AUSWANDERERBLOG

Politik aus der Besenkammer

Posted in Politik by ruedibaumann on Dezember 13, 2007

Endlich darf ich wieder einmal richtig stolz sein auf die Schweiz! Das Ansehen und das Image dieses Landes ist mit dieser phantastischen Politkorrektur wieder hergestellt!

Ich erwarte nun, dass sich die vernünftigen Mitglieder der Schweizerischen Volkspartei von dem Führer aus der Besenkammer klar und deutlich distanzieren und sich hinter ihre zwei gewählten Bundesräte Evelyne Widmer-Schlumpf und Samuel Schmid stellen.

Ich freue mich auf die Oppositionspolitik der Schweizerischen Volkspartei. Die Drohungen und Vorwürfe des abgewählten Bundesrates lassen allerdings vermuten, dass dabei nicht die Interessen des Landes, sondern die Rache des Gedemütigten im Vordergrund stehen wird.

Der diktatorische Alleskleinhacker wurde demokratisch abgewählt. Seine Erklärungen vor dem Parlament haben allen gezeigt, dass er kein staatsmännisches Profil hat.

Ein guter Tag für die Schweiz!

„Suisse : le leader de la droite populiste évincé
La Suisse a choisi hier de rompre avec près d’un demi-siècle de consensus droite-gauche. Les parlementaires ont écarté Christoph Blocher, ministre de la justice et leader de la droite populiste, du gouvernement de coalition. Son parti, l’Union démocratique du centre (UDC), est la première formation du pays, avec 29 % des voix lors des élections fédérales du 21 octobre. L’une des affiches de campagne stigmatisait alors les „moutons noirs étrangers“. Mme Widmer-Schlumpf, une autre membre de l’UDC, a été préférée à Blocher. Après un délai de 24 heures, elle a accepté ce matin le mandat au Conseil fédéral.“
Le Monde électronique

Hurahhhhh!

Posted in Politik by ruedibaumann on Dezember 12, 2007

Der schweizerische Duce ist abgewählt!

Frankreich feiert mit (Le Monde)!

Liberté, Egalité, Fraternité, Laicitée

Posted in Von Tag zu Tag by ruedibaumann on Dezember 12, 2007

Wer den Auswandererblog regelmässig liest, weiss, dass wir seit August diesen Jahres Française et Français sind. Gestern abend wurden nun noch alle neu Eingebürgerten für eine kleine Feier in die Prefecture du Gers in Auch eingeladen. Etwa dreissig, vierzig Leuten, jungen und alten, aus allen Kontinenten stammend, wurde in einer sympathischen Feier vom Prefet die décrets de naturalisation ausgehändigt.
Beim anschliessenden Apéro erfahren wir vom Prefet, dass er schweizerische Vorfahren hat, ein neu eingebürgerter Amerikaner erkundigt sich nach den fremdenfeindlichen Schafplakaten in der Schweiz (!) und mit einem Marokkaner stossen wir auf unsere neue Staatsbürgerschaft an.
Wir sind stolz, nun fille und fils de la République zu sein. Damit sind wir endlich auch Mitglied der europäischen Union mit den Grundrechten in 27 europäischen Staaten.

Prefecture du Gers

Bodenpreise

Posted in Agrikultur by ruedibaumann on Dezember 11, 2007

Eine kleine Recherche des Auswanderers bei Bauernkollegen hat ergeben, dass die landwirtschaftlichen Bodenpreise weltweit steigen. Eigentlich nicht erstaunlich bei der zunehmenden Verknappung der Nahrungsmittelflächen. Einsamer Spitzenreiter bei den Bodenpreisen für Agrarflächen ist die Schweiz! Natürlich gibt es innerhalb der einzelnen Länder auch noch sehr grosse Unterschiede.

Land Preis pro ha Ackerland

Schweiz 60’000 €
Frankreich 6’000 €
Argentinien 5’000 – 7’000 €
Kanada (Alberta) 1’500 – 6000 €
Australien (West) 2’500 €
Ukraine 1’500 €
Rumänien 200 – 1000 €

In den Oststaaten (Ukraine, Rumänien) ist der Kauf von Agrarland schwierig, so dass die pachtweise Bewirtschaftung im Vordergrund steht.
Entsprechend gibt es auch bei den Pachtzinsen grosse Unterschiede (Schweiz 1000 €/ha, Ukraine 30 €/ha). Die staatlichen Regelungen und Kontrollen im Boden- und Pachtlandmarkt werden sowohl in der Schweiz wie in vielen anderen Staaten umgangen.

