Limpachtal
Für mich ist das Limpachtal zwischen dem bernischen Scheunenberg und dem solothurnischen Kräiligen eines der schönsten Landwirtschaftsgebiete der Schweiz. Wohlverstanden, es ist eine Kulturlandschaft, geprägt durch die Melioration in den Jahren 1939 bis 1951. Schöne Bauerndörfer, gute Ackerböden, (noch) wenig zersiedelt, keine Industrie, nur Kleingewerbe… eine Augenweide für einen Ackerbauern wie mich…
Klar, der Lipachkanal zur Entwässerung wurde in den 40er-Jahren des letzten Jahrhunderts mit einem Lineal in die Landschaft gelegt, wie man das heute glücklicherweise nicht mehr machen würde…
Heute würde man dem Gewässer mehr Raum gewähren und die ökologische Vernetzung stärker gewichten…
Das intensive Ackerbaugebiet hat auch zur Folge, dass der Limpachkanal heute (wie übrigens die meisten Gewässer in der Schweiz) stark mit Pestiziden belastet ist…
„Eine neue Studie zeigt: Schweizer Flüsse sind herber verschmutzt als bisher angenommen. Auch im Limpach gibt es einen wahren Pestizidcocktail. In Proben wurden 38 Herbizide, 22 Fungizide und 9 Insektizide gefunden…“
Ironie der Geschichte: Renaturiert wird der Ackerboden heute durch die Gestaltung eines grossen Golfplatzes mit Greens und Teichen und Hecken und Bäumen… und grossem Parkplatz für die teuren Offroader…
Von der Agrargesellschaft zur Freizeitgesellschaft….
Erinnerungen
Es war vor rund 60 Jahren, jedenfalls am 15. Februar und es war saukalt! Minus 10 oder 15 Grad Celsius, alles steinundbein gefroren. Ich war mit meinem Vater im Gärbi-Ischlag am holzen. Der Gärbi-Ischlag-Waud ist unsere steilste Waldparzelle oberhalb von Grossaffoltern, von wo man bei gute Fernsicht über das Dorf hinweg die ganze Alpenkette mit Eiger, Mönch und Jungfrau sieht. Mein Götti half uns, er war eben von Kanada heimgekehrt, wo er während zwei Jahren als Waldarbeiter beschäftigt war. Er hat mich mit seinen Art und Weise, wie er die grossen Fichten fällte, sehr beeindruckt. Zum Holzrücken arbeitete man noch mit den Freibergerpferden.
Am späteren Nachmittag erschien über dem Lyssbachtal, hinter dem Birchiwald eine dunkle Rauchsäule. Mein Vater reagierte sofort: „Äs brönnt, wahrscheinlich in Kosthofen!“ Mit dem Velo fuhr er sofort los, schliesslich war er damals Kommandant der dörflichen Feuerwehr. Mich schickte er zu Fuss nach hause um die Mutter zu benachrichtigen. Ich rannte voller Angst die zwei Kilometer zurück wie ein Marathonläufer! Inzwischen hörte man auch das Feuerwehrhorn, eine Sirene hatten wir damals noch nicht. Zusammen mit meiner Mutter durfte ich dem Vater die Feuerwehruniform bringen. Die Feuerwehruniform damals noch sehr schmuck (schwarz mit roten Abzeichen) und der Hut sah eher aus wie der von General de Gaulle!
Am Brandplatz brannte ein grosses Berner Bauernhaus lichterloh. Der Krach, verursacht durch die explosionsartig fortfliegenden Dachziegeln beeindruckte mich wahnsinnig! Die Kühe und Rinder konnten noch rechtzeitig ins Freie getrieben werden, einige Hühner und Schweine wurden aber ein Raub der Flammen. Der mächtige Dachstuhl brach bald einmal rotglühend und krachend zusammen. Die Feuerwehr konnte nur noch verhindern, dass das Feuer nicht auf benachbarte Liegenschaften übergriff. Weil es so furchtbar kalt war, vereiste das Löschwasser bald einmal zu einem eigentlichen Gletscher unterhalb der Ställe. Darum habe ich den 15. Februar nie mehr vergessen, auch nicht, dass Feuer auf einem Bauernhof immer gefährlich ist.
Am darauffolgenden Sonntag konnten wir mit den Eltern den Brandplatz besichtigen. In der Nische im Sitzofen waren noch die angekohlten Finken der Bauernkinder. Das und der strenge Brandgeruch in der Ruine haben sich in meinen Erinnerungen festgesetzt. Vater hat erzählt, dass die Hühner auf ihren Sädeln festgefroren waren und dass man sie wie Eisblöcke wegschlagen musste. Dass sie allerdings nach dem Auftauen wieder gegackert haben ist wahrscheinlich eine Legende die erst im Laufe der Zeit weitererzählt wurde.
Der alte Bauernhofbrunnen von 1886 steht heute noch. Daneben wurde ein neues Bauernhaus errichtet, in dem heute allerdings auch nicht mehr gebauert wird.
Betriebshelfer
Kilian hat den Daumen gebrochen und trägt nun die Hand im Gips, so dass ein Betriebshelfer-Einsatz in der Schweiz unumgänglich wurde. Grosselterndieste sind gefragt. Seit gestern sind wir nun für einige Wochen als Betriebshelfer und Babysitter auf der Inselmatt beschäftigt. Europäische Zusammenarbeit nennen wir das…
Mutterkühe wollen gefüttert werden, der französische Ackerbaubetrieb kann warten.
Sanglierbraten
Die Jäger von der Société de chasse de Traversères haben uns einen Viertel von einem Wildschwein gebracht. Das ist hier so üblich: jeweils etwa zwanzig Prozent der Jagdbeute werden an die örtlichen Bauern verteilt. Als Entgelt dafür, dass man sie auf seinen Feldern und Wäldern jagen lässt. Das französische Recht sieht nämlich vor, dass der Grundeigentümer selber darüber entscheidet ob, und wer auf seinem Grund und Boden jagen darf. Daneben gibt es natürlich auch die zeitlichen Einschränkungen, die je nach Wildart von der Regierung unterschiedlich festgelegt werden.
In den letzten Jahren haben wir gezwungenermassen selber gelernt, wie ein Wildschwein oder Reh ausgemetzget wird. Keine leichte Sache…
Der Wildschweinbestand nimmt hier in der Gegend (wie übrigens ja auch in der Schweiz) laufend zu, ganz im Gegensatz zu den aktiven Jägern: die dörflichen Jagdgesellschaften haben Nachwuchsprobleme.
Das führt dazu, dass die durch die Sangliers verursachten Schäden an den Kulturen zunehmen. Wie wir heute morgen festgestellt haben, hatten wir offensichtlich trotz dem Wildschweinbraten (oder gerade wegen… 😉 ) wieder nächtlichen Besuch….
Harziger Heuhandel
Zugegeben, es hat nichts mit dem hohen Frankenkurs zu tun, aber dennoch ist es mühsam. Ich versuche immer noch die verbleibenden Heuballen zu verkaufen bzw. zu verschenken. Hin und wieder kann ich am Wochenende einige Rundballen meines Luzerne- bzw. Oekoheus an befreundete Pferde- und Schafhalter liefern. Dabei gab es Jahre wo der „Heukurs pro Tonne“ über 150 Euros war. Jetzt ist er zwischen null und vierzig, Lieferung inbegriffen! Das isch haut buuret!























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