AUSWANDERERBLOG

Charakterfrage

Posted in Politik by ruedibaumann on Dezember 16, 2007

So unterschiedlich können Bundesratsreden nach einer Abwahl ausfallen…. Urteilen Sie selbst:

Metzler-Arnold Ruth, Bundesrätin:
„Herr Nationalratspräsident, Herr Ständeratspräsident, meine sehr verehrten Damen und Herren National- und Ständeräte, Sie haben im Sinne der Konkordanz entschieden, anstelle von zwei CVP-Vertretern zwei SVP-Vertreter in den Bundesrat zu wählen. Die CVP soll weiterhin mit Herrn Bundesrat Joseph Deiss vertreten sein. Ich akzeptiere diesen demokratischen Entscheid und stehe für weitere Wahlgänge nicht mehr zur Verfügung. _Vor fast fünf Jahren haben Sie mir die Chance gegeben, eine der höchsten Aufgaben in unserem Staat wahrzunehmen. Diese Aufgabe war faszinierend, und ich habe mich voller Elan und voller Freude dafür eingesetzt. Sie haben mir die Möglichkeit gegeben, bereits im jungen Alter wichtige und anspruchsvolle Herausforderungen in unserem Staat anzugehen. Dazu gehörte auch die Befriedigung, zahlreiche Volksabstimmungen zu gewinnen. Es schmerzt mich, dass dies nun nach fast fünf Jahren zu Ende geht; allzu gerne hätte ich meine Aufgabe weiter wahrgenommen, und ich wäre auch allzu gerne bereit gewesen, das Präsidialjahr zu erfüllen. _Sie haben heute anders entschieden. Nach wochenlangen öffentlichen Diskussionen und Konfrontationen wünsche ich, dass der Weg frei ist für eine konstruktive Zusammenarbeit in der Bundesversammlung und mit dem neuen Bundesrat. Der Geist der Konkordanz, der in den vergangenen Wochen arg strapaziert worden ist, soll neu aufleben und für die Lösung der schwierigen Fragen der Zukunft wegweisend sein. _Ich gehe ohne Verbitterung, mit einer reichen Erfahrung, die mich auch in Zukunft begleiten wird. Ich habe immer gewusst: Es gibt ein Leben nach dem Bundesrat. Dass es bereits jetzt beginnt, hätte ich mir nicht gewünscht. _Ich möchte noch danken, allen voran meinem Mann Lukas, meiner Familie und meinen Freunden, vor allem aber auch meinen politischen Wegbegleitern, die mich insbesondere in den letzten Wochen begleitet haben. Ich danke der Bundesversammlung, die mir ermöglicht hat, während fast fünf Jahren in dieser Funktion zu wirken.“ (Stehende Ovation)