Ackerland 6000 €|ha

Orchidophilie

Posted in Orchideen by ruedibaumann on Dezember 10, 2007

Ophrys aranifera/sphegodes

Es ist lange her, dass hier etwas über Orchideen zu lesen war, denn die schlafen zurzeit europaweit. Besser gesagt: sie bereiten sich in aller Stille vor für die nächste Saison. Und genau so halten es auch die Orchidofiles: Alle ordnen ihre Fotos, die sie während der letzten période floraison geknippst haben, und die Experten schreiben ihre wissenschaftlichen Artikel (Beispiel hierzu folgt). Und an verregneten Wochenenden treffen sich Laien und Experten auf diversen Internet-Foren zum Austausch ihrer Fragen/Erfahrungen/Meinungen. Diesmal ging es in über 30 mails um die Frage, ob wir die Spinnenragwurz unter dem Namen Ophrys sphegodes (gem. Miller) oder doch eher unter Ophrys aranifera (gem. Hudson) in unseren Dossiers führen sollen. Meine stundenlange Analyse aller mails sowie eine kleine Internet-Recherche hat ergeben, dass sich
1. die Experten in Frankreich nicht einig sind und
2. die Experten in Europa noch weniger.

Und so hab ich entschieden, meine bisherigen Sphegodes umzutaufen in Araniferas, was mir die Mehrheitsmeinung in Frankreich zu sein scheint, und auch weil es einfacher zu schreiben ist, und auch weil die Orchideenfreunde im Gers seit ein paar Monaten diesen Namen benutzen…… Der kleine Haken dabei ist nur, dass ich mit dieser Benennung nicht mehr kompatibel bin mit diversen deutschen und schweizerischen Orchideen-Clubs. Ich werde es überleben.
(= Gastbeitrag von Stephanie, wie immer, wenn es um Orchideen geht)

Und am Schluss noch dies: …Montag ist’s!

Die Qual der Wahl

Posted in Diverses by ruedibaumann on Dezember 9, 2007

Manchmal habe ich Mühe mich für ein Thema zu entscheiden. Wenn ich über die Bundesratswahlen schreibe (ich weiss immer sehr genau, wen ich nicht wählen würde), bekomme ich jeweils viele böse Mails und Kommentare. Ich könnte über das neue Buch von Ségolène Royal schreiben. Zwar habe ich es nicht gelesen, aber das spielt keine Rolle.
Ich könnte, animiert durch den Roadblog subergwest etwas über meinen Amerikaaufenthalt vor 13 Jahren berichten. Oder wegen der endlosen, traurigen Geschichte um die FARC-Gefangene Ingrid Betancourt in Kolumbien über meine Erfahrungen in diesem Land. Oder über die Bauernorganisationen und -gewerkschaften in Frankreich, die sich nun um das von Sarkozy angekündigte Oekologisierungsprogramm streiten. Der Stadtwanderer hat mit seinem Beitrag über die persönlichen Schlüsselerlebnisse von PolitikerInnen auch uns angeregt, selber darüber nachzudenken, durch was wir politisiert wurden.

Aber wenn der heftige Dezembersturm vor dem Fenster anhält, sollte ich mich wohl besser wieder der unmittlebaren Umgebung zuwenden…

Steine

Posted in Patrimoine et architectures by ruedibaumann on Dezember 8, 2007

Das sind nicht schweizerische Panzersperren und auch nicht Steine die uns jemand in den Weg gelegt hätte, sondern Zeugnisse meiner unermüdlichen künstlerischen Tätigkeit. Die Werke können an Ort besichtigt werden und sind auch verkäuflich (grosser Steinhaufen 4657.31 €, kleiner Steinhaufen 1377.56 €). Transport muss selber organisiert werden.

