Wenn die Natur explodiert
Zur Zeit kann man richtiggehend zuschauen wie alles wächst…
Ophrys lupercalis
„Trinkt, oh Augen, was die Wimper hält, von dem goldnen Überfluss der Welt!“ (Gottfried Keller)
C’est parti!
Stephanie hat gestern die erste Orchidee dieses Jahres entdeckt! Verglichen mit letztem Jahr haben die esten Blumen fast einen Monat Verspätung!
Ophrys lupercalis (braune Ragwurz)
L’ouverture de la Saison war 2009 am 17. Februar und 2008 am 20. Februar und jedes mal war es die genau gleiche Pflanze! Erstaunlich, nicht?
Orchideen-Geschichte
Orchidophile machen keinen Winterschlaf:
Zurzeit sind die Orchideen-Experten nicht mehr im Feld sondern vor ihrem Compi, wo sie ihre eigenen Bilder sichten und ordnen und im Internet die Diskussionsforen durchforsten nach interessanten Sujets. Einer dieser Experten ist dabei auf ein Blümlein gestossen, das bei uns wächst.
Im Mai fand Stephanie diese unbekannte Orchidee:

wir haben darüber berichtet
Damals wurde diese Blume von einem Orchideen-Kenner identifiziert als Hybrid zwischen A. Pyramidalis und Serapias vomeracea. Damit war für uns die Geschichte erledigt. Was wir damals nicht wussten: so etwas gibt es bisher gar nicht.
Inzwischen ist die Diskussion um diese Blume neu entfacht und heute wissen wir mehr: Ein ähnlicher Hybrid wurde zwar einmal beschrieben in der europäischen Orchideen-Litertur…… 1921! Damals noch ohne Foto, nur mit Zeichnung, und es ging um eine Kreuzung mit Serapias lingua. Eine Kreuzung mit Serapias vomeracea jedoch ist bis heute nicht bekannt. Ausser vielleicht jetzt eben hier…..? Wir warten mal ab, ob sich das Blümlein im Mai 2010 wieder zeigen will, damit es dann richtig in die Orchideen-Geschichte eingehen kann!
Ganze Diskussion zum Thema hier !
C’est reparti
Die Orchideen-Saison 2010 hat bereits begonnen. Hier eine Zusammenstellung aller Rosetten, die zurzeit bei uns zu finden sind. Blühen werden sie erst ab Ende Februar. Und viele Arten zeigen auch ihre Blätter erst ab Januar/Februar.
Orchideen-Rosetten
Die Vielfalt der Orchideen auf unserer Ferme ist einzigartig. Grund genug für Stephanie, im Laufe des Jahres nicht nur die einzelnen blühenden Spezies zu dokumentieren, sondern auch deren detaillierte Entwicklung von der unscheinbaren Rosette bis zur blühenden Pflanze.
Durch diese akribische Arbeit ist es nun in vielen Fällen möglich, eine Orchidee bereits im Rosettenstadium bestimmen zu können.
Die ganze wissenschaftliche Arbeit wird demnächst auch auf der Site der französischen Orchideenexperten publiziert (Orchideenforum). Hier eine kleine Übersicht:
Une fleur pour Marilyne
Unsere Nachbarin sagt, ich schulde ihr was, denn sie hat schon vor drei Wochen vermutet, dass der Transformer unser Internet-Problem verursache, was ich damals nicht glauben wollte.
Voilà Marilyne, une orchidée pour toi:
Wegen der Trockenheit konnte die Herbstwendelorchis im September nicht blühen und wir dachten schon, dass es für dieses Jahr vorbei sei mit der Orchideensaison. Aber oh Wunder – jetzt nach dem Regen kommt die Spiranthes spiralis doch noch raus:
Versteckt im hohen Gras kaum zu finden:
Spiranthes d’automne:
Orchideen – spektakulärer Fund
Richtige Orchideen-Freaks reisen von Frühling bis Herbst jedes Wochenende in ganz Europa herum, um jedes Jahr möglichst viele der etwa 100 mitteleuropäischen Orchideenarten zu sehen. Irgendwann haben sie alle „normalen“ Orchideen fotografiert und spezialisieren sich auf die Suche nach besonderen, abartigen Pflanzen: Farb- oder Formanomalien und Hybriden.
Wir haben vorläufig auch ohne zu reisen noch genug zu tun mit unsern 28 Orchideenarten auf 70ha. Aber natürlich halten auch wir hier bei uns immer Ausschau nach Besonderem. Vor zwei Jahren haben wir (das heisst Stephanie…) einen sogenannten Artbastard gefunden, und auch jetzt blüht er wieder (Monsieur Nelsonii).
Natürliche (nicht künstlich herbeigeführte) Kreuzungen treten am ehesten innerhalb der gleichen Gattung auf. Extrem selten sind Kreuzungen zwischen entfernten Gattungen. Es entstehen neue Blütenformen und -farben, bei welchen selbst Experten nicht auf Anhieb erkennen, wer nun wirklich die Eltern des Bastards sind.
Und Achtung! jetzt kommts: Wir fanden (natürlich Stephanie) eine uns unbekannte, auffällig gefärbte Orchidee und stellten das Bild in ein Internet-Forum, wo Orchidophile aus ganz Frankreich (aber auch aus Belgien, Deutschland, Spanien etc. … und der CH!) ihre Funde präsentieren und diskutieren. Die Reaktionen kamen umgehend: einhellige Begeisterung über diesen seltenen Fund aber keine eindeutige Identifikation. Doch einer dieser Spezialisten kündigte seinen Besuch für den nächsten Tag an. Und hier liegt er schon im Gras und fotografiert von allen Seiten:

Und hier die Schöne in ihrer ganzen Pracht:

Und die Meinung des Kenners, die bisher im Forum unwidersprochen blieb:
Es ist tatsächlich ein sehr seltener Gattungsbastard (welch schreckliche Bezeichnung für diese Schönheit). Weder in unserer Bibliothek noch im Netz fand sich eine ähnliche Blüte. Es gibt nicht mal einen Namen für sie, nur die technische Bezeichnung Anacamptis pyramidalis x Serapias vomeracea. Die einzigartige Farbe, ein knalliges Fuchsia-Rot, entstand wohl aus der Mischung von Rose-Lila und Bordeaux-Rot der Eltern, die je zu Hunderten auf dieser Wiese blühen.
Homme pendu
Wenn man die Orchideen homme pendu genau anschaut, sieht man wirklich die kleinen aufgehängten Männchen zappeln. Der unerschöpfliche Artenreichtum der Natur beflügelt die makaberen Phantasien der Menschen…
Eindeutig die schönsten…
…. Orchideenwiesen von ganz Frankreich befinden sich auf unserer Ferme La Oueyte.
Nicht weniger als 28 verschiedene, zum Teil ausgesprochen seltene Orchideenarten kann man bei uns bewundern. Sehen Sie selbst…
Prairie avec Orchis purpurea
Prairie avec Orchis laxiflora
Prairie avec Serapias





















leave a comment