Blocher Christoph, Bundesrat:
„Vor vier Jahren wurde ich von diesem Parlament zum Bundesrat gewählt. Ich habe die damalige Wahl als Auftrag angenommen und mich mit ganzer Kraft und nach bestem Wissen und Gewissen in den Dienst für unser Land und unser Volk gestellt. Die Bilanz meines Schaffens lege ich nicht hier vor; ich werde es dann am 28. Dezember tun. Heute haben Sie mich wieder aus diesem Amt entfernt – durch eine Wahl und vor allem durch eine Nichtwahl, ohne eigentlich zu sagen, was der Hintergrund ist. _Für mich ist klar – und das ist das Schöne in diesem Land -: Das Parlament kann zwar Leute aus der Regierung entfernen, aber nicht aus der Politik und nicht aus dem politischen Schaffen im Lande. (Teilweiser Beifall) _Ich schwanke zwischen Erleichterung und Enttäuschung und Empörung; das werden Sie verstehen. Warum Empörung? Eigentlich weniger, weil Sie einen anderen Bundesrat gewählt haben, als darüber, wie Sie es getan haben. Erleichterung, weil ich von jetzt an – ich muss es zuerst noch etwas lernen – wieder sagen kann, was ich denke, und weil ich in Zukunft über Dinge reden kann, die mir eigentlich unter den an sich guten Titeln wie Kollegialität, Konkordanz usw. verboten wurden, auch wenn sie eigentlich nicht hätten verboten werden sollen. Das ist der Vorteil, dass jetzt über alles gesprochen werden kann. Der gestrige Tag hat mir die Notwendigkeit gezeigt, dass es so sein muss. _Was habe ich in den letzten Monaten nicht alles gehört – ich spreche hier vor allem die CVP an: Konkordanz – fast ein heiliger Tempel; Toleranz – die grösste Tugend; Kollegialität – bis zur Selbstverleugnung; Amtsgeheimnis – sehr oft, um viel Dreck und Dinge zuzudecken, die niemand sehen durfte. All das aufzudecken ist in der Opposition – „Opposition“ kommt ja von „opponere“, „ponere“ heisst „legen“, „ob“ heisst „entgegen“, „opponere“ bedeutet also „entgegenlegen“ – jetzt möglich, sofern es nach dem gestrigen Tag noch nötig ist. _Leistungsausweis, Volkswillen, Volkswohl – das war auf keinen Fall das Motiv dieser Wahl, sondern es sollte etwas unterdrückt werden. _So scheide ich hier aus dieser Regierung aus, aber nicht aus der Politik. All die besorgten Briefe, die ich gestern und in dieser Nacht bekommen habe und in denen befürchtet wurde, ich verlasse jetzt die Politik und ziehe mich irgendwo an die Riviera zurück – da macht man die Rechnung mit dem Falschen! Ich werde mich voll und ganz in den Dienst der Politik stellen – ausserhalb der Regierung. (Teilweiser Beifall) _Was daraus wird, werden wir sehen. Vielleicht wird es ja dazu führen, dass die Regierung und, möchte ich sagen, vor allem auch das Parlament das Richtige tun, weil sie Angst haben, es würde sonst durch eine gute Opposition aufgedeckt. Das wäre ja das Allerbeste. _Sie begnügen sich heute mit einer Regierung aus drei Parteien und mit zwei Vertretern, die nicht mehr Mitglied einer Fraktion sind. Ich wünsche Ihnen dabei sehr viel Glück, und ich kann diejenigen, die Angst haben, ich scheide aus, beruhigen – ich scheide nicht aus -, aber meine Gegner auch entsprechend beunruhigen!“ (Stehende Ovation der SVP-Fraktion)

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  1. Avatar von stadtwanderer stadtwanderer said, on Dezember 16, 2007 at 1:37 pm

    Bravo, fein beobachtet. Ich hatte die gleiche Absicht, war aber nicht so geschickt.Ich werde diese beiden Zeitdokumente bewerben!

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  2. Avatar von Unbekannt Kohler Martin said, on Dezember 16, 2007 at 2:56 pm

    Meinen denn zwei Leute (Maurer und Blocher) sie können die ganze Schweiz nach ihrem Willen regieren? Wenn sie das in der SVP machen können sind diese manipulierbaren Mitglieder der Partei selber schuld. Jeder darf schliesslich selber sagen und vorallem denken was er will. Demokratie ist anders als Diktatur. Sollen die beiden beleidigten und ach so sehr enttäuschten Politiker sich weiter in der Partei austoben, aber bitte lasst die normalen Schweizer damit in Ruhe. Was im Moment abläuft zeugt vom Stande dieser Partei und kann in meinen Augen nur als Kindergartengetue abgetan werden. Die Schweizer haben in den Parlamentswahlen der „Regierungspartei SVP“ die Stimme gegeben und nicht einer gesichtsverziehenden und quängelnden Oppositionspartei. Sorry nicht die Schweizer haben das so gewollt, nur knapp 30%. Die anderen haben auf bewährte Politik gesetzt. Ich hoffe es hat in der SVP Fraktion noch so starke Köpfe, damit die beiden Parteidiktatoren wieder auf den Boden der Schweizer Politik gebracht werden.

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  3. Avatar von Unbekannt RB said, on Dezember 16, 2007 at 5:22 pm

    @stadtwandererDanke für den Applaus! Die idee ist von Stephanie, nicht von mir. Frauen sind eben immer geschickter!AmicalementRuedi Baumann

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  4. Avatar von Unbekannt zer said, on Dezember 17, 2007 at 12:48 pm

    Blocher Christoph, Bundesrat:“Vor vier Jahren wurde ich von diesem Parlament zum Bundesrat gewählt. Ich habe die damalige Wahl als Auftrag angenommen und mich mit ganzer Kraft…Meine Erinnerung sagt mir eher etwas in der Stimmung von..:“Jetzt wählt Ihr mich – oder ich mache Euch die Hölle heiss..!

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  5. Avatar von Unbekannt würmchen said, on Dezember 17, 2007 at 2:51 pm

    unsere kinder haben schon im vorfeld ganz treffend gesagt: wie kleine kinder! und das sind erwachsene die unser land (mit-)regieren! wenn es denn jetzt zu einer spaltung käme, ja dann werden wir sehen wie die wahren gesichter dieser vier regenten in der svp wirklich sind!

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