Landart, La Oueyte, 2007

Gemeindewahlen

Posted in Politik by ruedibaumann on Dezember 7, 2007

Gestern haben wir uns auf die Wählerlisten für die Gemeindewahlen (Municipales) eingetragen. Diese finden in ganz Frankreich am gleichen Datum im März 08 statt. Landauf und landab werden nun durch die politischen Parteien die KandidatInnen nominiert. In Traversères und in zahlreichen anderen kleinen Gemeinden gibt es keine politischen Parteien. Das ist auch gar nicht nötig, schliesslich kennt man sich ja.
Anders in der hohen Politik. Zwei Drittel der gegenwärtigen Regierungsmitglieder in Paris wollen sich irgendwo im Land als Stadtpräsident oder als Gemeinderat bewerben. Nicht etwa weil ihnen der Ministerposten nicht gefällt, sondern um zusätzliches politisches Gewicht zu erlangen. Cumul des mandats heisst das hier und ist oder war zumindest lange Zeit für alle Politgrössen gang und gäbe. Nur so bleibe man im Volk verankert heisst es etwa.

Das wäre etwa so, wenn Blocher neben dem Bundesratjob noch Gemeinderat in Ems und (offizieller) SVP-Präsident werden möchte, Sami Schmid in Biel auf einer Gemeineratsliste gegen Autopartei-Scherrer antreten und Moritz Leuenberger in Rohrbachgraben kandidieren würde….
Ämterkumulation gibt es auch in der Schweiz, aber dazu ein andermal mehr….

Zum Kotzen

Posted in Politik by ruedibaumann on Dezember 6, 2007

Zwei alte, kleine dickliche Herren thronen im Bundeshaus unter dem Holzfällerbild von Hodler und philosophieren darüber, wie man mit dem Schweizer Militärmesser die übrigen, allesamt unfähigen Bundesräte eliminieren könnte. Der eine, durchgeknallter pensionierter Pfarrer und alt-Gemeindepräsident sieht sich als militärischer Stratege und Feldherr, der mit Hilfe von Panzern und Artillerie den Saustall Bundeshaus ausmisten will. Der Andere, sein kleiner Bruder, unappetitlicher Justizminister der sich um Gewaltentrennung foutiert, droht überheblich mit grossem Mais und einem Volksaufstand, falls er, der Beste, nicht wieder in den Bundesrat gewählt werden sollte. Er würde dann soviele Millionen in die SVP pumpen, dass den Schweizern Hören und Sehen vergingen… (Sendung Reporter, SF1, 5.12.2007)

Video

Reporter

Was zum Teufel ist mit diesem Land Schweiz los, das sich solchen Leuten anvertraut?
Unerträglich der Gedanke für alle Auslandschweizer, dass ein fremdenfeindlicher, Hass und Neid schürender Prolet 2009 Bundespräsident werden soll. Will das neue Parlament wirklich das Ansehen unseres Landes aktiv zu Grunde richten?! Ich kann es nicht anders sagen: Ich finde das zum Kotzen!

Bürki in 24heures

Bürki, 24heures

Zahltag

Posted in Agrikultur by ruedibaumann on Dezember 5, 2007

Michel Barnier, Ministre de l’Agriculture, hat mir einen mit „Personnelle“ überschriebenen Brief geschrieben. Nicht nur mir, auch 500 000 anderen Bauern de la France. Es geht um die europäischen Paiements, die Direktzahlungen der EU. Er hat mir für das Jahr 2007 total 12’639.31 €uros auf unser Konto überwiesen. Ich habe mich natürlich sofort artig bedankt und ihn gebeten, meinen Dank auch nach Bruxelles weiterzuleiten.
Aufgeteilt auf unsere 70 Hektaren landwirtschaftliche Nutzfläche macht das stolze 180 €uro pro Hektare. Nicht schlecht. Wir sind zufrieden.

Frankreich har zwar eine etwas eigenartige Verteilung der EU-Zahlungen gewählt. Der Hektaransatz wurde auf Grund lange zurückliegender Anbaujahre festgelegt. Dabei wurde beispielsweise für intensiven, bewässerten Maisanbau viel höhere Beiträge festgelegt als für Grasland. DPU (Droits de Paiement Unique) heisst das hier. Das hat dazu geführt, dass unabhängig von der heutigen Bewirtschaftung sehr unterschiedliche Flächenbeiträge ausgerichtet werden. So kann es vorkommen, dass einzelne Glückspilze schon mal 400 €uros oder mehr pro Hektare erhalten, und andere weniger als Hundert oder gar nichts.

Nun, in der Schweiz würden wir für einen vergleichbaren Betrieb nicht wie hier 20’000 Franken, sondern mindestens 100’000 Franken erhalten. Aber in der Schweiz wären wir Grossbauern, und die werden immer privilegiert….

Ministre de l’Agriculture et de la Pêche