch wenn es verdienstvoll ist, dem lahmen Departement Parmelin in Sachen Umweltschutz etwas Beine zu machen, ist der Gesetzesentwurf ein Enttäuschung.
Das Problem wird nicht gelöst, sondern nur um sieben Jahre verschoben. Der sogenannte Absenkpfad für Pflanzenschutzmittel wird zwar mit einem umfangreichen Monitoring begleitet und es werden sogar Lenkungsbgaben in Aussicht gestellt, wenn bis 2027 (!) nicht merklich weniger Pestizide versprüht würden.
Wenn man den Gesetzesentwurf durchliest fällt auf, dass vorläufig keine direkten Massnahmen vorgesehen sind ausser einigen finanziellen Anreizen. Grundlage soll der Aktionsplan Pflanzenschutzmittel des Bundesrates bleiben mit den vielzitierten „51 Massnahmen“ (!).
Ich finde unter diesen 51 „Massnahmen“ nun wirklich nichts, das wirklich weiterhelfen würde. Wenn man in der bäuerlichen Praxis eine Umfrage macht, dann werden etwa folgende Massnahmen erwähnt:
– subventionierte Waschplätze für Spritzgeräte
– Anreizbeiträge für pflanzenschutzintensive Kulturen wie Obst, Reben und Zuckerrüben bei Verzicht auf gewisse Pestizide
– Beiträge zum Teil-Verzicht (!) auf Herbizide auf offene Ackerflächen
– Intensivierung der Forschung usw. usf. und viel viel „Paperasse“
Die EU ist in vielen Belangen in Sachen Pestizidreduktion viel weiter als die Schweiz. Hier in Frankreich wird beispielsweise für Pestizidspritzungen ein Sicherheitsabstand um bewohnte Gebäude von 50 m verlangt (ZNT, zone non traitement).
Zum Glück kann man in der Schweiz bald einmal über die Trinkwasserinitiative abstimmen!

Trinkwasserqualität
Vorläufig kann nur ein Ja zur Trinkwasserinitiative weiterhelfen!

Siehe dazu Bericht im Bieler Tagblatt!
Wileroltigen
Wileroltigen ist eine sehr kleine Gemeinde im Berner Seeland mit 372 Einwohnern. Kaum jemand kennt das kleine Dorf unweit der Autobahn. Einige Bauernhäuser und Eigenheime, keine Kirche, ein Friedhof und an der Gemeindegrenze ein kleiner Autobahnrastplatz.
Weil der Kanton Bern eben bei dieser Rasstätte einen Transitplatz für ausländische Fahrende errichten will, ist nun seit langer Zeit Feuer im Dach: die Gemeinde Wileroltigen will den Transitplatz nicht!
Weil gegen den Grossratsbeschluss das Referendum ergriffen wurde, wird nun am nächsten Abstimmungswochende im Kanton Bern entschieden. Die SVP ist gegen den Transitplatz, der Bernische Bauernverband und die meisten Parteien dafür.
Ich bin in Wileroltigen heimatberechtigt. Aber das ging auch nicht von selbst, ganz im Gegenteil. Einer meiner Vorfahren musste in einem höchstrichterlichen Verfahren Baumann gegen Wileroltigen die Heimatberechtigung 1733 (!) erkämpfen! Die ganze Geschichte hier: https://auswandererblog.ch/2012/04/03/familiengeschichte/
Ich wünsche mir, meine Heimatgemeinde zeigt sich einmal gegenüber den Fremden grosszügig und stimmt für den Transitplatz! Ich möchte auch einmal stolz sein auf meine Heimatgemeinde!

Bodenpreissteigerung 2000%
Ich habe 1973 in meiner ETH-Diplomarbeit die Bodenpreisentwicklung in der Gemeinde Spreitenbach untersucht und danach sogar im Tagesanzeiger Magazin publiziert (lange ist’s her…). Die Entwicklung dort, die sich in der Zwischenzeit in der Schweiz millionenfach wiederholt hat, war exemplarisch: explosionsartige Bodenpreissteigerungen, ohne Mehrwertabschöpfung durch die öffentliche Hand notabene, Baulandbauern die zu Millionären wurden und mit ihren Landkäufen andererorts dafür sorgten, dass auch landwirtschaftlicher Boden immer teuerer wurde! Weil es keine Vorkaufsrechte für die Gemeinden gibt, ging der sogennannte Agglomerationsgewinn nicht an die Allgemeinheit, sondern nur an die Baulandbauern und ihre Erben.
Alle Anstrengungen, auf Verfassungs- oder Gesetzesebene eine vernünftige Mehrwertabschöpfung zu erlassen, sind seither leider gescheitert (eidgenössisches Raumplanungsgesetz 1976, Stadt-Land Initiative, usw.) und die Bodenpreise steigen munter weiter. Kein Wunder, dass sich in der Schweiz nur eine Minderheit eine eigene Wohnung leisten kann. Hier in Frankreich wohnen immerhin 80% der Leute in eigenen vier Wänden!
Also höchste Zeit, mit einem Ja zur Wohnbauinitiative den Gemeinden ein Vorkaufsrecht auf Bauland einzuräumen, um wenigstens so der Baulandspekulation etwas entgegenzuhalten und den genossenschaftlichen Wohnungsbau überhaupt zu ermöglichen!
Übrigens, in Frankreich gibt es ein öffentliches Vorkaufsrecht der SAFER für Landwirtschaftsland. Folge: Ackerboden ist zehn mal (!) günstiger als in der Schweiz!

Die letzte Terroristin
Ich bin kein Krimifan. Aber mit dem Politikthriller von André Georgi habe ich eine Ausnahme gemacht. Es ist eine spannende Geschichte rund um die deutsche Treuhand, die dritte Generation der RAF und die dramatische Situation nach der Wende in Deutschland. Sehr gut geschrieben, spannend von der ersten bis zur letzten Seite! Sehr lesenswert!
https://www.suhrkamp.de/buecher/die_letzte_terroristin-andre_georgi_46780.html

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